GDSG/Ackerbau
Allmälich beginnt das unruhige schweifen in friedliche niederlassung überzugehn und ein sattes lachendes grün der wiesen und weiden die breiten furchen in sich aufzunehmen, welche die goldne gabe der göttin zieht:
thaz fruma thie gibûra fuarên in thia scûra. O. II. 14, 108, wem die erdmutter gnädig ist, dessen acker trägt hundertfältige frucht (furma), wem die flur versagt, von dem hat jene den blick abgewandt:
οὐδ ̓ εἶδεν αὐτοῦ τὴν ἅλωνα Δημήτηρ. Babr. 11, 9.[1] zur erntezeit, sagt eine litthauische überlieferung, hütet sich der schnitter die letzten halme zu mähen, denn in ihnen soll die Rugia boba (kornmutter) wohnen, dasz er sie nicht schädige, wie das volk in Sachsen der guten frau, der frau Gode oder Harke einen büschel ähren stehn liesz. die mutter war auf dem wagen, mit dem pflug durch die felder gezogen, und das liebe getraide ist ihr heilig, voos pilns Anunroos. Babr. 131, 6. jener erntegebrauch hiesz auch 'eine 54 scheune bauen (mythol. 1211), der acker steht unter gottes verschluss, wer auf dem felde getraide stielt, von dem sagt Östgötalag s. 43: brytär guzs las (frangit dei seram) und noch heute drückt sich der gemeine mann in Schweden so aus. in Dänmark heiszt korn und getraide guds gave, wie bei uns gottes gabe, gottes segen. Hat anhaltende dürre die fluren ausgesogen, so rufen die ackerer, indem sie ein naktes mädchen mit wasser besprengen, ersehnten regen herab (mythol. s. 560. 561.)
Der ackerbau, ackergang (Conrads troj. kr. 9751) ist der menschen und rinder werk, βοῶν, ἀνδρῶν ἔργα bezeichnet ackerland Od. 10, 98. ἀγροὺς ἴομεν καὶ ἔργ ̓ ἀνθρώπων Od. 6, 259, ἔργον folglich die eigentliche arbeit Od. 14, 222[2], obgleich es auch vom geschäft des spinnens und webens gilt, Od. 21, 350. 352, die der göttin gleich heilig sind. nicht anders war unser arbeit, goth. arbais, ahd. arapeit, alts. arbêd, ags. earfod, altn. arviði labor ursprünglich aratio, agri cultura, welche bedeutung ausdrücklich der letztangeführten mundart verblieb: nur darf man arvidi nicht arvinni erklären von vinna laborare, vielmehr B in arbaibs gleicht dem in hvairban, ahd. P in arapeit dem in huerapan, und beide entsprechen dem lat. V in arvum terra culta; mit goth. arbi hereditas verhält es sich ebenso, dessen erste bedeutung nur die von ager, praedium gewesen sein kann: das grundeigenthum aber wurde vererbt und dieser ausdruck trat in den begrif der erbes über. einfach erscheint die wurzel im altn. ar labor und aratio, fast alle urverwandten sprachen stimmen in ihr für den sinn des ackerns und des geräths unverkennbar zusammen. lat. arare aratio aratrum, gr. ἀροῦν ἄρομα ἄροτος ἄρουρα ἄροτρον, sl. orati oralo und mit aphaeresis ralo[3], poln. orać (arare) oracz (ager) radło (aratrum), litth. arti arimmas arklas, lett. art arrajs arkls, irisch 55 ar (ploughing) arach (ploughshare) ardhamh (ploughox), oireamh arator, welsch arad (aratrum) cornisch aradar, bretagn. arazr alazr. das goth. verbum lautet arjan arida, ahd. erran arta, alts. erian eride, altn. erja ardi und yrja urdi; zugleich erscheint noch ahd. die starke form aran far, mhd. arn ier. nur im sanskrit und zend tritt die wurzel nicht so deutlich vor, man müste denn skr. irâ, altgr. ega, ahd. ero, welche terra bezeichnen (mythol. s. 229) unserm erde, goth. airpa, ahd. ërada erda, ags. eorde (vgl. yrdling arator), altn. iörd gleichzustellen und alle aus dem stamm ar zu entleiten befugt sein. sicher überweisen darf man ihm ahd. art aratio, artôn arare colere habitare, woraus mhd. nhd. die abgezogne bedeutung von cultus modus indoles natura hervorgieng; ags. eard solum habitatio habitus, gesondert von eorde im vocalischen wie consonantischen laut.
Näher zu betrachten sind die namen des geräths. aratrum und Qorqov stimmen gänzlich, zunächst steht das welsche und cornische arad aradar; im altn. ardr gehört das letzte R der flexion (gen. ards, nicht ardrs); alts. erida aratrum; dem sl. oralo ralo radlo radło gleichen litth. arklas arkls, deren K ans ir. arach reicht, aber die litth. sprache liebt es einzuschalten (vgl. auksas f. ausas.) wegen des altsl. vollen oralo läszt sich ralo nicht aus radere leiten (dies entspringe denn selbst aus aradere), Ducange hat mlat. ralla für radula §vorqa, and lat. rallum war eisen des pflügers: purget vomerem subinde stimulus cuspidatus rallo. Plin. 18, 19.
