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Die Monas bis zu Leibniz

aus AufEinWort, der freien Forschung

Quelle: Die Monas bis zu Leibniz

◀▷Schon in der antiken griechischen Mathematik erscheint ein monás bezeichneter Begriff. Euklids Definition einer Zahl ist eine aus Monaden zusammengesetzte Mannigfaltigkeit. Der pythagoräische Gedanke, dass die Monas der metaphysische Ursprung (griechisch ἀρχή archḗ) der Zahlen sei, wird im Neuplatonismus von Plotin (205–270) dahingehend erläutert, dass die Monas das Minimum der arithmetischen Größe bildet, so wie der Punkt das Minimum der geometrischen Größe darstellt; und er wird von Proklos (410–485) durch Metaphern versinnbildlicht, nach denen die Monas Quelle, Wurzel oder Herd der Zahl sei.

Diese Grundbedeutung der Monas als Erzeugungsprinzip, das den Übergang vom Unsagbaren und Unteilbaren zum Zählbaren und Messbaren bewirkt, wird bei Pseudo-Dionysius Areopagita (5. Jahrhundert n. Chr.) explizit mit der Rede vom dreieinigen Gott verbunden. Die Monas liegt den drei göttlichen Personen zugrunde und durchdringt alle himmlischen und irdischen Dinge, so dass es das Ziel des Menschen ist, sich mit dieser „heiligen Einheit“ zu vereinigen. Dieser trinitarische Prozess wird dann im pseudo-hermetischen Buch der 24 Philosophen (um 1200) mit der Brechung oder Reflexion von Licht verglichen: „Gott ist die Einheit (Monas), die eine (zweite) Einheit erzeugt bzw. erzeugt hat und (drittens) in sich selbst ihre Liebe oder Glut reflektiert hat.“

In der frühen Neuzeit gewinnt die Monas eine überwiegend naturphilosophische Bedeutung. So definiert der späte Giordano Bruno die erste Monade (Amphitrite) als die „Substanz jeder Zahl“ und charakterisiert sie als substantielles Minimum im dreifachen Sinne, nämlich als Rationalprinzip in den Zahlen, als Essentialprinzip in den Wesen und als Unzerteilbarkeitsprinzip der Atome in den Körpern. Die zweite Monade (Diana) ist die dem Menschen begreifliche Lichtspur der ersten in der universalen Allnatur.

Auch bei von Paracelsus geprägten Naturphilosophen wie Franciscus Mercurius van Helmont (1614–1699) werden „physische Monaden“ als vitale Kräfte angenommen und sowohl von den Atomen als auch von den mathematischen Minima abgegrenzt. Der Cambridger Platoniker Henry More (1614–1687) versteht dagegen Gott als die unbewegte Monade, die ihr Sein in die geschaffenen Monaden ausstrahlt wie der allgegenwärtige Mittelpunkt seine Radien gegen die Peripherie.