GDSG/Die Spiration
Auch der consonantismus bietet drei durchgreifende trilogien dar, indem seine laute bald spirantes liquidae und mutae sind, die mutae wiederum bald labiales gutturales linguales, bald tenues mediae aspiratae.
Der spiranten und liquiden unterscheiden sich jedesmal viererlei. diese sind L M N R, jene H S J V: hauchende sausende jehende wehende; ich wage für die bezeichnung des J unser ahd. mhd. jëhan jëhen zu verwenden, welches ein sanftes gelindes sagen, lat. ajere, goth. aikan ausdrückt.
Unter diesen vier lauten ist der saus der stärkste und vernehmlichste, zunächst an ihn reicht der hauch; gelinder ist der jehende und wehende laut.
Für den sausenden haben daher alle sprachen einen buchstab, und er tritt vor vocalen nie, vor consonanten einigemal zurück. die drei andern bezeichnen einige sprachen gar nicht oder nur durch halbe buchstaben, vor oder nachgesetzte und übergeschriebne haken und puncte. so die irische das in und auslautende H durch übergesetzten punct, wie die hebräischen vocale unten punctiert werden. hierher gehören auch die slavischen jer und jerr, das gelinde und harte, welche gleichergestalt nur in und auslautend vorkommen, aus I und U erwachsen (s. 283), und dem J und V vergleichbar sind. 295 J und V gehn unmittelbar aus den vocalen I und U hervor, unterscheiden sich also von S und H, die nicht aus vocalen entspringen. diesem gegensatz zwischen S H: JV gleicht unter den liquiden der zwischen LR: MN, denn auch L und R haben, wie JV halbvocalische natur, während M N wie S H unvocalisch erscheinen. Mir scheint die edlere art des A auch hierdurch bestätigung zu empfangen, dasz es in keinen consonant übergeht, da I und U consonantiert werden können. von dem übergang des I und U in die spiranten habe ich eigens geschrieben; bald folgt der consonant aus dem vocal, bald weicht er wieder in ihn zurück. sehr gewöhnlich ist, dasz aus
anlautendem sva svi, hva hvi, cva cvi geschmolznes su hu cu entspringen: suëstar süster, suëlla sülle, schwirren surren u. s. w.
Die griechische sprache ermangelt der buchstaben, gewissermaszen auch der laute H[1] J V, und ihr Σ ist von geringerm umfang als in den übrigen sprachen. allein ihr stehn noch zwei zeichen, der spiritus lenis und asper zu gebot, welche, jenem irischen punct und slavischen jer entgegen, nur anlautend geschrieben werden. der lenis hat aber jetzt gar keinen laut und drückt insofern nur die abwesenheit des asper aus, so wie umgekehrt das sl. oder russische jerr unempfunden ist und abwesenheit des gelinden jer anzeigt, weshalb auch die Serben gar kein jerr schreiben. so könnte man den gr. spiritus lenis ungeschrieben lassen.
Früherhin besasz indessen die gr. sprache das digamma, welches durch F, das heiszt ein zweifaches Γ ausgedrückt und dem laut V[2] oder vielmehr einer verdickung desselben entsprach, wie sie schon unser W, noch deutlicher das romanische GU und welsche GW erkennen läszt. Das latein, weil es bereits V für die spirans hatte, verwandte F für seine aspirata, welche griechischem φ nahe kam, und die aussprache des lat. F steht ab von der des gr. digamma. wo die romanische zunge anlautendes deutsches W übernahm, wandelte sie es, auf welsche weise, in GU: guardare wartên, guastare vastare wuostan, guerra werra, guisa wisa, gualdana woldan, guanto wantus; die franz. schreibung behält GU noch vor E, I guerre guise, läszt es aber vor A in reines G übergehn: garder gant und schon Galli scheint für Gualli gesetzt, wie es zu ahd. Walah wird. welsch finde ich den pl. Gwalwys the Gauls, wie lautet der sg.? Die Irländer pflegen F dem welschen GW entgegenzustellen: fion gwin vinum, fear gwyrdd viridis, fear gwr vir, fior gwir verus, faolchon gwalch falco, fionn albus gwen pulcher altn. vænn, Gwener Venus Veneris. Welsches Gwydion Gwydien entspricht dem ags. Vôden, gerade wie die longobardische schreibung aus Wôdan Guodan machte, das niederrheinische, fränkische Godesberg Gudensberg der franz. schreibung gleicht. ein Irländer hätte zu schreiben gehabt Faodhann. welsches gwydd kommt überein mit ir. fiadh, altfranz. gaut, prov. gau gaus, ahd. wald.
