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GDSG/Die Lautverschiebung

aus AufEinWort, der freien Forschung

Lautverschiebung

Endlich sind wir da angelangt, wo die deutsche Sprache von den Andern abtritt und für sich geht, ja wo sie selbst unter ihren eignen Stämmen wesentlichen Unterschied gründet.

Warum haben, wenn man urverwandte Wörter vergleicht, zwischen ihnen und dem entsprechenden deutschen Ausdruck jedesmal Abweichungen der Stufe stummer Konsonanten statt? Alle übrigen stimmen, das deutsche Wort entfernt sich. Skr. pitṛ pater gr. πατήρ goth. fadar; skr. prathamas gr. πρᾱτος lat. primus goth. fruma; gr. 𝜑έρω lat. fero goth. baira; gr. κὐων lat. canis ir. cu goth. hunds; gr. γένος lat. genus goth. kuni; gr. χόρτος lat. hortus goth. gards; skr. tvam lat. tu litth. tu goth. þu; skr. tri gr. τρεῑς lat. tres litth. trys goth. þreis; skr. dantas lat. dens litth. dantis goth. tumpus; gr. ezing goth. dauhtar.

Wer auch nur engl. wörter zu nhd. hält und des gesetzes unkundig ist, musz befremdet sein wahrzunehmen, dasz dem ten, tooth, day, deep, thief, tharm, thick nhd. zehn, zahn, tag, tief, dieb, darm, dick gegenüber stehn. woher solcher zwiespalt?

Einzelne beispiele würden nichts beweisen, sondern für überall zulässige ausnahmen gelten; aber die abweichung tritt als feste regel auf.

Wir haben vorhin erkannt, dasz in allen sprachen die stufen der muta eines und desselben worts abwechseln, je nachdem ein vorausgehender oder folgender buchstab es erfordert. der wechsel half die flexion unterstützen. Bei der verschiedenheit, von welcher jetzt zu handeln ist, weichen aber die mutae im verhältnis einer sprache oder einer mundart zur andern ab, und sind weder durch andere buchstaben hervorgerufen noch grammatische formen zu begleiten bestimmt. wo sie eintreten haben sie einen ständigen character, der als ein kennzeichen entschiedner sprache oder mundart zu betrachten ist.

Jene, man könnte sagen, formelle lautabstufung hat es blosz mit der einzelnen stufe eines organs zu schaffen; diejenige, deren gesetz nunmehr zu entwickeln ist, greift gleichmäszig in alle stufen jedes organs, und verrückt sie sämtlich. sie ändert nicht einen laut zu besonderem zweck, vielmehr alle auf einmal, ohne dasz im innern der sprache etwas dadurch erreicht wird. es ist eine gleichsam auszerhalb der sprache gelegne gewalt, die diese wunderbare wirkung hervorgebracht hat.

Man mag die lautverschiebung passend wagen vergleichen, die in einem kreise umlaufen: sobald ein rad die stelle des vorangehenden erreicht ist seine eigne bereits von einem folgenden eingenommen, aber keins ereilt das andere. bei ihrer bewegung kann nirgend raum bleiben, der nicht alsbald ausgefüllt würde.

Das gesetz lautet einfach so: die media jedes der drei organe geht über in tenuis, die tenuis in aspirata und die aspirata wieder in media. damit ist der kreislauf beendet und müste von neuem auf gleiche weise anheben. Deutlich aber wird die media als grundlage des consonantlauts (s. 344) bestätigt; von der tenuis könnte nicht auf media, von der media nicht auf aspirata, von der aspirata nicht auf tenuis ohne sprung gelangt werden.

Unter dem ersten wagen denke man sich eine, gleichviel welche, der urverwandten sprachen, unter dem zweiten die gothische, unter dem dritten die althochdeutsche.

Hiernach entspringen neun gleichungen, welche in vollständiger theorie so aufzustellen wären:
griech. B P PH. G K CK D T TH
goth. P PH B. K CK. G. T TH D
ahd. PH B P. CH G K. TH D T
wirklich aber verhält es sich nicht ganz so, und wie schon die oberste griechische reihe im latein folgendermaszen bestimmt wird:
B P F. G C H. D T (F)
empfangen auch die goth. und ahd. einige änderung:
goth. P F B. K H G. T TH D
ahd. PH F P. CK H K. Z D T

und überhaupt gilt die regel, dasz die ordnung des verschiebens am strengsten im Anlaut zu erkennen sei, der in und auslaut leichter abweichung gestatte.

Vor allem fragt es sich nach der ursache des hierbei eingetretnen unterschieds und diese ist vorzüglich in beschaffenheit der aspiration zu suchen.

Das latein hat der gr. aspirata PH ein F, dem CH und TH aber nichts an die Seite zu setzen, was ihnen genau entspräche. statt CH verwendet es also die blosze spirans oder gibt auch diese auf und begnügt sich mit vocalischem anlaut. TH aber ersetzt es durch die labialaspirata oder braucht die tenuis T, d. h. es geht auf den laut zurück, aus welchem TH entsprungen war. lat. F ist aber so unbestimmt, dasz es auch an die stelle von CH und zumal oft von TH tritt.

Auch die deutsche sprache entbehrt der kehlaspirata und musz sie wiederum durch H vertreten lassen, das dann still steht und nicht weiter verschoben werden kann. ahd. H entspricht darum dem goth. H, in beiden dialecten hat dieser laut sowol gr. tenuis als spirans zu ersetzen. nur die fränkische mundart scheint die organische asp. CH besessen und von der spirans geschieden zu haben, so dasz z. b. dem gr. KP fränk. CHR, dem gr. 'P fränk. HR entsprach. goth. und ahd. fallen beide zusammen in HR.

Etwas ähnliches hat sich in den labialen zugetragen. nemlich schon das lat. F musz als verdünnung der eigentlichen asp. PH und hinneigung zu der spirans V angesehn werden und das aus dem digamma entspringende F verdeutlicht uns die verwandtschaft zum V. zwar bleiben goth. F und V geschieden, ahd. aber begegnen sich beide laute und schwanken; ja die ahd. spirans verdickt sich in W. GV, und V wird dem hochdeutschen dialect bis auf heute ein mit F in den meisten fällen gleich bedeutender laut. die verschiebung blieb im goth. F wie im goth. H stecken, und wenn schon unter den gutturalen ahd. H und CH nahe an einander rühren, thun es auch ahd. F und PH. hieraus folgt, wie der anblick lehrt, dasz nach streng ahd. weise die media B und G erlischt.

Besser als labiales und gutturales haben die linguales stand gehalten. hier treten med. ten. und asp. reinlich von einander, während unter jenen die goth. asp. und ahd. med. beeinträchtigt wurden. Nur eine änderung hat sich im ahd. dialect ereignet: an die stelle der aspiration TH ist Z = TS eingetreten.

Dieser letzte wandel darf bei der nähe beider spiranten H und S nicht verwundern, in der aussprache wird hauchendes TH leicht zu lispelndem, und der spirans S tritt TS wirklich näher als TH. unter den keltischen sprachen setzt der armorische dialect überall Z an den platz des irischen und welschen TH (s. 374) und wir sahen s. 368 die ir. spirans S in TS überschlagen.

Dasz ahd. Z in der that mit TH entspringe und diesem gleichstehe läszt sich aus einzelnen beispielen darthun. das in der Nähe von Göttingen liegende Nörten heiszt in des klosters stiftungsurkunde von 1055 Northuna, in einer späteren von 1155 hochdeutsch aufgefaszt Norzun, was man allmälich nach dem gegensatz zwischen hochd. Z und sächs. T in Nörten wandelte[1]. In einem Reichenauer necrolog des 9 jh. werden nordische pilgrime por þorgils eingetragen zor zurgils.

Nunmehr kann ich beispiele für den anlaut aller neun gleichungen geben.

I. BP PH. dies ist die einzige wirklich mangelnde und nur für den inlaut nachzuweisende. alle goth. anlaute P, alle ahd. anlaute PH oder PF verrathen aufgenommne fremde wörter, welche sich in diese lücke des deutschen lautsystems geworfen haben.

II. P F F. skr. pitṛ lat. pater gr. arno goth. fadar ahd. fatar. skr. pantschan gr. névtɛ wέμɛ litth. penki sl. pjat' welsch pump goth. fimf ahd. finf. lat. piscis welsch pysg goth. fisks ahd. fisc. skr. padas lat. pes pedis gr. Tous rodós litth. pèdas goth. fôtus ahd. fuoz. lat. pedica gr. édŋ poln. peto böhm. pauto altu. fetill ahd. fezzil. lat. porcus litth. parszas finn. porsas russ. porosja böhm. prase ags. fearh ahd. farah. lat. porca ahd. furicha. skr. patis gr. πόσις Tóris goth. faps. skr. pašu gr. πωϋ lat. pecu goth. faihu ahd. fihu. gr. nuo ags. fŷre altn. fŷr engl. fire ahd. fiuri. lat. pauci gr. лavo goth. favai ahd. fohê vgl. parum paulum. gr. zahάur lat. palma ags. folma ahd. folma. gr. vyu lat. pugnus (woher pugnare) sl. pjast' ags. fŷst engl. fist. ahd. fûst nhd. faust. sl. postiti jejunare aus dem goth. fastan. gr. zokog lat. pullus goth. fula ahd. folo. lat. pellis franz. peau goth. fill ahd. fël. gr. hέog lat. plenus sl. pl'n" lith. pilnas goth. fulls ahd. fol. gr. oh goth. filu ahd. filo ags. fëla altn. fiöl. gr. zλéov „het̃ov „heiovog lat. plus plurimus f. plusimus, altn. fleiri flêstr. gr. zotzikos sl. pjeg (vgl. pjega pega sommerflecken) goth. faihs ahd. fêh ags. fâh. gr. πέκος lana pexa έz pecto ags. feax ahd. fahs, vielleicht crinis pexus? wie flahs plexus? gr. tzn lat. pinus f. pienus ahd. fichta. gr. πολιός lat. pallidus franz. pâle litth. palwas ahd. falo altn. fölr, vgl. litth. pellenai cinis ahd. falawisca. litth. pauk sztis goth. fugls ahd. focal skr. pakscha ala, lett. putns sl. ptitza poln. ptak gr. Tηvós лTYÓS NETεIVOS. gr. TEQóv lat. penna f. pesna petna, ahd. fëdara und fëttah. gr. idow lat. pedere litth. persti ahd. fërzan.' gr. vos lat. panus pannus goth. fana ahd. fano. lat. pax pacis ruhe friede franz. paix, pacare zufrieden stellen, it. pagare franz. payer, litth. pakajus friede sl. pokoi ruhe friede (von Miklosich s. 11 zur wurzel koi quies gebracht) goth. fahêps gaudium altn. fagna gaudere feginn contentus. 397 gr. rogog iter goth. ahd. faran ire. gr. παρά περί lat. per prae pro goth. far fair faura fra, ahd. far fir furi fora. skr. prathamas gr. nowtog f. zoótarog, sl. pr'v'i poln. pierwszy litth. pirmas lat. primus goth. fruma ags. forma. lat. prudens goth. frôds ahd. fruot. skr. prischni calx goth. fairzna ahd. försana. lat. precari it. pregare sl. prositi goth. fraihnan ahd. frâgên vgl. fiehôn. lat. praeco ags. fricca. skr. prî böhm. přjti serb. prijati goth. frijôn amare, sl. prijatel poln. przyjaciel litth. prietelus ahd. friudil mhd. friedel amicus. sl. Prije goth. Franjo? altn. Freyja ags. Frige ahd. Frouwa. litth. Perkunas goth. Fairguneis? altn. Fiörgyn. pers. pil elephas altn. fill. skr. phêna sl. pjena spuma litth. pienas lac ahd. feim spuma (für puma wie ahd. spëht picus) ags. fâm engl. foam; die deutschen wörter und das lat. spuma haben M statt N, wie portug. hum huma f. un una, em für in. gr. ogów lat. porro goth. fairra ahd. ferro. sl. polje finn. peldo oder pelto ahd. feld campus ags. folde terra (vgl. s. 60.) lat. pulex ahd. flô. lat. plangere goth. flêkan, vgl. ahd. fluochôn imprecari devovere. lat. plectere und plicare gr. kézε goth. flaihtan ahd. flëhtan vgl. flahs linum plexum?; aber pectere und pectus einigen sich schwer mit der bedeutung von föhtan pugnare, man müste denn an pugnis und fusti pectere denken[2]; fahs s. vorhin rézog. skr. plu gr. héo heiv navigare otov navis lat. pluere pluvia sl. plouti plovu, litth. plaukti sind nah Verwandt mit ahd. fliozan`ags. fleotan altn. fliota und goth. flòdus ahd. Huot und floza pinnula. planus aus placnus? wie Danus aus Dacnus (s. 192), pinus aus pienus, vergleicht sich, dem ahd. flah flahhes und litth. plasztaka flache hand[3]; umgekehrt ist im ahd. flado gegenüber placenta die gutturalis ausgefallen. litth. plaukas crinis ahd. floccho lanugo und mit aphaeresis loccho cincinnus ags. loc. gr. og lat. 398 pileus böhm. plsť coactile poln. pilśń ahd. filz ags. felt mlat. feltrum filtrum. gr. πνέω πνεῖν πνεῦμα ahd. fnehan fnah anhelare fnast anhelitus.

