Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/13
▷Feindschaft, Hass, Verrat entstehen gewöhnlich abwechselnd in dem Innern solcher kranker Staaten. Wenn die obsiegende Partei nach gründlicher Heilung verlangt, so muss sie vor allem aus ihrer Reihen Vertrauensmänner wählen, welche den besten Ruf genießen, und zwar erstlich Männer von reiferem Alter, von Haus aus frei, mit Familie, ferner mit einer möglichst langen Reihe namhafter Ahnen, [C] und alle mit einem für ihre Selbständigkeit ausreichenden Grundbesitz. Was sodann die Zahl betrifft, so sind fünfzig Männer für zehntausend Bürger genug. Diese muss man nun durch Bitten und möglichst große Ehren aus ihrer Heimat kommen lassen, sie nach geschehener Versammlung einladen der Bürgerschaft einer Verteilung der Rechte verfassungsmäßig festzustellen, und ihnen anbefehlen, dass sie weder den Siegern noch den Besiegten zu Liebe hierbei verteilen, sondern dass sie für alle Bürger ein allen gleich zukommendes und alle betreffendes Recht bestimmen. Sind aber die auf dem sittlichen Gefühle des Volkes beruhenden Gesetze aufgestellt, so liegt alles Heil des Staates [D] an ihrer Befolgung, denn erst dann wenn die obsiegende Partei sich selbst mehr zu Knechten der Gesetze macht als die Besiegten, ist überall Heil, Glück und Befreiung von allen früheren Übeln. Geschieht das aber nicht, so muss man weder mich noch einen Andren als einen Beirat rufen zu einem der meinen jetzigen Vorschriften nicht gehorchen will. Diese sind nämlich dieselben welche ich und Dion aus Wohlwollen für die Syrakuser auszuführen gedachten, und zwar als ich zum zweiten Male an der Verbesserung eurer Politik arbeitete. Der erste Versuch bestand in den Staatswohltaten, welche ich vorher mit Dionysius selbst auszuführen unternahm; [E] aber ein über die Macht der Menschen gehendes Geschick machte einen Strich durch diesen Plan. Bei eurem jetzigen dritten Versuche führt jenes Werk glücklicher aus unter günstigeren Umständen und mit dem Segen des Himmels.▷