GDSG/Das Vieh
Was gezähmt zur weide getrieben wird heiszt vieh, im gegensatz zu dem wilden ungebändigten thier. beide ausdrücke erstrecken sich durch die sprachen: goth. faihu, ahd. fihu, alts. fehu, ags. feoh, altn. fê, schwed. fä, nnl. vee, nhd. vieh, lat. pecu, preusz. pecku, gr. no für wóz nézv, zend und skr. pašu. litth. ist übrig piemû, dem gr. ou entsprechend, den begrif pecus drückt aber galwijas aus von galwa caput, wie capitale, engl. cattle und unser bestehaupt, Boar zάonra. pecunia, faihu fihu feoh, des hirten vornehmste habe, peculium, vos, bezeichnen zugleich das älteste tauschmittel, geld. das sl. wort für vieh lautet skot und scheint entweder umgekehrt aus goth. skatts, altn. skattr, ags. sceat, ahd. scaz, nhd. schatz entsprungen, welche bereits geld bedeuten, oder es bewahrt den sinnlichen begrif, den jene deutschen wörter fahren lieszen; doch auch fries. sket drückt vieh und geld aus, und mhd. werden 'scaz und vihe' verbunden Diut. 3, 87. man erwäge lat. opes und ovis, wohei opilio für ovilio vermittelt und hernach beim pferd maims und mâðm.
Unser thier, goth. dius, ags. deor, engl. deer, altn. dŷr, nnl. dier, ahd. tior, mhd. tier ist sichtbar das gr. 9g, Ingior, aeol. pro, lat. fera (vgl. ferus wild), sl. zvjer, böhm. zwěř, zwjře, poln. zwierz, litth. źwěris, lett. swehrs, pr. swîris; für den übergang des in ZV ver29 gleiche man skr. dhvan sonare, ags. punor, ahd. donar, sl. zvon, litth. zwanas sonus sonitus und das S dieser lat. wörter neben tonitru. das thier ist der jäger vieh, das vieh der hirten thier.
Vieh weiden hiesz goth. haldan, ahd. haltan (O. V. 20, 32. I. 12, 1) mhd. halten (Griesh. pred. 1, 10. fundgr. 2, 90. Helbl. 8, 524) tenere, custodire, in gewahrsam halten, und ganz ähnlich entspringt gr. véuɛiv weiden aus der bedeutung habere, tenere, sortiri, goth. niman, ahd. nëman capere, tenere; voun ist weide, weideplatz wie captura praeda und mlat. locus praedae ahd. bifang, lat. nemus wald und weide, alts. nimid (mythol. s. 614.) goth. vinja vouń, ahd. winên pascere, mhd. wünne pascuum, eigentlich gaudium, voluptas, aus der wonne des weidens, den lachenden wiesen zu deuten?[1] auch vinja und winên darf ich zu venari ziehen, dessen langer vocal auf dem wege des ablauts leicht vermittelt wäre. ahd. weida pascuum, pabulum, venatio, ags. vâde vagatio (weil die nomaden schweifen) altn. veidi captura venatio, veida venari, schwed. veda venari. altn. beita pascere, schwed. beta, dän. bede, mhd. beizen, das vieh fressen machen und jagen; schwed. gå i bet pastum agere, gå i vall auf die weide gehn, von vall, altn. vallr campus. lat. pascere, gr. BóozELV (B wie in lat. bibere und Eiv, sl. piti) sl. pasti.
Für pastor, vouers, Bóozor, goth. hairdeis, ahd. hirdi, altn. hirdingi, nnl. herder, von hairda herta hiörd grex geleitet, wahrscheinlich verwandt mit goth. huzd opes, thesaurus, ahd. hort, altn. hoddr und mit lat. custos, custodia; doch bleibt auch ahd. chortar grex, ags. corder, mhd. korder zu berücksichtigen. sehr bezeichnend ags. drâf, engl. drove, was getrieben wird, viehherde[2].
Die hauptthiere der herde müssen erwogen werden.