III. PH B P. gr. 70s lat. fagus goth. bôka ahd. puocha. gr. ovog ags. bana altn. bani ahd. pano; die zusammensetzungen Αργειφόντης βροτοφόντης gleichen den alt. Fafnisbani Hudingsbani. lat. fiber goth. biprus oder bibrus? ags. beofor ahd. pipar. gr. qiw lat. fuo fio goth. baua ags. beo sum ahd. pim nhd. bin; ich schlage zu dieser weit greifenden wurzel das lat. facere, goth. bagms materies ahd. poum u. s. w. gέow lat. fero goth. baira ahd. piru, dahin auch lat. far farris und farina, goth. baris hordeum, ags. bere, weiter gr. qotos ags. byrden onus ahd. purdin. lat. forare altn. bora ahd. poron. lat. follis goth. balgs altn. belgr ahd. palc. lat. faba welsch ffaen goth, bauna? f. babuna? ags. beán ahd. pôna. gr. qikov lat. folium alts. blad ahd. plat vgl. oben s. 213. lat. fulica ital. follega franz. foulque mhd. belche Ls. 3, 564 nhd. belch bölche. lat. flare goth. blêsan altn. blâsa ahd. plâsan; lat. flatus ahd. plâst. lat. florere ags. blovan ahd. pluojan pluohan; lat. flos goth. blôma ags. blôsma pluomo. lat. flavus und lividus für flividus? scheinen im zusammenhang mit goth. bliggvan ahd, pliuwan und plão goth. blaggys? lat. laetus f. flaetus? goth. bleibs mitis ags. blide laetus ahd. plidi. lat. fervere ferbere mit goth. briggvan? ahd. priuwan, wobei noch ahd. prôd jus und vielleicht prôt panis zu erwägen. lat. frater gr. foaz goth. brôbar ahd. pruodar. gr. goéag yoέatos mahnt an goth. brunna ahd. prunno von brinnan urere fervere, das ir. fuaran fons führt zunächst auf fuar frigidus; wie aber aus svelan ardere svalr subfrigidus stammt und gelidus doch mit calidus verwandt scheint (s. 385 szaltas sziltas), dürfen sich jene berühren; zur form halte man κρέας κρέατος und φρέαρ 1. φρέας, κέαρ f. κύας, (s. 316 nachzuholen.) lat. fremo ahd. primmu. lat. frango goth. brika ahd. prichu. lat, frui goth. brukjan uti (wie sich uti frui verbinden) ahd. prûchan; frucht ist der lat. form fructus entnommen. gr. qov ursp. praecordia, dann mens, animus; vergleicht sich ags. bregen cerebrum, engl. brain? gr. oqqus sl. br'v' alts. brâwa ags. bræv ahd. prâwa, vgl. goth. in brahva augins altn. î auga bragdi (mythol. s. 751. 752.)

IV. G K CH. skr. gaus ags. cû ahd. chuo (s. 32.) gr. yɛvouai yevooua lat. gusto goth. kiusa ahd. chiusu, lat. gustus goth. kustus ahd. chust. gr. yévos lat. genus goth. kuni ahd. chunni. gr. yóvos altn. konr alts. kind ahd. chint sl. tschjado. gr. yvvý sl. shena goth. qinô altn. kona ahd. chena chona. gr. 7óve lat. genu, goth. kniu altn. knê ahd. chniu. gr. 7yvoozei yivóóσzei lat. gnoscere noscere sl. znati (vgl. tschouti) litth. žinoti novisse scire ags. cnâvan ahd. chnâhan, nahverwandt goth. kunnan ahd. chunnan, vgl. litth. źinně scientia ahd. chunst, goth. kunps notus ahp. chund altn. kunnr, altn. kná posse. lat. nodus für gnodus altn. knûtr ahd. chnodo f. chnozo? lat. gula ags. ceol ahd. chëla. lat. gelare altn. kala frigide spirare, lat. gelidus goth. kalds ahd. chalt. lat. gaudere altn. kâtr laetus. gr. 7égavos lat. grus ags. crân ahd. chrânoh. sl. gnesti depsere goth. knudan? altn. knoda ahd. chnëtan. grex gregis rührt es an ags. corder ahd. chortar? lat. glubere goth. kliuban ags. cleofan ahd. chliopan findere. lat. granum sl. zr'no litth. zirnis goth. kaurn ahd. chorn und chërno. lat. vivus f. gvivus litth. gywas goth. qius ags. Ievic ahd. chech. sl. gljadati videre goth. vleitan f. qleitan?

V. KHH. gr. zákauos lat. calamus sl. slama litth. źelmú ahd. halam altn. hâlmr. lat. celare ahd. hëlan goth. huljan altn. hylja. gr. zoikós cavus lat. coelum das gewölbe des himmels goth. huls ahd. hol. gr. záhy zijn hernia böhm. kyla keyla litth. kuilotas herniosus ahd. holoht. lat. calx ags. hêl (womit das einfache hô gen. hôs zu vgl.) altn. holl ir. sal. lat. collum goth. ahd. hals. gr. zio aus zéao? zaodía lat. cor cordis goth. hairtô ags. heort ahd. herza skr. hrd litth. szirdis lett. sirds sl. sr'd'tze. litth. kardas goth. hairus altn. hiör alts. hëru. lat. curia, das Pott 1, 123 comviria deutet, liesze sich für cusia nehmen und auf goth. hus ahd. hûs nhd. haus aedes templum beziehen. gr. κέρας κέρατος und κεράννυμι wein aus dem horn geben; wie auch unser schenken ags. scencan zu sceanc 400 tibia, röhre der kanne gehört und das goth. stikls poculum von der spitze des trinkhorns entnommen ist. das N in zegάvvv scheint aber das im lat. cornu goth. haurn ahd. horn. lat. cerebrum ahd. hirni altn. hiarni, wieder mit zutretendem N. gr. zao̟nós verwandt mit ags. hearfest ahd. herpist ernte? gr. κάρτος καρτερός goth. hardus ahd. herti, das adv. zúgva steht wie ahd. harto valde; umgestellt wird κάρτος καρτερός κρατές κρατερός, wie vielleicht altn. hardr zu hradr celer, ahd. herti zu hrat agilis, da sich begriffe der tapferkeit und schnelle begegnen. lat. curo f. cuso? custos litth. kerdzus goth. hairdeis ahd. hirti; zugleich folgt, dasz auch schon goth. R für S, neben Z in huzd, vorhanden war. lat. cervus gehört deutlich zu κέρας, wie auch der ἔλαφος κεραός genannt wird, goth. hiruts? ags. heorot ahd. hiruz. sl. litth. kurwa meretrix goth. hôrs adulter ahd. huora ags. hôre meretrix. sl. kam'i und kamen' lapis litth. akma lett. akmins skr. asman altn. hamar saxum malleus ahd. hamar tudes. gr. zoun vicus litth. kaimynas vicinus goth. haims vicus ahd. heim domus, patria. zu lat. cano bringe ich goth. hana ahd. hano, den tagansingenden vogel, der auch in der thierfabel Cantaert und Chanteclins mit blinzelndem auge singend heiszt (s. 333.) gr. ázóvy άzóviov skr. sâna altn. hein Sn. 85. 109. schwed. hen ags. hän engl. hone; die skr. wurzel ist so acuere, woraus sich auch lat. cos cotis deutet. gr. zówv ir. cu lat. canis skr. svâ litth. szu goth. hunds ahd. hunt, vgl. oben s. 37. 38. gr. xovides lendes ags. hnitu ahd. knizi nhd. nisse. gr. závvaßig lat. cannabis altn. hanpr ahd. hanf. deutungen des sl. kon' wurden s. 30 mitgetheilt und sicher gehört hestr hengist dazu; das verhalten von ašman akmů zu kamen' hamar gestattet vielleicht kon' unmittelbar zu aśva aszwa, also auch zu equus aihvus zu stellen; K und H sind sein wurzelhafter consonant. lat. capere captus goth. hafjan hafts ahd. heffan haft. lat. caput gr. zepań goth. haubiþ ahd. haupit ags. heafod vgl. heafela hauptbinde. lat. caper gr. zoos ags. häfer altn. hafr (vgl. s. 35. 36.) lat. accipiter ir. seabhac ahd. hapuh ags. heafoc (s. 49. 50); sollte der heldenname Capуs gr. Kάлvç dahin fallen und für Káv§ stehn? vgl. 1άav s. 202. gr. zos altn. ags. ahd. hof, eigentlich ein- 401 geschloszner raum, garten, welcher begrif in der nl. mundart haftet. lat. copia altn. hôpr turma ahd. hûfo acervus. litth. kupra ahd. hovar nhd. höcker. gr. zwgóg alts. hâb goth. hanfs. lat. coecus goth. haihs, vgl. litth. aklas und lat. Cocles. skr. kôka goth. hôha ahd. huoho (s. 56.) gr. zózzu os coccygis zozovn lat. coxa coxendix goth. hups ags. hype ahd. huf, mit übertritt des inlautenden cons. aus der gutt. in lab. lat. cogito (das nicht aus coagito stammt) goth. hugja ahd. hukku und hokazu meditor. lat. cutis ags. hûd ahd. hût nhd. haut. lat. cautus von cavere, ags. hêdan ahd. huotan. gr. zaðapós ags. hâclor ahd. heitar. gr. άzotw άzovσonai goth. hausja ahd. hôrru. gr. zag ags. hise mas. lat. corylus f. cosylus? ahd. hasal. litth. kiauszia cranium lett. kauss altn. haus. gr. zkaie flere goth. blahan ridere ahd. blahhan. gr. zahɛiv zλŋtóg zλŋtɛvei goth. laþôn f. hlaþôn ahd. ladôn. lat. claudere ags. hlidan? vgl. ahd. sliozan für seliozan? lat. claudus goth. halts ahd. halz. lat. clamor altn. hliomr. gr. zâbɛw lat. cluere ir. cluais skr. śru ahd. hlosên gr. zhrróg lat. inclytus ahd. hlût nhd. laut. lat. currere skr. śri ire goth. erweitert in hlaupan ahd. hloufan. gr. zhive lat. clinere ahd. hlînan. lat. clypeus altn. hlîf. gr. kézre goth. hlifan gr. zkéwŋg goth. hliftus. gr. κράζω zo lat. crocio crocito goth. hrukja. lat. crinis ahd. hâr. gr. zovuos altn. ags. hrîm pruina. lat. crusta litth. grodas sl. gruda ahd. hart (s. 98), die litth. sl. sprache haben hier und in grodinnis grudzień (s. 97. 105) G für K. lat. crudus ags. hreav altn. hrâr. russ. poln. knut scutica goth. hnuþô. skr. svêtas candidus purus pers. sipid armen. sbidag zend. spenta purus litth. szwentas sanctus sl. svjat" sanctus goth. hveits albus ags. hvite ahd. huizi. litth. kwětys triticum goth. hvaiteis ahd. hueizi. lat. quis goth. hvas ahd. huer.

VI. CH G K. das latein hat hier H, wie in der dritten gleichung

F, und einigemal F statt H, einigemal bloszen vocalanlaut. gr. zaivo lat. hio altn. gin gein ahd. kinêm, lat. hiatus zάoua altn. già, gr. zavdov hiando vgl. altn. gandr lupus ob rictum oris. gr. zéw qutós 402 goth. giuta ahd. kiuzu, vgl. lat. fundo. gr. zo lat. fel für hel, altn. galla ahd. kalla. gr. zeig altl. hir, ich weisz nicht ob das litth. kairė manus sinistra und das finn. käsi in vergleich kommt. gr. zne lat. herinaceus erinaceus litth. eźys poln. jeż böhm. gež, herinaceus also f. hesinaceus? gr. zo19ń f. zoiły? lat. hordeum ags. gerst ahd. kersta. gr. zoioos altn. grîs. gr. yogros lat. hortus goth. gards ahd. karto, gehört zu gairdan cingere einzäunen. lat. homo goth. guma ahd. komo litth. zmogus pl. źmonės = homines gumans. gr. zov lat. humus zauai humi, litth. země sl. zemlja, vgl. goth. gavi ahd. kouwi. gr. ziuagos ziuarga altn. gimbill gimbur. gr. zeņúv lat. hiems sl. zima litth. ziema, oben s. 73 habe ich das ir. geimhra verglichen und für vintrus gemutmaszt qintrus. gr. v lat. anser für hanser skr. hamsa altn. gâs ags. gôs ahd. kans russ. gus' poln. gęś böhm. hus litth. zazis lett. sohss. pers. choda goth. gup ahd. kot. lat. hoedus goth. gaitei ags. gât altn. geit schwed. get ahd. keiz. hostis fostis sl. gost' hospes goth. gasts ahd. kast. gr. 79 lat. heri f. hesi und hesternus goth. gistra altn. gær schwed. går dän. gaar ahd. këstre. skr. hiranja zend. zara gr. zoboog sl. zlato goth. gulb ahd. kold; diese verwandtschaft ist s. 13 zu sehr erschwert, der übergang des R in L hat kein bedenken und die consonanten stimmen untereinander.

