Anmerkung:PsyErkDunSco (Werner)/362:05
Dicit Aristoteles Metaph. VII, Sext. 60, quod impossibile est in composito esse aliud Esse totius praeter Esse partium, nisi in forma totius quae est alia a forma partis. Probat autem ibi formam totius vel totum esse aliud a partibus, et conjunctim et divisim. Patet ibi de syllaba ab, quia tam materia quam forma sunt partes materiales tantum respectu formae totius (ibidem et V. Metaph.). Si igitur maneret anima post corpus, anima non esset forma nec pars, sed totum, quod ipse improbat ibi. Ideo credo, quod magis convenienter dixisset animam intellectivam esse corruptibilem, posito quod sit propria forma corporis et non totius. Die von Duns Scotus berücksichtigte Stelle findet sich Metaph. VII, c. 3 (p. 1043, l. 29 ff.), und besagt eigentlich nur, dass das Was eines Dinges in seiner unterscheidenden Wesensform bestehe. Thom. Aq. (Comm. in Metaph. lib. VIII (statt lib. VII) lect. 3) fasst die Stelle als eine Widerlegung der Platoniker auf, welche die Nennwörter (ὀνόματα) blos auf die Formen oder Species der Dinge, nicht aber auf deren concretisirte Darstellung in den Individuen bezogen wissen wollen.
Duns Scotus treibt diese Logik im lateinischen Textteil in eine Sackgasse, um Aristoteles ein Bein zu stellen. Er argumentiert:
- Wenn ein Name immer das Ganze aus Materie und Form bezeichnet...
- ...und wenn die Seele nach dem Tod ohne den Körper weiterleben würde...
- ...dann wäre die Seele im Jenseits kein „Teil“ mehr, sondern sie müsste plötzlich das „Ganze“ des Menschen sein. Das aber verbietet die aristotelische Logik.
- Scotus' radikale Konsequenz (Zeile 6): Wenn man Aristoteles' Logik über Ganzheiten und Namen absolut streng beim Wort nimmt, hätte er folgerichtig behaupten müssen, dass die denkende Seele mit dem Körper stirbt und vergänglich ist (animam intellectivam esse corruptibilem).
Hier schließt sich der Kreis zu den Modi Significandi (den Bezeichnungsweisen der Wörter): Nennwörter/Substantive haben in der Grammatik der Modisten die Eigenschaft, etwas „nach der Weise des Seienden und Bleibenden“ (modus entis / habitus et quietis) zu bezeichnen.
Damit ein Nennwort wie „Mensch“ oder „Sache“ im Satz überhaupt als Substantiv funktionieren kann, muss unser Verstand die Fähigkeit besitzen, Körper und Seele, Materie und Form gedanklich zu einer festen, unteilbaren Einheit (dem Gesamtwesen) zusammenzufassen. Ein Wort greift nie nach einer reinen, schwebenden Geister-Idee, sondern holt die konkrete Wirklichkeit als Ganzes in die Grammatik.