Der Rigveda hat aber ein wort aritra, welches schif und ruder ausdrückt; scharfsinnig stellt Kuhn auf, dasz es jenem aratrum ἅροτρον entspreche und auch altn. âr remus, ags. âre, engl. oar, schwed. åra, dän. aare dahin gehöre, deren aller vocallänge freilich noch zu rechtfertigen wäre. das meer wird vom schif wie die erde vom pflug gefurcht (sulcus aqua remigando fissa, sulcare navigare), im alterthum geschehen heilige, feierliche umzüge mit beiden durch das land, der erde fruchtbarkeit zu erflehen (mythol. 5. 243.) Wenn nun 56 für aratrum ahd. pfluoc, nhd. pflug, nnl. ploeg, altn. plôgr, schwed. plog, dän. ploug, engl. plough (altengl. plow) gelten, und man weisz, dasz die anlaute PF, P der undeutschheit verdächtig sind; so scheinen diese wörter entlehnt aus sl. ploug", russ. plug", böhm. pluh, poln. pług, litth. plugas, alban. hovag, obgleich sehr früh, da schon die lex. Roth. 293 sagt: si quis plouum (al. ploum plonum) aut aratrum alienum scapellaverit, vgl. Ducange s. v. ploum plovum; Gothen und Angelsachsen blieb der ausdruck noch fremd. aber er schlieszt sich dem skr. plava navis, gr. hotov an, und musz ursprünglich schif bedeutend der wurzel plu zufallen, die in unsrer sprache bereits FL annimmt. Plinius 18, 18 vom vomer redend überliefert; non pridem inventum in Rhaetia Galliae, ut duas adderent alii rotas, quod genus vocant planarati, wozu man jenes lesart plonum hält. berührt sich aritra mit skr. ara rota? auch das franz. charrue geht über in den begrif des wagens; aber planaratum könnte einfach sein aratrum planum?
Das goth. wort lautet hôha, wofür auch ahd. huoho gemutmaszt werden darf, weil sich huohili aratiuncula vorfindet, genau wie ahd. suoili suoli auf suol suhol führen, das dem ags. syl sul sulh = ara trum entspricht und noch im provinziellengl. sull fortdauert. sulh aber scheint das lat. sulcus, die pfluggezogne furche und sulhian arare folgert sich aus sulhung aratio. schwieriger schien die abkunft von hôha huoho; Kuhn hat das skr. kôka ermittelt, welches wolf bedeutet, weil in den veden auch vṛka, ein andrer bekannter name des wolfs (goth. vargs) sich auf den begrif aratrum angewandt findet. nemlich vṛka, wolf, lupus bezeichnen zerreiszer und der pflug zerreiszt die erde, ja im sanskrit heiszt er ausdrücklich noch godaraṇa, erdzerreiszer. ein lettisches räthsel sagt: lahzis tupp tihrumâ, dselses kurpes kahjâ (der bär sitzt auf dem felde mit eisenschuhen am fusz) und meint wiederum den pflug.
Für diese ansicht, sollte sie im einzelnen bedenklich bleiben, streitet mächtig, dasz auch unser alterthum pflug und schif als lebendiges wesen dachte. wie das schif haupt, hals und schnabel (vgl. vorowoos) empfängt und als pferd oder schwan die flut durchschnei det, darum auch angeredet wird (gramm. 3, 434), tritt ähnliches ein beim pflug[4], so ist ahd. die rede von pfluoges houbit und zagal, noch heute von pflughaupt und pflugsterz, schwed. ploghufvud plogstjert, dän. ploughoved plougstiärt, engl. ploughneck (collum aratri) ploughstilt ploughtail, nnl. von ploeghoofd ploegstaart, mnl. von 'des ploeghes staert Minnenlop 2, 666.
Es mag aber bald ein gehörntes, bald ein wühlendes thier gemeint sein. MSH. 3, 213b heiszt es: 'den pfluoc begrîfen bî dem horn', und das ahd. geiza keiza für stiva gemahnt an geisz oder bock, noch heute soll man im Argau die pflughandhabe nennen geisz. des erdwühlenden ebers erwähnen unsere sagen (myth. s. 632. 975)[5] und die serbische thierfabel läszt das schwein mit seinem rüssel ackern (Reinhart CCXCI), porca, die aufgewühlte erde scheint nach porcus oder porca genannt, wie furicha nach farah[6]; des Festus deutungen taugen nicht. vielleicht dasz in vollständiger französischer thiersage (Renart branche 22) der wolf pflügte, dann hätten wir vollends den vrka oder kôka. den Litthauern bedeutet plunksna (feder) des pfluges gabel, er ist also vogel, vielleicht hahn, der wiederum in den märchen pflügt (myth. s. 929. 975), im Renart dem ackerbauenden wolf zur seite steht. Ich will mich nicht übereilen und sulcus für verwandt mit sus, αλξ αλλαξ εὐλάκα mit ἧς halten, Varro meint von vomer: ita dictum quod terram erutam utrinque vomat, und es wäre nah dabei an ein thier zu denken, doch hat vomer ein langes O, vomere kurzes. aber auch Plutarch leitet vis ivy ivvis von vg ab: des erdaufwühlenden thieres rüssel habe ersten anlasz zum pflug gegeben[7]. noch jetzt heiszt bei uns in einzelnen gegenden der leichte pflug 58 schweinsnase, in England pigs nose und sollte nicht das altn. hali cauda sich berühren mit skr. hala aratrum? Ihres dialectlexicon gibt al für hal cauda und aratrum leve, alä halä für arare.
