Definitionen der Modalbegriffe und der Meisterschluss
▶Cicero, Plutarch, Boethius und Alexander von Aphrodisias berichten von Diodoros' Definitionen der ModalbegriffeMöglichkeit, Unmöglichkeit, Notwendigkeit und Nicht-Notwendigkeit. Möglich sei, was entweder wahr ist oder wahr sein wird[1], nach anderen Quellen[2], was entweder der Fall ist oder der Fall sein wird. Die übrigen Modalbegriffe hat Diodoros laut Boethius folgendermaßen definiert. Unmöglich sei, was nicht ist und nicht sein wird. Notwendig sei, was ist und sein wird. Nicht notwendig ist, was nicht ist oder nicht sein wird. Diodoros' Möglichkeitsbegriff weist eine Ähnlichkeit mit demjenigen auf, den Aristoteles[3] bereits zuvor den Megarikern zugeschrieben hat.[4]
Die Richtigkeit seiner Definition des Möglichkeitsbegriffs hat Diodoros mit dem bereits in der Antike so bezeichneten Meisterschluss oder Meisterargument (kyrieúōn lógos [ὁ κυριεύων λόγος]) zu erweisen versucht. Der wichtigste antike Bericht stammt von Epiktet[5], Verständnis und Deutung des Meisterschlusses sind in der Forschung allerdings umstritten. So soll Diodoros folgende drei Aussagen für miteinander unvereinbar gehalten haben:
- Alles Wahre in der Vergangenheit ist notwendig.
- Aus Möglichem folgt nichts Unmögliches.
- Es gibt Mögliches, das weder wahr ist noch wahr sein wird.
Die ersten beiden seien nach Diodoros wahr, also müsse die dritte falsch sein. Wenn die Negation der dritten Aussage wahr sei, so sei auch Diodoros' Definition des Möglichen wahr. Bereits in der Antike wurde Einspruch gegen die Wahrheit der ersten beiden Aussagen erhoben.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Plutarch, De Stoicorum repugnantiis 1055d-1055e; Cicero, De fato 17.
- ↑ Boethius, De interpretatione II 234,22-234,24; Alexander von Aphrodisias, In Aristotelis analyticorum priorum librum I commentarium183,34-184,1.
- ↑ Aristoteles, Metaphysik 1046b29-1046b32.
- ↑ Klaus Döring: Diodoros Kronos, Philon, Panthoides. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 221–230, hier: S. 227–228.
- ↑ Epiktet, Dissertationes 2,19,1.
- ↑ Klaus Döring: Diodoros Kronos, Philon, Panthoides. In: Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998, S. 221–230, hier: S. 228–229.