Evolution
evolut- + -ion | ex + volution | ‘Entwicklung’, und zwar ‘allmählich fortschreitende Entwicklung von Zusammenhängen im geschichtlichen Ablauf’; als Begriff der Biologie ‘stammesgeschichtliche Entwicklung von niederen zu höher organisierten Lebensformen’.
Die Entlehnung folgt lat. ēvolūtio ‘das Auseinanderwickeln (der Schriftrolle), das Lesen’, einem Verbalabstraktum zu lat. ēvolvere ‘hinauswälzen, enthüllen, auseinanderrollen, entwickeln’, das sich aus lat. ex- ‘aus-, heraus-’ und lat. volvere ‘rollen, wälzen, abspulen’ zusammensetzt.
Dieses Hptw. gelangt zunächst über frz. évolution ‘Exerzierbewegung eines Truppenteils, Veränderung des Truppenkörpers in Form und Ausdehnung’ um 1700 als militärisches Fachwort ins Dt. (so bis ins 19. Jh.; danach noch übertragen für bestimmte Figuren in Tanz, Artistik u. ä.).
Im 18. Jh. findet es als Übernahme aus der lat. Wissenschaftssprache vielfache terminologische Verwendung (Mathematik, Musikwissenschaft, Biologie).
Besondere Bedeutung für die philosophische Diskussion seit dem 18. Jh. gewinnt der (von der 2. Hälfte des 18. Jhs. an eingedeutscht vorkommende) naturwissenschaftliche Terminus Evolution, der anfangs unter dem Einfluß der Präformationslehre steht (‘Auswickelung, Entfaltung der bereits seit der Schöpfung vorhandenen Organismen’), im 19. Jh. aber (im Dt. besonders seit Mitte der 70er Jahre) durch Darwins Abstammungslehre den Sinn ‘ständige Höherentwicklung durch allmähliche Veränderungen’ erhält.