Werk:Briefe (Platon)/Siebter Brief/27
▷Und ich sagte daher dem Dionysius, dass es mir unmöglich sei noch länger zu bleiben bei solcher Misshandlung des Dion. Dieser aber tröstete und bat zu bleiben, weil er glaubte, es würde ihm keine große Ehre bringen, wenn ich sogleich als der Verkünder solcher Handlungen abreisen würde. Da er mich aber nicht herumdrehen konnte, so fügte er das Versprechen hinzu, [346 St.3 A] dass er selbst für meine ehrenhafte Heimreise besorgt sein wolle, denn ich ging mit dem Entschlusse um, eines der gewöhnlichen Transport-Schiffe zu besteigen und darauf die Fahrt zu machen, weil ich nun einmal empört war und auch glaubte, wenn ich von der Fahrt abgehalten würde, lieber alles in der Welt erdulden zu müssen, dieweil offenbar ohne die geringste Verletzung von meiner Seite meine gerechten Forderungen fortwährend verletzt wurden. Als er aber sah, dass ich auf keine Weise ein Verlangen zum Dableiben bekam, so ersann er eine gewisse List, damit meine damalige Abfahrt nicht vonstattenging, und zwar folgender Art. Am Tage darauf kam er und machte mir folgenden verführerischen Vorschlag: „Zwischen dir und mir,” sagte er, [B] „muss einmal Dion und seine Sache beseitigt sein, damit wir nicht mehr in den Fall kommen, darüber uns zu entzweien. Das ist leicht möglich, denn ich verstehe mich, deiner Person zu gefallen”, sagte er, „gegen Dion zu folgenden Gnaden. Ich verordne, dass er wieder sein Vermögen in Empfang nimmt und vorerst noch im Peloponnes sich aufhält, jedoch nicht als Verbannter, sondern unter der Aussicht, dass er wieder hierher in seine Heimat zurückkehrt, sobald er und ich unter Zuziehung eurer Freunde uns darüber vereinbart haben werden. Diese Gnaden gewähre ich aber nur unter der Bedingung, dass er keine revolutionäre Pläne gegen meine Regierung hegt, und du samt deinen Vertrauten sowie die hiesigen Freunde Dions müsst hierfür Garantie leisten, und bei euch muss jener sich mit seinem heiligen Worte verpfänden. Was aber die von Dion in Empfang zu nehmenden Gelder betrifft, so sollen sie zwar nach dem Peloponnes [C] und nach Athen geschickt werden dürfen, dort aber bei Leuten, bei welchen es euch gut dünkt, angelegt bleiben, und er bezieht davon nur die Zinsen, aber ohne euch soll er nicht das Kapital aufheben dürfen, denn ich habe nun einmal gegen ihn nicht geringes Misstrauen, er möchte bei unbedingtem Schalten und Walten mit diesen Geldern nicht in den Schranken des Rechts gegen mich bleiben, denn sie sind nicht unbeträchtlich. Auf dich aber und auf deine Vertrauten habe ich mehr Vertrauen. Sieh' nun zu ob dir diese Vorschläge gefallen und bleibe unter diesen Bedingungen noch dieses Jahr da, gegen das Frühjahr aber kannst du samt jenen für Dion bestimmten Geldern abreisen, und er wird, ich weiß es gewiss, [D] dir dafür vielen Dank wissen, wenn du für ihn alle diese Gnaden erwirkt hast."▷