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Arten von Logiken

aus AufEinWort, der freien Forschung

←Philosophie der Logik

▶Das Problem, sich zwischen einer Vielzahl von konkurrierenden logischen Systemen entscheiden zu müssen, ist relativ neu. Lange Zeit in der Geschichte wurde die aristotelische Syllogistik als Kanon der Logik behandelt, und es gab über zweitausend Jahre lang nur sehr wenige wesentliche Verbesserungen an ihr, bis die Werke von George Boole, Bernard Bolzano, Franz Brentano, Gottlob Frege und anderen erschienen.[1] Diese Entwicklungen wurden häufig durch die Notwendigkeit vorangetrieben, die Ausdrucksflexibilität der Logik zu erhöhen und sie an bestimmte Anwendungsbereiche anzupassen.[1] Ein zentrales Problem in der Philosophie der Logik, das durch die gegenwärtige Verbreitung logischer Systeme aufgeworfen wird, besteht darin, zu erklären, wie diese Systeme miteinander in Beziehung stehen.[1] Dies bringt die Frage mit sich, warum all diese formalen Systeme den Titel „Logik“ verdienen. Eine weitere Frage ist, ob nur eines dieser Systeme das richtige ist oder wie eine Vielzahl von logischen Systemen anstelle einer einzigen universellen Logik möglich ist.[2][1] Der Monismus ist die These, dass nur eine Logik richtig ist, während der Pluralismus zulässt, dass verschiedene alternative logische Systeme für verschiedene Diskursbereiche richtig sein können.[2] Es wurde auch vorgeschlagen, dass es möglicherweise einen universellen Begriff der Logik gibt, der allen verschiedenen logischen Systemen zugrunde liegt und sie vereint.[1]

Formal und informal

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Klassisch und nicht-klassisch

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Innerhalb des Bereichs der formalen Logik besteht eine wichtige Unterscheidung zwischen klassischer und nicht-klassischer Logik. Der Begriff klassische Logikbezieht sich in erster Linie auf die Aussagenlogik und die Logik erster Stufe.[2] Sie ist das vorherrschende logische System, das von den meisten Theoretikern akzeptiert und verwendet wird. Aber die Philosophie der Logik befasst sich auch mit nicht-klassischen oder alternativen Logiken.[19] Diese werden manchmal in erweiterte Logiken und abweichende Logiken unterteilt. Erweiterte Logiken sind Erweiterungen der klassischen Logik, d. h. sie akzeptieren den grundlegenden Formalismus und die Axiome der klassischen Logik, erweitern sie aber mit neuen logischen Vokabeln, wie die Einführung von Symbolen für „Möglichkeit“ und „Notwendigkeit“ in der Modallogik oder von Symbolen für „manchmal“ und „immer“ in der temporalen Logik.[2] Abweichende Logiken hingegen lehnen bestimmte Kernannahmen der klassischen Logik ab.[20][2] Sie verwenden Axiome, die sich von denen der klassischen Logik unterscheiden und die häufig die Gültigkeit von Schlussfolgerungen stärker einschränken. Sie sind „abweichend“ in dem Sinne, dass sie mit der klassischen Logik unvereinbar sind und als ihre Rivalen angesehen werden können.[2]

Klassisch

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Der Begriff klassische Logik bezieht sich in erster Linie auf die Aussagenlogik und die Logik erster Stufe.[2] Sie wird in der Regel von Philosophen als die paradigmatische Form der Logik behandelt und in verschiedensten Bereichen verwendet.[21] Sie befasst sich mit einer kleinen Anzahl zentraler logischer Begriffe und legt fest, welche Rolle diese Begriffe beim Ziehen gültiger Schlüsse spielen.[22][23] Zu diesen Kernbegriffen gehören Quantoren, die Ideen wie „alle“ und „einige“ ausdrücken, und propositionale Konnektoren, wie „und“, „oder“ und „wenn-dann“.[22] Unter den nicht-logischen Begriffen besteht eine wichtige Unterscheidung zwischen singulären Termen und Prädikaten. Singuläre Terme stehen für Objekte und Prädikate für Eigenschaften oder Beziehungen zwischen diesen Objekten. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Logik erster Stufe von der traditionellen aristotelischen Logik, der Prädikate für Beziehungen fehlten.[22]Die Logik erster Stufe erlaubt die Quantifizierung nur über Individuen, im Gegensatz zur Logik höherer Stufe die Quantifizierung auch über Prädikate erlaubt.[22]

