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Deflationistische Wahrheitstheorien

aus AufEinWort, der freien Forschung

Q: Deflationistische Wahrheitstheorien


Redundanztheorie

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Die Redundanztheorie der Wahrheit besagt, dass Sätze, in denen das Wort „wahr“ vorkommt, in der Regel redundant sind. Dieser Begriff kann danach ohne Informationsverlust aus der Sprache eliminiert werden; es ist in einem gewissen Sinne überflüssig. Als Hauptvertreter der Redundanztheorie werden gewöhnlich Frank Plumpton Ramsey, Alfred Jules Ayer und Quine genannt. Dieser Ansatz kann gemäß Dummett bis auf Gottlob Frege zurückgeführt werden, der in seinem Werk Über Sinn und Bedeutung 1892 den Grundgedanken der Redundanztheorie formulierte:

„Man kann ja geradezu sagen: ‚Der Gedanke, dass 5 eine Primzahl ist, ist wahr.‘ Wenn man aber genauer zusieht, so bemerkt man, dass damit eigentlich nicht mehr gesagt ist als in dem einfachen Satz ‚5 ist eine Primzahl‘. […] Daraus ist zu entnehmen, dass das Verhältnis des Gedankens zum Wahren doch mit dem des Subjekts zum Prädikate nicht verglichen werden darf.[1]“

Frege drückt hier bereits die zentrale Idee der Redundanztheorie aus, dass der Ausdruck „wahr“ im Grunde nichts zum Sinn der Sätze, in denen er vorkommt, beiträgt und daher inhaltlich redundant ist. In klassischer Form wird dieser Gedanke in Ramseys Facts and Propositions formuliert, wo es lapidar heißt, dass „es in Wirklichkeit kein gesondertes Wahrheitsproblem gibt, sondern lediglich eine sprachliche Verwirrung [linguistic muddle]“.[2] Wahrheit oder Falschheit können primär Propositionen (propositions) zugeschrieben werden. Wenn einer sage, „p ist wahr“, bejahe er damit nur p, und wenn er sage, „p ist falsch“, behaupte er damit nicht-p. Damit würde aber der Inhalt der Proposition pnicht erweitert. So meine beispielsweise der Satz „Es ist wahr, dass Cäsar ermordet wurde“ nicht mehr als der Satz „Cäsar wurde ermordet“. Eine Satzform wie „es ist wahr“ werde nur aus stilistischen Gründen verwendet, oder um der eigenen Behauptung Nachdruck zu verleihen.

Frege selbst weist jedoch eine Redundanztheorie zurück, für ihn ist Wahrheit eine undefinierbare logische Grundvorstellung und „Das Wahre“ ein abstrakter Gegenstand.

Gegen die Redundanztheorie wurde eingewendet,[3] dass der Begriff „wahr“ nicht erklärt und nicht definiert wird. So kann gegen das Cäsar-Beispiel von Ramsey ein Satz konstruiert werden, in dem die Bezeichnung „wahr“ wesentlich vorkommt und zum Verständnis nicht wegfallen kann: „Alles, was der Papst sagt, ist wahr.“

Prosententiale Theorie

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Dorothy L. Grover, Joseph L. Camp Jr. und Nuel D. Belnap Jr. arbeiteten nach einer Idee von Franz Brentano die prosententiale Wahrheitstheorie aus.[4]

Minimaltheorie

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Die Minimaltheorie von Paul Horwich besagt, dass die Eigenschaft „wahr“ sich jeglicher begrifflicher und wissenschaftlicher Analyse entziehe.[5]

Disquotationstheorie

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Die Disquotationstheorie sagt: Wahrheit hängt mit der Realität zusammen. Der Satz „Schnee ist weiß“ ist genau dann wahr, wenn Schnee weiß ist. Kein Satz ist für sich wahr, die Realität macht ihn wahr.

Performative Theorie

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Ramseys Redundanztheorie hatte eine große Wirkung auf die Diskussion des Wahrheitsbegriffs in der sprachanalytischen Philosophie. Einen der wichtigsten Versuche einer kritischen Ausarbeitung unternahm Peter Frederick Strawson im Jahre 1949 in seinem Aufsatz Truth, in dem er eine performative Theorie der Wahrheit entwickelte.[6] Strawson gibt der Redundanztheorie insofern Recht, als er behauptet, dass „man keine neue Aussage macht, wenn man sagt, dass eine Aussage wahr ist“. Dennoch sei die Nennung der Wahrheit nicht überflüssig, da „man etwas über die bloße Aussage Hinausgehendes tut, wenn man sagt, diese Aussage sei wahr“.[7]

Der Ausdruck „ist wahr“ ist für Strawson kein metasprachliches Prädikat, das zum Sprechen über Sätze verwendet wird. Er stellt vielmehr eine „Äußerung ohne Sinn und Zweck (pointless utterance)“ dar. Der Gebrauch von „ist wahr“ ist ein „sprachlicher Vollzug“, mit dem man eine Aussage bloß noch bestätigt, ohne dass inhaltlich etwas Neues ausgesagt wird. Der Ausdruck „es ist wahr, dass“ ist demnach nur der Modus des Aussagens, ein „Performator, welcher eine zunächst bloß mögliche Aussage in eine wirkliche (freilich möglicherweise falsche) Behauptung überführt.“[8]

  1. ↑ Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung (1892). In: G. Patzig (Hrsg.): Frege. Funktion, Begriff, Bedeutung. Göttingen 1980, S. 49.
  2. ↑ Frank Plumpton Ramsey: Facts and Propositions. In: G. Pitcher: Truth. Englewood Cliffs 1964, S. 16.
  3. ↑ Zur Kritik der Redundanztheorie vgl. u. a. Alan Richard White: Truth, London 1971, S. 92 ff.
  4. ↑ D. Grover, J. Camp, N. Belnap: A Prosentential Theory of Truth. In: Philosophical Studies, 27, 1975, S. 73–125.
  5. ↑ Vgl. Paul Horwich: Truth. 2. Auflage. Oxford 1998.
  6. ↑ Peter Frederick Strawson: Truth. In: Analysis 9, 1949; deutsch: Wahrheit. In: R. Bubner (Hrsg.): Sprache und Analysis. Texte zur englischen Philosophie der Gegenwart. Göttingen 1968
  7. ↑ Peter Frederick Strawson: Wahrheit. In: R. Bubner (Hrsg.): Sprache und Analysis. Texte zur englischen Philosophie der Gegenwart. Göttingen 1968, S. 97.
  8. ↑ Lothar Kreiser, Pirmin Stekeler-Weithofer: Wahrheit/Wahrheitstheorie. In: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie. Bd. 2: O–Z, Meiner, Hamburg 1999, S. 1712–1722, hier S. 1716.