Branzoll

Branzoll ([]; italienisch Bronzolo) ist eine Gemeinde mit 2758 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2022) im Südtiroler Unterland in Italien etwa 13 km südlich von Bozen. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Italienisch als Muttersprache.
Branzoll wird erstmals 1181 als Branzol – damals Stiftungsbesitz des Klosters Sonnenburg im Pustertal – erwähnt.[1] Der Name leitet sich vermutlich vom germanischen Personennamen Berinza ab. Das Dorf wurde – ähnlich wie die Nachbarorte Leifers und Auer – auf einem breiten Schwemmkegel errichtet, um den Gefahren der ursprünglich sehr häufig auftretenden Etschhochwässer auszuweichen.[2]
Branzoll gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zur Grafschaft Tirol und damit zu Österreich-Ungarn. Innerhalb Tirols war Branzoll dem Gerichtsbezirk Neumarkt zugeordnet, der wiederum Teil des Bezirks Bozen war. Mit dem Vertrag von Saint-Germain kam Branzoll 1920 zusammen mit dem Großteil Tirols südlich des Alpenhauptkamms zu Italien. Als 1927 auf diesen ehemals österreichischen Gebieten die beiden Provinzen Bozen und Trient entstanden, wurde Branzoll wie auch einige andere umliegende Gemeinden der mehrheitlich italienischsprachigen Provinz Trient zugeschlagen. Erst 1948 wurde Branzoll in die Provinz Bozen bzw. Südtirol eingegliedert.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein bildeten Viehzucht und Weinanbau die wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung. Zusätzlich wurde bis etwa 1880 Holz von den Deutschnofner Höhen herabgeliefert und am Ausgang des Aldeiner Baches zum Verkauf angeboten. Dort wurden große Mengen von norditalienischen Holzhändlern erworben, die es von der Branzoller Lende aus auf der Etsch in Richtung Veronaverflößten. Branzoll bildete den nördlichsten Punkt, der vom italienischen Raum aus für die Schifffahrt erreichbar war. Hieraus ergab sich die Bedeutung als wichtiger Warenumschlagplatz. Auch der Porphyrabbau hatte für lange Zeit eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung, die bis in die heutige Zeit hinein reicht.[3][4]