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Bedeutung (Sprachphilosophie)/Bedeutung in der Philosophiegeschichte

aus AufEinWort, der freien Forschung

Eine Grundsatzfrage bei Platon

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Sprachphilosophische Überlegungen gibt es seit den Anfängen der Philosophie. So hat sich Platon in seinem Dialog Kratylos mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks zustande kommt. Kratylos behauptet in diesem Dialog, dass jedes Ding von Natur aus einen richtigen Namen hat. Als Gegenspieler vertritt Hermogenes die Auffassung, dass ein Begriff dadurch richtig wird, dass seine Bedeutung durch eine Vereinbarung hergestellt wird. Kratylos argumentiert, dass Sätze und damit auch Wörter wahr oder falsch sein können. Die richtige Bedeutung erkennt man an der Wahrheit einer Aussage. Hermogenes hält dagegen, dass man eine Sprache erfinden kann, in der es möglich ist, wahre Aussagen zu machen.

Sokrates, der von den beiden als Schiedsrichter aufgefordert wird, verweist schließlich darauf, dass man die Wirklichkeit bereits kennen muss, um zu beurteilen, ob eine Aussage richtig ist beziehungsweise ob ein Begriff in der richtigen Bedeutung verwendet wurde. Entsprechend sind Begriffe nur Namen des Erkannten. Sprache aus sich heraus ist danach ohne Bedeutung. Gegen Hermogenes spricht, dass die Konventionen nicht beliebig sind, sondern dass die Namen der Dinge oftmals eine zeichenhafte Entsprechung haben. Gegen Kratylos ist einzuwenden, dass manche Namen für die Dinge als Zeichen wenig geeignet sind. Offen bleibt auch die Frage, woher der Erfinder wusste, dass er mit ihnen die natürlichen Eigenschaften eines Dinges bezeichnet. Den Ausweg aus diesem Dilemma suchte Platon, indem er anstelle der Namen das Wesen der Dinge (eidos) für die Erkenntnis als grundlegend ansah.

Die von Platon angesprochene Problematik findet sich fast unverändert in der sprachwissenschaftlichen Diskussion des 20. Jahrhunderts. Es wurde also bisher keine Lösung in Richtung der Meinung des Kratylos oder der des Hermogenes gefunden. Ferdinand de Saussure vertrat die These, dass sprachliche Zeichen auf Konventionen innerhalb einer Sprachgemeinschaft beruhen. Sprachwissenschaftlich ist das die Annahme der Arbitrarität. Dagegen steht die These der Ikonizität der Zeichen, die auf den Philosophen Charles S. Peirce und die von ihm entwickelte triadische Semiotik zurückzuführen ist. Das Ikon ist ein wahrnehmungsnahes Zeichen mit bildhaftem Charakter. Das Bezeichnende (Saussure: signifiant) weist oftmals Ähnlichkeiten zum Bezeichneten (Saussure: signifié) auf. Das Bezeichnete wird durch ein Zeichen wahrnehmbar. Ein klassisches Beispiel ist das Nachahmen von Tierlauten in der Sprache wie das Bellen eines Hundes (Wau Wau) oder das Muhen einer Kuh (siehe auch Onomatopoesie). Ikonische Ähnlichkeiten finden sich auch in Wort- und Satzstrukturen (Morphologie und Syntax). Einen weiteren Typ der Ikonizität findet man in der Metapher. Vor dem Hintergrund dieser Beispiele entspricht die offene Haltung Platons zu dem dargestellten Dilemma der, allerdings differenzierteren, Sichtweise der modernen Sprachwissenschaft.