Andere benennungen des pflugs und seiner theile stehn gramm. 3, 415. 416 aufgezählt. ihren eigenthümlichen pflug nennen die Litthauer zagrě, was man dort zoch verdeutscht. haken (uncus) poln. böhm. hak ist der räderlose pflug, mit dem man hin und wieder das land bearbeitet; es soll wendischer brauch sein, der name klingt deutsch. den Finnen heiszt der pflug atra (est. adder) ahra aura, die handhabe auran kurki, auran perä, sonst sahra, das pflugeisen vannas (wie keula vannas, prora navis). ir. ceachta aratrum, vomer. bask. goldea und bostortza.
Den Skythen war ein goldner pflug und joch noch glühend vom himmel niedergefallen (Herod. 4, 5) und nach der reihe nahten ihm ihre königssöhne. In einer unsrer volkssagen läszt sich eine glühende egge vom himmel auf die erde, und an der stelle wird eine kirche gebaut (Emil Sommers sagen no. 65). viel bedeutsamer musz jedoch erscheinen, dasz in unsern weisthümern, wie durch sehwurf oder kolterwurf, d. h. wurf mit der pflugschar gesetzliche weite ermittelt wird (1, 483. 2, 456. 587. 721. 3, 30. 309), einigemal ausdrücklich mit heiszer pflugschar geworfen werden soll. im Langenfelder weisthum (2, 594) heiszt es: und wo der gefangne des dorfs ein einwohner wäre, sol man für sein thür an den gatter einen heiszen kolter legen und soweit damit könnte geworfen werden, sol man das gericht stellen und ihn richten; diese bestimmung wiederholt sich im weisthum von Olzhem (2, 597) und von Scheuren (2, 599.) sie wäre sinnlos, wenn sie sich nicht auf uralte überlieferung gründete, die ich 59 unmittelbar wage mit jener skythischen zu verknüpfen. glühend oder heisz gefordert wird die schar, das will sagen funkelneu, wie sie eben geschmiedet wurde, da zu allen heiligen dingen neues geräth nöthig war, weshalb auch 1, 483 gesagt ist: mit einem neuen seche. man musz aber zugleich an das gottesurtheil denken, nach welchem barfusz über glühende pflugscharen geschritten werden soll (rechtsalt. s. 914); die alte heiligkeit des ackerwerkzeugs bricht allenthalben durch. Noch im mittelalter wurden silberne pflüge und schiffe als abgabe dargebracht (mythol. s. 52, 243. weisth. 1, 624. 2, 648. 659. 730. 731. 3, 853), ein delphisches orakel sprach von άgyvo̟éą evλázą Evλaşev (Thuc. 5, 16.) König Hugons goldpflug stand unentwendbar auf den äckern, er selbst leitete ihn alljährlich durch die flur (rom. de Charlemagne p. 12, 13). Wenn das volk sich seinen heerführer oder herscher auserwählt, treffen ihn die boten auf dem felde pflügend, damit soll angezeigt sein, dasz des landbauers erste arbeit auch ihm heilig bleibe: aranti quatuor sua jugera in vaticano, quae prata quinctia appellantur, Cincinnato viator attulit dictaturam, et quidem, ut traditur, nudo plenoque pulveris ore. Plin. 18, 4 [vgl. Cic. de senect. 56]; Quinctius ab aratro ad dictaturam arcessitus. Liv. 3, 26 vgl. Cic. fin. 2, 4. Den Gothen wurde geweissagt, dasz Vamba (ventriosus?) ihr könig sein solle:
y lo habian de hallar arando cerca de la Andalucía, con un buey blanco y sereno, y un prieto en su compañía,
wie um die neugegründete stadt furche gezogen ward; der ackernde stier gilt für heilig[8]. Als feierliche gesandtschaft dem Přemysl das herzogsamt in Böhmen übertrug, lag seine hand am pflug, und das feld wo er ackerte hiesz seitdem königsfeld; andere melden er habe auf eisernem tisch der pflugschar eben sein mahl eingenommen. Auch Marko, der serbenheld, ackert und festigt den pflug an den nagel (Vuks gloss. 346, neue ausg. 309)
uze Marko ralo za krtschalo.
Bei der huldigung in Kärnten muste der herzog den graurock mit rauher jägertasche, worin brot, käse und ackergeräth lag, anziehen und einen hirtenstab in hand halten (RA. 253). Unsern Heinrich überrascht die wahlbotschaft beim vogelstellen, diese sage entstammt noch der hirtenzeit, aus der ackerzeit die römische von Seranus: serentem invenerunt dati honores Seranum, unde cognomen. Plin. 18, 4.