Für pferd läszt sich goth. aihvus, ahd. ihu mutmaszen, die alts. 30 form lautet ehu, altn. ior, lat. equus, gr. izæos für izzog, ir. each, welsch osw, skr. aśvas, zend. aspa, litth. aszwa, inлog zu deuten aus oros? doch mahnen auch finn. hepo gen. hevon, est. hobbo, fries. hoppa, schw. hoppa, dän. hoppe, engl. hoppy, falls letztere nicht aus hoppe, hüpfen, vom zeltenden gang des rosses. Ahd. hen
gist, ags. hengest, altn. mit ausgestosznem N hestr, wie es scheint, dem sl. kon', böhm. kaň, poln. koń, litth. kuinas verwandt, deren abkunft schwierig bleibt. merkwürdig steht im altruss. Igor stets komoni für kon', und so galt altböhm. komoй für equus [mater verb.], noch heute bedeutet den Böhmen komonstwo, den Polen komonnik comitatus equitum, wobei nicht an die Kumaner, eher an mlat. communia cohors, exercitus zu denken ist, wiewol ich kein communis für gemeines schlechtes pferd finde; aber kon' war schon altslavisch und kon' aus komon' ist stark gekürzt. Miklosich will kürzen aus kobn' (woher leicht komn) und vergleicht kobyla stute, kobyla aber fügt sich zu caballus, zapákArg, die ursprünglich verschnittnes pferd (vgl. zavog saumesel) bedeuten sollen, im roman. cavallo, franz. cheval, ir. caball allgemeine bedeutung gewinnen. Ags. vicg, alts. wigg, alln. vigg Sæm. 233 zumal streitros, vgl. gal. oigeach, ir. aigeach, die auch an equus rühren. Ags. mâdm, wie goth. maims cimelium donum, episch aber oft mit mear verknüpft (meara and mâdma (Beov. 4327. exon. 475, 7. mearum and mâdmum Beov. 2089. 2792. exon. 339, 2), so dasz pferd des worts ursprünglicher sinn sein könnte, zumal mhd. meiden genau nur ihn behielt; leicht nahm das hauptstück des heergerätes jene abstraction an. Mlat. warannio, ahd. reinneo, reinno, alts. wrenno, mnd. wrene admissarius, nnl. ruin castratus equus, vgl. ags. vræne lascivus. ahd. scelo admissarius, nhd. beschäler; da jedoch scelo zugleich onager und tragelaphus ausdrückt, in einer urk. von 943 elo und schelo gerade zusammenstehn wie Nib. 880 elch und schelch, elch und elo aber den altn. elgr, die lat. alce, gr. akz meinen; so mutmasze ich, dasz im hohen alterthum auch 31 wreineo reineo das rennthier bezeichneten, dem lat. rheno gleichkamen und erst später aufs pferd angewandt wurden. Ahd. hros, ags. hors, altn. hros, nhd. ros für alle geschlechter; man vergleicht skr. hrêsh hinnire; wie wenn lat. cursor in betracht käme? Kelt. marka (Pausan. X. 19, 4) ir. marc, welsch march, ags. mear, altn. marr, ahd. marah equus, mericha equa; nhd. mähre; abliegt der mhd. pl. moere, dessen sg. môr fordert und schwarzes pferd bedeutet, nhd. mohr, rappe (rabenschwarzes) vgl. ags. blonca, blankes pferd, schimmel. Nhd. pfage, westf. page equus, pagenstecher, der ein pferd ersticht. Lat. veredus, paraveredus, mlat. parafredus paredrus paledrus, franz. palefroi, ahd. parefrit, parvrit, pherit (wie Sigfrit Sigurd, Sivert), mhd. pfärit, nhd. pferd, nnl. paard, serb. parit. Litth. arklys equus scheint unnomadisch, erst aus der ackerzeit, offenbar das pflügende pferd, von arklas aratrum, gerade wie ir. ardhamh den pflügenden ochsen bezeichnet. duna eques, vgl. ahd. zeltari equus tian, altn. tölta tolutim incedere. burro asinus. altn. tîa equa, ir. lair equa, finn. tamma equa. Bask. zaldia equus, zal tolutarius, nhd. zelter, ags. tealBask. beorra equa, span.
Tolos, lat. pullus, goth. fula, ahd. folo, ags. fola, altn. foli, schwed. fâle, it. puledro, span. pollino, franz. poulain, ursprünglich allgemein junges hausthier, sp. pollino vorzugsweise eselsfüllen. Sl. shrebja, russ. sherebja, poln. źriebę, böhm. hrjbě. Litth. kummelukas, etwa jenem sl. komon' verwandt, oder darf an gromel grömlein bei Fischart und Keisersberg gedacht werden?
Allgemein bezeichnet wird jumentum (jugmentum, das jocht hier) durch ald. hrind, nhd. rind, nnl. rund, ags. hrider hryder und ahd. nôz, ags. neát, altn. naut, schwed. nöt, woher finn. nauta entlehnt. epicoena sind Boug und bos, doch it. bove, sp. buey, franz. boeuf, altsl. poln. byk, böhm. byk beyk aufs masc. eingeschränkt, ir. bo (gen. boin, dat. pl. buaibh lat. bobus) aufs fem. Nur das männliche rind bezeichnen goth. auhsa und auhsus, ahd. ohso, mhd. ohse, ags. oxa, nnl. os pl. ossen, altn. oxi, lapp. wuoksa (norw. 32 lapp. uafsa), wozu skr. uksan und vakšas für bos und equus stimmen, von der wurzel vah vehere? gal. agh, welsch ych. Goth. stiur óoyos, ahd. stior juvencus taurus, nhd. stier, ags. steor juvencus, engl. steer, skr. sthaurin sthôrin, zend. staora lastthier, woraus gr. tavoos, lat. taurus, it. toro, altn. pior, schwed. tjur. dän. tyr, sl. tour, böhm. tur, die aphaeresis wie zwischen goth. stairno, skr. târâ, gr. ouzgós und uzgós, ahd. smal und sl. mal'; bei stiur scheint stiurs firmus, ahd. stiuri fortis nah. altn. tarfr weicht im anlaut von þior und scheint geborgt aus ir. tarbh, welsch taru, tarw, armor. taro, die sich wieder an taurus schlieszen.