Dies welsche GW ist nicht zu übersehn, wenn man das gr. digamma beurtheilen will, weil gleich nachher auch eine analogie der hauchlaute zwischen welscher und griechischer sprache überraschen wird. das digamma herschte zumal im aeolischen dialect (Ahrens s. 30 ff.) und für Αὶολεῑς selbst galt Ϝ𝜶ιολεῑς, d. h. die bunten; gleich Britten und Picten führten Aeolier den namen der buntgekleideten. andere beispiele sind Ϝάναξ, Ϝαλλοι, Ϝέσπερσς lat. vespera, Ϝοῑνς lat. vinum, Ϝιδεῑν lat. videre, Foida goth. vait, Feidos, Fiots, Firus lat. vitis ahd. wida, Ειταλός vitulus, F έργον ahd. werah, Γάδεσθαι fur ἥδε 9a, vielleicht lat. gaudere? Εισχύς für ἰσχύς, zumal auch die pronominalformen dritter person Fédev Foi Fé für Edev ol e, vor R in Forts, einigemal inlautend "Fig lat. ovis, Fór lat. ovum ir. ugh welsch wy f. gwy, AaFóg lat. Davus, das s. 192 vermutete Dagus Dagvus bestärkend. wenn zuweilen geschrieben wird: yakho yékha (Ahrens s. 31), ist das kein fehler, sondern dem franz. G für 297 GU entsprechend. ebenso begreiflich entfaltet sich anderemal B oder vocalisches Y aus dem digamma (Ahrens s. 34. 38). gewöhnlich entspricht es dem lat. V goth. V, einigemal dem spiritus asper oder lat. H, allmälich aber schwand es in der aussprache und wurde dann blosz durch den lenis vertreten. dem inlautenden digamma darf auch das goth. aus diphthongen aufsteigende GG in bliggva siggva oder das altn. in egg ovum verglichen werden. es ist ein irthum Priscians, dasz aeolisches digamma überall den spiritus asper vertrete, was es nur ausnahmsweise thut, so wie diesem hin und wieder goth. V entspricht.
Beispiele des dorischen digamma zählt Ahrens s. 40-59 auf, darunter Ρέαρ und για lat. ver, Fέμματα ἱμάτια, Ρεστά γεστιά lat. vestis goth. vasti, Fioria Vesta, Fizati lat. viginti, Fég für e§ lat. sex; inlautend κλέος αἰΓεἰ für κλέος ἀεί αἰεί goth. aiva, δάΓιον 4. δήϊον δάϊον.
Man sieht, dasz das digamma in der regel weht, zuweilen aber auch hauchen und einigemal sausen kann.
Während die gr. spiranten sich verdünnen und verflüchtigen, verdichten und vergröbern sich die deutschen. das goth. V wird zu ahd. W, fast nach englischer aussprache, S häufig zu SC SCH und J zu G, oder entfaltet sich statt des früheren vocalanlauts. auch die italienische sprache hat jacere jucundus jungere in giacere giocondo giungere verwandelt.
Umgedreht pflegt der altn. dialect J durchgehends aufzugeben und V vor u y ô œ 1 und r zu tilgen; es heiszt inn ûngr ok âr für goth. jains juggs juk jêr und vaka bildet im praet. ôk, vinna vann im pl. praet. unno; lita und rîta stehn für goth. vleitan vreitan. aus den eddischen alliterationen wie aus der homerischen scansion lassen sich also verlornes V und digamma rathen. Sæm. 60 werden ordi: vinr, 61a Vidarr: ûlfs, 61 reidr: vega, 62a reidir: vegiz, 63b reiðom: vegit, 187a reidan: vega, 188a 190a reidir: vega gebunden, in welchen Stellen vordi, vulfs und überall vreidr erforderlich ist, wie sie dem ags. vord vulf und vrâd entsprechen. aber die spätere aussprache und schreibung giengen über das V, wie bei Homer über das digamma hinweg.
In der mitte von zusammensetzungen schwindet der lenis ganz, der asper aber wirkt nach, insofern er vorausgehende tenuis aspiriert: ἑστία ἐφέστιος ἵστημι ἀφίστημι, είδω καθεύδω, αἱρέω μεθαιρέω, auszerdem geht er auch unter, z. b. αἷμα δίαιμος, ὕπνος ἐνύπνιον, ἵστημι ἐνίστημι. könnte so niemals wegfallen, und auch das digamma haftet. (Ahrens p. 43). die dorischen πεδάFοικοι sind attische μέτοικοι.