Erweitert

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Erweiterte Logiken akzeptieren die Axiome und das Kernvokabular der klassischen Logik. Dies spiegelt sich in der Tatsache wider, dass die Theoreme der klassischen Logik in ihnen gültig sind. Sie gehen jedoch über die klassische Logik hinaus, indem sie zusätzliche neue Symbole und Theoreme enthalten.[24] Das Ziel dieser Änderungen ist in der Regel entweder die Anwendung der logischen Herangehensweise auf neue Bereiche oder die Einführung einer höheren Abstraktionsebene, beispielsweise in Form einer Quantifizierung, die nicht nur auf singuläre Terme, sondern auch auf Prädikate oder Sätze angewendet werden, oder durch Wahrheitsprädikate.[20] In diesem Sinne werden abweichende Logiken in der Regel als Rivalen der klassischen Logik angesehen, während erweiterte Logiken Ergänzungen zur klassischen Logik darstellen.[25] Wichtige Beispiele für erweiterte Logiken sind die Modallogik und die Logik höherer Stufe.[20]

Der Begriff „Modallogik“ bezieht sich, wenn er im weitesten Sinne verstanden wird, auf eine Vielzahl erweiterter Logiken, wie alethische, deontische oder temporale Modallogik. Im engeren Sinne ist er identisch mit der alethischen Modallogik.[19] Während sich die klassische Logik nur damit beschäftigt, was wahr oder falsch ist, enthält die alethische Modallogik neue Symbole, um auszudrücken, was möglicherweise oder notwendigerweise wahr oder falsch ist.[20][19][26][27][28] Diese Symbole haben die Form von Satzoperatoren. Normalerweise werden die Symbole "{\displaystyle \Diamond }" und "{\displaystyle \Box }" verwendet, um auszudrücken, dass der ihnen folgende Satz möglicherweise oder notwendigerweise wahr ist. Modallogiken enthalten auch verschiedene neue Inferenzregeln, die angeben, wie sich diese neuen Symbole in gültigen Argumenten verhalten.[26][27] Ein Beispiel ist die Formel {\displaystyle \Box P\rightarrow \Diamond P}, die besagt, dass, wenn etwas notwendigerweise wahr ist, es auch möglicherweise wahr ist. Die anderen Formen der Modallogik neben der alethischen Modallogik wenden die gleichen Prinzipien auf verschiedene Bereiche an.[19] In der deontischen Modallogik werden die Symbole "{\displaystyle \Diamond }" und "{\displaystyle \Box }" verwendet, um auszudrücken, welche Handlungen erlaubt oder obligatorisch sind; in der temporalen Logik drücken sie aus, was zu irgendeinem Zeitpunkt oder zu jedem Zeitpunkt der Fall ist; in der epistemischen Logik drücken sie aus, was mit den Überzeugungen einer Person vereinbar ist oder was diese Person weiß.[19][26][27]

Verschiedene Inferenzregeln wurden als grundlegende Axiome der verschiedenen Modallogiken vorgeschlagen, aber es gibt keine allgemeine Einigkeit darüber, welche die richtigen sind.[20][29] Eine einflussreiche Interpretation der Modaloperatoren, die auf Saul Kripke zurückgeht, versteht sie als Quantoren über mögliche Welten. Eine mögliche Welt ist eine vollständige und konsistente Weise, wie die Dinge hätten sein können.[30] [31] Zu sagen, dass etwas notwendigerweise wahr ist, bedeutet nach dieser Auffassung, dass es in allen zugänglichen möglichen Welten wahr ist.[20][29] Ein Problem dieser Art von Charakterisierung ist, dass sie zirkulär zu sein scheint, da mögliche Welten selbst in Bezug auf modale Begriffe definiert werden, d. h. als Weisen, wie die Dinge hätten sein können.[29]