Altn. boli bauli, ags. bulluca, engl. bullock, nhd. bulle, ir. bolog bolan, litth. bullus, sl. vol", böhm. wole, poln. woł. Ahd. far taurus pl. farrî, mhd. var, ags. fear gen. fearres, scheint entspringend aus fars fears, nach fersa vacca, gr. лóдię róотiç juvenca, lett. wehrsis bos. altn. grâdûngr taurus, vgl. grâdr admissarius. litth. jautis bos zu jungas joch gehörend. finn. härkä, est. härg bos, das lapp. herke aber rennthier, des rindes ersatz. ir. damh, damhan bos. bask. idia bos, welsch eidon[3].
Borg ahd. chuo pl. chuowî, mhd. kuo pl. küeje, nhd. kuh, ags. cû pl. cŷ, engl. cow pl. kine, altn. kû pl. kŷr, nach Columella 6, 24 auf den alpen cevae für vaccae, skr. gaus, acc. gâm, pl. gâvas, zend. gaus, lett. gohws, übrig in sl. govjado herde rinderherde, böhm. howado, serb. govedar bubulcus, vielleicht in yaha yahazros für ya-haztos, wie Kuhn aufstellt, der auch in gaus, Borg dieselbe wurzel annimmt, wozu gâvas, chuowî, cevas und boves passen; einer merkwürdigen analogie zwischen gaus und 7 terra ist myth. 631 gedacht. Ags. heahfore heafore vaccula, engl. heifer. Sl. krava, russ. korova, poln. krowa, litth. karwě; das preusz. kurwa bedeutet ochs. Lat. it. vacca [aus vacsa], sp. vaca, franz. vache, skr. vaska. 33 Ir. bol vacca, zu bol ochs gehörig; ir. fearb; finn. lehmä, est. lehm; bask. beia vacca, beigaya vitulus.
goth. kalbo dauaks juvenca, ir. colpa vacca, colpach juvencus, ahd. chalp vitulus, nhd. kalb, ags. cealf, altn. kâlfr, wahrscheinlich sl. krawa, litth. karwa, mit wechsel des L und R, dasselbe wort. Altn. qvigr vitulus, qviga junix, verwandt mit qius vivus, wie junix juvencus juvenis, lat. vitulus für cvitulus, gr. irakós, it. vitello, franz. veau; sl. tele, russ. telja, poln. ciele, litth. tellyczia, lett. telsch, vielleicht mit aphaeresis des anlautenden vocals für itele ?[4] Gr. uóoyos, vgl. kopt. mes kalb und skr. vaska kuh, finn. wasikkka, est. wassikas kalb. Ir. gabhuin, gambuin und laogh, welsch llo. sp. ternero.
Пlgóẞarov ist ein dichterisches wort, und bezeichnet das vorschreitende vieh der herde insgemein, wird aber allmälich auf schafe eingeschränkt. auch unkov gilt für das schmalvieh überhaupt und für schaf insonderheit, altn. smali pecus, smalamadr opilio, vgl. smal parvus; man denkt dabei an uaλhóg wolle. ebenso bedeutet unser schaf das thier ohne unterschied des geschlechts: ahd. scâf, alts. sciep, ags. sceap, engl. sheep, nnl. schaap, fries. skep, doch den nord. mundarten fehlt das wort, die dafür das allen jenen abgehende altn. fær, schwed. får, dän. faar besitzen. dies fær scheint mir sowol Baga pecora, Bagetov ovis bei Hesych, als das poln. baran, böhm. beran, litth. baronas fürs männliche schaf, ungr. barany agnus; altn. ahd. F entspricht öfter slavischem B: flô pulex sl. blocha, furt vadum, sl. brod. welsch davad ovis.
