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Anmerkung:PsyErkDunSco (Werner)/381:03

aus AufEinWort, der freien Forschung

Vgl. Aristot. Anim. III, p. 429. a, 10 ff.: Περὶ δὲ τοῦ μορίου τοῦ τῆς ψυχῆς ᾧ γινώσκει τε ἡ ψυχὴ καὶ φρονεῖ..... σκεπτέον ... πῶς ποτὲ γίνεται τὸ νοεῖν. εἰ δή ἐστι τὸ νοεῖν ὥσπερ τὸ αἰσθάνεσθαι, ἢ πάσχειν τι ἂν εἴη ὑπὸ τοῦ νοητοῦ ἤ τι τοιοῦτον ἕτερον κ. τ. λ.

Duns Scotus bemerkt zu dieser Stelle: Dico quod Philosopher locutus est communiter de potentiis animae, inquantum sunt, quibus formaliter sumus in actu secundo; puta de sensu inquantum est, quo formaliter sentimus, de intellectu inquantum est, quo formaliter intelligimus. Formaliter autem intelligimus intellectu inquantum recipit intellectionem, quia si causet eam active, non tamen dicor intelligere intellectu inquantum causat, sed inquantum habet formam. Habere enim qualitatem est esse quale; et ita intellectum habere intellectionem, sive recipere, quod idem est, ipsum esse intelligentem. Nos igitur intelligimus intellectu, inquantum recipit intellectionem. Ideo Philosophus loquens sic de intellectu necesse habuit dicere, eum esse passivum, et quod intelligere est quoddam pati h. e. quod intellectio inquantum est quoddam, quo formaliter intelligimus, est forma quaedam recepta in intellectu. Non autem intelligimus eâ, inquantum est quid causatum ab intellectu, si causatur ab eo. —

Die Auslegung des Thomas Aq. (Comm. in Anim. III, lect. 7) lautet: Si intelligere est simile ei quod est sentire, et partem intellectivam oportet esse impassibilem, passione proprie accepta; sed oportet, quod habeat aliquid simile passibilitati, quia oportet hujusmodi partem esse susceptivam speciei intelligibilis, et quod sit in potentia ad hujusmodi speciem, sed non sit hoc in actu. Et sic oportet, quod sicut se habet esse sensitivum ad sensibilia, similiter se habeat intellectivum ad intelligibilia; quia utrumque est in potentia ad suum objectum, et est susceptivum ejus.

Der Unterschied beiderseitigen Erklärung reducirt sich darauf, dass Thomas den Intellectus possibilis vom Intellectus agens als besonderes Vermögen unterscheidet; Duns Scotus wirft Thomas vor, sich an die averroistische Auslegung des Aristoteles gehalten zu haben.


Vgl. Aristot. Anim. III, p. 429. a, 10 ff.:

  • "Hinsichtlich jenes Teiles der psychē (ψυχή), durch welchen die Seele erkennt und denkt, muss untersucht werden, wie das noein (νοεῖν) überhaupt zustande kommt. Wenn nun das noein dem aisthanesthai(αἰσθάνεσθαι), also dem sinnlichen Wahrnehmen, ähnlich ist, dann wäre es entweder ein gewisses paschein (πάσχειν), ein Erleiden oder Affiziertwerden durch das noēton (νοητόν), das Denkbare / Intelligible, oder etwas anderes dieser Art."

Duns Scotus bemerkt zu dieser Stelle:

  • Ich sage, dass der Philosoph allgemein von den Potentiae animae gesprochen hat, insofern sie diejenigen sind, durch welche wir formaliter im actus secundus sind; etwa vom sensus, insofern er das ist, wodurch wir formaliterempfinden, vom intellectus, insofern er das ist, wodurch wir formaliter intelligieren.
  • Denn eine qualitas zu haben heißt, ein quale zu sein; und so heißt, dass der intellectus die intellectio hat — oder recipiert, was dasselbe ist —, dass er selbst intelligierend ist.
  • Wir intelligieren also durch den intellectus, insofern er die intellectio recipiert.
  • Deshalb musste der Philosoph, indem er so vom intellectus sprach, sagen, dass er passivus sei, und dass intelligere ein gewisses pati sei, das heißt: dass die intellectio, insofern sie etwas ist, wodurch wir formaliter intelligieren, eine gewisse forma ist, die im intellectus recipiert ist.
  • Wir intelligieren aber nicht durch sie, insofern sie etwas vom intellectus Verursachtes ist, falls sie von ihm verursacht wird.

Die Auslegung des Thomas Aq. (Comm. in Anim. III, lect. 7) lautet:

  • Wenn das intelligere demjenigen ähnlich ist, was sentire ist, dann muss auch der pars intellectiva unleidend / impassibel sein, wenn passio im eigentlichen Sinn genommen wird.
  • Aber es ist nötig, dass sie etwas der Passibilitas Ähnliches habe, weil es nötig ist, dass ein solcher Teil susceptivus der species intelligibilis sei, und dass er in Potentia zu einer solchen Species sei, aber nicht dies in Actu sei.
  • Und so ist es nötig, dass, wie sich das esse sensitivum zu den sensibilia verhält, sich ähnlich das intellectivum zu den intelligibilia verhält; weil beides in Potentia zu seinem Objectum ist und für dieses susceptivum ist.

Der Unterschied beiderseitigen Erklärung reducirt sich darauf, dass Thomas den Intellectus possibilis vom Intellectus agens als besonderes Vermögen unterscheidet; Duns Scotus wirft Thomas vor, sich an die averroistische Auslegung des Aristoteles gehalten zu haben.