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GAWMP/IX.

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Urvrschrftng

IX.

Weiln also voritzo mein intent ist, wie bey der Tugend ope sensum und præcipue intellectus die Wahrheit zu erkennen, und selbige auff die beste Weise excoliren: So ist vorerst höchstnöthig, die Hinderniß dieser Sache zu entdecken, und was bißhero in denen Schulen die allgemeinesten und grösten Irrthümer, so circa hunc passum begangen werden. Welche darinn bestehen: Weil man verspüret, daß Theologi, Juristen, Medici und Politici, besonders sich in der Welt in grosse Renommée setzen, und also am besten fort kommen, wann sie wohl reden können, ob sie gleich taliter qualiter Sprachen, und gute und reale Wissenschaften besitzen, und also in der That ihr Thun, ob es gleich unwissende blendet, vor andern, denen die Augen der Wahrheit recht auffgethan sind. nicht anders ist, als ein bloß leeres Geschwätz, oder Hüllen ohne Kern: So hat man sich dennoch in den Schulen am meisten beflissen, die Jugen nicht zur rechten Rede-Kunst, welches hoch zu heben wäre, besondersbey Leuten die vor andern eine sonderbahre inclination hierzu haben, sondern vielmerh zur Schwätz-Kunst angehalten, dadurch sie nur viel von allen Sachen, ob sie selbige gleich nicht vollkommen verstehen, reden können, und alle andere real gute Sachen sind nur zu diesen Zweck abgeleitet worden. Denn, hat man nützliche Sprachen wohl ecoliret, zum Exempel, die Lateinische, so hat man ihnen in derselbigen nicht eine puram latinitatembeygebracht, sondern vielmehr allen ohne Unterscheid eine Stylum Oratorium: hat man sie nütuzliche Wissenschaften lernen lassen, so hat man keinen andern Zweck damit gehabt, als daß sie durch dieselbige oder von denselbigen ein grosses und weitläufiges Geschwätz (So doch meistens ohne alles judicium) data occasione führen könnten. Sind Wissenschaften, welche gantz nichts zur Schwätz-Kunst dienen, ob sie gleich von unglaublichem Nutzen, so hat man solche gäntzlich ausgebannet, oder doch, weñ der Nutzen davon allzugroß ist, etwas davon, und nur superficialiter lassen treiben. Was hernach vor Schaden hieraus entstehet, wenn solche Leute in Aempter kommen, da dem gemeinen Wesen wohl vorzustehen, ist nicht genung zu exprimiren, wird auch unmöglich wohl von andern affequiret werden, als der solches recht erkandt, und durch lebendige Erfahrung in vielen Exempeln wohl gesehen hart. Wer dieses alles ohne ein præocupirt Bemüthe ansiehet , wird sich nicht wundern, daß fast die gantze Philosophia bey dergleichen Leuten zu einer Verbali Philosophia worden, und wenn es hoch kommt, zu einer Philosophia Historica wird, da man viel weiß von anderer Leuten unterschiedenen Optionibus, die sie gehäget, wenig aber, welchen zu folgen oder nicht. Aber von der real Philosophia, dadurch die Wahrheit durch sich selbst entdecket wird, ist wenig oder nichts vorhanden. Dieweil aber hiervon meine Gedancken in der Præfation der Medicinæ Mentis weitläuffiger erwehnet, so will mich dahin voritzo bezogen haben.

—Abvrschrftng

§. IX.

Weiln also voritzo mein intent ist, wie bey der Tugend ope sensum und præcipue intellectus die Wahrheit zu erkennen, und selbige auff die beste Weise excoliren: So ist vorerst höchstnöthig, die Hinderniß dieser Sache zu entdecken, und was bißhero in denen Schulen die allgemeinesten und grösten Irrthümer, so circa hunc passum begangen werden. Welche darinn bestehen: Weil man verspüret, daß Theologi, Juristen, Medici und Politici, besonders sich in der Welt in grosse Renommée setzen, und also am besten fort kommen, wann sie wohl reden können, ob sie gleich taliter qualiter Sprachen, und gute und reale Wissenschaften besitzen, und also in der That ihr Thun, ob es gleich unwissende blendet, vor andern, denen die Augen der Wahrheit recht auffgethan sind. nicht anders ist, als ein bloß leeres Geschwätz, oder Hüllen ohne Kern: So hat man sich dennoch in den Schulen am meisten beflissen, die Jugen nicht zur rechten Rede-Kunst, welches hoch zu heben wäre, besondersbey Leuten die vor andern eine sonderbahre inclination hierzu haben, sondern vielmerh zur Schwätz-Kunst angehalten, dadurch sie nur viel von allen Sachen, ob sie selbige gleich nicht vollkommen verstehen, reden können, und alle andere real gute Sachen sind nur zu diesen Zweck abgeleitet worden. Denn, hat man nützliche Sprachen wohl ecoliret, zum Exempel, die Lateinische, so hat man ihnen in derselbigen nicht eine puram latinitatembeygebracht, sondern vielmehr allen ohne Unterscheid eine Stylum Oratorium: hat man sie nütuzliche Wissenschaften lernen lassen, so hat man keinen andern Zweck damit gehabt, als daß sie durch dieselbige oder von denselbigen ein grosses und weitläufiges Geschwätz (So doch meistens ohne alles judicium) data occasione führen könnten. Sind Wissenschaften, welche gantz nichts zur Schwätz-Kunst dienen, ob sie gleich von unglaublichem Nutzen, so hat man solche gäntzlich ausgebannet, oder doch, weñ der Nutzen davon allzugroß ist, etwas davon, und nur superficialiter lassen treiben. Was hernach vor Schaden hieraus entstehet, wenn solche Leute in Aempter kommen, da dem gemeinen Wesen wohl vorzustehen, ist nicht genung zu exprimiren, wird auch unmöglich wohl von andern affequiret werden, als der solches recht erkandt, und durch lebendige Erfahrung in vielen Exempeln wohl gesehen hart. Wer dieses alles ohne ein præocupirt Bemüthe ansiehet , wird sich nicht wundern, daß fast die gantze Philosophia bey dergleichen Leuten zu einer Verbali Philosophia worden, und wenn es hoch kommt, zu einer Philosophia Historica wird, da man viel weiß von anderer Leuten unterschiedenen Optionibus, die sie gehäget, wenig aber, welchen zu folgen oder nicht. Aber von der real Philosophia, dadurch die Wahrheit durch sich selbst entdecket wird, ist wenig oder nichts vorhanden. Dieweil aber hiervon meine Gedancken in der Præfation der Medicinæ Mentis weitläuffiger erwehnet, so will mich dahin voritzo bezogen haben.