VII. D T Z. skr. djaus divas gr. Zeug og lat. deus divus goth. Tius Tivis? ags. Tiv altn. Tŷr Tŷs ahd. Zio Ziowes. gr. δόλος lat. dolus altn. tâl ahd. zâla, doch zwingt die abweichende quantität auf tilan tal ahd. zëlan zal zurückzugehn, deren verhältnis zum gr. δέλω δέλεαρ noch dunkel bleibt. skr. dar dr fndere gr. δέρειν cutem detrahere dégua corium goth. tairan solvere lacerare ahd, zëran. skr. durva cespes ags. turf altn. torf ahd. zorba. gr. déozw dédooza doazov ags. torht splendens ahd. zoraht. gr. dauάw lat. domo goth. tamja ahd. zemiu. gr. δέμω aedifico δόμος aedes δένδρον materies arbor lat. domus sl. dom" aedes dub" poln. dąb arbor quercus goth. timr timbr aedificium altn. timbr ahd. zimpar; die bedeutung timan ziman aptare decere könnte diese wurzel mit der vorigen ausgleichen. lat. dingua f. lingua goth. tuggo ags. tunge altn. tunga ahd. zunka. 403 skr. dantas lat. dens litth. dantis goth. tunpus ahd. zand (oben s. 155); das sl. zub verhält sich zu dantas fast wie dub zu dévdoor. skr. devr gr, dano lat. levir litth. dewèris ags. tâcor ahd. zeichur. gr. daztukos lat. digitus goth. taihô? dig. pedis ags. tâ engl. toe ahd. zëhâ. gr. dɛtzvio dɛizvvu lat. dico indico goth. teiha nuntio ahd. zeigiu monstro, verwandt das vorangehende gleich dem folgenden wort. die zeigende hand heiszt skr. dakschina litth. deszině sl. des'nia gr. değiά lat. dextera goth. taihsvô ahd. zësawâ mhd. zesewe, und leitet sich daher überhaupt der begrif des rechten? skr. dasan lat. decem gr. déza litth. deszimt sl. desjat goth. taihun ags. teon ahd. zëhan lat, duco goth. tiuha ahd. ziuhu. [gr. dázvo goth. tahja lacero.] gr. dázov dazovua lat. lacryma (s. 354) goth. tagr altn. târ ags. tear ahd. zahar, die wurzel dázva (s. 300.) gr. doug und dógu sl. drjevo welsch derwen ir. dair goth. triu ags. treov engl. tree alth. trê. skr. dva gr. dẻo lạt. duo litth. du sl. dva ir. do goth. tva ahd. zuei und so weitere bildungen wie lat. dubium f. duibium goth. tveifls ahd. zuîval u. s. w. der untrennbaren gr. partikel deg entspricht altn. tor ahd. zur.

VIII. T TH D. skr. tvam lat. tu goth. þu ahd. dû (vgl. s. 258.) skr. tad gr. tó f. ród goth. þata ags. þät ahd. daz. gr. voiog totovos lat. talis litth. toks ags. byllic byle altn. pvilikr. gr. tog ags. bus (gramm. 3, 196.) skr. tul gr. tkiva váhaσa lat. tuli f. tetuli latum f. tlatum (rλŋtóv) tolero goth. þula altn. þoli und þyl ahd. dolêm und dultu. gr. ravoos lat. taurus sl. tour altn. þior (s. 32), nicht zu mischen mit dŷr goth. dius (s. 28.) sl. tr'n" spina goth. þaurnus ahd. dorn. gr. véqua tóquos lat. terminus altn. þröm ahd. drum, vgl. lat. turma ags. þrym. lat. torreo f. torseo gr. téqoopa goth. þairsa þaursus altn. þurr þyrrinn ahd. durri. lat. tergeo tersi alt. þerri. lat. torquere ags. prâvan ahd. drâjan drâta. skr. tamas caligo litth. tamsus obscurus lat. tenebrae f. temebrae alts. thimm thimstar ahd. demar crepusculum dunchal. skr. tanus lat. tenuis altn. þunnr ahd. dunni. gr. Tɛivo lat. tendo litth. tempiu goth. þanja ahd. dennu, hierher auch ahd. dono tendicula und donar tonitru, sonus nubis ictae und das lat. tenus (Haupt 5, 182.) lat. tacere goth. pahan alts. begia ahd. dagen. gr. tézvov goth. þigns ags. pëgen ahd. dekan, von TɛZɛiv vízvεw, 404 goth. þeihan crescere, wozu auch goth. pius und þivi, ahd. dionôn servire altn. þiona ahd. diorna ancilla virgo, litth. tarnas servus tarnaitě ancilla. lat. tegere tectum altn. þak ags. päc ahd. dah tectum decchan tegere. litth. Tauta Germania goth. þiuda gens ags. þeod altn. biod ahd. diot. gr. rotis lat. tres goth. preis ahd. drî (s. 240); ebenso lat. tremissis ags. primse ahd. drimisa und Toivog tertius pridja dritto. gr. Toέzew goth. pragjan ags. prage cursus; sollte das altu. þræll servus nicht eigentlich besagen cursor, der des herrn befehl eilends ausrichtet? dann wäre auch im ahd. eigennamen Wolfdregil Wolfdrigi dregil cursor enthalten. lat. triturare goth. priskan ags. þërscan altn. preskja ahd. drëscan. lat. tetrao böhm. tetrew poln. cietrzew altn. þidr schwed. tjäder. goth. pruts vgl. priutan molestare sl. trud molestia labor poln. trąd lepra. sl. tvr'd" durus firmus poln. dwardy scheint das goth. þvasts und ahd. festi ags. fäst.

IX. TH D T. das aeol. idiom läszt durch, wie das lat. durch F ersetzen (s. 350); einige merkwürdige spuren des labialen statt lingualen lauts hat auch unsre sprache [oben s. 350]. skr. dhû spirare flare, erweitert in dhma flare, dhûma vapor litth. dumai sl. d'mu flo duti flare d'im" fumus poln. dym, gr. 9e flare spirare, dann räuchern opfern, vuós spiritus mens, lat. fire für fyre fure noch übrig in suffire räuchern, fumus vapor ahd. toum vapor, wofür ich s. 350 goth. dagms mutmasze. war auch goth. divan dau und dôjan ursprünglich flare halare, so gieng es in die bedeutung exspirare exhalare und mori über (vgl. usanan oben s. 26) und gleiches musz vom altn. deyja dô, ahd. touwan tôta und gr. Favɛiv Ivýozev gelten. Javaros goth. daupus ahd. tôd ist demnach zavεvois exspiratio. funus gehört zu fumus (funebris wie tenebrae von tamas) und bezeichnet entweder den entseelten leib oder leichenbrand leichenopfer. gr. Jáw Inoaι mammam praebere, sl. doiti poln. doić böhm. dogiti, goth. daddjan altschwed. döggja f. dia, ahd. taan (Graff 5, 462); gr. 9 mamma θηλάζω Fάw, vò 9v das weibliche geschlecht, ahd. tila tili 405 tilli mamma (Graff 5, 397), das L scheint aus D entsprungen (s. 355) zu daddjan aber fügt sich ahd. tutto mamilla. gr. no aeol. no lat. fera goth. dius diuzis ags. deor altn. dŷr ahd. tior, sl. zvjer' litth. źwěris (s. 350.) gr. Juga lat. fores litth. durrys sl. dv'r' goth. daurô ahd. turî. gr. θαρσεῖν und θαῤῥεῖν audere θάρσος θάρρος audacia Joaous audax litth. drasus goth. gadaursan audere gadars audeo ahd. turran audere tar audeo; ich halte s. 195 zu Joaovs Opas, die verglichnen deutschen wörter stimmen aber nicht zur lautverschiebung. gr. θέρειν calefacere θέρος aestas, calor Θερμός calidus aeol. φερ és alt. formus (Festus s. v. forma) ferveo und fervidus, an welche sichtbar das goth. varms ags. vearm altn. varmr ahd. waram, nhd. warm sich schlieszt. varms entspringt mir aus qarms wie vintrus und vaurms aus qintrus qaurms (s. 73) wozu skr. gharma stimmt, in den persischen keilschriften heiszt ein sommermonat garmapada; übergänge des GV in V und aus dem digamma F in lat. F lehrt die welsche und irische sprache sattsam (s. 296. 373.) in diesem equos formus varms und gharma läuft der laut durch alle consonanzorgane[4] kann θέμα Jéus (von Tinu) unserm goth. dôms ags. dôm ahd. tuom rechtspruch verwandt sein? skr. dhan schlagen gr. 9ɛivei und Gévag die flache hand, womit geschlagen wird, ags. denu vallis? ahd. tenni area, wo korn gedroschen wird, tënar vola manus; das lat. fanum an tenni zu halten hat bedenken. gr. vyάrno goth. dauhtar ahd. tohtar; zu dieser ordentlichen lautverschiebung stimmt nicht das D andrer sprachen (s. 266 vgl. aber unten.) im lat. trahere litth. traukti scheint T für TH zu stehn, goth. dragan trahere ags. dragan engl. draw ahd. trakan ferre.

Auf solche beispiele der anlautenden lautverschiebung müssen die der inlautenden oder auslautenden folgen, wobei von der strenge eher abgewichen wird.

I. BP PH. russ. obezjana simia, litth. bezdźenka f. obezdzenka, ags. apa altn. api ahd. affo; doch anderes stimmt nicht, altböhm. op und opec, heute opice, altpoln. opica, ir. apa welsch epa und diese tenuis kommt Bopps herleitung vom skr. kapi (gl. skr. 65b) zu statten, der sich auch das gr. zɛinos os fügt. ir. abhal malum und malus, welsch afal malum afall pl. efyll malus, litth. obolys malum obelis malus lett. ahbols malum, sl. jablko pomum poln. jabłko böhm. gablo gablko; ags. äpl äppel altn. epli malum apaldr malus ahd. apfal ephili malum und affaltera malus (vgl. gramm. 2, 530.) lat. labium ags. lippa engl. lip ahd. lëfs nhd. lefze, daneben lippe wie auch litth. lupa. derselben wurzel sind lat. lambere ags. lapian altn. lepja ahd. lafan luof und leffan leffita, altn. lepill cochlear ahd. lepfil leffil nhd. löffel. das altn. sleif cochlear dän. slev plattd. sleef schieben S vor und verschieben die labialis; lingere ist mit lambere gleichviel, folglich lecken mit lepja, wo wiederum S vortritt in slecken. aus mnl. slecke limax erhellt die verwandtschaft zwischen cochlea und cochlear, κόχλος κοχλίας κοχλιάριον. sl. slabiti debilitare poln. slaby debilis altn. slapa flaccere ahd. slaph slaf remissus, und wiederum mit übergang in gutt. slah (Graff 6, 783.) gleichen wechsel zwischen lab. und gutt. zeigt das lat. faber und facio, ich möchte zu faber auch fibra (nervus vena) und fiber, den bauenden schlagen; wie nun zu facere goth. bauan und bagms gehört, scheint für fiber sl. bobr litth. bebrus die lautverschiebung goth. biprus zu begehren, doch ist bibrus wahrscheinlicher nach dem ags. beofor ahd. pipar. lat. faba sl. bob" bask. baba span. haba vergleiche ich ahd. pôna ags. beán und leite ein goth. bauna aus babuna; doch ist auch gr. iavos mit ziaμos zu erwägen. zwischen sl. dobr" bonus und ahd. taphar gravis nhd. tapfer fortis musz ein goth. daprs alts. dapar liegen, das nicht aufzuweisen steht. ags. stapel stepel basis columna turris altn. stöpull ahd. staphol staphil entsprecher dem lat. stabulum, das von stare wie .venabulum von venari geleitet fulcrum und vestibulum ausdrückt; von standa ist altn. stöðull ahd. stadal horreum stabulum. gr. závvaßis lat. cannabis altn. hanpr dän. hamp ags. hänep henep engl. hemp 407 ahd. hanof nhd. hanf; P haben wieder litth. kannapès lett. kańnepes poln. konop' böhm. konopě. lat. turba goth. þaurp altn. þorp ahd. dorf. litth. gelbmi goth. hilpa ahd. hilfu.

II. P F F. aus dem das organische PH vertretenden F schwankt die goth. mundart in B, die alts. in BH, und die ahd., welcher hier eigentlich B angemessen wäre, hat dafür entw. P (nach goth. B) oder V (nach alts. BH.) geht liquida voraus, so steht immer F, wie im anlaut. die ags. und altn. mundart halten F auch in und auslautend fest, goth. B ahd. P treten zur dritten gleichung über. gr. λείπω goth. leiba laif ags. life altn. lif ahd. lîpu; gr. λonós reliquus λ01Tas reliquiae goth. laibôs altn. leifar; im lat. linquo liqui waltet gutt. lat. caper ags. häfer altn. hafr, ein goth. habrs ahd. hapar zu vermuten. lat. aper ags. eofor altn. iöfur ahd. ëpar, goth. ibrs? gr. vлÓ lat. sub für sup goth. uf; gr. vné lat. super goth. ufar ags. yfer altn. yfir ahd. upar. gr. Entά lat. septem goth. sibun ags. seofon altn. sjö ahd. sipun. lat. nepos ags. nëfa engl. nephew altn. nëfi ahd. nëvo; lat. neptis ahd. niftila; das goth. niþjis niþjâ böhm. neti (s. 270) haben blosze lingualis. lat. capio goth. hafja altn. hef ahd. heffu huop hapan; lat. captus ahd. haft. lat. sapio goth. safja? ahd. seffu suop sapan. lat. rumpo rupi ags. rŷfe reáf altn. rŷf rauf, rof ruptura, die goth. form riuba rauf folgt aus raubon effringere spoliare, ags. reáfjan ahd. raupôn, vgl. raupa spolia; wie aber ist lat. rapio und rapina mit rumpo zu einigen? rapio stimmt zu capio sapio, die skr. wurzel lautet rup, erweiterung in MP zeigt auch das folgende wort. skr. svapnas lat. sompnus somnus gr. vog alts. suebhan altn. svefn, andere formen oben s. 303. gr. onga auctumnus und poma darf wol zu ahd. obaz nhd. obst ags. ofät und sl. ovosch fructus gestellt werden. gr. zaros ahd. hof hoves. lat. copia ahd. hûfo; hier aber auch ags. heáp alts. hôp altn. hôp, was die zulässigkeit der vergleichung von copia verdächtigt. sl. kop'ito poln. kopyto ungula altn. hôfr ags. hôf ahd. huof huoves; steht gr. özký für zozký? özkov goth. vêpn ahd. 408 wâfan ist davon zu trennen. litth. kupra gibbus ags. hofer ahd. hovar nhd. höcker. lat. vulpes goth. vulfs ahd. wolf.

