Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/18
▷Es gibt bekanntlich eine gewisse Art in solchen Prüfungen auf den Grund zu kommen, welche nicht unedel ist und insbesondere bei Großen ganz angebracht ist, zumal wenn sie von dem mit den Ohren aufgefangenen Brocken den Kopf voll haben, ein Unglück welches auch ich gleich bei meiner Ankunft an Dionysius wahrnahm. [C] Solchen Herren muss man dann zeigen, welches der Umfang des ganzen Studiums sei, ferner durch welche Mühen sie gehen müssen und welche Anstrengung damit verknüpft ist. Denn hat einer dieses vernommen und ist er ein wahrer Freund der echten Wissenschaft, nämlich hat er einen ihres Besitzes würdigen, mit ihr verwandten Geist, dann glaubt er, dass er den Weg zum richtigen Leben gezeigt bekommen habe, glaubt, dass er den nun gehen müsse, und glaubt, nicht leben zu können, wenn er einen andren einschlüge. Hierauf strengt er alle seine Kräfte an, [D] und lässt nicht von dem Führer jenes Weges, bis er entweder zum höchsten Ziele gelangt ist oder die geistige Fähigkeit erlangt hat, dass er ohne Wegweiser sich selbst dahin führen kann. Mit dieser Denkweise und in solchen Gedanken lebt ein Solcher in was immer für Geschäften er tätig sein mag, da hängt er immer mit Leib und Seele vor Allem an der Wissenschaft, sowie an einer Lebensart, welche ihm bei der Nüchternheit seines Herzens, die Leichtigkeit seiner geistigen Auffassung, [E] die Treue seines Gedächtnisses und die Fähigkeit seines Verstandes erhält. Aber eine dieser entgegengesetzten Lebensart ist ihm immer ein Gräuel.▷