Deutsche zusammensetzungen tilgen niemals S oder J, zuweilen H und V. schrieb schon Strabo Oovovéλda (und wie hätte er Thursinhilda können anders hervorbringen?), so ist dem Iornandes Svanielh für Svanihild, dem Saxo gr. Svavilda für Svanhilda, Grimilda für Grimhilda, dem schwed. volkslied Brynial für Brynhild einzuräumen. aus der ags. Beadohild macht die edda Sæm. 136 Böðvildr (das v gehört zu böð gen. böðvar und entspricht dem ags. o.) nicht anders wandelt sich in demselben liede der ags. name Nidhad in Nidadr, oder sonst ahd. einherti in altn. einardr (vgl. s. 199), ahd. lîhhamo in altn. likami; weit öfter jedoch haftet H, selbst in den eigennamen Grîmhildr Alfhildr Lyngheidr oder in einheri vanheill fôthvatr u. s. w. nur die scheinbaren ableitungen männlicher namen auf -ar entspringen durchgehends aus der zusammensetzung mit goth. haris, z. b. Vîdar ist ahd. Witheri, Lofar ahd. Lobaheri, Sigar ahd. Sigiheri, Giafar ahd. Gëbaheri, andere habe ich bei Haupt 3, 142. 143 gesammelt. Ausfallendes V oder W liegt allen mannsnamen auf -ulf oder -olf (gramm. 2, 330) und vielen auf -old (2, 333) zum grunde; die lat. bildung -oaldus -oari hat V in O gewandelt. bekannt sind altn. dögurðr, Sigurðr aus dagverdr Sigverdr Sigferd f. Sigfrid. ahd. iowiht niowiht wurden bald in ieht nicht, iht niht gekürzt, ahd. mittawechun mhd. mitichun mitechon mitichen Griesh. 2, 48. Tundal. 44, 27. MB. 27, 90.
Auslautendes S tilgen zwar viele sprachen, zumal in flexionen, doch keine sprache ist mir bekannt, die inlautendes S mit solcher leichtigkeit vor consonanten schwinden liesze, wie die französische: île insula it. isola, Bâle Basel it. Basilea, mâle masculus it. mascolo, mêler miscere it. mescolare, maître magister it. maestro, âpre asper 299 it. aspro, frêne fresne fraxinus, guêpe vespa, vêpre vespera u. s. w. wozu man das altröm. poesna coesna f. poena coena halte. anlautendem ST SP schiebt der Franzose E vor, um dann das S fallen zu lassen: être stare, écrire scribere, éternuer sternutare, man könnte sagen, der saus sei hier in den vocal aufgelöst: das erlöschen des S gleicht dem des H in analogen fällen und bestätigt die verwandte natur beider spiranten.
Für diese musz ich nun noch näher ihren merkwürdigen wechsel unter einander geltend machen, der in einigen sprachen stark, in andern gering vortritt. sanskrit latein deutsche slavische und irische sprache pflegen S zu setzen, wo zendische persische griechische und welsche H; im deutschen tauchen nur hin und wieder spuren des H neben S auf, characteristisch wird aber der unterschied zwischen sanskrit und zend, zwischen latein und griechisch, zwischen irisch und welsch; der übereinkunft griechischer und welscher sprache im digamma begegnet vollkommen die im H, und wie dort dem G hängen sie hier dem H an, d. h. gutturallauten. ebenso eigenthümlich ist es Griechen und Welschen anlautendes R zu aspirieren und dem lat. quinque, franz. cinq, ir. cuig entgegenzusetzen έe pump.
Es zieht mich an das verhältnis von S und H in zahlreichen beispielen auszuführen.
Das pronomen dritter person skr. sa sâ lautet im zend hô hâ, gr., goth. sa sô, ags. se seo, altn. sâ sû und dem ir. se steht welsches e für he entgegen. nicht anders waltet im lat. goth. ahd. altn. litth. sl. reflexiv S, im gr. H; mit dem aussterben des ags. und engl. reflexivs mag aber im zusammenhang sein, dasz neben ags. demonstrativ se seo das eigentliche pron. dritter person he heo lautet, dessen H durch alle casus und geschlechter läuft, im alts. he lediglich den nom. masc. ergreift, während das fem. siu behält und die obliquen casus H abstreifen. der niederländische dialect hat S blosz dem nom. acc. sg. fem. gelassen, dem masc. H verliehen, der friesische gleich dem ags. allenthalben H angenommen. auf demselben grunde ruht 300 das H des altn. hann hun und der neunord. sprachen. wo im deutschen pronomen H vortritt, begegnet es der welschen weise; in den hochdeutschen mundarten ist es nicht der fall. auch finn. se ille.