Unser ausdruck für aries ist goth. viprus, ahd. widar, mhd. wider, nhd. widder, alts. wethar, ags. veder, engl. wether, nnl. wedder, altn. vedr, dän. vädder, schwed. väder. Hesych gewährt 9ois, Touías zotós, vielleicht 9oig zu bessern, auch widder bezeichnet uns den verschnittnen, wie umgekehrt hamal mutilus das verschnittne thier, den hammel. aus mutilus it. moltone, fr. mouton, prov. molto, mouto, 34 widder und schaf. Beim lat. aries kommt viel in betracht: gr. doýv ἀρνός, was ἀῤῥήν, ἀρσήν männliches thier sein soll, ἔῤῥαος ἔρρας aries oder aper, altlat. arviga bei Varro 5, 98, harviga bei Festus, Hesych hat orza, übдev лоóßatov, ferner bask. aria aries, neben ardia ovis, finn. jäärä, est. jäär aries, endlich skr. urana urabhra ovis, von ura lana geleitet lamiger wie μήλον του μαλλός, doch kaum fallen alle dieser wurzel zu. ahd. mhd. ram, rammes aries, vervex, ags. ram rammes, nnl. ram pl. rammen, woher ahd. rammilôn, nhd. rammeln coire; steht nun ram für aram, wie ¿ýv für άgýv? gr. zotós, vielleicht verwandt mit altn. hrûtr? oder näher mit ir. caor pl. caoire ovis? noch besser sein wird an zégas zu denken, da auch altn. hyrningr cornutus den aries bedeutet. altn. for aries, gregis obambulo, vgl. får ovis. altn. sauðr vervex, altschwed. söd; das goth. saups bedeutet 9roia, wie harviga bei Festus hostia[5] oder ahd. friscing victima, merkwürdig auch die einstimmung des lappischen sauz, sautsa ovis. lat. ambidens und bidens ovis bima, quae duos habet dentes, apta ad sacrificium. gr. ἄμνος vervex,
altsl. oven, litth. awinis, lett. awens, auns, finn. est. oinas, sämtlich verwandt mit ovis. lat. vervex, it. berbice, mlat. berbix, gl. cass. pirpix, berbica ovis, prov. berbitz, franz. brebis und berger opilio, berbicarius. böhm. skop, skopec, woher unser schöps, das verschnittne thier, sl. skop'tz eunuchus, von kopiti, skopiti evirare, womit jenes deutsche schaf, skap zu vergleichen. schwed. gumse aries, vervex. dän. bede vervex, westgötl. baitaväre, von beta verberare, percutere, evirare. franz. bélier der blöckende von bêler balare. sp. carnero.
ig und ovis sind epicoena, litth. awis, lett. aws, skr. avis, altn. â, ags. eovu, nnl. ooi, ahd. ou ouwi gehn aufs weibchen, ich vermuthe goth. aus avais. sl. ovtza oóẞarov, böhm. owce, poln. owca, finn. uuhi ovis femina, lett. aita ovis. 35 ῥηνός fur ἀρήν oder mit rheno verwandt? schweiz. bair. kilbe ovis, kilber aries, an kalb mahnend. schwed. takka ovis femina, litt. tekis, lett. tekkis aries. gr. onv ahd. chilpurra agna,
Das junge säugende schaf goth. lamb, ahd. lamp, ags. engl. lamb, altn. lamb, nnl. lam, nhd. lamm, finn. lammas gen. lampaan ovis, lampari opilio, welsch llamp agnus, gal. luan. nach jenem chilpurra. ags. cilforlamb gr. αρνίον, so wie ἄρνες oft allgemein lämmer, litth. eris, lett. jehrs, jenes finn. jäärä, bask. aria und lat. aries. lat. agnus, sl. iagnja, böhm. gehně, ir. uan, uaghn, uaghan, welsch oen, pl. vuan. altn. gimbil agnus, gimbla, gimbur agna, dän. gimmer. schweiz. und bair. spetti, spettl (weisth. 1, 5. Schm. 3, 581.)
Vir gregis ipse caper (sp. cabron), was mit άgov zusammenstimmt, ags. häfer, altn. hafr genau dem caper gleich, ein ahd. hapar habar zu erwarten, und noch übrig in habermalch bocksbart (vocab. 1482), habergeisz, dem namen einer eule oder eines insects (Schm. 2, 137.) fat. hircus, hirquus, den Sabinern fircus, gr. τράγος und χίμαρος, den Lakonen hiesz der leitbock τίτυρος. litth. oźys, lett. ahsis. böhm. kozel, poln. kozioł, serb. jaratz. mlat. buccus, prov. boc, sp. boque, franz. bouc, it. becco, ahd. pocch, nhd. bock, ags. bucca, altn. bokki, dän. buk, ir. poc, welsch bwch, finn. pukki, putti. finn. kauris caper, vgl. ir. caor ovis. est. sic. bask. aquerra. Im Reineke heiszt der ziegenbock Hermen und noch heute in Niedersachsen, Westfalen, Hessen: Harm, Herm, Hirm, bei Fischart: Hermanstosznicht. Thors böcke aber führen Sn. 26. die dichterischen namen tanngniostr und tanngrîsnir d. i. dente frendens (von gnista stridere dentibus, ahd. criscrimmôn) weil er beim fressen knirscht (also auch wieder bidens), während zicklein und ferkel noch nicht knirschen, d. i. nefrendes sind, keine harten früchte zermalmen können.