Ich lenke wieder ein. das gebaute land heiszt mit groszer übereinkunft lat. ager, gr. ayoós, goth. akrs, ahd. achar, ags. äcer, altn. akr, schwed. åker, dän. ager, ohne zweifel aus agere ayev hergeleitet[9], deute man von der bewegung des pflugs, dem antrieb der rinder, oder dem bloszen thun, das ein bauen ist, gyov und arbeit. den deutschen sprachen mangelt schon das verbum, auszer der altn. aka ôk. allen romanischen aber fehlt das lat. ager und wird ersetzt durch das allgemeine campo camp campus, nur im landmasz findet sich mlat. acra, franz. acre, wie die tenuis zeigt aus deutschem acker geborgt, eben darum scheint ir. acra, gal. acair entlehnt. anders urtheile ich vom böhm. auhor uhor, serb. ugar, die brachacker, ager proscissus bedeuten und kaum zu ager gehören, vielmehr zu uhořeti abbrennen (neugereutetes land, novale).
Poln. rola, böhm. role, ich denke wieder mit abgeworfnem anlaut stat orola orala von orati. sonst gilt pole, ursprünglich campus, auch für ager. ihm entsprechen finn. peldo, est. pöld, lapp. päldo, walach. holda, alts. folda, ags. folde, altn. fold, die deutschen wörter mit dem sinn von solum terra humus; an folda reiht sich aber feld campus. daraus wage ich zu folgern: den Deutschen verblieb der nomadische begrif von folda und feld, während Slaven pole, Finnen peldo bereits zu gebautem land wurde. die Deutschen haben also früher acker gebaut und ihr wort, das ihnen mit Griechen und Rö- 61 mern gemein war, nicht verloren.
Wenn die Litthauer den acker laukas nennen, lett. lauks, pr. laukas; haftete im russ. lug", böhm. luh, ahd. lôh, ags. leáh, engl. ley, lat. lucus wieder die ältere bedeutung von aue wiese wald weide, und ähnliche schlüsse werden statthaft. neben laukas litth. dirwa, lett. druwa für ackerland.
Wir gelangen zu einem merkwürdigen ausdruck. brache brachfeld ist uns das in ruhe liegende ackerfeld, der angebaute acker, brach liegen heiszt ungepflügt liegen: mhd. sîn bû in brâche lac. Diut. 2, 250, folglich anger ungebrâchot, der angebaute acker (fundgr. 2, 143. 149 auf Maria bezogen[10]). ahd. aber bedeutete prâcha aratio, prâchôn proscindere terram; wie ist dieser anscheinende widerspruch zu lösen? prâcha war nicht volle pflügung, blosz aratio prima, wobei der acker in schollen gebrochen ward, ohne dasz man ihn ausstellte; nachdem er zwei jahre getragen hatte, blieb er in solcher ruhe das dritte liegen. ruhte er längere zeit, mehrere jahre hindurch, dasz ihn unkraut dorn und gesträuch erfüllten, so kehrt er wieder in weide und wald zurück, unsere weisthümer sagen: er trägt dorn und distel, oder, das erste jahr soll er dorn und distel tragen, das ander jahr soll man den wolf darüber laufen lassen. hub neuer laubwuchs sich zu baumes höhe, konnte ein joch rinder sich im gesträuch bergen, so wurde das land wieder markmäszig, wie es vor dem ersten reuten gewesen war (rechtsalt. s. 92. 93. 525): das alte hirtenrecht erwacht.
brâche stammt her aus brechen scindere; auch das mlat. ruptitius oder fractitius ager sind aus rumpere frangere gebildet; fractitius kürzte sich ins franz. friche, terre friche. brach liegen hiesz mhd. auch 'in egerden ligen' kihdh. Jesu b. Hahn 95, 62, brach liegen lassen ́en egerde lân' MS. 2, 229, agri egerden sind agri inculti. Oberlin 275 mlat. agri vegri. egerde scheint ahd. âgierida. gleichviel 62 ist das nhd. driesch liegen, und drieschen bedeutet brachen; es scheint ahd. drisk ternus oder trimus, was auf denselben dreijährigen umlauf der ackerzeit weist[11]. mich dünkt, brache und driesch, die nach zwei jahren anbau im dritten eintreten, hängen zusammen sowol mit dem uralten jährlichen wechsel der äcker (arva per annum mutant, in annos singulos gentibus, quantum eis et quo loco visum est, attribuunt agri atque anno post alio transire cogunt) als mit dreifelderwirthschaft, die alles ackerland in drei wechselnd brach liegende theile absondert.
Altn. hiesz brachland trâd pascuum (trieb und trât) oder trođa nicht trôda) terra subacta, tradarlægi ager quiescens a cultura, von troda calcare, conculcare, goth. trudan, ahd. trëtan. schwed. träda ager cessans, vervactum, träda agrum, qui superiore anno quieverat, proscindere, trädestock aratrum minus (jenes al oder hal), weil es zum brachen nur leichteren pflugs bedarf.
Franz. auszer jenem laisser en friche, laisser en jachère (altfranz. à gaskiere. Méon 1, 108), en repos. älter ist das lat. vervactum, quod vere semel aratum est[12]. der ital. ausdruck lautet maggese, maggiatica, von maggio, wie unser brachmonat den juni bezeichnet. sp. tierra baldia oder barbecho (vervactum) und herial. russ. prilog, poln. przyłog, böhm. přjloh; auhor ugar wurden vorhin erwähnt. wendisch smaha. litth. pudimas, lett. papuwa, papua.
