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AhdWbGK/Kurze Einführung in das Althochdeutsche D. Konsonanten

aus AufEinWort, der freien Forschung

Das Althochdeutsche unterscheidet sich von allen übrigen vom Germanischen abstammenden (d.h. germanistischen) Sprachen durch die sog. althochdeutsche Lautverschiebung von t, p, k (zu tz bzw. zz, pf bzw. ff und [altoberdeutsch] kh bzw. hh), die zeitlich-räumlich verschieden schnell und weit verläuft.

I. Germanische stimmlose Reibelaute (f, þ, h, s)

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germ. f ahd. fater Vater (germ. *fadar)
germ. þ ahd. drī drei (germ. *þreijiz)
germ. h ahd. hunt Hund (germ. *hundaz)
germ. h ahd. hefen heben (germ. *hafjan)
germ. h ahd. wer wer (germ. *hwē)
germ. s s. IV

Das inlautende germanische f wird vielfach althochdeutsch u geschrieben.

Das germanische h wird im Wort- und Silbenanlaut vom Reibelaut zum Hauchlaut.

Vor Konsonanten geht h im Anlaut verloren.

Das germanische þ wird zeitlich am frühesten im Altbayerischen (6. Jh.?) und am spätesten im Altmittelfränkischen (10./11. Jh.) zu d.

II. Germanische stimmhafte Reiblaute (ƀ, đ, ǥ, z)

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germ. ƀ b ahd. beran (aobd. p) tragen (germ. *ƀeran)
germ. ƀ b ahd. geban geben (germ. *ǥeban)
germ. đ d ahd. tura (amfrk./arhfrk. d) Türe (germ. *đ,ura)
germ. ǥ g ahd. gast (aobd. k) Gast (germ. *ǥastiz)
germ. ǥ g ahd. singan singen (germ. *senǥwan)
germ. ǥ g ahd. tragan tragen (germ. *draǥan)
germ. z s. IV

III. Germanische stimmlose Verschlußlaute (p, t, k)

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germ. p ahd. pfending Pfennig (germ. *reipan)
germ. t ahd. zūn Zaun (germ. *tūna-)
germ. k ahd. kiosan (aobd. ch-) versuchen (germ. *keusan)
germ. k ahd. ouhhōn vermehren (germ. *aukan)
germ. kw ahd. kweman kommen (germ. *kweman)

Nicht verschoben wird p in der Verbindung mit s (sp). Anlautendes germanisches p, inlautendes pp und mp bleiben altmittel- und altrheinfränkisch unverschoben. Das verschobene p wird als pf (oder ph) geschrieben.

Ein k wird allgemein in der Verbindung s-k nicht verschoben (- doch wird noch im Althochdeutschen lautlich s-k zum palatalen stimmlosen Spiranten sch -). Im Anlaut sowie inlautend bei Gemination und nach l, r, n wird es im Altfränkischen nicht verschoben. K wird vielfach als c geschrieben, hh vielfach als ch.

Germanisch t wird zu z (tz), (zz) verschoben (im Wortanlaut und im Wortinlaut nach Konsonant zur dentalen Affrikata z (tz), zz, sonst zum dentalen Spiranten (zz). Ausgenommen von dieser Verschiebung werden tr, st, ht und ft.

IV. Germanischer stimmloser Reibelaut s

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ahd. sibun sieben (germ. *sebun
ahd. ast Ast (germ. *astaz)

Das germanische stimmhafte s (z) wird zu r und schwindet im Auslaut überhaupt.

V. Sonorlaute

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m ahd. muoter Mutter (germ. *mōder)
n ahd. niuwi neu (germ. *neujaz)
r ahd. rōt rot (germ. *raudaz)
l ahd. lahs Lachs (germ. *lahsaz)

Das auslautende m geht im 9. Jahrhundert in n über. Im Inlaut ist die Zahl der althochdeutschen r durch den Übergang des germanischen (stimmhaften) z in r stark vermehrt (z.B. germ. maizan mehr, ahd. mēro mehr).

VI. Halbvokale

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1. Germanisch w bleibt im Althochdeutschen weitgehend erhalten.

w ahd. waltan walten (germ. *waldan)

Es wird im Althochdeutschen als u oder uu geschrieben. Im Anlaut ist es vor allen Vokalen erhalten, vor r und l aber verloren. Inlautendes w wird am Auslaut eines Wortes oder einer Silbe zu o (z.B. ahd. garo bereit, garawen bereiten).

2. Germanisch j bleibt im Althochdeutschen im Anlaut erhalten.

j ahd. jõr Jahr (germ. *jÐram)

Es wird im Althochdeutschen als i geschrieben, also vom Vokal i graphisch nicht geschieden. Im Inlaut ist es nach Vokalen nicht selten (z.B. fÆjant Feind). Nach Konsonanten verliert es sich im 9. Jahrhundert weitgehend (anders z.B. nach kurzem Vokal und r wie z.B. nerien).

VII. Kombinatorischer Lautwandel

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J, w, r, l, n (und m) rufen schon im Westgermanischen Verdoppelung (Gemination) eines unmittelbar vorangehenden Konsonanten hervor:

z.B. ahd dritto dritte (germ. *þridjan), ahd. willo Wille (germ. *wiljan).

Darüber hinaus entstehen durch die althochdeutsche Lautverschiebung aus einfachen inlautenden t, p, k die Doppelspiranten zz, ff, hh (z.B. ahd. ezzan essen, ahd. offan offen, ahd. mahhōn machen), welche nach kurzem Vokal bestehen bleiben, nach langem Vokal später aber vielfach wieder vereinfacht werden (z.B. ahd. slāfan schlafen).

Verdoppelung eines Konsonanten kann außerdem durch Assimilation an l, r, m, n entstehen.

Sog. grammatischer Wechsel (germanisch stimmloser Reibelaute in stimmhafter Umgebung zu stimmhaften Reibelauten) findet sich im Althochdeutschen zwischen d und t, f und b, h und g sowie s und r (z.B. ahd. kiosan wählen, aber gikoran gewählt, snīdan schneiden, aber gisnitan geschnitten).

Hieraus ergibt sich insgesamt folgende Gegenüberstellung:

Germanisch Althochdeutsch Althochdeutsch Germanisch
a, ā a, ā a, ā a, ā, ē
ai ei,
au ou, æ
ƀ b b ƀ
c s. k
ch s. hh
d t (,d) d þ
e, ē e, ie, ā e, ē e, ē, ai
eu io, iu ei ai
f f f f
ff p
g g g g
h h h h
hr r
hw w hw kw
hh k
i, ī i, ī i, ī i, ī
ie e
io eu
iu eu
j j j j
k k, kh, hh (,ch) k (,c) k
kh k
kw kw, hw kw kw
l l l l
m m m m
n n n n
ō o,ō o,ō ō, au, u, (w)
ou au
p pf, ff (,p) (p) p
pf p
ph s. pf
r r r r, hr, z
s s s s
t z (=tz), zz t d
þ d
(tz [=z] t)
u, ū u, o, ū u, ū u, ū
w w (,o) w w, hw
z r z(=tz) t
zz t