Zum skr. saptan treffen lat. septem, goth. sibun, litth. septyni, sl. sedm, ir. seacht; zum zend. haptan pers. heft, gr. Enrά. hier hat auch das welsche saith skr. sahasra zend. hazaṇra pers. hezara (s. 254).
Skr. sara, lat. sal, goth. salt, ahd. salz, ir. salan, sl. sol', poln. sol, böhm. sul, litth. surus salsus (sonst wird für sal gesagt druska) suditi salire, lett. sahls, finn. suola, est. sool, lapp. salte. hingegen gr. g, welsch hal halan; wenn in Deutschland Salzquellen den namen Hall Halle führen, scheint das keltischer einflusz, den salzflüssen steht S zu (mythol. s. 1000) und schon Strabo s. 291 gewährt Zahas; Leo (bei Haupt 5, 511) leitet das H von dem phonetischen übertritt des ir. S in SH ab, welches SH wie H gesprochen werde; doch dieser der irischen sprache eigne lautwechsel braucht uns nicht die nähe des S und H anderwärts zu deuten. wie der mythus den geschmack des meerwassers aus hineingeworfnem salz erklärt und die see überall die salzige flut heiszt, ist aus dem gr. masc. ang das fem. für den begrif des meers entsprungen und ir. bezeichnet saile see oder seewasser. aber auch die bitterkeit der thräne rührt aus dem salz her (myth. s. 531), die thräne beiszt (dázov goth. tagr, lat. lacryma verwandt mit dazɛiv) und unmittelbar das sl. sl"za, böhm. slza zu sol' salz. im poln. Iza ist einmal die spirans abgestreift und nur aus der Nachwirkung auf L erkennbar.
Skr. upa und upari entsprechen dem goth. uf und ufar, lat. sub super, gr. iлó iлéo. man erklärt sich sub super aus dem vor upa upari tretenden praefix sa (Benfey 1, 284), welchem der sp. asper gleichgilt. ir. ist suas, welsch uwch, oder wie andere schreiben yuch super. gr. Tog lat. supinus.
Lat. simul, goth. sama, gr. qua, pers. hem. im skr. sam und saha für den begrif mit, aus welchem saha und einem vermuteten sahum Benfey 1, 386 das gr. Siv ov und lat. cum leitet, woran 301 sich ahd. ham (gramm. 2, 752) schlösse. dies alles bleibt noch zweifelhaft, offenbar aber lassen sich aua und σiv, cum und ga nicht unmittelbar zusammenstellen.
Bei Homer überwiegt noch oug dem is, und er sagt ovẞorns opóotov, allmälich aber drang ug durch. lat. sus, ahd. sû u. s. w. (s. 36. 37.) zu is fügt sich pers. khûk und welsches hwch, woher das engl. hog entlehnt scheint, man wolle denn das deutsche haksch (s. 36) anschlagen. vauva eigentlich wilde sau, hernach hyaena.
Ir. seabhac falco, welsch hebog, wozu die deutschen s. 49 aufgezählten formen stimmen: doch scheinen mir jetzo seabhac wie hebog urverwandt und unentlehnt. aber ich gehe nun weiter und verknüpfe damit auch die namen des falken: sucelino sakalas sokol scheinen das S und K von seabhac zu enthalten und ableitendes L anzuhängen, während im lat. falco, ir. faolchon übergang aus der gutturalis in labialis stattfindet, also ein gr. digammiertes Fáknov zu gewarten wäre, welchem das welsche gwalch, altn. valr gleichsteht. dies alles wird durch das spätere pázov und span. halcon bestätigt; aus dem alter der formen ergibt sich das der falkenjagd von neuem. Den berühmten heldennamen Gwalchmai deutet Davies brit. mythol. s. 199 the hawk of may, lady Guest im mabinog. 1, 118 Gwalchmai ap gwyar the hawk of battle, aus Gwalchmai entsprang das romanische Gavain Gauvain Galganus Walganus, Wolframs Gâwân, mnl. Walewein.