Mit allgemeinem ausdruck nennen wir die ausgestellte und geerntete frucht das getraide, ahd. gitragidi, mhd. getregede, gleichsam die zahme, in des menschen hände gekommene frucht, wie die zahmen thiere den wilden entgegen stehn. lat. frumentum, fruges; mlat. bladum, blavum, it. biada[13], biava, franz. bled, blé, ags. blæd, sl. plod; ir. arbhar, vgl. lat. arvum; böhm. obilj, sl. obilije pinguedo, abun 63 dantia, wie arvina zu arvum gehört; lett. labbiba, von labs gut, die güte, das liebe getraide.
Auch hier sollen die hauptarten des getraides durchgegangen werden, wie bei den thieren schwankt der ausdruck zwischen einzelnen. Das goth. hvaiteis verdeutscht Joh. 12, 24 oiros, vulg. frumentum; ahd. hueizi triticum, frumentum, siligo; alts. huête triticum; ags. hvæte triticum, frumentum, altn. hveiti, mhd. weize, nhd. waizen, nnl. weit, engl. wheat, dän. hvede schränken sich auf triticum ein. leicht fällt hvaiteis zu hveits albus, hueizi zu huîzi, wie ais zu eisarn, êr zu îsarn; genau gleicht litth. kwětys, lett. kweeśchi und das sicher entlehnte lapp. hveit. aber auch gr. oitos, sl. shito, böhm. žjto, poln. zito, sämtlich den allgemeinen begrif frumentum ausdrückend, liegen nahe, sei nun skr. švêta albus anzuschlagen, oder sl. shiti vivere, so dasz der sinn wäre lebensmittel, vivres (vgl. nacher quecke). Eigen ist nnl. tarwe triticum, nd. tarve; es könnte nebst triticum, sp. trigo der wurzel tero trivi tritum gehören (Benfey 2, 261) und mehlkorn (far) bezeichnen, vgl. triturare. Gr. voós, syrakus. ovog liesze sich zu ozɛiow stellen, doch die gemeine form bestärkt sl. p'iro huga far, slov. pira gerste, böhm. pyr quecke, triticum repens, lett. pûrji puhri winterwaizen, mit übertragung des namens auf ein schlechteres getraide oder gar unkraut. Kuhn hält zu πvo̟óg die skr. wurzel pusch nutrire, Puschan den gott des ackerbaus, ñóα gramen für zooα. da böhm. pyr auch glühende asche bezeichnet, wäre verwandtschaft mit ug möglich, obschon dies kurzen, vоóс langen vocal zeigt (aber auch unser fiuri langen), und die goldne saat der Ceres könnte wie feuer glänzen. pschenitza, die russ. benennung des waizens, böhm. pšenice, poln. pszenice scheint gleich dem alts. penik, nhd. fenich fench aus lat. panicum ableitbar; nahe liegt russ. pscheno milium, böhm. pšeno, poln. pszono[14]. ganz ab steht finn. nisu triticum, est. nisso, auch finn. vehna. ir. breachtan triticum vielleicht verwandt mit breach humulus, insofern beide dem bierbrau dienen. gelten kann; rührt aber secale von secare, so leitete auch böhm. rež auf řezati, poln. rzezać, schneiden, obgleich die zischlaute etwas abweichen, vgl. poln. rźany żytni und rżysko stoppel. Die frucht scheint aus dem Norden in den Süden gedrungen zu sein, wo der waizen vorherschte. da jenes russ. rosh, finn. ruis im Nordosten noch weiter um sich greift und nicht allein bei Morduinen ros, bei Tscheremissen rsha, rusha angetroffen wird, sondern mit vorgesetztem vocal bei Vogulen orosh, bei Ostjaken arüsh, bei Tschuwaschen irasch, bei Samojeden arish, unter Tataren aresh orosh, selbst unter Zigeunern rozo (Pott, 2, 280); so liegt hier ein uraltes wort vor, in dessen wurzel gar nicht mehr einzudringen ist. wahrscheinlich gehört öova reis mit hinzu, der im skr. vrîhi hiesz, in unsern ahd. glossen aber auch durch arawiz verdeutscht wird, was sonst pisum, cicer bedeutet: pisum scheint ursprünglich malbare frucht[15]. welche getraidearten gr. ὄλυρα und lat. arinca sind, weisz ich nicht.
