Anmerkung:Hera. Parm. Anfa. Phil. Wiss./2:1:058
Nach F. J . Brecht, Heraklit, S. 42 f., vollzieht sich die „Weise des Heraklitischen Philosophierens" „in einer aus leidenschaftlichem Selbstbewußtsein stammenden Verkündigung von Sätzen, die sich gegenseitig zwar stützen, aber keineswegs erklären. Diese Sätze sind nicht belehrende Mitteilungen gegenständlicher Richtigkeiten, sondern lapidare Formulierungen eines rätselhaft paradoxen ungegenständlichen Wissens. Ihre Wiederholung kann nur den Sinn eines Anrufs haben, durch den der Leser oder Hörer zum Aufhorchen gezwungen, feierlich gereizt (?!) und gerüttelt werden soll." Und G. Nebel, Die Geburt der Philosophie, S. 132, versteigt sich bis zur Warnung vor einer allzu genauen Heraklit-Interpretation: „Das alles sind Ertastungen des Gottes, während jeder Berührung ging es in Heraklit hoch und dankbar her. Wer Heraklit zu genau interpretiert, verirrt sich in Labyrinthen des Scharfsinns, der nichts anderes einbringt als Erschöpfung." Alle diese respektvollen Floskeln bekunden das Gegenteil des Respekts vor dem Denker Heraklit, den sie so nachdrüddich versichern.