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Über Einstein's Einstellung zur Religion

aus AufEinWort, der freien Forschung

Einstein entstammt einer jüdischen Familie. Bei seiner Verzichtserklärung auf die württembergische Staatsbürgerschaft im Jahre 1896 vermerkte sein Vater jedoch, vermutlich auf seinen Wunsch, „keine religiöse Zugehörigkeit“, was er in den folgenden zwei Jahrzehnten mehrmals wiederholte.[1]

Bis ins 21. Jahrhundert gibt es verschiedene Interpretationen zu Einsteins Haltung zur Religion, da er sich vielfach widersprüchlich äußerte, unter anderem mit dem Aphorismus: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“[2] Im Jahre 2008 wurde jedoch ein bis dahin in Privatbesitz befindlicher Brief von Einstein an den Esoteriker Erich Gutkind veröffentlicht, den er am 3. Januar 1954 verfasst hatte. In diesem bezieht sich Einstein auf seine nichtreligiöse Haltung.[3] Er distanziert sich dabei mit deutlichen Worten von der biblischen Vorstellung eines persönlichen Gottes, die er als „primitiven Aberglauben“ bezeichnet:

„Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. […] Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppen, wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts „Auserwähltes“ an ihm wahrnehmen.“

In einem anderen Brief schreibt er 1954:

„Es war natürlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen gelesen haben, eine Lüge, die systematisch wiederholt wird. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und ich habe dies niemals geleugnet, sondern habe es deutlich ausgesprochen. Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzte Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann.“[2]

In einem von insgesamt 27 persönlichen Briefen Einsteins, die im Juni 2015 vom Auktionshaus Profiles in History in Los Angeles versteigert wurden, antwortet Einstein dem Geschichtslehrer Guy Raner im Jahr 1949 auf die Frage nach seinem Glauben:

“I have repeatedly said that in my opinion the idea of a personal God is a childlike one […]. You may call me an agnostic, but I do not share the crusading spirit of the professional atheist… I prefer an attitude of humility corresponding to the weakness of our intellectual understanding of nature and of our own being.”

„Ich habe wiederholt gesagt, dass meiner Meinung nach die Vorstellung eines persönlichen Gottes eine kindliche ist […]. Sie können mich einen Agnostiker nennen, aber ich teile nicht den Kreuzzugsgeist des professionellen Atheisten… Ich bevorzuge eine Haltung der Demut, die der Schwäche unseres intellektuellen Verständnisses der Natur und unseres eigenen Wesens entspricht.“[4]

Mit seinem klaren Eintreten für eine wissenschaftliche Weltsicht und gegen religiöse Vorstellungen schuf Einstein wesentliche Grundlagen für das Konzept des Evolutionären Humanismus.[5][6]

  1. ↑ Walter Isaacson: Einstein: His Life and Universe. Simon & Schuster 2007, ISBN 978-1-4165-3932-2, S. 29. (Auszug (Google))
  2. ↑ a b „Primitiver Aberglaube“: Einstein über Religion. In: hpd.de. Humanistischer Pressedienst, 16. Mai 2008, abgerufen am 23. März 2023.
  3. ↑ Brief vom 3. Januar 1954 an Erich Gutkind, der Einstein ein Exemplar seines Buches „Entscheide dich für das Leben: Der biblische Aufruf zur Revolte“ geschickt hatte. Transkription des Briefes bei hpd.de und mit einer englischen Übersetzung und Kommentaren bei uncertaintist.files.wordpress.com, Faksimile des Briefes Seite 1 unter media.zenfs.com und Seite 2 unter media.zenfs.com.
  4. ↑ Albert Einstein’s private letters go up for sale at California auction.
  5. ↑ Carsten Frerk, Michael Schmidt-Salomon: Die Kirche im Kopf. Alibri, Aschaffenburg 2007, ISBN 978-3-86569-024-1, S. 169–170.
  6. ↑ Michael Schmidt-Salomon: Bioethik im Evolutionären Humanismus. In: Dossier Bioethik. Bundeszentrale für politische Bildung, 9. Juli 2018, abgerufen am 23. Januar 2022.