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Anmerkung:Die Sphäre des Begriffs und die Logik der Sphäre/23

aus AufEinWort, der freien Forschung

Holistische Deutung Hegels durch Chong-Fuk Lau

Mit der durchgehenden Materialität der Sphäre des Begriffs ist ein holistischer Wahrheitsbegriff gefunden, dessen Wahrheit ebenso im Medium besteht wie in den einzelnen gefundenen Aussagen.

Diesen Gedanken entwickelt aus einer anderen Richtung Chong-Fuk Lau in seiner Darstellung der Hegelschen Urteilskritik. Er will zeigen, dass Hegel keine eigene Satz- oder Urteilsform anstrebt, die den gewöhnlichen Sätzen gegenübersteht, sondern innerhalb der üblichen Logik eine übergreifende Bewegung erkennt, die erst im Ganzen (holistisch) die von Hegel intendierte Logik ausmacht. Im Sinne von Kues, – den Lau jedoch nicht erwähnt –, könnte gesagt werden, dass die einzelnen Urteile und Sätze der gewöhnlichen Logik der Vielfalt der gemessenen Quantitäten entsprechen, und die von Hegel gesuchte Logik dem ihnen vorangehenden übergreifenden Begriff der Größe.

»Das Wesentliche in der Hegelschen Lehre vom spekulativen Satz ist, daß sie in keiner Weise eine eigenständige Satz- oder Urteilsform entwickeln will, die für die Darstellung des Absoluten geeignet wäre, auch wenn einiges dafür zu sprechen scheint, sondern vielmehr als eine spekulative Kritik der Urteilsform deren Grenzen aufzeigt und durchsichtig macht« (Lau, S. 120).

Lau schließt sich an der entscheidenden Stelle Arend Kulenkampff an:

»Die spekulative philosophische Reflexion ist das Denken der Welt noch einmal, aber als Denken des Denkens der Welt« (Kulenkampff Antinomie und Dialektik, S. 16, zitiert bei Lau, S. 145).

Im »Denken des Denkens« findet Hegel nach Lau die holistische Einheit, die im »Denken der Welt« noch verstreut ist. Die voneinander isolierten Sätze des »Denkens der Welt« werden aufeinander bezogen, und in ihnen wird eine durchgehende innere Bewegung erkannt. Während in jedem einzelnen Satz das Satzsubjekt statisch ist, und während die Erste Kategorie, auf die sich alle anderen Kategorien beziehen (ousia nach Aristoteles) alleinstehend ist, gelingt es dem spekulativen Denken, die erstarrte traditionelle Logik zu verflüssigen und ein Medium zu finden, in dem der durchgehende Zusammenhang ihrer Sätze erkennbar wird. Dadurch gelingt es dem spekulativen Denken, einen doppeldeutigen Subjekt-Begriff zu finden, das sowohl das Satz-Subjekt innerhalb des Satzes wie das Ich meint, welches einen Satz bildet und ausspricht. Diese Doppeldeutigkeit des Subjekts wird als eine widersprüchliche Einheit verstanden, mit der sich die Paradoxien lösen lassen, in die das verstandesmäßige Denken notwendig gerät, wie Kulenkampff an zahlreichen Beispielen gezeigt hat.

»Der spekulative Satz läßt sich zusammenfassend durch eine dialektische Bewegung charakterisieren, die vom Subjekt aus- und über das Prädikat wieder in das Subjekt selbst zurückgeht. Dieses ist aber nun nicht mehr das anfängliche Satzsubjekt, das als Basis des Satzes zugrundegelegt ist, sondern das sich wissende Subjekt, das die ganze Bewegung mitgemacht hat und den Inhalt des Satzes als sein eigenes Wesen begreift. Es ist 'dieser sich selbst erzeugende, fortleitende und in sich zurückgehende Gang' (HW 3.60, Hervorh. v. Verf.), in dem das Spekulative zur Darstellung kommt« (Lau, S. 175).

Hegel vertritt einen »logisch-ontologischen Holismus«. Es ist für ihn nicht möglich, spekulative Gehalte in einzelnen Sätzen auszudrücken, sondern sie ergeben sich erst aus der Gesamtheit des Systems (Lau, S. 193). Lau hat diese Deutung Hegels von Brandom übernommen.

»Der Begriff heißt vielmehr das System der Begriffe als Ganzes, oder wie Robert Brandom es präziser charakterisiert, 'das holistische Schlußsystem bestimmter, mit Hilfe jenes Begriffs artikulierter Begriffe und Verpflichtungen'« (Lau, S. 248 mit Zitat Brandom Pragmatistische Themen in Hegels Idealismus, deutsche Übersetzung in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 47 [1999], S. 356).

Hegel schließt sich daher dem Substanzbegriff von Spinoza an. Während Aristoteles die Substanz an das Einzelne »Dies-da« gebunden sah, sieht Spinoza in der Substanz das Ganze (holos). Aber Hegel sieht bei Spinoza erst eine abstrakte Negation des Vielen, vergleichbar der schlechten Unendlichkeit (Lau, S. 261), als »absolute Indifferenz« (HW 5.454, zitiert bei Lau, S. 262). Demgegenüber versteht Hegel die Substanz als Wesen, d.h. als »Verhältnis« (Lau, S. 263).

In der Kritik am Substanz-Begriff von Aristoteles scheint mir Lau einem ähnlichen Missverständnis zu unterliegen wie Picht, das auf die verwirrende Übersetzung unterschiedlicher Begriffe bei Aristoteles in den einen Begriff Substanz zurückgeht, siehe hierzu Anmerkung [1]

  1. ↑