Ir. saileog, lat. salix, ags. sealh, ahd. salaha, altn. selja, dakisch oahia (s. 210.) welsch helygen, gr. Elizŋ nicht blosz weide, sondern auch epheu, wahrscheinlich noch auf andre kräuter ausgedehnt; welsches helogan ist apium graveolens, helyglys epilobium weiderich.
Skr. Sûrjas gott des lichts (R L wie in sara sal) vgl. svar coelum, lat. sol, litth. saulě lett. saule, sl. sl''n'tze, goth. sauil, ags. sigil, ahd. sugil, altn. sôl, ir. solas lux. zendisch hvare, gr. os, welsch haul pl. heuliau, den Tschuwaschen khvel. zu den Hformen rechne ich auch das ags. hveol hveohl, altn. hiol, weil die sonne als leuchtendes rad dargestellt wird (mythol. s. 664) und wie im etrusk. usil, sabin. ausel H und S mangeln, kann auch im altn. jol, goth. 302 jiuleis der begrif des rads oder der sonne liegen, jiuleis und lat. julius den monat der (winter oder sommer) sonnenwende meinen (oben s. 107). auch der übergang aus hveol, engl. wheel, nnl. wiel in fries. fial ist nach allen seiten gerecht, wie wir eben in falco F H und S wechseln sahen.
Marcellus burdegalensis (oder auch empiricus), leibarzt Theodos des groszen, hat uns in seiner schrift de medicamentis cap. 3 den keltischen namen des klees aufbehalten[3]: visumarus, was sichtbar zum ir. seamar und seamrog stimmt, woraus die Engländer shamrock machen; es ist der dreiblätterige klee und bis auf heute symbol des irischen volks, das an die hüte geheftet wird[4].
aber auch altn. war smâri trifolium album, in Jütland sagt man smäre. vi in visumarus scheint bloszes praefix, dessen sinn ich nicht sicher nachweise, vgl. ir. uis humilis, oi ovis. die welsche sprache kennt kein dem seamar entsprechendes wort, sie nennt den klee meillionen. ich vergleiche aber das ahd. hemera, welches verschiedne kräuter gentiana, helleborus, aconitum glossiert un i dem litth. czemerei, russ. tschemeritza (s. 213) nahe kommt.
Lat. serpo gr. ow. skr. sarpa, lat. serpens gr. ¿Qлεтós. verwandtschaft mit vermis vaurms krimi tscherv s. 172 vermutet.
Lat. sarpere putare: 'sarpere apud antiquos purgare' und 'sarpta vinea' hat Festus. sarmentum virgula putata. sl. sr'p", böhm. srp, poln. sierp falx. gr. аo̟лη уоояý (s. 105.) ebenso gehört unser sichel zu secare, litth. piautuwas zu piauti und der achte monat heiszt den Litthauern piutis rugpiutis (s. 99) wie den Slaven srpen sierpień 303 (s. 95). läge der hauptbegrif in άon srp, so dürfte man das krumme sich durch die halme schlängelnde geräth zurückleiten auf one serpere, vgl. άonale rauben, gleichsam abschneiden.
Litth. sarmata, sl. sramata ignominia, sl. sramiti ¿vro̟éπew, skr. sri erubescere. ahd. harm contumelia injuria, ags. hearm calumnia damnum, altn. harmr damnum luctus, vgl. oben s. 172.
Skr. svapnas, lat. somnus f. sopnus svapnus, sopor f. svapor, ahd. svëban, altn. svefn somnium, sofa svëfa dormire, mhd. entsweben sopire, litth. sapnas lett. sapnis somnium, ir. suan somnus, sl. s"n" somnus, russ. son", böhm. poln. sen, gen. snu, serb. san gen. sna, sl. s"pati, böhm. spati, poln. spać dormire. gr. vos somnús, vлaq sopor, Evov somnium, welsch hûn somnus levis, hepian dormire und aus beiden zusammengesetzt hephun somnus, hunell somnus levis.
Skr. svâdus fem. svâdvi, lat. suavis f. suadvis, goth. sutis f. svêtis, ags. svête engl. sweet, ahd. suozi, nhd. süsz. gr. dus gehört das ir. saimh hierher? dasz skr. svâdus aus su bene und ad edere stamme bezweifle ich. auf slad"k" dulcis hvzus werde ich hernach kommen.