Das weibchen gr. aiş gen. alyós von dïoow salto salio? ir. aighe, skr. dschâ, litth. osza. goth gaitsa, ahd. keiz, ags. gât, engl. goat, nnl. geit, altn. geit, schwed. get, dän. ged, ir. cadhla, schwäb. 36 und bair. hettel[6], finn. kuttu kitti est. kits, alban. zéti, vgl. hernach hoedus. lat. capra capella, sp. cabra, franz. chèvre. ir. gabhar, cabhar, welsch gavyr, geivyr, armor. sl. koza gavr. (vgl. kozel) lett. kasa. finn. wuohi, wuohinen.
Das junge lat. hoedus, chitzi, nhd. kitz, altn. kid. ags. ticcen, nhd. zicklein. serb. jarad collectiv zicklein, gr. ziuaiga vgl. ziuagos. ir. seagha. bask. auntza. haedus, sab. fedus, goth. gaitei, ahd. kiz, ahd. zigâ capella, zikkin hoedus, gr. ἔριφος, ἐρίφη, ἐρίφιον.
Zig und bg, wie lat. sus, sind epicoena; auch die deutschen neutra goth. svein, altn. svîn, ahd. suîn, nhd. schwein, russ. svinja, böhm. swině, poln. swinia gehn auf alle geschlechter.
Dem lat. aper entspricht ahd. ëpar, ags. eofor, altn. iöfur (held), nhd. eber, bezeichnet aber vorzugsweise den wilden; gr. záOOS = lat. caper, übergehend auf den bock. sl. vepr aper, böhm. wepř, poln. wieprz, lett. wepris, verschnittner eber. Ahd. pêr verres, ags. bâr, engl. boar, mhd. bêr, die goth. form wäre bais. niederrhein. beir, beier in einer urk. von 1201 bei Lacomblet 2, 1. lat. verres, skr. varâha, dem ahd. varah farah unverwandt, und wiederum andrer wurzel ahd. paruh, parh majalis castratus, nhd. barch borch, ags. bearuh bearh, engl. barrow. wegen fol, ful, urful vgl. mythol. s. 948. altn. þrândr aper, wiederum der wilde, der auch sonst bassi, dän. basse heiszt, was jenem bais begegnen könnte, vgl. nhd. watz in volksdialecten nhd. hagk, haksch verres, welsch hwch sus. altn. göltr verres, schwed. dän. galt, zumal der verschnittne. böhm. kanec verres. serb. krmac porcus, krmatscha porca. litth. kuilys, lett. kuilis verres vgl. nhd. keuler aper. das poln. odyniec soll hauer, kämpfer ausdrücken, wir nennen des ebers zähne hauer und ihn das hauende thier. finn. oro, oras, orrikas verres exsectus, woher vielleicht dän. orne verres.
Ahd. sû scrofa, nhd. sau, ags. sugu, engl. sow, schwed. dän. So. altn. sŷr neutrum (R lat. S in sus). finn. sika, est. sgga, ahd. galza sucula, ags. gilte, schwed. gr. γραμφάς, γραμφίς, die lat. troja, it. troja, franz. truie, skr. sûkara, koptisch saau. gylta, vgl. göltr aper, litth. kiaulě. wühlende, was lat. scrofa. prov. trueja[7]. ir. muc, welsch moch, mochyn, nhd. mucke. nhd. range, ranze schweinmutter, wie der eber schweinvater, ir. crain sus fem.
Ahd. farah, varah porcus, farheli porcellus, mhd. varch, nhd. ferkel, ags. fearh, die lat. ausdrücke sind dasselbe wort, nach Varro war auch nógzos altgriechisch, litth. parszas, parszelis, finn. porsas, lett. pörsas, syriän. pors, wogul. boros, russ. porosja, poln. prosie, böhm. prase; vielleicht sind auch ahd. friscing, nhd. frischling dieser verbreiteten wurzel. Lye hat die ags. wörter fôr und fôrn porcus, porcaster, wodurch altn. fôrn victima (wie friscing) aufschlusz empfängt, schon der lange vocal gebietet sie vom vorigen wort zu sondern. Altn. gris, schwed. dän. gris porcellus, vgl. skr. ghristi, wühlender eber; unfern scheint gr. zołoos porcus, porcellus, [verres für guerres], bask. cherria, charria porcus, vgl. litth. szernas aper, czernukas frischling. lat. nefrens, porcellus nondum frendens, gr. δέλφαξ porcus, wozu δελφίς delphinus, meerschwein, sp. cochino porcus, franz. cochon. sp. lechon spanferkel, von leche milch. finn. naski porcus. unl. big, bigge porcellus, engl. pig. mlat. baco bacco hacho bedeuten porcus saginatus et salitus, dann perna, petaso, altfranz. bacon, ahd. pacho (Graff 3, 29); unsre jäger nennen die wilde sau bache, den wildeber bacher, becker.
