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DG1G/Lautlehre

aus AufEinWort, der freien Forschung

Alle Laute der Sprache zerfallen in Vokale und Konsonanten, jene sind flüssiger, diese fester, man darf die Konsonanten Knochen und Muskeln der Sprsche nennen, die Vokale sind was die festen Teile durchströmt und belebt, Blut und Atem. Konsonanten scheinen gleichsam den Leib, Vokale die Seele herzugeben, auf den Konsonanten beruht die Gestalt, auf den Vokalen die Färbung: ohne sie würde die Sprache des Lichts und Schattens, ohne Konsonanten des Stoffes ermangeln, an den Licht und Schatten sich setzt.

Die Vokale können eher geschwächt, ja verflüchtigt werden, verdünne oder werfe man Vokale einer Wurzel aus, sie bleibt doch erkennbar, Änderung der Konsonanten hebt sie meistenteils auf oder entstellt sie. Leicht wechseln Vokale miteinander, unter Konsonanten erfolgt der übergang schwerer und seltner.

Von den einfachen Lauten ist auszugehn, dann ihre Verbindung, Mischung, Schwächung und Vertretung darzustellen, sie stehn oft unter wechselnden Einflüssen.

Vokale wirken auf Vokale ein, Konsonanten auf Konsonanten. Aber Vocale sind auch häufig dem Einfluß der Konsonanten ausgesetzt, selten Konsonanten dem der Vokale. darin liegt wieder ein Beweis der größeren Macht des Konsonantismus. Gewisse Vokale erhärten sich zu Konsonanten, gewisse Konsonanten schmelzen in Vokale.

Der gesamten deutschen Sprache unterscheidender Character liegt im Verhältnis der Konsonanten und es entspringen daraus bestimmte Merkmale der Abstufung. Gleichwol ist auch die Regel des deutschen Vokalismus fest und geordnet. Den individuellen Begriff einer deutschen Wurzel ergeben nur beide, Vokal und Konsonant, zusammen, keine Wurzel ist uns bekannt, die bloß vokalisch wäre, aber auch keine scheint annehmbar, deren Entfaltung nicht von sicherem Vocalwechsel abhinge. Kann in gewissem betracht der Vokal das weibliche, der Konsonant das männliche Prinzip der Sprache bezeichnen, so läßt sich auch sagen, daß die Zeugung jeder Wurzel nur in der Vereinigung beider geschehe.

In den Vokalen hauptsächlich ist die Weichheit, in den Konsonanten die Kraft der Sprache gelegen; aus der unendlich manigfalten Verbindung beider geht der Wohllaut hervor, allein auch Diphthonge können härte, liquide und mediae Weichheit zu wege bringen.

Je nachdem Vokale oder Konsonanten ein Wort beginnen, in der Mitte erfüllen oder schließen, heißen sie Anlaut, Inlaut, Auslaut. In der Dichtkunst stützt sich das Gesetz des Reims auf den Auslaut, das der Alliteration auf den Anlaut, Quantität und Akzent beherschen den Inlaut. Der Anlaut macht die Stärke und Reinheit der Wurzeln aus, er bestimmt auch die Reduplikation; in beiden der Reduplikation und Alliteration walten begreiflich Konsonanzen vor. Der Alliteration gelten alle Vokale gleichviel, deren schwächeres Wesen auch daraus erhellt.