III. PH B P. hier stehn nur gr. wörter in vergleich, da inlautendes lat. PH oder F fast nicht vorkommt, doch entspricht einigemal lat. und sl. B. die ags. und altn. mundart haben wiederum F. gr. heqas goth. ulbandus camelus ahd. olpenta ags. olfend (s. 42.) gr. zeqah goth. haubip ahd. houpit ags. heáfod vgl. heáfola. végos vegéλŋ lat. nebula goth. nibls? altn. nifi ahd. nëpal. gr. zogós alts. háf goth. hanfs ahd. hanf, wo die liquida das F zu fesseln scheint. gr. youpe goth. graban altn. grafa ahd. krapan; nur stimmt der anlaut nicht. gr. augi alts. umbi ags. ymbe ahd. umpi. gr. ugo lat. ambo skr. ubhâu sl. oba litth. abbu goth. bai ba bajôps ahd. pêdê, auch den deutschen wörtern scheint früher ein vocal vorausgegangen. litth. sidubras sl. srebro goth. silubr ahd. silapar.

IV. G K CH. gr. y lat. ego sl. az" für az' agi goth. ik ags. ic ahd. ih. gr. ayev lat. agere altn. aka; gr.άyoóg lat. àger goth. akrs ags. äcer altn. akr ahd. achar. lat. vigere vigil vigilare goth. vakan vigilare vôkains vigilia vôkrs rózog vahtvô excubiae ags. vacor vigil vôcor proles foenus altn. vaka vigilare ôkr foenus ahd. wachen wachar wuochar. gr. vyóv lat. jugum litth. jungas lett. juhgs goth. juk ags. geoc engl. yoke altn. ok ahd. joh. skr. mahan gr. μéyas péyakog lat. magnus goth. mikils ags. micel altn. mikill ahd. michi goth. maists f. makists? gr. uériovog. lat. rex regis regnum skr. râdscha goth. reiks ags. rice altn. rîki ahd. rîchi. skr. radschani nox goth. riqis ags. racu altn. rök caligo. lat. augere, gr. avžavεiv litth. augti goth. aukan altn. auka ags. cácan ahd. auchôn. skr. nagna sl. nag" litth. nogas goth. naqaps ags. nacod ahd. nachut, im lat. nudus ist ein cons. ausgefallen, es steht für navidus oder nugdus? russ. bereza f. berezja? poln. brzoza böhm. břiza litth. berzas ags. beorc altn. biörk ahd. piricha. litth. sluga sl. slouga vergleichbar mit goth. skalks ahd. scalh? vgl. oben s. 326. lat. mulgere gr. auéì4097 goth. miluks altn. miolk ags. meolc ahd. miluh, K haben schon sl. mleko lat. lac u. s. w. (s. 326.)

V. KH H. goth. H, wie s. 394 gesagt wurde, steht für CH, ahd. H für G, welches nicht selten, auch schon im goth. erscheint, regel aber ist H. lat. pecu goth. faihu ags. feoh ahd. fihu. gr. лoɩzikos goth. faihs ags. fâh ahd. fêh mhd. vêch. lat. coecus goth. haihs. lat. nec neque goth. nih ahd. noh; das lat. suffix -que ist goth. -uh. lat. scire secire sequire (s. 348) vgl. sequi secus und secundus, goth. saihvan ahd. sëhan. lat. locus Tóros locare in loco ponere goth. leihvan ahd. lîhan, woraus auch ein verlornes goth. leihvs locus ahd. lih geschlossen werden könnte. lat. precari procus sl. prositi goth. fraihnan ahd. fragên. lat. secare securis ahd. sahs culter sêh vomer segansa und sihila falx. E lat. sex goth. saihs ahd. sëhs. gr. δέκα lat. decem goth. taihun ahd. zëhan (vgl. s. 240.) lat. decus decorus ahd. ziori nhd. zier. lat. dicere goth. teihan ahd. zîhan. lat. ducere goth. tiuhan ahd. ziohan lat. ductus goth. tauhts ahd. zuht. lat. lux lucis goth. liuhap ahd. lioht mhd. lieht, lal. lucus sl. lug" goth. lauhs? ags. leáh ahd. lôh. lat. equus goth. aihvus alts. ëhu. lat. aqua goth. ahva ahd. aha. gr. Ezvoós lat. socer goth. svaihra ahd. suëhor. gr. oizos lat. vicus goth. veihs ahd. wîh. lat. quercus scheint das ahd. wereh fereh in wereheih ilex (Graff 1, 127.) lat. pulex pulicis ags. fleá altn. flô ahd. flôh. lat. sulcus ags. sulh ahd. suloh? (oben s. 56) gr. ózóg. lat. acus palea gr. qug finn. akana goth. ahana ahd. agana. lat. acer ags. ahd. ahorn litth. aornas; das poln. klon russ. klen' vielleicht für aklon akron? vgl. slon f. sron (s. 380), auch lett. klawa. sollte mit ähnlicher aphaeresis das ahd. haro harewes asper dem lat. acerbus entsprechen? lat. tacere goth. bahan ahd. dagên. lat. octo goth. ahtau ahd. ahtô. lat. nox noctis goth. nahts ahd. naht. lat. macte! goth. mahts ahd. maht. gehört zu pecto pexus ags. feax altn. fax ahd. fahs? lat. rectus goth. raihts ahd. rëht. lat. macula goth. mail f. mahil? ahd. meil ags. mâl. gr. vézug lat. nex necis und necesse stelle ich zu goth. naus und naups f. nalus nagus nahups nagvaps? ags. neád ahd. nôt. hier ist also zweifel zwischen H und 410 G, wie wir schon neben ahd. sahs sëgansa, neben goth. þahan fraihnan ahd. dagên freginôn fanden; folgende haben alle G. gr. zog lat. oculus goth. augô ahd. augâ. lat. lacus altn. lögr ahd. lagu. gr. dázov lat. lacrima goth. tagr, wo noch ahd. zahar. gr. uizov papaver lett. maggons litth. agona f. magona poln. böhm. mak ahd. mágo mhd. måge nhd. mohn. gr. rézvov ags. þegen ahd. dëgan mhd. dëgen. lat. macer ags. mäger engl. meager ahd. magar. lat. aequor altn. oegir. lat. acuo und acies ags. ecg engl. edge altn. egg ahd. echha (vgl. cos und hân hein s. 400, mit haftendem H); mlat. aciarium it. acciaio franz. acier chalybs entspricht dem ahd. ecchil. gr. izrív milvus (gebildet wie aztiv radius und pecten) scheint das altn. ëgdir igdir aquila, dessen fem. igda lautet und Sam. 190 steht, wo es einige für hirundo nehmen.

VI. CH G K. das latein ersetzt die mangelnde asp. durch H oder wirft auch dies weg. gr. new goth. aigan ahd. eikan. gr. TOEZE goth. pragjan altn. þræll servus ahd. drikil? (s. 404.) mit Poéze rigare pluere das ahd. prieken ora torquere (Graff 3, 364) schweizerische brieggen brieken flennen weinen (Stald. 1, 225) zu vergleichen hat bedenken, da der anlaut nicht genau stimmt. skr. lih gr. λείχειν lingere λιχανός leckefinger (s. 385) λίχνος lecker goth. laigon ahd. lecchôn litth. laiżyti sl. lizati. gr. kézos lat. lectus goth. ligr ahd. lekar, gr. λóxos insidiae goth. lêga? ahd. lâka; die goth. wurzel ist ligan, deren G von dem des gr. Aéye09a nicht verschoben erscheint; sl. leschtschi decumbere jagu decumbo poln. leżeć lęgę, sl. leshati jacere loshe lectus. lat. trahere f. thrahere goth. dragan ahd. trakan. gr. optioa lat. vehi vehere gr. ozos lat. veha goth. vigan vehi vagns? vehiculum ahd. wakan; lat. via f. viha goth. vigs ahd. wëc; die sl litth. formen schon s. 60 angeführt. ob auch lat. dies goth. dags ahd. tac hierher fällt? in dies ist ein cons. ausgestoszen, ich wagte s. 192 dacies, vielleicht dahies? gr. ώχρα von ὠχρός pallidus vulvus goth. ôgr? ahd. ôgar Graff 1, 134 nhd. ocker, poln. ugier böhm. oğr.

VII. DT Z. lat. id skr. it (Bopp vgl. gr. 185) goth. ita ahd. iz. gr. tó für ród oder rót skr. tat zend. tat (Bopp s. 183, 184) goth. þata ahd. daz. lat. ad goth. at ahd. az. skr. ad. skr. ad lat. edere gr. de goth. itan ahd. ezan sl. jasti edere jad' eibus. lat. ador adoreum triticum far goth. atisks seges ahd. ezisc; sl. jatsch'men' hordeum ir. joth welsch yd granum altn. æti (s. 65.) finn. itu idun germen syriän. id hordeum. skr. svâdus gr. dig tis ags. svête ahd. suozi. skr. sad lat. sedere gr. ahd. sizan, lat. sedes gr. dos goth. sitls ahd. sëz. skr. mâ f. mad lat. metiri f. mediri, wie aus meditari erhellt, goth. mitan ahd. mëzan, goth. mitôn meditari, lat. modus modius ahd. mëz und mâza. lat. odium f. codium (wie os ossis f. cos cossis, cost costis wovon noch costa rippe) goth. hatis ahd. haz. lat. madere goth. natjan madefacere ahd. nezan, lat. madidus ahd. naz. sl. bodu bosti pungere cornu petere poln. bość ags. beátan caedere altn. bauta ahd. pôzan; vgl. lat. batuere franz. battre. gr. eidévai ideiv lat. videre goth. vitan ahd. wizan. skr. uda f. vada gr. dwg f. Fidag? sl. voda lett. uhdens litth. wandû gen. wandens goth. vatô vatins ags. väter alts. watar ahd. wazar altn. vatn schwed. vatten dän. vand. gr. idous lat. sudor f. svador goth. svaists? ags. svât altn. sveiti ahd. sueiz. skr. svêta und svid goth. hveits ags. hvîte ahd. huîzi. lat. hoedus goth. gaits ahd. keiz. skr. padas lat. pes pedis gr. og rodós litth. pedas goth. fôtus ags. fôt ahd. fuoz. mlat. radius mellis für favus? wie noch franz. rayon de miel sp. rayo, dann mnl. rate favus mhd. râz. lat. radix ags. altn. rôt. gr. zóvis zóvidos ags. hnit ahd. hniz. lat. gaudere altn. kâtr laetus. sl. trud poln. trad goth. bruts von priutan altn. priota. das altdeutsche recht nennt einen hörigen lidus litus und laz, in welchem namen alle drei stufen des lauts wiederkehren; lidus wäre dem lat. laedere, litus dem goth. lêtan, laz dem ahd. lâzan vergleichbar, es kommt darauf an die bedeutungen zu einigen. in litus scheint goth. lats piger, ahd. laz gelegen, latjan ahd. lezan bedeutet retardare impedire und erreicht so das lat. laedere. lêtan sinere relinquere ist das litth. leidmi leisti. lat. claudere mnl. sluten ahd. sliozan mhd. sliezen; lat. clavis mnl. slutel ahd. sluzil mhd. slüzzel. lat. claudus 412 goth. halts ags. healt ahd. halz. sl. gljadati hérew goth. vleitan f. qleitan? ags. vlitan altn. lîta goth. andavleizns ags. andvlite altn. andlit ahd. antluzi vultus nhd. antlitz. gr. μéhdw ags. smilte altn. smëlti ahd. smilzu. lat. cor cordis gr. zaodía litth. szirdis goth. hairtô ags. heorte ahd. hërza. lat. surdus gilt von dem tauben und stummen, wird aber auch für hebes überhaupt gesagt, surda tellus unfruchtbares land, wie es bei uns heiszt taubes land, surdus color dunkle trübe farbe führt unmittelbar auf den rechten begrif: surdus ist das goth. svarts altn. svartr ags. sveart ahd. suarz, genau wie goth. daubs und dumbs, ags. deáf und dumb, ahd. toup und tump zum ir. dubh welschen du ater niger fallen. lat. nidus f. nisdus gnisdus wie nosco f. gnosco? sl. gniezdo litth. lizdas f. nizdas (wie lakstingala s. 341) ags. nëst ahd. nëst, vgl. altn. nist fibula ahd. neosta. das skr. nidha deutet man aber aus nischada, vom niedersitzen (Pott 1, 89), was jenen gutturalvorschlag wieder zweifelhaft macht. lat. nodus für gnodus? altn. knûtr ahd. chnodo chnoto. sl. tvrd goth. þvasts ahd. festi. sl. lebed' ags. älfet altn. âlpt ahd. alpiz (s. 325.)