Das treue, wagen und herde bewachende thier, der lex Bajuv. 19 hovawart, qui curtem domini defendit, nach dem Sp. 3, 51 hovewart, ebenso den mhd. dichtern (MS. 2, 146b) unsern jägern gesellmann geheiszen, hat einen fast durch alle verwandten sprachen laufenden namen, doch so, dasz vor der abweichung die gleichheit oft zu schwinden scheint. skr. švan gen. ŝunas, zend. spâ acc. spânem, litth. szú gen. szuns, lett. suns, gr. zúwv gen. zvvós, ir. cu gen. con, welsch und armor. ki, lat. canis, it. cane, franz. chien, altfranz. kiens, alban. zév, goth. hunds, ahd. hunt, ags. hund, altn. hundr. wie aus zend. aspa, skr. aśva, litth. aszwa, goth. aihvus, alts. ehu, lat. equus, wird aus spâ svâ deutsches hva hu litth. szú, ir. cu, gr. zu, lat. ca für cva, aber die genitive sunas, szuns, zuvós, con zeigen das schon im lett. nom. suns, lat. canis vorstehende N, welchem in unserm hund sich noch D zugesellt, vielleicht um den namen der wurzel hinpan capere (vgl. ags. huntian, engl. hunt) zu nähern, vielleicht aber gleicht dies D dem lat. T in catus catellus. auch sl. p's", russ. pes", böhm. pes, poln. pies, serb. pas sind identisch, wie der gen. psa anschaulich macht, denn dies psa kommt überein mit zend. spâ, PS für SP (wie dor. έ yiv statt opέ oqiv), dergestalt dasz die zend. skr. nominativform im sl. gen., die zend. skr. genitivform im lat. deutschen nom. entfaltet wird, und wie das sl. wort überhaupt gar kein N zeigt, die übrigen es allenthalben durchführen. das ir. cu bekommt, auszer dem gen. coin, im nom. pl. cointe, wo nochmals der deutsche linguallaut ausbricht.
Der schnelle jagdhund, mythisch von winden erzeugt, heiszt in unserer sprache wie das element selbst wind; lat. vertagus vertraha (Gratii cyneg. 203) veltagra, it. veltro, altfranz. veltre viautre vaultre. sl. chort, böhm. chrt, poln. chart, litth. kurtas, lett. kurts, est. hurt, urt. Der molossus ahd. rudeo, mhd. nhd. rüde, ags. rydda; engl. dog, schwed. dogg; böhm. ohař, wohař, poln. ogar, ir. madradh. Andere allgemeine benennungen: finn. koira, est. koer, lapp. kaire; bask. chakhurra, zacurra; ir. gadhar, gaighear. lapp. sjowonja, norw. lapp. shiuwon, altn. seppi canis catulus, schwed. sif canis femina, pers. sipa, vgl. russ. sobaka. woher das span. perro, perrazo, perrica, perilla, perrita ?
Hündin: ahd. zôhâ, mhd. zôche, nhd. zauke zaupe. altn. schwed. tik, lapp. tiko. mnl. teve, nnl. teef, nnd. tefe tiffe, dän. täve. ags. bicce, engl. bitch, altn. bickja[8], nhd. betze, petze. böhm. fena, tista, tistka.
Das junge: ahd. huelf, welf, ags. hvelp, engl. whelp, altn. hvalpr, schwed. walp (woher das lapp. vielpes geborgt) dän. hvalp, bezeichnet eigentlich zuvídiov, gilt aber wie catulus auch von neugebornen jungen andrer thiere. nicht anders böhm. štěně, poln. szczenie. [finn. peni.] in hvelp aber hat sich das vorhin vermutete HV für HU merkwürdig erhalten und es gehört zu hva wie catulus zu ca für cva; war catus für feles verwandt, so musz es ursprünglich auch den hund bezeichnen, ihm ist aber langes A verliehen, den formen catulus catullus kurzes. jenen slavischen wörtern mag anlautendes P abgefallen sein, so dasz sie sich wiederum auf PS zurückführen, den lat. und deutschen nah liegen, pse – hve, cva, hund und huelf hätte also Graff unter dieselbe wurzel bringen müssen; ob auch oziλağ und σκύμνος catellus mit zu κύων fallen?