Selbst wenn man sich auf die alethische Modallogik beschränkt, gibt es wiederum verschiedene Arten von Möglichkeit und Notwendigkeit, die mit diesen Begriffen gemeint sein können.[29][1] Nach der physikalischen Modalität ist es zum Beispiel notwendig, dass ein Gegenstand fällt, wenn er fallen gelassen wird, da die Naturgesetze dies vorschreiben. Nach der logischen Modalität ist dies jedoch nicht notwendig, da die Naturgesetze auch anders hätten sein können, ohne dass dies zu einem logischen Widerspruch führt.[29]

Logiken höherer Stufe erweitern die klassische Prädikatenlogik erster Stufe durch neue Formen der Quantifizierung.[20][32][33][34] In der Logik erster Stufe ist die Quantifizierung auf Individuen beschränkt, wie in der Formel {\displaystyle \exists x({\text{Apfel}}(x)\land {\text{Süss}}(x))} (es gibt Äpfel, die süß sind). Logiken höherer Stufe erlauben Quantifizierungen nicht nur über Individuen, sondern auch über Prädikate, wie in {\displaystyle \exists P(P({\text{Mary}})\land P({\text{John}}))} (es gibt Eigenschaften, die Mary und John gemeinsam haben).[20][41[32]][33][34] Die erhöhte Ausdruckskraft der Logik höherer Stufe ist besonders für die Mathematik von Bedeutung. Beispielsweise sind für die Peano-Arithmetik und die Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre in der Logik erster Stufe eine unendliche Anzahl von Axiomen erforderlich, während die Logik zweiter Stufe nur eine Handvoll Axiome benötigt, um dieselbe Aufgabe zu erfüllen.[20] Diese gesteigerte Ausdruckskraft hat jedoch ihren Preis. Zum einen sind Theorien höherer Stufe unvollständig:[20] Es ist nicht möglich, jeden wahren Satz auf der Grundlage der Axiome dieser Theorien zu beweisen.[22] Bei Theorien der Logik erster Stufe ist dies hingegen möglich. Ein weiterer Nachteil ist, dass Logiken höherer Stufe zu einer Art Platonismus verpflichtet zu sein scheinen, da sie nicht nur über Individuen quantifizieren, sondern auch über Eigenschaften und Beziehungen.[20][33]

Abweichend

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Abweichende Logiken sind insofern Formen der Logik, dass sie das gleiche Ziel verfolgen wie die klassische Logik: eine Darstellung davon zu geben, welche Schlussfolgerungen gültig sind. Sie unterscheiden sich von der klassischen Logik, da sie eine andere Darstellung geben. Die intuitionistische Logik lehnt beispielsweise den Satz vom ausgeschlossenen Dritten ab, der eine gültige Schlussform in der klassischen Logik ist.[20][19] Diese Ablehnung beruht auf der Idee, dass die mathematische Wahrheit von der Überprüfung durch einen Beweis abhängt. Das Gesetz versagt für Fälle, in denen kein solcher Beweis möglich ist, welche es nach den Gödelschen Unvollständigkeitssätzen in jedem hinreichend starken formalen System gibt.[35][36][37][38] Die freie Logik unterscheidet sich von der klassischen Logik dadurch, dass sie weniger existenzielle Voraussetzungen hat: Sie erlaubt nicht-bezeichnende Ausdrücke, d. h. Terme, die sich nicht auf Objekte innerhalb der Domäne beziehen.[19][39] Eine zentrale Motivation für diese Art der Modifikation ist, dass die freie Logik zur Analyse von Diskursen mit leeren singulären Termen verwendet werden kann, wie in dem Ausdruck „Der Weihnachtsmann existiert nicht“.[20][40][41][39] Die mehrwertige Logik ist eine Logik, die zusätzliche Wahrheitswerte neben wahr und falsch in der klassischen Logik zulässt.[20][42][19] In diesem Sinne lehnt sie das Prinzip der Bivalenz der Wahrheit ab.[29][2] In einer einfachen Form der dreiwertigen Logik wird beispielsweise ein dritter Wahrheitswert eingeführt: unbestimmt.[43]

