ADHM/AdH/Kat. 003
▶Zum Verständnis von (1)–(4) ist esgut, Satztypen aufzuführen, mit denen er gearbeitet haben könnte:
(1) Sokrates ist ein Mensch.
(2) Die Seele (des Sokrates z. B.) ist Grammatik (i. S. v. »Schriftkunde«)
(3) Grammatik ist ein Wissen.
(4) Wissen (Grammatik etc.) ist Sokrates.
Man sieht gleich, (1) und (3) ergeben einen Sinn, »gehen« also, die anderen nicht. Eine logische Analyse der Sätze zeigt, warum das so ist:
(1) hat die Form: Art (I1-n) → a I(A), erfüllt also die Voraussetzungen, daß (a) der Prädikatsbegriff umfassender ist als der Subjektsbegriff, also Subsumption, (b) die Kategorie beider Begriffe die gleiche ist, Substanz.
(2) ist zu beschreiben mit: Art (W) → e Ind. (L), also, die Prädikatsbestimmung gehört einer anderen Kategorie an (Quantität, Relation) als die Subjektsbestimmung (Substanz). Dieser Fall kann dann zu einer sinnvollen Aussage werden, wenn die Prädikatsbestimmung paronym gesetzt wird:
Wenn »die Seele (des Sokrates) schriftkundig ist«, dann kann Sokrates lesen.
(3) hat die Form: Gattung (A1-n) → a Art (G); die Bedingungen von (1) sind wieder erfüllt, mit dem Unterschied, daß als Subjekt eine »Zweite Substanz« steht, also etwas Allgemeines, das in physischer Realität nicht begegnet, also eine erste Substanz braucht, um an ihr auftreten zu können.
(4) bedeutet: Indiv. (S) → e Subjekt(n' belebig). Daß dies nicht gehen kann, liegt auf der Hand: Ein Individuum kann von nichts anderem ausgesagt werden, von anderen Individuen nicht, weil das keinen Sinn ergibt, von Art- und Gattungsbegriffen nicht, weil der konkretere Begriff den allgemeineren durch seinen Datenreichtum unerlaubt einengen würde, andererseits diesem alles das nähme, was er über dies Individuum hinaus doch auch noch enthält. Es gibt nur einen Grenzfall, die Identifikation oder auch Tautologie; den Satz »dies ist Sokrates« kann man (a) sinnvoll verwenden in einer alltäglichen Vorstellungssituation, der anwesende Dritte weiß dann, wer dieser Mann ist; (b) sophistisch: Mit künstlicher Unkenntlichkeit und deren »Enthüllung« zu einem Widerspruch arbeitet der Trugschluß mit Namen »Der Verhüllte«; (c) wissenschaftlich: Stünde zunächst auf der Subjektsseite »Sokrates« und würden auf der Prädikatsseite alle von ihm geltenden Aussagen versammelt, so würde der Prädikatenbereich kongruent mit dem Subjekt, und dann könnte man den Satz konvertieren: Die Summe der hier exhaurierend vereinten Merkmale, das ist Sokrates, – wenn dies je möglich wäre.