Die mühe der unternommnen durchsicht wird nicht verloren sein. einmal zeigen die meisten appellativa dieser hausthiere so entschiedne übereinkunft der urverwandten sprachen, dasz sie mit zur grundlage aller folgenden forschungen dienen darf. wer überzeugt sich nicht, wenn er die reihen pecu, fera, equus, pullus, taurus, gaus, ovis, sus, porcus, canis erwägt, von einer durchdringenden gemeinschaft weit erstreckter völker, die von frühe an, ohne einander abzuborgen, so gleicher, nur nach der eigenthümlichkeit ihrer organe abgewichnen namen pflagen; es will zwar gelernt sein, dasz ior und aśpa oder pies und canis, welp catulus und szczenie dasselbe wort sind, doch zwischentretende stufen vermitteln ihre scheinbar schroffe abgelegenheit. wo aber die unentbehrlichsten gegenstände des einfachen hirtenlebens in der benennung einstimmen, musz die ganze übrige sprache stark zusammentreffen.
Dann bestätigen sich hier schon bei den metallnamen wahrgenommne ergebnisse über nähe oder ferne einzelner sprachen.
ST in stiur hat die unsrige gemein mit zend und sanskrit gegenüber dem T aller andern, zendisches spa stimmt zu sl. psa, skr. śva zu litth. szu, skr. gaus zu kuh, uxan zu ochs, sûkara zu sus, sû, varâha zu lat. verres; es scheint sehr begreiflich, warum diese fernsten, ältesten sprachen ihre analogie in keiner europäischen unbezeugt lassen, vielmehr jeder derselben hier oder dort sich zuneigen. denn auf sie in frühster zeit beziehen sich alle zurück, während die übrigen ähnlichkeiten und verschiedenheiten sich erst unterwegs allmälich bestimmten, nachdem die wandernden völker Asien verlassen hatten.
Nähe des lateins zum deutschen tritt vor in venatio vinja, pecu fihu, equus ehu, aper epar, caper häfer, ovis eovu, hoedus geit, porcus farah, pullus fula, vielleicht cursor hros, in sus sû, catulus huelp. Griechische und deutsche sprache scheinen sich etwas ferner, doch treffen zu véutiv niman, 9o dius, izzog ehu, o fihu, big eovu, org sû, vermutlich 9og virus, robots ferse, ziuagos gimbill, ziμαιρα gimbra, χοίρος gris, κριός hratr, hyrningr. κάπρος weicht aus in den begrif aper. zu fera stehn ro dius tior wie zu fores Jóga daurô turi, während sl. zvjer und dver den übergang lehren. bemerklich ist das verhalten des sl. beran und tur zum altn. fæer þior, da doch scâf sceap skopec dem Norden fehlt. Mit den Slaven stimmen wir in skat skot, kuh gowedo, suîn svinja, farh prase, vielleicht in hengist kon', kalbô krawa, wogegen pascere pasti, agnus iagnja, ovis ovtza, taurus tur, vielleicht caballus kobyla, vitulus tele treffen.
Litth. aszwa, awis, szu, eris, piemù sind skr. aśva, avis, švâ, gr. dgvior, our und jautis gleicht lat. jumentum, öfter stimmt die litth. zur sl. sprache: baronas beran, owinis oven, karwě krawa, parszas prase, telluczia tele, kurtas chrt, zwěris zvjer, kasa kozel.
Den Kelten mangelt pecu fera pullus taurus kuh aries ovis caper sus porcus, wogegen sie besitzen each equus, osw aśva, agh ochs, bo bos pous, uan agnus iagnja, gabhar capra, cu zvwv, und für die 41 deutsche sprache hervorzuheben ist marka marah, llamp lamb, colpa kalbô, aigeach vigg, tarw tarfr, hwch hog, bol bauli, muc mucke; wo lautverschiebung abgeht, kann geborgt sein. kaum begegnet keltische besonderheit der slavischen und litthauischen, es sei denn in bol bolan wole, colpa krawa karwě, deren vergleichung noch unsicher bleibt. offenbar lag das deutsche element zwischen Kelten und Slaven, und hat mit beiden gemein, das nordische mehr mit keltischem, das hochdeutsche mehr mit slavischem.
Finnische sprache berührt schon in diesen thiernamen sich wenig mit den andern und scheint unurverwandt; keins jener durchgreifenden wörter kommt vor und nur einzelnes gleicht; wasikka vasko uóσzos, jäärä aries, uuhi ovis, lammas lamm, sigga sus, porsas parszas, binas awinis und wieder mögen einzelne erborgt sein, wie lapp. wuoksa aus nord. oxi, und sauts, sauz ovis aus altn. saudr. Nicht zu übersehn bei rindern und schafen die alten auf das opfer bezüglichen ausdrücke: ambegnus, arviga, bidens, bidental, ambidens, nefrens.