◀▶== Einzelnachweise ==

  1. ↑ a b c d e f Dale Jacquette: Philosophy of Logic. North Holland, 2006, Introduction: Philosophy of logic today (philpapers.org).
  2. ↑ a b c d e f g h Susan Haack: Philosophy of Logics. London and New York: Cambridge University Press, 1978, 1. 'Philosophy of logics' (philpapers.org).
  3. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Haack1.
  4. ↑ a b c d e f g h Edward Craig: Routledge Encyclopedia of Philosophy. Routledge, 1996, Formal and informal logic (philpapers.org).
  5. ↑ Ralph H. Johnson: The Relation Between Formal and Informal Logic. In: Argumentation. Band 13, Nr. 3, 1999, S. 265–274, doi:10.1023/A:1007789101256 (Online).
  6. ↑ a b c J. Anthony Blair, Ralph H. Johnson: Informal Logic: An Overview. In: Informal Logic. Band 20, Nr. 2, 2000 (Online).
  7. ↑ a b c d Leo Groarke: Informal Logic. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Metaphysics Research Lab, Stanford University, 2021, abgerufen am 30. November 2021.
  8. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Hansen.
  9. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen McKeon.
  10. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Cambridge.
  11. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Jacquette.
  12. ↑ a b Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Hintikka.
  13. ↑ a b P. D. Magnus: Forall X: An Introduction to Formal Logic. Victoria, BC, Canada: State University of New York Oer Services, 2005, 1.4 Deductive validity (philpapers.org).
  14. ↑ a b c d Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Walton.
  15. ↑ Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen Dowden.
  16. ↑ a b S. Morris Engel: With Good Reason an Introduction to Informal Fallacies. 1982, 2. The medium of language (philpapers.org).
  17. ↑ S. Morris Engel: With Good Reason an Introduction to Informal Fallacies. 1982, 4. Fallacies of presumption (philpapers.org).
  18. ↑ David J. Stump: Fallacy, Logical. In: www.encyclopedia.com. Abgerufen am 20. März 2021.
  19. ↑ a b c d e f g h Philosophy of logic. In: www.britannica.com. Abgerufen am 21. November 2021 (englisch).
  20. ↑ a b c d e f g h i j k l m n Robert Audi: The Cambridge Dictionary of Philosophy. Cambridge University Press, Philosophy of logic (philpapers.org).
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  22. ↑ a b c d e Hintikka Jaakko, Gabriel Sandu: Philosophy of Logic. North Holland, 2006, What is Logic?, S. 13–39 (philpapers.org).
  23. ↑ P. D. Magnus: Forall X: An Introduction to Formal Logic. Victoria, BC, Canada: State University of New York Oer Services, 2005, 1.4 Deductive validity (philpapers.org).
  24. ↑ Susan Haack: Deviant Logic, Fuzzy Logic: Beyond the Formalism. Chicago and London: University of Chicago Press, 1996, 1. 'Alternative' in 'Alternative Logic' (philpapers.org).
  25. ↑ Susan Haack: Deviant Logic, Fuzzy Logic: Beyond the Formalism. Chicago and London: University of Chicago Press, 1996, 2. Reasons for Deviance (philpapers.org).
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  27. ↑ a b c Johan van Benthem: Modal Logic: Contemporary View. In: Internet Encyclopedia of Philosophy. Abgerufen am 4. Dezember 2021.
  28. ↑ modal logic. In: www.britannica.com. Abgerufen am 4. Dezember 2021 (englisch).
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  36. ↑ Maarten McKubre-Jordens: Constructive Mathematics: 1b Constructivism as Philosophy. In: Internet Encyclopedia of Philosophy. Abgerufen am 28. Oktober 2021.
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  40. ↑ John Nolt: Free Logic. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Metaphysics Research Lab, Stanford University, 2021, abgerufen am 20. November 2021.
  41. ↑ Scott Lehmann: Strict Fregean Free Logic. In: Journal of Philosophical Logic. Band 23, Nr. 3, 1994, ISSN 0022-3611, S. 307–336, JSTOR:30227077.
  42. ↑ D. Ciucci, D. Dubois: A Modal Theorem-Preserving Translation of a Class of Three-Valued Logics of Incomplete Information. In: Journal of Applied Non-Classical Logics. Band 23, Nr. 4, 2013, S. 321–352, doi:10.1080/11663081.2013.863491 (Online).
  43. ↑ Siegfried Gottwald: Many-Valued Logic. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Metaphysics Research Lab, Stanford University, 2020, abgerufen am 20. November 2021.