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Francesco Patrizi da Cherso/Herkunft und Name

aus AufEinWort, der freien Forschung

Francesco Patrizi stammte aus der Stadt Cres auf der vor Istrien gelegenen gleichnamigen Insel (italienisch Cherso).[1] Die Insel gehörte damals zur Republik Venedig, doch ein großer Teil ihrer Bevölkerung war kroatisch. Francesco war ein unehelicher Sohn des Priesters Stefano di Niccolò di Antonio Patrizi (Petrić), der dem niederen Adel angehörte. Seine Mutter war Stefanos Lebensgefährtin Maria Radocca. In der älteren Fachliteratur wurde Francescos Vater irrtümlich mit dem gleichnamigen Richter Stefano di Niccolò di Matteo Patrizi identifiziert und seine Mutter Maria mit Maria Lupetino, der angeblichen Gattin des Richters, gleichgesetzt. Unzutreffend ist auch die mit der irrigen Genealogie zusammenhängende Behauptung einer Verwandtschaft des Philosophen mit dem berühmten Theologen Matthias Flacius.[2]

Nach Francescos Angaben war seine Familie ursprünglich in Bosnien ansässig und ihrem Wappen zufolge von königlicher Abstammung. Infolge der türkischen Eroberung ihrer Heimat sei sie ausgewandert, und so sei ein Vorfahre namens Stefanello nach Cres gelangt. Dies geschah, wenn die Mitteilung zutrifft, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.[3]

Einem humanistischen Brauch folgend latinisierte der Philosoph seinen Namen und nannte sich Patricius oder Patritius. Da er in Italien lebte und seine Werke dort veröffentlichte, hat sich international die Namensform Francesco Patrizi durchgesetzt, doch in Kroatien werden Varianten der kroatischen Form bevorzugt. Der Zusatz „da Cherso“ (aus Cres) dient zur Unterscheidung von dem aus Siena stammenden Humanisten Francesco Patrizi (Franciscus Patricius Senensis), der im 15. Jahrhundert lebte.[4]

  1. ↑ Emil Jacobs: Francesco Patricio und seine Sammlung griechischer Handschriften in der Bibliothek des Escorial. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 25, 1908, S. 19–47, hier: S. 20 Anm. 2 vermutet als Geburtsort Osor auf Cres, doch diese Hypothese wird in neuerer Literatur nicht aufgegriffen.
  2. ↑ Cesare Vasoli: Immagini umanistiche, Neapel 1983, S. 531–541, 547 f., 553.
  3. ↑ Cesare Vasoli: Immagini umanistiche, Neapel 1983, S. 528–530.
  4. ↑ Zum Namen siehe Zvonko Pandžić (Hrsg.): Franciscus Patricius: Discussiones Peripateticae, Köln 1999, S. XI; Emil Jacobs: Francesco Patricio und seine Sammlung griechischer Handschriften in der Bibliothek des Escorial. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen 25, 1908, S. 19–47, hier: S. 20 f. Anm. 2.