Aufmerksamkeit verdienen bask. aria und ardia wegen arviga und finn. jäärä, cherria wegen zołoog; diese noch zu wenig erforschte sprache wird vielleicht aufschlüsse über lat. und gr. mundarten geben.
Den Doriern hiesz die jährige ziege ziuagos ziuaiga, die ältere als, ich halte zu jenen ausdrücken altnordische, as hat grössere verwandtschaft; zu Toάyos aber, das durch seinen bezug auf die tragoedie in alle neueren sprachen sich ausbreitete, läszt sich gar nichts stellen.
Wer sagt uns wie die Römer zwischen hircus und caper unterschieden?[9] auch ins ital. ist irco und capro, ins span. hirco und cabron, ins franz. nur chevreau übergegangen, doch im adj. hircin das erste wort erhalten. ich wage zu hircus das finn. härkä bos zu stellen, weil beides hornstoszende thiere sind und lapp. herke vom rennthier gilt, auch die Griechen Toayέapos auf stier wie gazelle an- 42 wandten. zwischen warannio rheno scelo alces gewahrten wir ähnlichen übergang; bock lassen wir heute von aries und caper gelten, vie tacka agna, ticcen capra zusammenfallen. man weisz dasz sich wolf und fuchs, in namen und fabel, vertreten. so durfte auch κάπρος Griechen den eber, caper Römern den bock bezeichnen und zu letzterm stimmt häfer, hafr. namen wilder thiere, der vögel und insecten greifen noch mehr in einander über[10].
Die alten epicoena, sobald der sprache das vermögen beide geschlechter an demselben wort zu bezeichnen ausstirbt, schränken sich dann auf das männliche oder weibliche ein, und für das andere musz sonst rath geschaft werden.
In allen deutschen zungen scheint das wort bock unheimisch, so früh es schon eingang fand, unser haber verdrängte und auf andre männliche thiere, widder, rehbock, steinbock erstreckt wurde; von uns gieng es auch zu den Finnen über, wir empfiengen es aus den romanischen sprachen, diese wol aus den keltischen[11]. der zunehmenden abstraction sagte zu für ähnliche thiere einen allgemeinen ausdruck zu besitzen statt der älteren besonderen. Wie geschah es, dasz wir beim edelsten der zahmen thiere uns des eignen wortes entäuszert und das gewaltsam zusammengezogene unschöne pferd erborgt haben? das stattlichste ros war der geschmückte paraveredus und jedem andern sollte allmälich gleiches ansehn verliehen werden, wie vor zahllosen modewörtern die alten einfachen ausdrücke wichen. auch alle romanischen sprachen haben dem ehrwürdigen equus entsagt, dafür aber das vollautige cavallo gewonnen.
- ↑ der hirt freut sich seiner herde, wie die mutter des neugebornen kinds (s. 24); sp. ganado herde und glück, vermögen.
- ↑ für einzelne thierarten noch besondere namen der herde: sonesti, sunor, stuot, sueiga, avêþi, ouwiti, vriþus, vräd u. s. w. (gramm. 3, 475).
- ↑ bezug aufs opfer hat das altlat. ambegnus, ambiegnus: ambegni bos et vervex appellabantur, cum ad eorum utraque latera agni in sacrificium ducebantur. Festus.
- ↑ der neapol. dialect setzt Talia Taleja für Italia.
- ↑ für harviga auch haruga, wovon haruspex, qui exta victimarum inspicit.
- ↑ In Hessen und der Wetterau ruft man der ziege hitz! hetz!
- ↑ Troja sus. Klausens Aenas 827. 828.
- ↑ da Bikki, der altn. heldenname dem mhd. Sibeche, ahd. Sipucho, ags. Sifeca, in Vilk. saga Sitka entspricht, könnten bikkja, bicce aus sibikkja sibecce gekürzt scheinen, man erwäge die vorhin angeführten sif, sipa, sobaka. Benfey 2, 165 will sobaka sbaka, das er zu cva stellt.
- ↑ Ov. fast. 2, 439 caper hirtus, dies aber I hirsutus, mit hircus kaum verwandt.
- ↑ aus gas, elephantus, den man altn. fill nach dem pers. fil, pilu nannte, entsprang die benennung des andern groszen fremden thiers, des kamels: goth. ulbandus, ahd. olpentâ, mhd. olbente, ags. olfend, altn. ûlfaldi, altsl. velbjud, böhm. welblaud, russ. velbljud, verbljud, poln. wielblad, litth. werbludas. daneben gilt böhm. tjawa camelus, dalmat. deva, ungr. teve. der elefant heiszt sl. slon, litth. szlapis. elephant selbst leitet Pott aus dem semit. aleph hindi taurus indicus.
- ↑ kaum darf das sl. byk taurus verglichen werden.