Feuer (Religiöse Bedeutung)
vgl. Weltfeuer, Zentralfeuer, Feuer (Religiöse Bedeutung)


Die Bedeutung des Feuers spiegelt sich in zahlreichen Mythen wider, etwa dem der Feuerbringer Prometheus und Huschang[1] oder des Vogels Phönix.
Die alte Religion des persischen Religionsstifters Zarathustra, dessen Anhänger als „Feueranbeter“ bezeichnet wurden, wirkte nachhaltig in die dortige Volkskultur hinein. Auch heute noch lebt diese Religion als Parsismus bzw. Zoroastrismus fort. Viele persische Vornamen nehmen auf das Feuer Bezug.
Der griechische Mathematiker und Ingenieur Heron von Alexandria konstruierte zu kultischen Zwecken eine sich beim Entzünden des Opferfeuers im Tempel automatische sich öffnende Tempeltür.[2]
Die Römer verehrten Vesta, die Göttin und Hüterin des Herdfeuers, mit einem eigenen Frauenkult (den Vestalinnen).
Judentum / Christentum: Im Alten Testament der Bibel sind Feuer, Rauch und Beben Begleiterscheinungen einer Theophanie (Gotteserscheinung, vgl. z. B. 2. Buch Mose, Kapitel 3). Nach dem Zeugnis der Apostelgeschichte zeigte sich der Heilige Geist „in Zungen wie von Feuer“(vgl. Apg. 2 Pfingsten). In der Osternacht wird am Osterfeuer die Osterkerze, Sinnbild der Auferstehung Jesu Christi, entzündet. Der Brauch des Osterfeuers hat vermutlich vorchristliche Wurzeln. Bei Johannes nennt sich Jesus selbst das Licht der Welt. Dem Feuer wird in religiösen und mythischen Vorstellungen[3] außerdem reinigende Wirkung zugesprochen (siehe auch: Fegefeuer). So wurden in der frühen Neuzeit angebliche Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, „um ihre sündigen Seelen reinigen zu lassen“. In der Apokalypse des Johannes bewirkt Feuer[4] das Ende der Welt.
Im Hinduismus ist Agni, das Feuer, die Verkörperung eines Gottes, der auf der Erde in Flammenform erscheint. Feuer spielt im Gottesdienst sowie in allen anderen religiösen Riten eine herausragende Rolle: Die populärste tägliche Zeremonie ist das Arati, bei dem man ein Butterlicht vor dem Altar schwenkt. Das Feueropfer, Yaggya (auch Yajna) genannt, war ursprünglich wahrscheinlich das wichtigste Opferritual, bei dem die Opfergaben in das heilige Feuer geworfen wurden.
Auch heute noch spielt das Feuer im Glaubensleben der Hindus eine wichtige Rolle: Zu bestimmten Anlässen, ganz besonders, wenn es um Reinigungszeremonien wie die Einweihung von Wohnungen, Geschäften oder dergleichen geht, entzündet der Priester unter Gebeten rituell das heilige Feuer. Im Feueropfer, heute auch Homa oder Havan genannt, verehrt er Agni. Bei einer Wohnungseinweihung etwa trägt der Priester oder der Besitzer anschließend die Schüssel mit dem glimmenden Feuer segnend durch die Räume. Besonders bei allen hinduistischen Sakramenten ist immer die lebendige Anwesenheit des Göttlichen in seiner Flammenform notwendig: Ein hinduistisches Paar schließt die Ehe, indem es gemeinsam siebenmal um das Feuer herumgeht.
In manchen ethnischen Religionen gibt es einen Feuergeist oder mehrere Feuergeister. Im finnischen Epos Kalevalaspielt der Raub der Feuermühle Sampo aus dem „Nordort“ (Pohjola) eine bedeutende Rolle, nach der auch die finnische Streichholzmarke „Sampo“ benannt ist.
- ↑ Uta von Witzleben: Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf und Köln 1960, S. 18 f. (Die Entdeckung des Feuers)
- ↑ Helmut Gebelein: Das Element Feuer in Haushalt und Familie. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Sigmaringen 1991, ISBN 978-3-7995-4156-5, S. 137–151, hier: S. 141.
- ↑ Allison Coudert: Der Stein der Weisen. Die geheime Kunst der Alchemisten. (Originalausgabe: Alchemy: the Philosopher’s Stone. 1980) Lizenzausgabe. Pawlak, Herrsching 1992, ISBN 3-88199-911-6, S. 103.
- ↑ Helmut Gebelein: Das Element Feuer in Haushalt und Familie. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Sigmaringen 1991, ISBN 978-3-7995-4156-5, S. 137–151, hier: S. 139.