Franken
Das Ethnonym der Franken ist – wie die Namen anderer germanischer Stämme – als Quelle mit großer Nähe zum historischen Geschehen auch von Bedeutung für die moderne Geschichtswissenschaft. In den zeitgenössischen, meist in Latein verfassten historischen Darstellungen blieben die Ethnonyme als germanischsprachige ‚Fremdkörper‘ stehen und wurden damit relativ wenig von der jeweiligen Interpretation des Autors beeinflusst; ähnliches gilt für die Belege germanischer Personennamen.
Grundsätzlich stellt sich auch für die Deutung des Frankennamens die Frage der Fremdbenennung oder Eigenbenennung;[3] ein bekanntes Beispiel stellt die anhaltende Diskussion des Germanen-Begriffs dar.[4] Der Name der Franken folgt einem häufigen Motiv bei germanischen Stammesnamen nach einer charakteristischen Eigenart oder Eigenschaft auf Grund einer Beobachtung aus der Fremd- oder Eigensicht.[5]
Die neuere Namenskunde folgt inhaltlich dem Nachschlagewerk des frühmittelalterlichen Gelehrten Isidor von Sevilla (um 560–636) und führt den Frankennamen auf eine indogermanische Wurzel *(s)p(h)ereg- „gierig, heftig“ zurück. Die Wurzel brachte daneben auch griechisch σπαργάν „schwellen, strotzen, heftig begehren“ hervor und führte insbesondere im germanischen Bereich zur reichen Wortfamilie von altnordisch frekr „gierig, hart, streng“ – davon altnorwegisch frakkr„schnell, mutig“ und synonymes schwedisch (mundartlich) fräk –, mittelniederländisch vrec „habsüchtig, gierig, hartherzig“ (daraus niederländisch vrek „Geizhals“), althochdeutsch freh „habsüchtig, gierig, ehrgeizig“ (achtes Jahrhundert), mittelhochdeutsch vrech „mutig, tapfer, dreist“ und neuhochdeutsch frech sowie altenglisch frec „gierig, eifrig, kühn“ und freca „kühner Mann, Krieger“, daraus das synonyme freak im modernen Englisch.[6] Die Franken wurden demnach als die „Habgierigen, Ehrgeizigen, Mutigen, Kühnen“ benannt.[7]
Die Bedeutung des neuhochdeutschen frank im Sinne von „frei“ entstand hingegen zur Zeit der Merowinger im romanisierten Herrschaftsgebiet der Franken und beruht vermutlich seinerseits auf dem Stammesnamen. Im Gegensatz zum Römer oder Gallier war der fränkische Mann schlichtweg der „Freie“, woraus sich Franc als Substantiv und franc als Adjektiv herleiteten. Erst im 15. Jahrhundert wurde die deutsche Bedeutung „frei“ aus dem Französischen entlehnt.[8]