VIII. T TH D. in der ableitung entsprechen dem lat. -it -ut -itum itas goth. -ip -ipa, ahd. -id -ida, z. b. goth. haubip dem lat. caput, niujipa diupipa daubipa dem lat. novitas profunditas stupiditas, ahd. chûskida ëpanida dem lat. castitas aequitas. nur sind manche goth. þ schon zu d, folglich ahd. d zu t geworden, namentlich im part. praet. und im schwachen praet., was die flexionslehre zu erörtern hat; wie haubiþ in haubid übergieng und der gen. immer haubidis empfieng, herscht im ags. heáfod das d, wie im ahd. houpit das t. andere beispiele sind: lat. ratio goth. raþjô ahd. rediâ. lat. materia materies 2 litth. medis arbor f. metis? altn. meidr arbor, in langob. glossen mudula modula robur quercus (vgl. mudspilli muspilli perditio ligni = ignis); materia: meidr wie bauan zu bagms, timrjan zu dévdoov. finn. mata vermis goth. mapa ahd. mado. finn. äiti mater goth. aipei ahd. eidî. lat. frater goth. brôpar ahd. pruodar. patis 413 fabs (s. 396.) gr. uɛrά goth. miþ ahd. geschwächt in miti. lat. iterum goth. vipra ahd. widar gr. itéa (vgl. irvę s. 296.) lat. vitis und vitex geschieden, ags. vidig salix engl. withy ahd. wida nh. weide. lat. lituus genus tubae altn. ludr (kaum iûdr) tuba. lat. tetrao altn. þidr. gr. vegóv f. Evεgóv goth. fibra? ags. feder engl. feather altn. fiödur dän. fier ahd. fëdara. osk. petora lat. quatuor goth. schon fidvôr f. fithvôr ahd. fior. lat. satur goth. saps sadis, sôbjan saturare ags. sadian, ahd. sat sates und sattôn saturare. gr. eros goth. abn und atapni, woher noch der name Athanagildus; von der ahd. form adan keine spur mehr. sl. knut flagellum goth. hnubô vgl. ahd. hnotôn tundere quassare. litth. prietelus sl. prijatel goth. friabvils? ahd. friudil mhd. friedel. lat. laetus f. flaetus goth. bleibs ags. blide altn. blîdr ahd. plidi. lat. rota f. crota, zu curro, currus gehörig? dann auch ahd. rad f. hrad, vgl. hrat velox ags. hräd; aus rotundus it. rotondo sp. redondo franz. rond das mhd. nhd. rund; von rota unterscheide man das verwandte rheda currus ags. râd iter altn. reid equitatio und currus. gr. zahɛiv zhytɛvɛiv goth. laþôn f. hlaþôn ahd. ladôn f. hladôn. sl. zlato goth. gulb ahd. kold. lat. vultus facies species läszt sich halten zu goth. vulpus dóğa ansehn glanz und dem erweiterten vulþr ahd. woldar splendor. lat. verto versus goth. vairs ags. veard für veard ahd. wart f. ward; anders zu nehmen vairþa fio aus visada? (s. 310. 360.) skr. dantas litth. dantis goth. tunpus ahd. zand. skr. anjataras litth. antras goth. anbar ahd. andar; wegen Erɛoos und έtaigos vgl. oben s. 138. lat. martes ag. meard ahd. mardar. gr. iuáriov vestis, vielleicht ahd. hemidi, welchem goth. hamabi entsprechen würde. gr. ixtiv milvus altn. igdir aquila. von partikeln wäre lat. aut zum goth. aiþþau ags. odde ahd. odo, lat. attamen zum goth. aippan vergleichbar.

IX. TH D T. solcher inlaute sind nur wenige, da sich keine lat., nur einzelne gr. wörter darbieten. skr. madhu gr. μέv litth. medus ags. meodo alts. mëdo ahd. mëtu mhd. mëte. gr. Jos jon. og goth. sidus alts. sido ahd. situ mhd. site. gr. za após purus καθαρός ags. hâdor serenus alts. hêdar ahd. heitar. gr. uogós goth. mizdô ags meord ahd. mieta.

Nach dieser vollständigen, wenn auch lange noch nicht alle beispiele erschöpfenden darlegung eines hauptgesetzes in der geschichte unsrer sprache gehe ich daran um es zu erörtern und auszulegen.

1) Nur die stummen consonanten unterliegen ihm, weder liquiden noch spiranten so wenig als vocale. der flüssigen und hauchenden consonanz ist beinahe die freiheit und ungebundenheit der vocale gewährt; alle können sich abändern, schwächen oder untereinander vertreten, aber sie thun es nicht nach einem allgemeinen durchgreifenden grundsatz. wie sehr sie schwanken mögen, es ist kein hindernis vorhanden, dasz sie von jeher in allen zweigen der urverwandten sprache unwandelbar geblieben seien. ich will dafür nur wenige zeugen aufrufen. vom skr. sûnus an bis zum goth. sunus (s. 270), vom skr. nâman an bis zum goth. namô (s. 153), vom skr. krimi an bis zum goth. vaurms pflanzen sich die flüssigen laute fort, ohne wechsel zu erleiden. wie weit erstrecken sich RN in korn (s. 67) ML in malan (s. 68)! darum gleicht die litth. Laimě oder Laumě der röm. Lamia, darum haftet das L des litth. lapas im goth. laufs ags. leaf ahd. loup, während die muta daneben schwankt. das ahd. nusca fibula monile begegnet im ir. nasc, das ahd. lennes cortum (Graff 2, 218) mhd. lonelin (Frid. 103, 17) altschwed. länia im ir. leanan leannan.

2) Die verschiebung der stummen consonanten im deutschen erscheint nicht als zufällige ausnahme, sondern als wirkliche fest in einander greifende gegliederte regel. am stärksten waltet sie im anlaut, d. h. dem empfindlichsten theil der wurzel, der ihre eigenheit vorzüglich begründet; inlautend treten häufig ableitende neue und der wurzel an sich fremde bestandtheile zu, welche aufrecht zu erhalten minder wichtig scheint. am auffallendsten wirkt die lautverschiebung freilich, wenn sie auszer dem anlaut zugleich auch in und auslautend wahrgenommen wird z. b. gr. tad goth. þat ahd. daz; skr. dantas goth. tunbus ahd. zand; lat. hoedus goth. gait ahd. keiz; gr. тoézεw 415 goth. þragjan ahd. drekan (?); gr. zvýɛ ags. gnidan ahd. chnëtan.

3) Um die neun gleichungen darzustellen, sind immer wörter gewählt worden, die alle drei stufen des verschobnen lauts zeigen. viele andere wären mitzutheilen, die nur in zwei stufen vorliegen; die dritte mangelnde kann dann theoretisch alsbald gefolgert werden. z. b. aus dem gegebnen altn. vöðvi torus ahd. wado flieszt, dasz die muta des urverwandten worts T sein müsse, aus dem goth. diups und ahd. tiof, dasz im entsprechenden gr. wort die erste muta O, die andere B zu lauten habe. uns entgeht der lat. ausdruck, der dem altn. æd, ahd. âdara vena gleich stände; ihm würde T gebühren[5]. aus dem gr. έvos und goth. apn schlossen wir ein ahd. adan. altn. dvergr, ahd. tuërc nanus machen höchst wahrscheinlich, dasz ihnen ɛovgyós entspreche und zauberer, weiser mann der ursprüngliche begrif dieses wortes sei.

4) Das lautverschiebungsgesetz hilft also wilde etymologie bändigen und ist für sie zum prüfstein geworden. in unverschobnen sprachen, z. b. der griechischen und slavischen hat der wortforscher leichteres spiel und ist geringerer teuschung bloszgestellt, als wenn griechische oder slavische zu deutschen wörtern gehalten werden sollen. steht die muta eines urverwandten worts zu dem deutschen auf unrechter stufe, so entspringt verdacht gegen ihre vergleichung, stimmen beide völlig, so ist ihre verwandtschaft sogar abzulehnen, z. b. das lat. calidus und goth. kalds sind einander allzugleich, um verwandt zu scheinen, was auch ihre abweichende sogar entgegengesetzte bedeutung zeigt. lautverschoben gehört also zu kalds nach der vierten gleichung lat. gelidus, und für calidus wäre nach fünfter ein uns abgehendes goth. halds oder halts zu gewarten. halts findet sich wirklich, entspricht aber dem lat. claudus, in welchem C L D enthalten sind wie in calidus. es müsten demnach künste vorgekehrt werden, um in gelidus und calidus, ihres gegensatzes unerachtet, höhere berührung zu erkennen, worauf das litth. szaltas und sziltas hinweisen. zugleich lehren diese wörter, wie viel minder streng der inlautende consonant die regel der lautverschiebung hält.

5) Wir haben media als grundlage des consonantismus erkannt. media wird im sanskrit, gleich liquiden, halbvocalen und vocalen zu den tönenden buchstaben gerechnet, während tenues und aspiratae dumpf (den Griechen kahl und rauch) heiszen. darum hebt die verschiebung auch mit der media an, von ihr senkt sich der laut zur tenuis, von der tenuis zur aspirata: in der media liegt gleichsam seine natürliche kraft, die sich zur tenuis verdünnt und hernach wieder zur aspirata verdickt. aus der aspirata musz darauf die einfache media abtropfen und dann der umlauf neu beginnen. widernatürlich und ein sprung, den auch die sprache meidet, wäre (ich wiederhole das schon s. 393 gesagte) wenn media in asp., asp. in tenuis, tenuis in media gewandelt werden sollte[6].

6) Als die sprache einmal den ersten schritt gethan und sich von ihrer organischen lautstufe losgesagt d. h. die zweite betreten hatte, war es beinahe unvermeidlich dem andern schritt auszuweichen und nicht auch auf die dritte stufe zu gelangen, womit sich diese entwicklung vollendet abschlosz. Beide schritte brauchten jedoch weder gleichzeitig noch in demselben umfang zu geschehn. so wie nemlich von dieser gewaltsamen erschütterung keine der urverwandten sprachen ergriffen ward, sondern erst die deutsche, also ein geringer theil jener groszen urgemeinschaft sich plötzlich dafür entschied; so that auch nur ein ast des deutschen sprachstamms, der hochdeutsche, was zu thun übrig war, und erst in späterer zeit. alle andern deutschen dialecte blieben von der zweiten verschiebung, wie die urverwandten sprachen von der ersten unberührt. im verfolg werde ich zu ermitteln haben, zu welcher zeit beidemal dieser durchbruch des alten lautdammes eingetreten ist.

7) Dem instinct, mit welchem ihn der sprachgeist vollführte, kann man bewunderung nicht versagen. eine menge von lauten geriethen aus ihrer fuge, allein sie wusten immer wieder an andrer stelle sich folgerichtig zu ordnen und von dem alten gesetz die neue anwendung zu finden. Damit behaupte ich keineswegs dasz der wechsel ohne nachtheil ergieng, ja in gewissem betracht erscheint mir das lautverschieben als eine barbarei und verwilderung, der sich andere ruhigere völker enthielten, die aber mit dem gewaltigen das mittelalter eröffnenden vorschritt und freiheitsdrang der Deutschen zusammenhängt, von welchen Europas umgestaltung ausgehn sollte. bis in die innersten laute ihrer sprache strebten sie vorwärts, und ich wage sogar die gunst der dem hochdeutschen stamme vorzugsweise beschiednen herschaft in anschlag zu bringen, um daraus den eintritt der zweiten, gleich unbewust erfolgenden lautverschiebung herzuleiten. bei der geschichte der bildung aller sprachen darf die der völker selbst niemals auszer acht gelassen werden und es ist leicht wahrzunehmen, dasz der rede geistiger fortschritt überhaupt abzuweichen scheint von der älteren sprache leiblicher vollendung; nicht umsonst sehen wir siegenden und 418 herschenden völkern eben den dialect einer sprache eigen, der sich von ihrem früheren standpunkt am weitesten entfernt hat. welcher schaden ihnen daraus hervorgehn mag, sie wissen dafür andern ersatz zu bereiten.

8) Zu den durch die erste und zweite lautverschiebung herbeigeführten nachtheilen rechne ich einen empfindlichen misstand. Man musz annehmen, und die urverwandten sprachen lassen keinen zweifel darüber, dasz anfänglich mediae tenues und aspiratae nach einem weisen und gefälligen masz in der sprache ausgetheilt waren und dabei durchaus nicht der grundsatz völliger gleichheit obwaltete. vielmehr scheint es, wie unter den vocalen A das I und U, alle kurzen vocale die langen an zahl hinter sich lassen, dasz auch von den stummen consonanten mediae und tenues den aspiraten überlegen sind. da nun bei der ersten lautverschiebung die aspirata an den platz der tenuis, bei der zweiten an den platz der ursprünglichen media tritt; so ergibt sich in beiden fällen ein übergewicht der aspiration, das unvermeidliche härte mit sich führt. um ein offenbares beispiel anzugeben: wie günstig gestaltet das verhältnis der gr. sprache in der tenuis T des häufig wiederkehrenden artikels gegenüber der goth. ags. oder altn., deren dem redenden schwierigeres TH gleich oft angewandt werden musz. ähnliche rauheit an andrer stelle entspringt der hochd. mundart durch häufungen des Z. das wohberechnete gleichgewicht der drei stufen jedes organs in dem alten sprachhaushalt wird durch die lautverschiebung beeinträchtigt.

9) Ich gelange zu den ausnahmen, die man von allen gesetzen der sprache gewahrt, also auch von dem der lautverschiebung im voraus zu erwarten berechtigt ist. man darf sie nur nicht selbst zu regeln erheben: Graff, der insgemein mehr zu lexicalischen als grammatischen forschungen aufgelegt und gerüstet war, hat nichts von seiner seite unterlassen um das gesetz der lautverschiebung als ein nichtiges darzustellen, d. h. den ihm zu grunde liegenden erscheinungen die wahrgenommnen ausnahmen gleich zu setzen.

Alle hierher einschlagenden ausnahmen sind begreiflich doppelter 419 art. entweder tauchen sie schon in den urverwandten sprachen als vorläufer des neuen brauchs auf, oder sie haften noch in den deutschen aus dem alten lautstand und wandeln unter der menge neugestalteter wörter gleichsam als nachzügler des alten heers um. jene verletzten den organismus, diese stellen ihn her, beides aber erfolgt nur im einzelnen ohne einflusz auf das ganze. Eine dritte, unter keinen dieser gesichtspuncte fallende reihe von ausnahmen kann sich auf vollständigere, feinere zerlegung einzelner lautreihen gründen, wie sie zumal das sanskrit darlegt, welche auf das eingeschränkte lautverhältnis andrer sprachen keine unmittelbare anwendung leidet, sondern scheinbar es verwirrt.

