AhdWbGK/Kurze Einführung in das Althochdeutsche I. Numerale (Zahlwort)
| ein (M.F.N.) | eins | (germ. *ainaz) |
| zwēne (M.), zwõ, -o (F.) zwei (N.) | zwei | (germ *twa[i]) |
| drì (M.), drìo (F.), driu (N.) | drei | (germ. *þrejiz) |
Die Zahlen von eins bis drei unterscheiden drei Geschlechter und sind deklinabel.
| fior, feor | vier | (germ. *fedwōr[e]z) | |
| fimf | fünf | (germ. *femft[e]) | |
| sehs | sechs | (germ. *sehs) | |
| sibun | sieben | (germ. *sebun) | |
| ahto | acht | (germ. *ahtau) | |
| niun | neun | (germ. *newun) | |
| zehan | zehn | (germ. *tehun) | |
| einlif | elf | (germ. *ainalibi) | |
| zwelif | zwölf | (germ. *twalibi) |
Die Zahlen vier bis zwölf sind unflektiert, wenn sie adjektivisch vor einem Substantiv stehen, - wie ein i-Stamm - flektiert dagegen, wenn sie adjektivisch nach einem Substantiv stehen oder als Substantiv verwendet werden.
Die Zahlen dreizehn bis neunzehn werden als Zusammensetzungen der Einerzahlen mit zehan gebildet (z.B. drī-zehan) und wie zehan behandelt. Die Zehnerzahlen von 20 bis 60 werden durch Verbindung der Einerzahlen mit -zug gebildet (z.B. zwein-zug, drī- zug, fior-zug), die Zehnerzahlen von 70 bis 100 zunächst mit -zo, später auch mit -zug. Sie sind nicht deklinabel und werden meist substantivisch gebraucht. Hundert heißt zehan-zug, doch wird für die mehrfachen Hunderte meist hunt »hundert« verwandt (z.B. fimf hunt). Tausend wird durch das meist feminin gebrauchte Substantiv dūs-unt wiedergegeben.
| Ðristo, furisto | erste | (germ. *airista, *furista) |
| ander | zweite | (germ. *anþaraz) |
| dritto | dritte | (germ. *þridjan) |
| fiordo | vierte | (germ. *... þan) |
| fimfto | fünfte | |
| sehsto | sechste | |
| sibunto | siebte | |
| ahtodo | achte | |
| niunto | neunte | |
| zehanto | zehnte | |
| einlifto | elfte | |
| zwelifto | zwölfte |
Das als Ordnungszahl verwendete ander ist Pronominaladjektiv und wird nur stark flektiert. Dritto bis zwelifto werden von den Stämmen der Grundzahlen (und dem Suffix -to/-do, germ. *-þan) gebildet und nur schwach flektiert. Die Ordnungszahlen von 13 bis 19 sind (bis zu Notker) aus der Ordnungszahl der einstelligen Zahlen und zehanto gebildet (z.B. drittozehanto), wobei nur der zweite Teil flektiert wird. Von zwanzig an werden die Ordnungszahlen als Superlative auf -ōsto der betreffenden Gundzahlen gebildet (z.B. zwein-zug-ōsto zwanzigste).
Distributivzahlen sind selten (z.B. zwiski zu zweit). Multiplikative Zahladjektive werden durch -falt (z.B. fior-falt vierfach) gebildet, Zahladverbia durch -stunt (z.B. fior-stunt viermal). Von einfachen Bruchzahlen wird nur halb öfter gebraucht.