Goth. baris gen. barizis, gr. zoɩd, ags. bere, engl. barley, altn. barr, gen. bars, Sæm. 51 allgemein frucht, alle von bairan, wie lat. far von ferre, gen. farris (für farsis = barizis?), in farina einfaches R, wie in fero baira und bere. altn. bygg, schwed. bjugg, dän. byg, von byggja colere, gebaute frucht. ahd. gersta, mhd. nhd. gerste, nnl. gerst garst, ags. gerst, engl. grist; wie wir schon bei πῡός auf πόα geleitet wurden, läge auch hier das nährende gras, ags. gärs nicht ab, und S erschiene wesentlich; doch volleren anspruch haben hordeum fordeum ordeum, sp. ordeo, it. orzo, franz. orge und κριϑή (nach Benfey 2, 197 für χρϑιή), hord = gert, S eingeschaltet (wie in kunst brunst munst); vgl. bask. garagarra. sp. cebada, von cebar nutrire und cibo nahrung. skr. java, bald als frumentum und triticum, bald hordeum aufgefaszt, pers. jew, entspricht dem litth. jawai frumentum, finn. jyvà granum frumenti (pl. jyviä frumentum) wie dem gr. ζεά ζειά (vgl. skr. juga, lat. jugum, gr. ζυγόν) aufs haar, zugleich zeigt litth. jauja scheune die verwandtschaft zwischen hordeum und horreum, granum und granarium (grenier): es sind häuser für frucht und gerste. sl. jatsch'men', russ. jatschmen', slov. jazhmen, serb. jetschmen, poln. ięczmien, böhm. gečmen führt sich zurück auf die wurzel jasti edere, poln. ieśdź, böhm. gjsti, und entspricht dem altn. æti (von eta), welches Sæm. 51b neben bygg und barr steht; damit stimmen ferner ir. joth (in der alten sprache ith), welsch yd hyd, bretagn. ed für korn, getraide, gleichsam res edules edulia. litth. měźei, lett. meeschi scheint mit der bierbereitung in zusammenhang. ἀκοστή soll auf Cyprus die gerste geheiszen haben, vielleicht wegen ihres spitzen barts? vgl. acus azéσrga und acus aceris spreu. finn. ohra, est. ohrad ohher, ich zweifle ob zum ir. orna earn gehörig. Zuletzt gedacht sei der beiden synonyme lagastafr und hnipinn im eddischen Alvismâl, die nicht anders als bygg barr vaxt æti den begrif der frucht insgemein hervor heben, nicht auf gerste einschränken. lagastafr, sonst auch dichterischer name des meers, drückt das wie wellen, wenn seine ähren schwer geworden sind, wogende getraide aus, und hnippinn entweder gekrümmt, unter last der ähre gebogen, oder die gebundne garbe, merges, altn. hneppi, dän. knippe.
Ahd. haparo habaro avena, alts. havoro, altn. hafri, schwed. hafre, dän. havre, mhd. habere, nhd. haber (hafer ist unhochdeutsch), nnl. haver, unverkennbar alle mit der schwachen form aus hafr caper geleitet, also das gemutmaszte ahd. hapar bestätigend. die frucht musz also bezug auf bock oder schaf haben, sei es dasz das thier dem haber (vielleicht einem ähnlichen unkraut) nachstellt, oder vormals damit gefüttert wurde[16], haparo ist des hapar speise. hierzu stimmt mancherlei, einmal αἰγίλωψ windhaber, αἰγίπυρος ziegenwaizen und dasz Boóuos (umgestellt Boquos) sowol haber als bocksgestank, caper, hircus bedeutet; zwar pflegt man letzteres Pocuos zu schreiben. nicht anders verhalten sich finn. kauris caper und kaura avena, est. kara kaer; ir. caor ovis, coirce avena, welsch keirk, um SO deutlicher die syncope der labialis in kauris, caor. nun erklärt sich auch russ. oves", böhm. owes, poln. owies gen. owsa avena neben owce owca ovis und litth. awizos, lett. ausas avena neben awis ovis[17]; walach. ovesu avena ist den Slaven abgeborgt. ob ags. âte âta avena, 67 engl. oat pl. oats irgendwie einem solchen thiernamen begegne, steht dahin, âta wäre ahd. eizo und Graff 5, 788. 1, 541 [Förstemann 583] hat die eigennamen Eizo Eizâ. Lat. it. sp. avena, franz. avoine, nnl. evene fügen sich leicht zu ovis; wenn franz. averon folle avoine bedeutet, scheint es zurückzuführen auf haveron und deutsches havre, das die Franzosen auch in havresac aufnahmen. baskisch heiszt haber oloa.
Jenes allgemeine korn, goth. kaurn und durch alle deutschen mundarten gehend, ist auch im lat. granum, ir. gran, sl. źr'no, böhm. zrno, poln. ziarno vorhanden, empfängt aber im litth. zirnis, lett. sirns die eingeschränkte bedeutung pisum (erbskern.) pisum, íσov, ita dictum quod semper pisitur antequam coquatur, führt uns auf pisere pinsere, skr. pisch conterere und pêschana handmüle. gr. πτίσσειν pinsere, πτισάνη, χόνδρος. eben dahin leitet auch zirnis.
Specifisch unterschieden von sl. zrno ist shr"n"v" mola, serb. shrvanj, böhm. žerna, poln. zarna, litth. girna (wofür der pl. girnos bräuchlich), lett. dsirnus, goth. qairnus, ahd. quirn, alts. quern, ags. cveorn, engl. quern, altn. qvörn, schwed. qvarn, dän. qvärn. da nun sl. Z und SH tauschen (bozi boshe, mozati moshio), dürfen litth. Z und G, goth. K und Q ähnlichem wechsel unterliegen, und kaurn zrno zirnis, die frucht, der sie malenden müle qairnus žerna girna unmittelbar verwandt sein, wie bereits Benfey 2, 128 korn kern qairnus zusammenstellt[18]. granum und grando hagelkorn vermitteln sich aber in zóvdoos (für zgóvdos?) und im ags. grindan molere, mhd. grien arena, nhd. grand, das kies und graupe bedeutet; skr. ist dhsrî terere molere, dhsirna tritus. Aelteste mülen waren handmülen und tretmülen, wie sie poln. żarna, engl. quern noch heute bezeichnen.