Lat. senex gen. senis, senior, senium, goth. sineigs, sinista, burg. sinistus, mlat. siniscalcus seniscalcus, famulorum senior, vgl. goth. sinteins aeternus, lat. semper, ahd. sin-, ir. sean senex. welsch hen senex, hyn senior.
Skr. sâmi, lat. semi, ahd. sâmi, ags. sâm. gr. u. im kelt. sl. litth. entspricht nichts.
Lat. sedeo, goth. sita, ahd. sizu. sl. sjesti sjadu, poln. siedzieć, böhm. seděti, litth. sěděti. gr. w Elouai fut. Edovμai, Edos Edọa sedes, goth. sitls.
Skr. svidjami lat. sudo. ags. svât, ahd. sveiz, altn. sveiti sudor. gr. ἱδρώς.
Lat. sorex, gr. pas, finn. hiiri mus vgl. s. 235.
Lat. sulcus, ags. sulh (oben s. 56. 57.) gr. ôλzós von Ehxw. ohne spirans λαξ αύλαξ.
Lat. sylva silva gr. λŋ, lat. saltus, finn. salo, vgl. mit gr. ähσos. 304 H auch im ahd. holz lignum silva, ags. holt lucus, alt. holt aspretum, saltus. andrer wurzel als das folgende.
Lat. salio, salto, gr. houa, lat. saltus hua. ahd. salzon, ags. saltian saltare, nach dem latein?
Lat. socer, goth. svaihra, ahd. suëhor, gr. izvoós.
Goth. saian saisô, altn. sâ, sôa seri, ahd. sâan sâhan sâwan, ags. sâvan, lat. serere f. sesere, litth. sěju sěti, sl. sjejati, poln. siać, ir. siolaim silim, welsch hau, hadu sero. lat. semen, ahd. sâmo, sl. sjemja, poln. siemię, litth. sèkla, ir. siol, welsch hil progenies, haden saat.
Ir. seisge carex, engl. sedge. welsch hesgen.
Ir. seile lat. saliva, gr. oíakov, welsch haliw.
Ir. sealgam venari. welsch hel, helg.
Ir. seafaid vaccula, scheint dem ags. heafor, engl. heifer (s. 32) verwandt; das welsche wort finde ich nicht.
Ir. sior continuus. welsch hir continuus longus, vgl. vorhin bei senex ahd. sin-.
Ir. sion tempestas. welsch hin, vgl. huan sol.
Ir. samhra sol, aestas. da sonst samh = sabh steht, fällt vielleicht das welsche haf hefin aestas in die vergleichung. ahd. sumar (oben s. 73).
Ir. sanas salutatio, nuncius. welsch hanes relatio.
Ir. saith examen apum. welsch haid, vgl. touós und selbst examen, franz. essaim.
Diesen beispielen des anlautenden S: H lieszen sich manche andere, bis auf die Sakae und Hakas (s. 227) zufügen; ich will auch einige inlaute dafür beibringen.
Skr. asi lat. es, goth. is, zend. ahi. skr. asmai zend. ahmâi, goth. imma f. isma. skr. asmi, zend. ahmi, gr. uui aus oui, litth. esmi, sl. jesmi, goth. im f. ism. zu diesem H geneigt die finnische sprache, indem sie von mesi vir den gen. miehen bildet und zwischen mesi und mehi mel, mesiläinen und mehiläinen (ungr. méh) apis, tisma und tihma stillicidium schwankt. ihr hanhi anser entspricht dem lat. wort, das für hanser steht und dem ahd. gans, skr. hamsa cignus, ihr tuhansi unserm tausend (s. 256.) S und H verschieben sich aber in otso fronto ursus und ohto, in otsa ohta frons, in neitsy neihty virgo. 305 Man fühlt, wie leicht in solchen inlauten saus und hauch wechseln, aus goth. vaurhta entspringt vaurstv opus f. vaurhtv, finn. lehti folium stelle ich unmittelbar zu sl. list, und ahd. mist geht hervor aus mihst, goth. maihstus von der wurzel meihan, lat. mejere. ags. suhtria fratruelis halte ich zu altn. systrûngr[5]. wie sich die gemination μμí imma aus ἐσμί isma ergab, scheint auch ἵππος aus ίσπος (s. 30) deutbar. die nord. mundart liebt mahts ahtau dauhtar þuhtus zu wandeln in mâttr âtta dôttir þôtti. noch leichter muste im inlaut das digamma schwinden.
