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Anmerkung:Die Sphäre des Begriffs und die Logik der Sphäre/12

aus AufEinWort, der freien Forschung


Indifferenz, Gleichgewicht und Null in der Maß- und Reflexionslogik

Hegel führt in der Maßlogik aus, wie das Substrat indifferent gegenüber seinen Zuständen ist. Er erkennt, dass es zusätzlich zu den beiden von Kant genannten Möglichkeiten der Gleichgültigkeit und des Gleichgewichts eine weitere Möglichkeit gibt, wenn Indifferenz als Erhaltungsgröße verstanden wird. In diesem Fall ist die Indifferenz eine Summe, die im Ganzen unverändert bleibt, sich jedoch im Innern aus zwei Faktoren zusammensetzt, von denen der eine in dem Maße größer wird wie der andere kleiner wird und umgekehrt. Sie stehen im umgekehrten Verhältnis zueinander und erzeugen nach außen hin den Schein der Indifferenz.

In diesem Fall ergibt sich das Gleichgewicht nicht als labile Übereinstimmung zweier gegeneinander wirkender Größen, die sich zu Null saldieren, sondern das Gleichgewicht wird vorausgesetzt, und es bestimmt, dass in jedem Moment des Bewegungsverlaufs die inneren Faktoren der Indifferenz einander genau neutralisieren.

Die Summe ist indifferent gegen die Verteilung ihrer Faktoren. Hier ist an das Beispiel des Pendels zu denken, in dessen Bewegungsverlauf die Energie erhalten bleibt, während sich fortlaufend kinetische Energie in potentielle Energie umwandelt und umgekehrt.

»Jede der beiden Qualitäten, einzeln für sich genommen, bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die Indifferenz ist: sie kontinuiert sich aus der einen Seite in die andere und wird durch die quantitative Grenze, die dabei in ihr gesetzt wird, nicht beschränkt. Hieran kommen die Bestimmungen in unmittelbaren Gegensatz, welcher sich zum Widerspruch entwickelt, was nun zu sehen ist« (HW 5.449).

Die eine kontinuiert sich in die andere bis die Bewegung wieder umgekehrt. Hier stehen im Ganzen beide Seiten noch »im Gleichgewicht« (HW 5.450).

Mit Kontinuierung und Umkehr gewinnt Hegel aus der Sphäre des Seins und seiner Kategorien neue Begriffe, die nicht mehr zu den Kategorien – den Denkbestimmungen der Sphäre des Seins – gehören, sondern sich als Reflexionsbegriffe erweisen, mit denen über die Kategorien reflektiert wird.

Damit gewinnt Hegel einen anderen Zugang zu den Reflexionsbegriffen als Kant. Hegel findet in den Übergängen der Kategorien ineinander den Punkt, an dem sie über die Sphäre des Seins hinausgehen und zu Reflexionsbegriffen führen. Für Kant ist dagegen die Reflexion eine übergeordnete Betrachtung, mit der es gelingt, sich nicht mehr innerhalb des Verstandes zu bewegen, sondern dessen Tätigkeit im Ganzen zu überschauen.

»Die  Überlegung  (reflexion) hat es nicht mit den Gegenständen selbst zu tun, um geradezu von ihnen Begriffe zu bekommen, sondern ist der Zustand des Gemüts, in welchem wir uns zuerst dazu anschicken, um die subjektiven Bedingungen ausfindig zu machen, unter denen wir zu Begriffen gelangen können« (KrV, B 316).

Hegels neue Sicht auf die Reflexionsbegriffe war ihm nur möglich, weil es ihm gelungen ist, nicht nur von den Zuständen des Gemüts zu sprechen (wobei für Kant das »Gemüt« die Übersetzung von anima oder psyche ist), sondern auch innerhalb der in Kategorien gedachten Gegenstände unterschiedliche Zustände eines Substrats zu erkennen. Hegel hat alle einzelnen Elemente des großen Gedankengangs von Kant übernommen und in eine neue Ordnung gebracht.

Während Kant nach einem Schematismus sucht, mit dem die unterschiedlichen Ebenen der Kategorien und der Reflexionsbegriffe miteinander übereinstimmen und diesen in der Zeit findet, mit der sich sowohl die Kategorien der Relation wie die Reflexionsbegriffe verstehen lassen, sucht Hegel innerhalb der Kategorien nach den Begriffen, die überleiten in die Reflexionslogik. Das sind für ihn die Kontinuation und die Umkehr. Sie entstehen bei Betrachtung der inneren Faktoren der Indifferenz und werden im weiteren verstanden als das an sich Positive (die Kontinuation) und das an sich Negative (die Umkehr), das heißt für Hegel als Reflexionsbegriffe. Die Indifferenz zeigt bereits den Widerspruch, aber erst in der Reflexionslogik tritt er hervor. Dies Hervortreten des Widerspruchs ist für Hegel die Bewegung des Begriffs, die aus der Entgegengesetzung in den Grund führt und mit dem Grund die Sache hervortreten lässt, um die es geht.

»In der sich selbst ausschließenden Reflexion, die betrachtet wurde, hebt das Positive und das Negative jedes in seiner Selbständigkeit sich selbst auf; jedes ist schlechthin das Übergehen oder vielmehr das sich Übersetzen seiner in sein Gegenteil. Dies rastlose Verschwinden der Entgegengesetzten in ihnen selbst ist die nächste Einheit, welche durch den Widerspruch zustande kommt; sie ist die Null« (HW 6.67). – »Zunächst geht also der selbständige Gegensatz durch seinen Widerspruch in den Grund zurück« (HW 6.69). – »Der sich widersprechende selbständige Gegensatz war also bereits selbst der Grund; es kam nur die Bestimmung der Einheit mit sich selbst hinzu, welche dadurch hervortritt, daß die selbständigen Entgegengesetzten jedes sich selbst aufhebt und sich zu dem Anderen seiner macht, somit zugrunde geht, aber darin zugleich nur mit sich selbst zusammengeht, also in seinem Untergange, d. i. in seinem Gesetztsein oder in der Negation, vielmehr erst das in sich reflektierte, mit sich identische Wesen ist« (HW 6.70).