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Anmerkung:PsyErkDunSco (Werner)/356:03

aus AufEinWort, der freien Forschung

Peccatum, in quo inordinate delectatur quis in speculatione conclusionis geometricae, ad luxuriam reducitur— bemerkt Duns Scotus erläuternd hiezu.


„Eine Sünde, bei der sich jemand in ungehöriger Weise [maßlos] an der Betrachtung eines geometrischen Schlusssatzes erfreut, wird zur Wollust [luxuria] gezählt – bemerkt Duns Scotus erläuternd hierzu.“

  • Wenn ein Mathematiker oder Philosoph einen extrem eleganten, vollkommenen geometrischen Beweis (conclusio geometrica) führt, empfindet er dabei eine tiefe, fast rauschhafte geistige Freude (delectatio).
  • Wenn sich der Geist nun in dieser intellektuellen Ästhetik verliert und sich selbstgefällig an der reinen Schönheit des logischen Kreises oder Dreiecks berauscht, betreibt er für Scotus eine Form von geistiger Maßlosigkeit. Es ist „Wollust des Intellekts“, weil eine relative, geschaffene Wahrheit (die Geometrie) an die Stelle der absoluten Wahrheit gesetzt wird.
  • Während Scotus die geometrische Spekulation als potenzielle Sünde und Ablenkung verbucht, macht Nikolaus von Kues die Geometrie zum wichtigsten methodischen Werkzeug seiner Mystik.
  • Cusanus nutzt unendliche Linien, sich weitende Kreise und Dreiecke, um das Unbegreifliche (Gott) mathematisch fassbar zu machen. Was bei Scotus noch als gefährliche, fast fleischliche Lust am rein logischen Schlusssatz gilt, wird bei Cusanus zur heiligen Methode des „Gelehrten Nichtwissens“.