Wie im anlaut J und V schwanden, wurde schon s. 297 gesagt. gleich oft fällt anlautendes H weg und der gr. asper wandelt sich in lenis. die romanische sprache pflegt H in deutschen wörtern meistentheils zu tilgen, umgekehrt es vor den reinen vocal zu schieben; dies ist auch der mnl. mundart allenthalben eigen. Die von Busbek in der Krim vernommnen überbleibsel goth. sprache haben ael f. hallus, sno f. hano, iel f. heil. Etwas länger widersteht S, doch ist das goth. uf für suf ein altes beispiel der aphaeresis. wir sahen poln. Iza aus slza entspringen. Die Finnen leiden im anlaut keine doppelte consonanz und machen aus schwed. skalk skön skepare skräddare: kalki kaunis kippari kraatari u. s. w., wozu sich jene französische tilgung des S vor mutis halten läszt. Alle H vor L N R V sind der späteren deutschen sprache entfallen und die wurzeln dadurch so entstellt, wie es diese finnischen wörter nach abgelegtem S sein können. Auch der welschen sprache entgeht verschiedentlich das anlautende H oder S: uwch superf. huwch, elech, elestyr vexillum mali, ir. silastar. schwankt aber schon die lateinische zwischen haruspex aruspex, hepar und epar, Hedui und Aedui, so darf die gänzliche aphaerese des H in 306 der italienischen nicht verwundern.
Wir sahen, dasz in der regel spiritus asper dem lat. S zur seite steht, wie der lenis, früheres digamma vertretend, lat. und goth. V entspricht: oru skr. vâstu, ao lat. ver, oyov ahd. wërah, lois lat. vestis goth. vasti, is lat. vis, italóg vitulus, itéa altn. vidja vimen, vîdir salix, ahd. wîda, lat. vitis rebe, oizia goth. veihs lat. vicus, olvos vinum goth. vein, Everoi Veneti. natürlich aber mengen sich auch beide spiritus und ἑσπέρα ἑστία υδωρ sind vespera vesta vato wie og goth. sidus, ahd. situ. els und ev stehn neben unus und wienas (s. 241.) aus demselben grund pflegt zwar welsches GW irisches F neben sich zu haben, ausnahmsweise kann aber auch welsches H dem F entsprechen: hunan ipse, ir. feinn; darum mag viós sowol mit sunus als mit filius sp. hijo verwandt sein (vgl. s. 271.) der asper in Tegos findet im sl. vtoroi wehenden laut, sonst aber reinen vocal neben sich (s. 138.) ein merkwürdiges beispiel der verwandtschaft zwischen anlautendem S und V gewährt das lat. sinister und ahd. winistar altn. vinstri. Inlautenden wechsel zwischen wehendem und hauchendem laut gewahre ich in ahd. mundartig verschiednen denkmälern zuweilen, nicht häufig. für goth. saian saijan serere setzen einige sâwan, andere sâhan, ebenso für goth. siujan suere einige siuwan, andere siuhan; weitere beispiele sind gramm. 1, 885. 886 aufgezählt, die spirans könnte auch ganz wegbleiben. die Angelsachsen neigen zu V: blâvan sâvan mâvan f. ahd. plâhan sâhan mâhan. anders zu fassen ist wenn H und W im ahd. lîhan lêh liwan, sîhan sêh siwan, sëhan sah sewan tauschen: hier zeigt die goth. form leihvan laihv lihvan, saihvan sahv saihvan, dasz ahd. im praes. und praet. der wehende, im part. der hauchende laut ausfiel. aber in sehr viel fällen auszerdem wird inlautendes V unterdrückt.
Wie der Grieche jedem vocalanlaut einen spiritus lenis oder asper vorausschickt, liebt der Slave jehenden und wehenden. statt des goth. im is ist, lat. sum es est hat er jesm' jesi jest', für ita itis itib edo edis edit aber jam jasi jast', für ains unus jedin, und wenn ik ego 307 altsl. noch az lautete, lautet es russ. poln. serb. ja, slovenisch jes jest. oko oculus, ucho auris drückt der Slovene voko vuho aus. auch das altn. jurt herba urt, wurz und jastr ramus goth. asts schlagen hier ein.