10) Burnouf und Bopp lehren, wie T im zend schon zuweilen TH, D zu DH wird: es sind vorboten gothischer verschiebung. von tûm bildet sich der dat. thvôi = skr. tubhjam, der acc. thvanm = skr. tvâm (s. 258.) statt des skr. tri heiszt es thri (s. 239); âtars feuer flectiert âthrê igni und von diesem TH herzustammen scheint das weiter geschobne ags. D ahd. T in âd eit; vermutlich lautete die goth. form gleichfalls aids oder aidrs. skr. pâda pes lautet zend. pâdha, skr. dadâmi didwu zend. dadhâmi. aber auch im skr. prathama primus wandelt sich das T der gewöhnlichen superlativendung tama zu TH um, in adhama infimus zu DH. (Bopps vocalism. s. 169.) Analog diesem T und TH ist ein zendischer wechsel zwischen P und F, skr. pra lautet zend. fra = goth. fra und âfs aqua, kerefs = corpus haben den acc. âpem, kerepem sich zur seite. von der wurzel tap (s. 231) entspringt tafnu ardens, wie pers. tâften accendere gilt und gr. τάφος τέφρα neben θάπτω. die zendische aspirata in den angeführten fällen leitet man aus einflüssen nachfolgender halbvocale, so wie des S und N ab (Bopps vgl. gramm. s. 39. 46. 83), wodurch sie sich von der goth. viel allgemeiner wirkenden lautverschiebung unterscheiden. unser verschobner laut findet immer statt, nicht schwankend in den formen einzelner wörter. mit dem zendischen liesze sich daher der gr. wechsel vergleichen, dessen s. 359. 361 erwähnung geschah.

11) Reihenweise scheint die anlautende media vieler zendischer persischer litthauischer slavischer und keltischer wörter mit der gothischen einzustimmen, während ten. und asp. abweichen. man halte brâta brat" brolis brathair brodyr (s. 267) zum goth. brôpar; sl. bobr litth. bebrus zu ags. beofor altn. bifr; sl. bob" bask. baba zu ags. beán altn. baun; sl. b'iti bijo litth. buti busu zu ags. beon beo; sl. boukva zu goth. bôka; sl. brati beru zu goth. bairan baira ags. beran bire. hier aber gewähren sanskrit, latein und griechisch aufschlusz, welche keine media, vielmehr BH und F weisen: bhrâty goatro frater, fiber, faba, bhû fui fio qów fagus pnyós. ohne zweifel hat sich von der stufe dieser asp. das goth. B geschoben und zwischen sanskrit gr. lat. und goth. ist alles regelrecht, jene B erscheinen gestört und abgewichen. Nicht anders steht es in denselben sprachen um die zur goth. media treffenden G und D, denen sanskr. GH DH, gr. und ein mangelnder aspirierter kehllaut entsprechen sollte. so erscheint sl. gost' neben goth. gasts, die skr. wurzel ist ghas edere, das latein aber, welchem gutturalaspiration gebricht, setzt hostis oder fostis. sl. gadanije aenigma poln. gadka böhm. hadka ist das altu. gâta; sl. grabiti litth. graibyti das goth. greipan lat. rapere f. hrapere; sl. grob" sepulcrum litth. grabas das goth. graf? oder grôba fovea; sl. gniezdo das ags. nest f. gnest, lat. nidus f. nisdus hnisdus? sollte das litth. gramczdai schrapsel nicht dem goth. gramst festuca entsprechen? (anders s. 337.) am schwersten scheint hier das verhältnis der gr. laute, doch ist rapere sichtbar άoлάev und bestätigt hrapere, wenn auch an sarpere mahnend, wie repere an serpere (s. 302.

303.) Bei den lingualen ist alles deutlicher. zum 'goth. dails fügt sich wiederum litth. dalis sl. dijel; zum goth. dal vallis sl. dol; zum goth. dauhtar litth. duktě sl. d'schtschi, aber gr. vyάrno; zum goth. daur sl. dver' litth. durrys, aber gr. Juga janua; zum litth. duma dumai goth. dôms und dauns, gr. Juos und vuós; zum sl. dojiti goth. daddjan gr. 9άw; zum sl. djeva virgo gr. 9hvg; dem litth. drasus audax ist das gr. Joaois gleich und das goth. gadars audeo ahd. tar (s. 405), nicht das s. 195 hinzugenommne prâsa. das ir. dubh wel- 421 sche du niger ist das goth. daubs ags. deáf surdus. Hiernach sind die sl. litth. mediae überall zweierlei, theils der goth. tenuis, theils der goth. media, oder theils der gr. media, theils der gr. asp. zur seite stehend, z. b. sl. dva desjat dub gr. déo déza dévoqov goth. δύο δένδρον tva taihun timbr, hingegen sl. dver' d'schtschi θύρα θυγάτηρ goth. daur dauhtar. Es scheint aber, dasz bereits im skr. einzelne wörter media zeigen statt der asp. z. b. duhita f. dhuhita, giri f. ghiri sl. gora mons. Dieser zwiespalt zwischen skr. gr. und lat. muta auf einer, sl. litth. auf der andern seite kann ebenfalls auch lautverschiebung heiszen, nur eine vollkommnere als unsere deutsche, da sie nicht jede media, die tenuis überhaupt nicht angeht. an sich aber bleibt es merkwürdig und bedeutsam, dasz die B G D in brat gost und dver brôþar gasts daur vollen ansatz zur goth. lautverschiebung enthalten, die dabei still stand und nicht weiter umgrif. sanskrit, gr. und lat. sprache erfuhren in diesen wörtern noch nichts davon, wol aber das skr. in jenem der goth. media begegnenden duhita und giri. in dieser beziehung ist noch viel zu untersuchen und z. b. aus dem zum goth. bindan ligare stimmenden skr. badh oder bandh kein einwand gegen unser lautverschiebungsgesetz zu entnehmen, vielmehr zu schlieszen, dasz auch im skr. organischer weise bhadh bhandh zu stehn hätte, wie lat. filum für fidlum, funis für fudnis (Bopps gl. skr. 237) bestärken. dem goth. baups surdus mutus entsprechen skr. bidhar (Bopp 236), ir. bodhar, welsches byddar, armor. byzar, und die goth. form räth ihnen gleichfalls BH zuzutrauen.

12) Jetzt komme ich auf die nachzügler. nur selten verirrt sich muta alleinstehend. das merkwürdigste mir erinnerliche beispiel gewährt die goth. praeposition du, welche ganz dem sl. do entspricht und von der lautverschiebung abweicht. denn nach dem ags. tô alts. te ahd. za zi sollte sie tu lauten, was sich ordnungsmäszig aus dem sl. do senkt. eben so verhält sich die verwandte partikel dis, die auf der Stufe des lat. dis beharrt, da doch, wie ahd. zar zir lehrt, auch goth. tis zu gelten hätte. ferner goth. dags ags. dag hält sich zu 422 lat. dies und sl. diena, folglich auch Danus zu Dacus (s. 192. 193); höchst merkwürdig aber hat sich goth. taujan ahd. zouwan verschoben, da doch dêds dêdum ahd. tât tâtum der alten stufe treu bleiben[7]. Das sl. D in do ist keins wie in dol, sonst würde ihm ahd. T zur seite stehn, vielmehr wie in dva = goth. tva ahd. zuei. Schon s. 269 hob ich aus, dasz gegenüber lat. pater mater frater goth. fadar (ags. môdor) brôbar, ahd. fatar muotar pruodar stehn, folglich nur brôþar und pruodar regelrecht verschoben ist. fadar und môdar setzen ein vorangegangnes TH voraus, wie es ir. athair mathair, freilich auch brathair (s. 270) zeigen, das engl. father mother brother unterstützt. Goth. baitrs zoós stammt doch von beitan mordere ahd. pîzan; ahd. pitar oder pittar verharrt in goth. stufe, ags. biter altn. bitr. ebenso steht es um ahd. otar ottar lutra ags. oter altn. otr, deren T zum litth. udra, poln. böhm. wydra stimmt, so dasz ahd. ozar in der regel wäre. nochmals dasselbe verhältnis im goth. hlutrs purus ags. hlûtor ahd. hlûtar hluttar nhd. lauter, dessen zusammenhang mit ags. hlûd sonorus ahd. hlût gr. zhvvós ich nicht verrede, weil licht und schall oft einer wurzel sind. Wie lat. modus modius meditor und metior schwanken, hält im goth. mita mêt mitô ahd. mizzu mâz mëz die muta fest und entspricht dem lat. D; gerade so verhält sich zu lat. sedeo sedile goth. sita sitls, doch neben ahd. sizan und sëzal findet sich sëdal kisidili, deren D die lat. stufe behauptet, und aus dem ags. sëdel neben sëtel, wie jenes fadar aus father zu fassen ist. mitten in den ausnahmen blickt immer die regel des verschiebens durch.

13) Alle bisher angeführten wie die, zunächst folgenden ausnahmen fallen in die lingualreihe, welche sonst den grundsatz der lautverschiebung am deutlichsten darstellt. man begreift, dasz ein festes 423 band der lingualis mit andern consonanten sie im früheren, der verschiebung vorangegangenen zustand erhalten kann; beide consonanten verschmelzen und widerstehn dem wechsel. hierher gehören zumal die formeln FT HT ST, deren T völlig auf der stufe des gr. und lat. in PT KT ST bleibt, obschon die vorstehenden F und H verschoben sind, vgl. goth. hafts raihts kustus mit captus rectus gustus. die goth. hafts raihts kustus müssen aber auch ahd. unverändert beharren haft rëht chust. auf die günstige beweglichkeit des gr. 7 in 38 99 (s. 359) u. s. w. läszt sich weder lat. noch deutsche sprache ein. Urverwandtes TR verschob sich in goth. THR ahd. DR, wie tres preis drî, trud pruts pruitan und driozan zeigen, urverwandtes DR in goth. TR[8], hier aber stockte die verschiebung und blieb auch ahd. TR; es zeugte sich kein ahd. ZR, das unserm idiom widersteht. beispiele: sl. drevo gr. dous goth. triu ags. treov, ahd. -tra -tera in zusammengesetzten baumnamen; goth. traua ahd. triuwu nhd. trene; goth. triggvs ags. treove altn. tryggr ahd. triuwi nhd. treu; goth. trigô Lún altn. tregr moeror tregr invitus segnis, ahd. traki ignavus nhd. träge; goth. trudan calcare altn. troda ahd. trëtan vgl. kelt. troed troid pes; alts. trahni lacrimae ahd. trahan mhd. trahen lacrima. Wie goth. THR ahd. DR verhalten sich goth. THV ahd. DU: þvairhs transversus ahd. duërah, ags. þvingan cogere ahd. duingan; hier aber hat die spätere sprache unorganisch fortgeschoben: mhd. twerh nhd. zwerch, mhd. twingen nhd. zwingen. man unterscheide goth. DV ahd. TU in dvairgs? nanus ags. dveorg altn. dvergr durgr ahd. tuëre, die s. 415 dem gr. Jovoyós verglichen wurden. auch mhd. twërc, nhd. aber fälschlich zwerg.

14) Dem stockenden ST parallel ist SK in lat. piscis goth. fisks ahd. fisc; lat. discus ags. disc ahd. tisc; altn. taska pera ahd. tasca; ags. flæesc ahd. fleisc; bald aber beginnt hier SCH einzudringen, die sich im mhd. fisch tisch tasche schon gesetzt haben. nicht zu über-424 sehn das abweichende goth. ZG in azgô ahd. ascâ altn. aska ags. asce. goth. KR wird ahd. CHR. goth. SP begegnet inlautend nicht, doch nach ags. altn. SP zu urtheilen, bliebe es auch ahd. vgl. ags. äspe altn. espi ahd. aspa nhd. espe. PS aber wird ahd. zu FS: lat. capsa ahd. chefsa mhd. kefse (s. 149.)

15) Weit gröszerer eintrag geschieht der lautverschiebung dadurch, dasz unter ahd. mundarten die, welche an niederdeutsche sprache grenzen, mehr oder weniger sich auf der zweiten stufe der lautverschiebung halten. überhaupt also wird die dritte stufe, wie sie folgerecht durchgreifend der zweiten gegenüber steht, nur da angetroffen, wo ich strengalthochdeutsche mundart annehme, deren weise bisher als reiner gegensatz zur gothischen oder sächsischen aufgeführt worden ist. von den landstrichen, in welchen sie zu haus ist, soll später rechenschaft gegeben werden. über sie aber hat allmälich, und entschieden mhd. und nhd. jene weichere mundart den sieg davon getragen, in welcher nun der gothische und strengahd. lautstand eigenthümlich gemischt erscheinen. Es genügt hier die etwas verwickelte abweichung der drei bedeutendsten ahd. denkmäler dieser art (Isidors, Otfrieds und Tatians) anzugeben, wobei anlaut, inlaut und auslaut unterschieden werden musz; ich stelle die goth. und strengahd. weise zur vergleichung voraus.

goth. B P F G K H D T TH
strengahd P PH F K CH H T Z D
I. anl. B F G CH H D z DH
inl. B F V G HH H D ZS DH
ausl. P PH F C H H T ZS DH
O. anl. B PH F G K H D Z TH
inl. B F F G H H T Z D
ausl. B F F G H H T Z D
T. anl. B OH F G K H T Z TH
inl. B PH V G HH H T Z D
ausl. B PH F G H H T Z D

och ist einiges näher zu bestimmen z. b. dasz bei I das G, sobald 425 die dünnen vocale e oder i folgen, in GH übergeht, was dem s. 386 entwickelten einflusz dieser vocale auf gutturale gleicht; ferner dasz die in und auslaute, denen ein anderer consonant voraussteht, gern wie anlaute behandelt werden, z. b. O. skalk skrank skalkes skrankes sagt, aber lih liches. viele einzelne wörter lauten in diesen drei denkmälern verschieden: I. und O. hat druhtîn, T. truhtîn; I. duon deda, O. duan deta, T. tuan teta; I. leidan, O. T. leitan; I. leididh dux, T. leitid; I. chunt chundes, T. cund cundes; I. dac daghes, 0. dag dages, T. tag tages; I. chuninc, O. T. kuning u. s. w. Die goth. sprache setzt die consonanz in daups mortuus und daubus mors auf gleichen fusz; wie aber ags. zwischen deád mortuus und dead mors (engl. dead und death) geschieden wird, finden wir auch bei I. dôd und dôdh, bei T. tôt und tôd, bei O. dôt und tôd; mit T. stimmt hier N. und die strengahd. weise. ohne zweifel ist es das in daupus dem þ folgende u welches in dead auf erhaltung der asp. nachwirkte, die dann richtig in ahd. media übertrat.