mola, μύλος μύλη[19], ahd. muli, ags. mylen, engl. mill, altn. 68 mylna, ir. meile, welsch melin, russ. mel'nitza, böhm. mlyn, poln. mlyn, litth. malunas, ungr. malom gehn vorzugsweise auf die wassermüle, und die wurzel molere, malan (praet. môl, starkformig), mljeti, malti breitet sich weit aus, sie zeigt in melo, altn. miöl farina, malma melm arena, malmen terere, ahd. mulian alle vorhin wahrgenommnen begriffe. wie in farina far kann in qairnus die wurzel kaurn liegen, während melo miöl aus malan, triticum aus terere erwachsen, oder ist es gerathner auch korn, das malbare, malmbare aus mutmaszlichem qairnan grindan molere flieszen zu lassen? ir. finde ich bro (gen. bron, pl. brointe) für handmüle[20].
Auch diese übersicht der nothwendigsten und ältesten ausdrücke des ackerbaus lehrt, den worten wie den vorstellungen nach, gemeinschaftlichen ursprung der völker.
Wie unmittelbar nahe stehn sich arare, aratrum, ager im lateinischen griechischen keltischen und deutschen. zwar für aratrum ist goth. arþr, ahd. aradar nicht mehr aufzuzeigen und altn. ardr um weniges ungleich, dagegen späteres pfluoc plôgr vielleicht von Slaven und Litthauern eingedrungen oder so uralt, dasz es der lautverschiebung entgieng. diesen Slaven und Litthauern mangelt das dem ager entsprechende wort, aber orati arti besitzen sie und für aratrum einstimmig die ableitung mit L oralo ralo arklas arlas, welches L auch in sl. rola für ager gefunden wird. mola molere zeigt sich fast allenthalben. granum korn zrno zirnis wieder bei Römern Deutschen Slaven Litthauern, yóvdoos, wenn es dasselbe, weicht in der form ab. ebenso lucus lôh lug laukas.
Lateinisch und deutsch erscheinen arvum arbi, porca furicha, sulcus sulh, far baris, hordeum gersta. darunter stimmen auch zwei zum gr. κριθή und αλξ.
Deutsch slavisch und litthauisch sind qairnus žerna girna, hvaiteis shito kwětys, wiewol für die identität von shito zweifel bleiben, es neigt sich mehr zu oîtos, wie sich vielleicht pira und voós fügen. slavisch und altn. stimmen in jatschmen und æti, wozu sich kelt. jed ed ioth gesellt, wie bladum[21] und plod sich erreichen. eigenthümlich stände nord. bygg bjugg, doch wie hätte der allgemeine sinn des worts ausgedehntere verbreitung gehindert?
Finnisches peldo ist alts. folda wie sl. polje; die finn. namen der früchte weichen ab, ausgenommen jyvä granum und ruis, das aber fast überall hin reicht. in kaura haber aveņa treffen seltsam die begriffe zusammen, nicht die wörter, in avena und owes auch das wort.
Mit dem sanskrit offenbart sich urverwandtschaft hier seltner als bei der viehzucht und das ist natürlich. die ausziehenden hirten hatten noch manches gemein, wofür die späteren ackerbauer schon besondere wörter wählen musten[22]; aber dasz dabei Römer und Griechen gewöhnlich schon Deutschen und Slaven gleichstehn, das spricht für sehr frühe mitauswanderung der beiden letzten. dennoch bleiben java jawai Leά, kôka hôha huoho wichtige ausnahme, so wie, wenn die wunderbare analogie allen zweifel besiegen kann, aritra aratrum ἄροτρον, plava πλοῖον plugas. seien die Germanen im groszen noch lange hirten gewesen, sie müssen gleich den Skythen von sehr früher zeit an das himmlische pfluggeräth gekannt haben. Tacitus legt unter allen deutschen stämmen zumal den Aestiern ackerbau bei[23].
Grundlos erzeigt sich die von Niebuhr 1, 93 aufgestellte behaup- 70 tung, dasz wörter, welche ackerbau und sanfteres leben betreffen, im latein und griechischen einstimmen, alle zu krieg und jagd gehörenden gegenstände unter den Römern mit ungriechischen wörtern bezeichnet werden. namen der waffen, von denen ich hier nicht handle, gewähren, weil ihrer die menschen nicht entrathen können, gröszere manigfaltigkeit, doch ebenwol einleuchtende beispiele der urgemeinschaft, und für das wild, von dem die hirten wie von ihrem vieh kunde nahmen, waltet sie noch entschiedner. auch weichen lateinische und griechische namen des getraides gerade meistens ab, wie schon O. Müller Etr. 1, 17 anmerkt. anfängliche verwandtschaft blickt in dieser oder der andern sprache immer durch, das kann nicht verwundern, dasz sie unter den hirten gröszer war, als unter den acker bauenden und je weiter die völker sich gegenseitig entfernten stufenweise abnahm. Pflügen und malen haben Deutsche und Slaven weder von einander noch von Römern und Griechen erlernt, aber neue arten des getraides, vollkommnere weisen der ackerbestellung mögen durch mittheilung dahin und dorthin, früher oder später verbreitet worden sein.