Aristoteles’ Zeichenlehre

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In seiner Schrift De interpretatione vertrat Aristoteles eine konventionalistische Auffassung, nach der sprachliche Ausdrücke auf Vorstellungen oder Begriffe verweisen und nicht unmittelbar auf Gegenstände Bezug nehmen. Der Name ist ein „Laut, der konventionell etwas bedeutet, ohne eine Zeit einzuschließen, und ohne dass ein Teil von ihm eine Bedeutung für sich hat“ (De Interpretatione. 16a). Ein Wort erhält erst in einem Satz eine Bedeutung, über die man aussagen kann, ob sie wahr oder falsch ist:

„Wie aber die Gedanken in der Seele bald auftreten, ohne wahr oder falsch zu sein, bald so, dass sie notwendig eins von beidem sind, so geschieht es auch in der Rede. Denn Falschheit und Wahrheit ist an Verbindung und Trennung der Vorstellungen geknüpft. Die Nomina und Verba für sich allein gleichen nur dem Gedanken ohne Verbindung und Trennung, wie z. B. das Wort Mensch oder weiß, wenn man sonst nichts hinzusetzt: Hier gibt es noch nicht Irrtum und Wahrheit. Dafür haben wir einen Anhaltspunkt z. B. an dem Wort Tragelaphos (Bockhirsch): es bedeutet zwar etwas, aber doch nichts Wahres oder Falsches, solange man nicht hinzusetzt, dass das Ding ist oder nicht ist, schlechthin oder zu einer bestimmten Zeit.“ (De Interpretatione. 16a)

Sextus Empiricus

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Bereits in der Stoa gab es nach einer Darstellung des Sextus Empiricus eine Unterscheidung zwischen Bezeichnetem, Bedeutetem und Bezug.

„Die Anhänger der Stoa sagen, dass folgende drei Dinge zusammengehören: Das Bedeutete, das was bedeuten soll, und das Ding. Das, was die Funktion des Bedeutens hat, soll der (sprachliche) Laut selbst sein, z. B. „Dion“. Das Bedeutete ist die Sache selbst, die durch das Bedeutende verständlich gemacht wird und die wir deshalb begreifen, weil sie in unserem Verstande existiert, die aber die Barbaren [Fremden] nicht verstehen, obwohl sie den gesprochenen Laut ebenfalls hören. Das Ding selbst ist das außerhalb (unseres Bewusstseins) Bestehende, z. B. Dion selbst. Von den genannten Gegebenheiten sollen zwei körperlicher Natur sein, nämlich der Laut und das Ding, und eine unkörperlich, nämlich das Bedeutete, das Lekton [das Ausgesagte], welches auch die Eigenschaft der Wahrheit und der Falschheit besitzt.“[1]

Vorstellung und Bedeutung bei John Locke

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Für John Locke war Bedeutung die Vorstellung, die ein Sprecher mit einem Zeichen assoziiert. Dabei unterschied er eigentliche Bedeutung, die sich auf eigene Ideen aufgrund von Erfahrung bezieht, von uneigentlicher Bedeutung, die sich auf Ideen bezieht, die dem Menschen nicht unmittelbar bekannt sind. Insbesondere entsteht die uneigentliche Bedeutung durch Konvention zwischen mehreren Sprechern. In An Essay Concerning Humane Understanding (1690) schreibt er:

„Da Wörter willkürliche Zeichen sind, können sie als solche von niemandem unbekannten Dingen beigelegt werden. Damit würde man sie zu Zeichen für nichts, zu Lauten ohne Bedeutung stempeln. Niemand kann seine Wörter zu Zeichen für Eigenschaften von Dingen oder für Vorstellungen im Geiste eines anderen machen, von denen sich in seinem eigenen nichts findet. Bevor man nicht eigene Ideen besitzt, kann man nicht vermuten, dass sie den Vorstellungen eines andern entsprechen. Man kann auch keine Zeichen für sie verwenden; denn das wären Zeichen für etwas Unbekanntes, das heißt tatsächlich Zeichen für nichts. Wenn man sich dagegen auf Grund vorhandener eigener Ideen die Ideen anderer vorstellt, wenn man damit einverstanden ist, ihnen dieselben Namen beizulegen, die sie von andern bekommen, so vollzieht sich dies eben immer noch an den eigenen Ideen, das heißt an Ideen, die man besitzt, nicht aber an solchen, die man nicht besitzt.“[2]