Unter diesen drei schreibungen ist die im I. offenbar die alterthümlichste und feinste, auch im auslaut die hochdeutscheste; sie hat grosze vorneigung zum aspirierten laut. am weichsten erscheint O., doch trifft er in den labialen und gutturalen fast ganz mit T. überein, bei welchem nur die lingualen etwas härter sind. sämtlich häufen sie im lingualorgan zischenden und hauchenden laut, O. und T. nur anlautend, I. auch inlautend; sein DH mag dem D nahe kommen. eigentlich hat diese zweifache aspirata Z und TH etwas paralleles mit dem PH und F, CH und H der beiden andern organe, nur dasz bei O. und T. im gutturalanlaut K haftet.

Ich will auch die mhd. und nhd. art angeben, die sich zumeist an T. schlieszt, nur dasz die linguales ganz die streng-ahd. bleiben und auch das anlautende TH nicht kennen.

mhd. anl. B PF F,V G K H T Z D
inl. B F V G CH H T Z D
ausl. P F F C CH CH T Z T
nhd. anl. B PF F,V G K H T Z D
inl. B F F G CH H T Z, SS D
ausl. B F F G CH H T Z, SZ D

für mortuus gilt mhd. tôt tôtes, für mors tôt tôdes, nhd. aber todt todtes und tod todes. das verhalten der nhd. in und auslaute Z,SS; Z,SZ bleibt hier unerörtert und die unorganische schreibung TH für T in thal thun thor muth rath, die wir längst verwerfen sollten, unberücksichtigt.

An diese manigfaltigkeit des schwankenden hochdeutschen lauts lieszen sich noch andere betrachtungen knüpfen, worauf ich es hier nicht absehe[9]. wer sie gehörig erwägt, wird zur einsicht gelangen, dasz sie den grundsatz der lautverschiebung nicht umstürzen kann, sondern erst aus ihm verständlich wird. es sind widerspenstige aus nahmen von der regel, die scheinbar an der alten stufe, aber nicht folgerecht und durchdringend festhangen. ersten keim der verwirrung suche ich darin, dasz schon unter den Gothen statt der labial und gutturalaspirata blosze spirans eintrat. bei den lingualen unterblieb solche störung, darum hat sich in ihrer reihe der laut fast ganz aufrecht erhalten. bei den andern reihen wirkte der unfug in der aspiration auch nachtheilig ein auf media und tenuis. So rechtfertigt sich meine ansicht von der hochdeutschen lautverschiebung.

16) Ich habe gesagt, dasz die dritte stufe des verschobnen lauts den kreislauf abschliesze und nach ihr ein neuer ansatz zur abweichung wieder von vorn anheben müsse[10]. doch eben weil der sprachgeist seinen lauf vollbracht hat, scheint er nicht wieder neu beginnen zu wollen und es finden sich nur einzelne spuren, keine durchgreifende reihen. so wurde das mhd. twingen und twerh (s. 423) namhaft gemacht, deren tenuis der urverwandten zu begegnen hätte, die wir 427 dem ahd. duingan duerah und goth. þvairhs an die seite setzen dürfen. unser nhd. hagestolz schiebt den laut des ahd. hagastalt ags. hägsteald unorganisch weiter auf die stelle einer urverwandten aspiration. Wenn die dänische sprache in und auslautend schwedisches P K T zu BG D verweichlicht, so ist das nicht im geiste der lautverschiebung, welche von ten. zu asp. fortschreitet, sondern ein rückschritt, der den laut wieder auf die urverwandte stufe bringt, vgl. abe russ. obezjana, äble litth. obolys, abild litth. obelis, age lat. agere, ager lat. ager, äde lat. edere, sad lat. sedit, fod franz. pied. dies verletzt aber das gleichgewicht mit den anlauten, welche P K T festhalten. auch darum ist es keine echte lautverschiebung, weil die Dänen keine tenuis an andere stelle des in und auslauts bekommen: ihr organ vermag sie überhaupt da nicht auszusprechen. ihre media gleicht also der bei Otfried statt strengahd. tenuis und auch hiermit bestätigt sich mir, dasz die otfriedische media der lautverschiebung nicht widerspreche, sondern sie voraussetze. doch darin unterscheiden sich beide, dasz die otfriedische auch anlautend eintritt.

17) Da die lautverschiebung als festes merkmal deutscher sprache erkannt worden ist, so folgt, dasz in wörtern wo die muta urverwandter sprachen zu denen der unsrigen genau stimmt, wahrscheinlich entlehnung stattfand, d. h. eine dem innern gang der sprache widerstrebende form äuszerlich vermittelt wurde. das gilt zumal für den anlaut und der wichtigste fall bezieht sich auf das gothische, im deutschen anlaut mangelnde P; wo ihm nun ahd. PH zur seite steht, bezeichnet das die fortschiebung eines schon lange zeit eingebürgerten lauts: paida tov nach dem finn. paita indusium alts. pêda ahd. pheit; man vergleicht auch skr. pata vestis. peikabagms poivis Joh. 12, 13 kann weder ficus sein noch zη pechbaum, da die heilige anwendung der palme in der textstelle zu bekannt war; der Gothe musz es aus einer sprache entlehnen, welche das gr. poivis schon zu peiks oder peika gekürzt hatte, den gr. namen ahmte er nicht 428 nach, wie aus dem Ф allein folgt. paurpaura nach lat. purpura. pund, nach lat. pondo, ahd. phunt. puggs ags. pung ahd. phunc walach. punga, aus dem byzantinischen zovi. plapja platea havɛia kommt nur einmal Matth. 6, 5 vor und könnte, wenn für platja verschrieben, aus dem lat. oder gr. wort entnommen sein; indessen begegnet in mlat. urkunden ein plebium plebeium für platea, conventus plebis (Pertz 3, 12 Ducange s. v.) und scheint aus plebs gebildet, was eine zwischenliegende sprache in plape entstellt haben könnte. plats ahd. plez aus dem sl. plat" gázos. plinsjan saltare aus sl. pljasati poln. plasać. praggan premere ahd. phrenkan mhd. pfrengen nnl. prangen; ags. pranga cavernamen, pars navis, wo man gedrängt sitzt? nhd. pranger, an den der sträfling gedrückt ist? das nhd. prangen prunken ist ganz verschieden; ich weisz aber die quelle des goth. praggan noch nicht. Entlehnte wörter mit K sind kaisar ahd. cheisar; kapillon, des haars berauben; katils lat. catillus ahd. chezil sl. kotl" litth. katilas; anakumbjan lat. accumbere. kêlikn s. 318 läszt sich zu cella halten und dem ir. ceall cill kirche, und auch chilecha wäre dann von hibernischen mönchen überliefert? beispiele des inlautenden K: akeit alts. ekid ags. äced eced aus acetum; das altn. etik schwed. ättikja dän. edike ahd. ezih ist entw. umstellung von acetum oder nach dem sl. otz't" poln. ocet; das litth. uksosas entspricht dem gr. "Soc. hätte unsere sprache das wort selbst gezogen, so würde statt K darin H zu finden sein (vgl. s. 400 über acuo und cos.) smakka ouzov aus sl. smokva; das gr. wort wäre alsbald ähnlich, wenn es nach S M ausgeworfen hätte: ouzov, oder schaltet dies der Slave ein? ahd. figâ altn. fikja ags. fic litth. pyga stammen aus ficus, das sich vielleicht mit ouzov und smakka in verwandtschaft bringen liesze. Erborgte wörter mit T anlaut scheinen minder gewis, denn kühn wäre es têkan taitôk für undeutsch zu erklären, dessen einstimmung mit tangere tetigi auf andere deutung wartet.

18) Auf die fremden wörter des ahd. und ags. dialects, deren muta nicht verschoben oder nicht nach der regel verschoben ward, 429 kann ich hier nur mit wenigem eingehn. ahd. finde ich sie auf doppelten fusz behandelt; entweder, und das geschieht meistens, verschieben sie den laut, gleich goth. und sächs. wörtern: phalanza palatium, phorta porta, phefar piper, phífa pipa; chazzâ catus, chamara camera, chezil catinus, chellari cellarium, châsi caseus; zol ags. tol telonium, zin ags. tin stannum, zins ags. tins census. oder sie behalten den lat. und roman. laut: purpura, palma, pîna, pira; kirsa cerasum; torcul torcular, taraka scutum it. targa (Graff 5, 455.) dies geschieht auch inlautend bei phorta, wofür jedoch mhd. zuweilen pforze porze erscheint, wie sonst ahd. winzuril nhd. winzer aus vinitor entspringt. mhd. und nhd. tritt für den anlaut CH überall K ein, und wie sonst statt des ahd. P die media B auch in bir pirum, berle ahd. perala, belliz ahd. pellez. solche mhd. B erklären sich nur aus dem ahd. P, nicht aus dem lat. P. das mhd. bêre fischernetz setzt ein ahd. pêri oder pêra voraus, welches aus mlat. pera hervorgieng.

19) Wir sahen die lautverschiebung gehemmt auf dem punet wo sich statt der aspirata PH und CH bloszes F und H entfalteten, und so wird sich auch dem nhd. S, das in und auslautend für Z eintritt, eine neue seite abgewinnen lassen, worauf ich jetzt nicht eingehe. Hier liegt mir an, einige merkwürdige übergänge zwischen der media B und spirans V hervorzuheben. Suevi und Zoot wurde s. 322 angeführt. lat. wird zu ferveo das praet. ferbui gebildet, neben altn. boli litth. bullus steht sl. vol" (s. 32); die span. sprache schrieb sonst biuda bolver und ähnliches f. viuda volver; umgedreht setzen nhd. volksmundarten ber bas f. wer was und schon mhd. steht wase f. base bei Herbort 2568. 3712. der bair. und österr. mundart ist B für W und W für B geläufig, beides im an und inlaut, inlautend vertritt nhd. LB RB mhd. LW RW. Den Byzantinern ward aus goth. Valisaharis Belogios, aus Vandali Bavdiot, aus Vigilius Verona Ravenna Βιγίλιος Ραβέννα Βερώνη. ald. wisunt wisant ags, visend urus, bubalus ist das lat. bison, gr. Biowv bos ferus, und der daraus gebildete heldenname lautet Wisunt, später Wirant mhd. Wirnt, byzant. Otíoardos, was lat. in Spanien aufgesetzte urkunden ausdrücken Ubi- 430 sandus (wie ahd. uv uu, w.) aus episcopus erweichte biscopus, span. obispo und endlich it. vescovo[11]. Nach so viel beispielen wird sich ein schon oben s. 313 aufgestellter satz durchführen lassen, der einen der wichtigsten stämme unsrer sprache aufklärt und mit dem gesetz der verschiebung aussöhnt. den zusammenklang von visan esse mit dem lat. fuisse gr. quew quoε thut uns diesmal nicht die goth. sondern die ahd. mundart kund. Ulfilas gewährt keinen imp. des baaren substantiven verbums, aus þairhvis permane 1 Tim. 4, 16 steht aber zu folgern, dasz er vis esto, visip estote sagen würde; Luc. 5, 13 ist mundare vairp hrains, I Cor. 15, 58 stabiles estote tulgjai vairpib (oder fiatis vairpaip.) ahd. quellen geben aber auszer wis! esto 0. I. 3, 29. III. 1, 43. auch pis! Diut. 1, 510b und mhd. schwanken zwischen wis! Iw. 6566. frauend. 128, 13. Walth. 23, 1. 35, 26. 55, 20. 91, 17. Freid. 149, 12 (var. s. 298 bis!) Winsbeke 20, 2 (vgl. var. s. 57) und bis! En. 9607. MS. 1, 15b 19. 2, 233a. Gudr. 220, 4. Frib. Trist. 3636. Pfeiff. myst. 135, 11. 226, 15. 282, 30 und auch nhd. taucht dies bis! hin und wieder auf (Schm. 1, 209 und dial. s. 356. Stald. dial. 137.) alts. gilt nur wis! Hel. 8, 6. 10, 3. 100, 19. 109, 10. wës! 167, 22; mnl. wes! Jesus 36. ags. beo! Marc. 10, 49. Luc. 12, 40. Joh. 20, 27. engl. be! ags. pl. beod! der ahd. pl. lautet wësat! Diut. 1, 496b wëset T. 44, 16 alts. wësat! Hel. 56, 6. 76, 8. 173, 16. mhd. west! Parz. 305, 28, bald aber überwog dafür der conjunctive ausdruck sît! d. h. sitis Nib. 173, 1. 517, 1. Iw. 1254. 1857. 2909. Walth. 28, 13. 19. 31, 23. 431 24. 29. 36, 12. 15. 86, 28. 106, 29 und Parz. 305, 28 weicht auch die lesart in sît ab, 172, 7 das aufgenommne sît in weset! nhd. dehnte sich der conj. in den sg. imp. aus und sei! für seist (schon bei Luther und H. Sachs) verdrängte sowol wis als bis! Unmöglich ist zu verkennen, dasz jenes ahd. pis! mhd. bis! die echte organische, dem praesens pim und pirum pisum (s. 313) angemessene form war, aus pirut estis aber auch ein verschollner pl. imp. pirut! estote geschlossen werden darf. das S oder R in pis pirum scheint nun dem in visan altn. vëra gleichzusetzen, und vairþa entsprang aus visada (s. 310), wie hairdeis custos aus hizdeis (s. 400); das gr. in grow pois (goth. vists, ahd. wist), das lat. S in fuero == fueso haben denselben grund, und ich übersehe nicht dasz bei K. 40 45 wisit fuerit, bei T. 98, 3 wësent fient; Diut. 1, 497a wësên fiant, wesant forent, 491 492 wisis eris, wisit erit verdeutschen. denn das ineinandergreifen der formen fore fieri zeigt sich hier allenthalben. Ohne S ist sowol pim bin als ags. beo beod und beo bedeutet zumal ero. während die ags. formen zwischen B und V, die ahd. zwischen P und W vertheilt sind, war den Gothen hier alles B erloschen. B aber klingt ein nicht nur mit dem gr. und lat. F, sondern auch mit dem B des ir. bi! esto, biodhidh! estote (Odonovan 169); litth. buk! esto, bukite! estote, sl. budi! esto budjete! estote, nur dasz ich nach anm. 11 das recht habe, diesen allen für B organisches BH zuzutrauen, welches erst nach der lautverschiebung des ags. B ahd. P erreicht. Was aber läszt sich aus dem nebeneinanderwalten des ahd. P und W in pis und wis ahnen? mich dünkt das, dasz die ahd. stufe kein hohes alter hat, da schwer zu begreifen scheint, wie auf ihrem grund und boden P in W gewandelt worden wäre; folglich setzt sie den goth. oder sächs. lautstand voraus, nach welchem der wechsel zwischen B und V ungemein faszlich wird, folglich waren beiderlei formen bereits da, als sich die ahd. stufe entfaltete, und wurden blosz einzeln, nicht in der beziehung aufeinander, in sie übersetzt. Man erwäge wie nah sich keltisches B und BH 432 untereinander liegen und BH den laut unseres V und W erreicht (s. 368. 369.) wahrscheinlich ist das alts. BH noch ein nachzügler aus dem vor der verschiebung stattfindenden verhältnis der laute.