- ↑ wo die götter auf der erde lagern, entsprieszen blumen und kräuter, Demeter hatte aber bei Iasion auf der dreibrache gelegen (μίγη φιλότητι καὶ εvvý vεių ĚVI TOIлóh. Od. 5, 127) und dem acker dadurch höchste fruchtbarkeit verliehen.
- ↑ in opere faciundo agro colendo. Cic. Verr. II. 4, 24. auch das russ. pachat', böhm. pachati, poln. pachać bedeuten arare und laborare.
- ↑ nicht anders serb. ratar f. oratar (arator), böhm. poln. rolnik f. orolnik, böhm. ratag, poln. rataj ackerknecht.
- ↑ wenn Conrad troj. kr. 9742 sagt den pfluoc wisen', so gilt dies verbum auch sonst von personen, nicht von sachen.
- ↑ eine malb. glosse diramni für porcus deutet Leo 1, 73 erdwühler.
- ↑ die sl. brazda, russ. borozda, poln. brozda entfernen sich von prase porosja prosię.
- ↑ der eber galt unserm alterthum für ein tapferes edles thier, dessen zeichen helm und schild schmückte (mythol. 195), dem Odinn selbst die schlachtordnung, die svinfylking (caput porcinum, acies cuneiformis) abgesehn hatte (mythol. s. 122.) solchen eberkopf bildete auch der Alamanne Butilin (Agathías 2, 8), wie die röm. kriegskunst den mauerbrecher aries nannte. krieg und ackerbau weisen thiere.
- ↑ die septem triones bilden das heilige gestirn, triones für teriones oder nach Varro 7, 74 terriones, boves arantes, valentes glebarii.
- ↑ wie gleich einstimmig (mutmaszlich goth. vagns) ahd. wakan currus, nhd. wagen, ags. vägen, engl. wain, altn. vagn, skr. vahana, lat. veha vehela vehiculum, gr. oxos oxqua, litth. wežimmas, poln. woz, böhm. wůz wozu, sämtlich von vigan, skr. vah, lat. vehere, gr. oxeiv, litth. weszti, sl. vesti, poln. wieść. derselben wurzel gehört goth. vigs, ahd. wec, lat. via.
- ↑ den Skalden ist troda terra culta, subacta zugleich femina.
- ↑ jene vaios roinoλos (Jl. 18, 541) war den Griechen driska und brâcha.
- ↑ gegensatz: ager restibilis, qui restituitur ac reseritur quotannis, contra qui intermittitur a novando novalis. Varro 5, 39.
- ↑ und gern im pl. biade oder grani, franz. grains, wie finn, jyviä (die körner).
- ↑ milium ist eigentlich sl. proso, das verwandt scheint mit ahd. hirsi, nhd. hirse, weil P und K (was sich hernach in Hlaut verschob) tauschen dürfen, vgl. лvavos xvauos bohne. lett. ehrśki, litth. soros, gr. xyzoos.
- ↑ von pisum, franz. pois, engl. pl. pease, ist sowol cicer, cicera, ahd. chichuria, mhd. kicher, als ervum, ervilia, franz. ers, ervilliers, ahd. araweiz (noch b. Hans Sachs erbeisz), nhd. erbse, ags. earfe, nnl. ervet, altn. erta, gr. oooßos und égéßwdos der art nach unterschieden. mit der sache scheinen uns diese namen von Römern zugebracht.
- ↑ heute das pferd; schwed. hestakorn avena; wie den gaul der haber sticht, könnte er auch den bock. ein sprichwort lautet: den bock auf die haberkiste setzen. Simrock 1180.
- ↑ aus avena folgt, dasz die lat. sprache für ovis ursprünglich avis sagte, sie liebt aber das O auch in novus novem skr. navas navan und vielen andern, und unterschied ovis von avis vogel, die früher, sobald man ausgefallne consonanten herstellt, ganz anders unterschieden waren.
- ↑ lat. verna aus querna zu deuten würde ich wagen, läge nicht der begrif des heimatlichen (vernaculus) zu stark darin. der malende knecht entspräche der malenden magd, aλerpis.
- ↑ fiel von alto M ab? vgl. aλevgov uáhevoor. Buttm. lexil. 1, 195.
- ↑ hier noch ein beispiel vom sinnlichen reichthum einiger sprachen. was wir stoppeln nennen, ahd. stuphilûn, lat. stipulae, stupulae, die auf dem acker nach geschnittner frucht stecken bleibenden enden des halms, unterscheidet der Litthauer: jawěna ist stoppel von getraide überhaupt, ruggiěna vom roggen, kwětena vom waizen, měżěna von gerste, awizěna von haber. der Lette sagt ruggaji, meeschaji, ausaji; sirnaji von erbsenstoppeln; grikkaji von buchwaizen.
- ↑ welsch ist blawd, bretagn. bleûd farina, ir. blodh zerriebenes, zerstäubtes.
- ↑ kenner der persischen sprache mögen über akar ager entscheiden, ob es entlehnt sein könne.
- ↑ frumenta ceterosque fructus patientius quam pro solita Germanorum inertia laborant.