Beibringungsmaxime
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Beibringung-s-Maxime lat.-frz.-deu. Nbnbgrff Verhandlungsgrundsatz
Funktionsweise
[✎]Während das Gericht hinsichtlich des Tatsachenstoffes (des Sachverhalts) an das Vorbringen der Parteien gebunden ist (da mihi factum, dabo tibi ius), gilt dies nicht für die Rechtsanwendung.[2] Hier gilt in Deutschland (anders als in verschiedenen anderen Rechtsordnungen, bspw. des romanischen Rechtskreises) der Grundsatz, dass das Gericht das Recht kennen und ohne Bindung an Rechtsausführungen der Parteien richtig anwenden muss (iura novit curia).
Um die Gefahren der Beteiligten (z. B. durch des Vergessens des Vorbringens von relevanten Einreden) zu vermeiden, die eben nicht von Amts wegen berücksichtigt werden dürfen, besteht im Zivilprozess am Landgericht, Oberlandesgericht und am Bundesgerichtshof Anwaltszwang (§ 78 ff. ZPO).
Eine Verletzung des Verhandlungsgrundsatzes durch das Gericht kann zur Begründetheit einer Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung des Willkürverbots oder wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs führen, sodass das betreffende Urteil aufgehoben werden kann.[3]Geschichte
[✎]Abgrenzung
[✎]Literatur
[✎]- Falk Bomsdorf: Prozessmaximen und Rechtswirklichkeit. Verhandlungs und Untersuchungsmaxime im deutschen Zivilprozess. Vom gemeinen Recht bis zur ZPO. In: Schriften zum Prozessrecht. Nr. 19. Duncker und Humblot, Berlin 1971, ISBN 3-428-02359-5 (Diss., Univ. Kiel; erneut als E-Book-Ausgabe: 2021).
- Othmar Jauernig: Verhandlungsmaxime, Inquisitionsmaxime und Streitgegenstand. In: Recht und Staat in Geschichte und Gegenwart 339/340, ISSN 0340-7012. Mohr Siebeck, Tübingen 1967.
- Dieter Leipold: Zivilprozeßrecht und Ideologie – am Beispiel der Verhandlungsmaxime. In: JuristenZeitung. Band 37, Nr. 13, 1982, ISSN 0022-6882, S. 441–448, JSTOR:20815827.
- Alexander Morell: Der Beibringungsgrundsatz. Eine Rechtfertigung unter besonderer Berücksichtigung der Passivität der nicht beweisbelasteten Partei. In: Jus privatum. Nr. 263. Mohr Siebeck, Tübingen 2022, ISBN 978-3-16-161246-6 (Habilitationsschrift, Universität zu Köln, 2019).
- Madeleine Tolani: Parteiherrschaft und Richtermacht. Die Verhandlungs- und die Dispositionsmaxime im Lichte divergierender Prozessmodelle. In: Jus privatum. Nr. 231. Mohr Siebeck, Tübingen 2019, ISBN 978-3-16-156533-5 (Habilitationsschrift, Universität Regensburg, 2017).
Weblinks
[✎]- Arbeitsgericht Siegen Urteil vom 3. März 2006, 3 Ca 1722/05 Ein Richter kann eine offenkundige Tatsache ohne Verstoß gegen den Verhandlungsgrundsatz in den Prozess einführen. Darunter fallen auch Informationen aus allgemein zugänglichen, zuverlässigen Quellen (Zöller/Greger, ZPO, 24. Auflage 2004, § 291 Rn. 1), hier: Internet-Lexikon Wikipedia.
Einzelnachweise
[✎]- BGH NJW-RR 1987, 1018 (1019).
- BGH NJW 1999, 645; BGH NJW 2003, 1390.
- BVerfG NJW 2017, 3218; BVerfG FA 2019, 104.