20) Nicht ungleich den eben geschilderten übertritten des B in V sind die der media G in die spirans H. den ältesten fall lehrt uns das skr. aham für agam (s. 257), wo lat. ego, gr. 7, und das lautverschobne goth. ik an der echtheit des G nicht zweifeln lassen. dem oft geschilderten wechsel zwischen H und S gemäsz ist es nun, dasz im litth. asz SZ auftritt, das hier dem sl. aus G hervorgehenden Z (s. 382), anderemal dem sl. S für CH (s. 385) zur seite steht. so begreifen wir, dasz litth. szendien szęnakcze (serb. sinotsch) dem goth. ungekürzten himmadaga, ahd. hiutû und hînaht, mhd. hiute hint entsprechen, lat. aber und welsch wiederum dasselbe H in hodie hacnocte, in heddi und heno erscheint. das lat. H in hic hoc ist zugleich das goth. in his hita und enthält keinen widerspruch gegen die lautverschiebung, blosz eine ausnahme von ihr: darum durfte lat. haurio zu goth. hausja (s. 315) gestellt werden und mlat. humulus (hopfe) finn. humala ist sl. chmel. Die geschichte der partikeln cum oiv Siv aua und unsrer sama ham ga cha leitet auf viele hier einschlagende verhältnisse.

21) Es seien noch einzelne ausnahmen von dem waltenden gesetz der verschiebung namhaft gemacht, die als solche nicht befremden dürfen und deren ursache sich vielleicht allmälich entdecken wird. der lat. name des erdwühlenden talpa musz gehören zu ags. dëlfan, alts. dëlban, ahd. telpan fodere; doch die ahd. consonanz erreicht ganz die lateinische und irgendwo mag die folge der laute aus ihrer fuge gerathen sein. s. 206 führte dakisches tovkẞnhά zur nemlichen wurzel, aber die schwierigkeiten bleiben ungelöst. μάχαιρα lat. machaera stimmt nicht zu goth. mêkis altn. mækir ags. mêce, ahd. mâchi? vgl. mhd. mæcheninc Ben. 361; mitzuerwägen sind sl. metsch poln. miecz litth. méczus gladius, aber auch lat. mucro macellum und mactare. mit gr. xvλos vergleichbar scheint ahd. eichila, doch wieder nicht genau, weil ahd. eih quercus ags. âc goth. aiks? im gr. wort 433 media voraussetzen, nach der weise von uɛyákog mikils michil. dasz dem sl. vjetr" aveuos lat. ventus kein goth. vinps ags. vîd altn. vinnr, sondern vinds vind vindr zur seite stehn, folglich ahd. wint wintes (doch bei N. wint windes), gibt sich ohne mühe zu. mehr gequält hat mich die schwankende lingualis im ags. invit dolus und dolosus, alts. inwid dolus, ahd. inwitte dolo (f. inwitie) inwittêr dolosus (Graff 1, 769.) dem alts. invidiesgërn inwideasgërn Hel. 141, 16. 154, 12 entspricht altn. îvidgiarn Sæm. 138a und auch ags. wird neben invit gefunden invid, Jud. 132, 4 se invidda dolosus; ich möchte das lat. invidia óvos hinzuhalten, dessen bedeutung unfern liegt der von iniquitas dolus, denn invidia invidere stammen von videre[12], wie litth. pawidis pawydějimas invidia von weizdmi, böhm. zawist von zawiděti, poln. zawiść von widzieć. dann aber wäre das ags. invit dem invid vorzuziehn und auch ahd. inwiz für inwit zu gewarten. mir ist eingefallen, ob nicht goth. neip ags. nid ahd. nîd nhd. neid ursprünglich hervorgehn aus inveip oder niveip (wie ahd. neiz ags. nât aus niweiz nevât)? böhm. besteht auszer zawist ein nenawist poln. nienawiść odium, weil der hassende das auge abwendet, der günstige zuwendet. (s. 173.) wiederum wäre in so uraltem wort die lingualis der stufe nicht treu geblieben, die sie im einfachen goth. vitan videre einnimmt. man vgl. das lett. naids odium neben eenaid (von ee- in-?) und vielleicht das gr. ὄνειδος.

22) Dies ebengenannte wort gemahnt an eine hauptsächlich griech. eigenheit, die aber auch in andern sprachen wahrgenommen wird, dem anlautenden consonant einen vocal vorzusetzen, gr. zumal o und ɛ, aber auch α, selten, Pott 2, 166-168 hat beispiele gesammelt und gezeigt, dasz dazu immer phonetischer oder noch tieferer anlasz war, 434 wie überhaupt die sprache nichts umsonst thut. mit voua sahen wir (s. 153) imja emnes ainm enw stimmen, dem oggús, skr. bhrú ald. prâwa altn. brâ begegnet ir. abhra und odors wird gerechtfertigt, wenn dantas f. adantas, dens für edens steht. zählte man mit ausschlusz der daumen acht finger an den händen (s. 244), so könnte neues anheben mit év véa ausgedrückt sein; den übrigen sprachen war die praeposition entbehrlich. zóvy scheint nach άzís acies acuo vollständiger als cos und hein, wie aszwa vollständiger als kon', wenn sich die s. 400 geäuszerte ansicht bestätigt.

23) Graff ist mit den consonanten übel verfahren. statt in einem ahd. wörterbuch ahd. richtschnur streng zu handhaben hat er die reihen der drei organe verwirrt, und zwar tac unter T gestellt, aber pintan dem B, kast dem G zugetheilt. kast verhält sich nicht anders zu goth. gasts, pintan zu goth. bindan als tac zu dags, und weder die mhd. noch nhd. weise konnten einen grund abgeben um die ahd. zu entstellen. sollte nach goth. brauch B und G walten, so hätte auch D bleiben müssen, weil O. dag schreibt wie bintan und gast. Jetzt hat man die fremden pîna und kirsa nicht in gesellschaft von pintan und kast aufzuschlagen, das fremde tempal aber neben tac. mitten unter den fremden P, die gewöhnlich PH sein sollten, sind aber auch die besten deutschen wörter wie pigo acervus, piunt clausura, prôz gemma gelassen, die unbedenklichen gothischem B zufallen. das salische chunna ist 4, 443 unter K gebracht, da es doch dem lat. centum und goth. hunda entsprechend so gut unter H gehört, wie 4, 1066 hîwo goth. heiva lat. civis nach der fünften gleichung.

  1. ↑ Gudenus 1, 223 und Wolfs buch über Nörten p. 5.
  2. ↑ unser kämmen und kämpfen scheinen sich zwar zu berühren, sind aber geschieden; ahd. chempan und chemphan.
  3. ↑ in ahd. schrift sind h und z verwechselbar und doch wäre unrathsam für flazza, flazziu hant bei Graff 3, 777 zu vermuten flahha flahhiu, da sich altn. flet eben stratum planities ausdrücken. auch altn. flatr dän. flad für planus findet und ahd. flezzi area mhd. fletze altn. riet eben Stratum planities ausdrücken.
  4. ↑ könnte auf solche weise 98λw (øέhø s. 353) 9 unserm goth. viljau ahd. williu gleichstehn? doch reicht dies V viel weiter, ins lat. volo und velle, ins litth. weliju malo walě voluntas, sl. voliti velle volja voluntas und selbst Borioua fordert rücksicht. auch erscheint hier kein F und G, vielmehr T im ir. toil voluntas.
  5. ↑ sollte es das gr. dotnoia oder doorý sein, mit ausgefallnem R?
  6. ↑ die Etrusker, deren sprache media fehlte, lassen die media gr. eigennamen immer in tenuis, die tenuis oft in aspirata übergehn: "Adoaotos ward ihen Atresthe, Τυδεύς Tute, Πολυδεύκης Pultuke, Μελέαγρος Melakre, Περ Geus Pherse, Пożyrɛiznę Phulnike, Otis Thethis, Tegos Thelaphe. O. Müllers Etr. 1, 59. Eine andere gleich merkwürdige lautverschiebung ist zwischen finnischer und ungrischer sprache wahrnehmbar, finn. P wird zu ungr. F, finn. K zu ungr. H, vgl. die finn. puu arbor, pelto ager, puoli dimidium, pakkainen frigus mit ungr. fa, föld, fel, fagy; die finn. kuu luna und mensis, kala piscis, kuolen morior, kolmi tres, kuulen ausculto mit ungr. hó mensis, hold luna, hal piscis, holt mortuus, három tres (R für L), hallani audire. hiernach ist gr. πόα ungr. f herba. auch finn. T sollte einen verschobnen ungr. laut zur seite haben und wirklich scheint ihm SZ zu entsprechen in tuuli ventus ungr. szél, tahko angulus ungr, szöglet: doch steht auch für talvi hiems ungr. tél. Diese beiden auszerhalb des gebiets deutscher sprache wahrnehmbaren fälle der lautsenkung bewähren uns wie tief sie dem sprachgeist eingeprägt war, be gründen aber keine ausnahme von dem, was s. 392 aufgestellt wurde, da sie nicht einmal in urverwandten sprachen vortauchen.
  7. ↑ näher gewiesen in meiner abhandlung über diphthonge s. 12. 14; zu vgl. sl. tvoriti facere tvar res creata. Mikl. 18. 93.
  8. ↑ wohin auch pouzaitŋę (s. 202) und goth. trums? ags, trum, finn. tyrmiä firmus, ir. trom gravis, welsch trwm. das lat. firmus scheint für tirmus thirmus zu stehn.
  9. ↑ es versteht sich von selbst, dasz einzelne ausnahmen der ausnahme nicht beachtet werden konnten, welche in einer besonders dargestellten notkerschen oder otfriedischen lautlehre vortreten müsten.
  10. ↑ das ahd. ih hat nicht wieder die rückkehr gefunden zum skr. aham (s. 257. 258), da es für CH steht, und das H in aham vom G in ego anders geschieden ist als durch verschiebung, s. anm. 20.
  11. ↑ setzt auch inlautender wechsel zwischen P und V die zwischenstufe B voraus? mir liegen nicht deutsche fälle im sinn, sondern das verhalten des zend. spenta zu litth. szwentas sanctus, des zend. aspa zu skr. aśva litth. aszwa welschem osw (s. 30), des zend. vispa omnis zu skr. visva, litth. wissas lett. wess sl. ves vsa, des zend. śpâ canis zu skr. svâ, litth. szu, sl. pes psa (s. 38) med. oлάğ (s. 228.)
  12. ↑ invidiae nomen dictum a nimis intuendo fortunam alterius (Cic.); insita mortalibus natura recentem aliorum felicitatem aegris oculis introspicere. Tac. hist. 2, 20. das in- läszt sich positiv als zuschauen, oder negativ den blick abwenden deuten.