Weder der griechische noch welsche anlaut ertragen naktes R, sondern fügen ihm stets die spirans zu, in und auslautend bleibt R, auszer wo es sich im griechischen verdoppelt: dann empfängt das erste den lenis, das andere den asper: agony vir, zóóów porro; vor aspiraten halt sich R rein: ἄρθρον, πορθμός, πορφύρα. Diesem RH entspricht in andern zungen baares R, z. b. άδιξ radix; ῥάδιος goth. rabiza facilior; as racemus; welsch rhi, ir. riogh righ, lat. rex, goth. reiks; dn lat. rheda, ahd. reit, altn. reid; w goth. rinna curro. Einigemal tritt ihm in andern mundarten B oder lat. F vor: ῥαδινός aeol. βραδινός, φάκετρον und βράκετρον, ῥήγνυμι goth. brika, lat. frango, oyé lat. frigeo, goth. friusa. anderemal scheint sich aus der spirans vorgesetztes E zu entfalten: gioua und igro, óć w ło̟dw, ło̟vłoós goth. rauds, litth. ruddas, lat. rutilus, welsch rhudd. Nur ausnahmsweise mag ihm ahd. HR gleichen: as ahd. hrucki altn. hryggr.
Denn in der regel ist goth. ahd. altn. ags. HR so wie überhaupt H verflüchtigung der aspirata CH, also CHR dem gr. KP lat. CR an die seite zu stellen, wovon im verfolg näher zu handeln sein wird.
Dem welschen RH steht aber auch anlautendes LL zur seite, dessen aussprache sp. l und poln erreicht und aus assimilation oder unterdrückung einer muta entspringt, vgl. llaeth lac neben blith und ir. bleacht; lliw color species ags. bleo bleov; llais vox ir, blacht vgl. sl. glas; llaw llawf manus palma, ir. lamh manus, goth. lôfa altn. lôfi manus, altn. glôfi chirotheca ags. glôfa engl. glove, ir. lamhan; llawr llor pavimentum, ags. flôr engl. floor; anderemal entspricht es aber dem reinen L andrer sprachen: llaes liber solutus, goth. laus ags. leás; llafn llefnyn folium goth. laubs ags. leáf; in linum llian vestis lintea; llunio creare formare, ahd. liuni fere, mhd. lûne indoles, 308 altn. lund indoles, finn. luonto indoles natura, luon formo creo. Sp. LL vergleicht sich dem lat. PL FL CL und it. PI FI CHI: llaga plaga, llano planus, lleno plenus, llorar plorare, lluvia pluvia, llama flamma, llamar clamare, llave clavis, zuweilen dem einfachen L: llosco luscus, llevar it. levare. Das poln. I hat sich reine liquida gegenüber in den übrigen sl. mundarten: łania cerva sl. lan', litth. loně; łono sinus sl. lono; łąka pratum böhm. lauka, litth. lanka. Deutsche HL scheinen mit allen diesen affectionen des L nicht übereinzutreffen.
Die reine spirans S tritt über in H, H ins digamma, dies in V, F. wie sich S in R vergröbere soll gleich gezeigt werden. unter allen vier spiranten hat S in flexion und wortbildung der sprache die gröszte bedeutung, es fällt stärker und fühlbarer ins gehör als HV und J und tritt als R noch mehr hervor.
Höchst merkwürdig erzeigt sich die neigung der zendischen griechischen und welschen sprache zum H, GG und GV gegenüber dem S und V des sanskrits, lateins und aller andern deutschen slavischen litthauischen sprachen so wie der irischen. auch das finnische verräth hang zu H.
Erwäge ich den einflusz des H und R auf die brechung, so scheint mir auch die reinhaltung des AI U mit der dauer des S zusammenzuhängen.
- ↑ davon hier abgesehn, dasz sie H für einen vocal gebraucht, wie die slavische H für I.
- ↑ den Vlaut gibt auch das Erloquor Bar, welches blosz als zahlzeichen gilt, zu erkennen; name und grund des digamma scheint mir aber älter als dies vau.
- ↑ medici antiqui. Venet. 1547 p. 90a; er führt, gleich Dioscorides, noch andere (zwölf) gallische pflanzennamen an, cap. 10 p. 101a herba proserpinalis quae gallice gigarus appellatur; radicem symphyti, quod halum gallice dicunt; cap. 11 p. 1015 serpillum herbam, quam Galli gilarum dicunt u. s
- ↑ Lappenberg über Irland (in der allg. encycl.) s. 11.
- ↑ jüngerer wechsel zwischen beiden spiranten im mhd. tasten aus tahten? testier und tehtier, forest und foreht. Haupt 6, 8.