Kants Analyse der Begriffe und Urteile

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Kant ging bei der Bestimmung von Bedeutung von der Logik eines Begriffes aus. Empirische Begriffe entstehen durch einen Denkprozess, den Kant in Komparation, Reflexion und Abstraktion untergliederte.[3] Der Inhalt eines Begriffs (die Intension) wird dabei durch die Zusammenfügung verschiedener Merkmale mithilfe des Vermögens der Einbildungskraft erzeugt. Die Unterscheidung zwischen Begriff und Anschauung ist für Kant grundlegend. „Wenn man den Begriff nicht von Bildern absondern kan; so wird man niemals rein und fehlerfrey denken können.“[4] Der Inhalt der Begriffe kann nicht ohne Erfahrung gewonnen werden. „Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind.“[5] Begriffe sind zunächst abstrakt. Sie erhalten ihren Wirklichkeitsbezug als Prädikat möglicher Urteile, indem sie auf Gegenstände der Anschauung (die Extensionen) bezogen werden. „Daher erfordert man auch, einen abgesonderten Begriff sinnlich zu machen, d.i. das ihm correspondierende Object in der Anschauung darzulegen, weil ohne dieses der Begriff (wie man sagt) ohne Sinn, d. i. ohne Bedeutung bleiben würde.“ (KrV B 299) Diese Korrespondenz wird nach einem Schema hergestellt. Dies ist ein „Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff sein Bild zu verschaffen.“ (KrV B 179–180, siehe auch KdU § 49) Der Begriff des Hundes ist zunächst leer. Es ist ein Strukturkonzept.[6] Durch die Anwendung der Merkmale des Begriffs auf einen Gegenstand kann festgestellt werden, ob man einen Hund sieht. Das Schema verschafft dem Begriff im Urteil seine Bedeutung.

Neben den empirischen Begriffen bilden die reinen Verstandesbegriffe, die auf das bloße Denken beschränkt sind, eine zweite Gruppe von Begriffen. Dies sind zum einen die für den konstruktiven Erkenntnisprozess maßgeblichen Kategorien (der Quantität, Qualität, Relation und Modalität) und zum anderen die reinen Ideen der Unsterblichkeit, Freiheit und Unendlichkeit. Die Verstandesbegriffe erhalten ihre Bedeutung durch die „bloße Regel der Reflexion“ (KdU § 59) über bestehende Anschauungen, also indirekt.[7] Ein Problem der kantischen Vorstellung, wie Bedeutung entsteht, liegt darin, dass er auf die Konzepte der Vernunft, der Einbildungskraft und des Schemas zurückgreift, ohne unmittelbar den Einfluss der Sprache zu berücksichtigen.[8]

  1. ↑ „Adversus Mathematicos“ VIII,1, zitiert nach Franz von Kutschera, Sprachphilosophie, 2. Aufl. München 1975, 45
  2. ↑ John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand. Drittes Buch, 2.2.
  3. ↑ Thomas Sent: Der Mensch ist schwarz oder der schwarze Mensch. Kants Urteils- und Begriffslehre im Disput. In: Hans Werner Ingensiep, Heike Baranzke, Anne Eusterschulte: Kant Reader. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, S. 55–77, hier S. 69, mit Verweis auf: Gottlob Jäsche: Immanuel Kants Logik. Ein Handbuch zu Vorlesungen (Kurz: Jäsche-Logik). Akademieausgabe AA IX, S. 1–150, hier S. 91.
  4. ↑ Immanuel Kant: Vorlesung über Metaphysik. Mitschrift Volck, AA XXVIII, S. 369.
  5. ↑ Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. AA III, S. 75– B 75.
  6. ↑ Stephan Otto: Die Wiederholung und die Bilder: Zur Philosophie des Erinnerungsbewußtseins. Meiner, Hamburg 2009, S. 84.
  7. ↑ Ludwig Jäger: Das schreibende Bewusstsein. Transkriptivität und Hypotypose in Kants „Andeutungen zur Sprache“. In: Elisabeth Birk, Jan Georg Schneider (Hrsg.): Philosophie der Schrift. De Gruyter, Berlin 2009, S. 97–122, hier S. 110.
  8. ↑ Ludwig Jäger: Das schreibende Bewusstsein. Transkriptivität und Hypotypose in Kants „Andeutungen zur Sprache“. In: Elisabeth Birk, Jan Georg Schneider (Hrsg.): Philosophie der Schrift. De Gruyter, Berlin 2009, S. 97–122, hier S. 99.