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GDSG/Hirten und Ackerbauer

aus AufEinWort, der freien Forschung

Hat die ansicht von den Zeitaltern grund, so musz sie noch 15 mit einem andern durchgreifenden gegensatz zusammentreffen, den wir auf dem boden der geschichte wahrnehmen. die menschen des steinalters waren hirten, die des ehernen ackerleute und der milchessende riese weidete herden; bedeutungsvoll scheint die weit bekannte sage von der hünenjungfrau, die verwundert auf einen ackernden stiesz und ihn samt pflug und rindern in der schürze als artiges spielzeug heimtrug: doch der alte hüne schalt und hiesz sie die erdwürmer schnell zurückbringen, deren andrange das riesengeschlecht bald werde weichen müssen. Hier sind aber riesen und menschen als verschiedne stämme aufgefaszt, während die geschichte lehrt, dasz bei jedem einzelnen volk dem hirtenleben der ackergang nachfolge.

Jenes unaufhaltsame einrücken der völker aus Asien in Europa setzt kühne kampflustige stämme voraus, die sich zuweilen ruhe und rast gönnten, im drang der fortbewegung von ihrer herde, jagd und beute lebten. bevor sie sich friedlichem ackerbau ergaben, müssen sie jäger hirten und krieger gewesen sein und erst auf der grundlage beider zustände konnte ein höherer aufschwung des geistes wie der sitte gedeihen, der den begabtesten und glücklichsten unter ihnen zu theil ward.

Ich will ausführen wie dieser unterschied in alle verhältnisse des lebens greift.

Den tapfern stand die welt offen: sie ziehen aus der heimat, wo es ihnen zu enge geworden war, von hungersnoth und miswachs[1], von feindschaft der stämme oder wanderlust und drang nach abenteuer getrieben. das losz und der götter rath geleitet sie, vögel fliegen voraus, eine hindin zeigt die furt über den strom, ein bär oder wolf weist den pfad durch wald und gebirge. sie reisen samt frauen kindern verwandten freunden, vor allem heilig sind ihnen die bande der brüderschaft und das gastrecht: in Lucians Toxaris findet man mit treffenden zügen, durch ergreifende beispiele skythischer nomaden feste treue und unerschütterlichen mut dem gesittigten aber schlaffen leben der Griechen gegenüber gestellt.

Dieser wandernden völker habe sind wagen und vieh, waffen und schmuck. den Griechen hieszen sie auaótot, ein reicher unter ihnen besitzt zehn goldschalen und achzig vierlagerige wagen, duažas TETQazhivovg, ein armer, dem weder wagen noch herden gehören, ist reich an blutsbrüdern. wagenhäuser legt Plinius 8, 40 noch ausdrücklich den wandernden Cimbern bei und eine wagenburg ums lager zu führen gegen nächtlichen überfall blieb bis in die späten zeiten kriegsbrauch. anschaulichstes bild solcher wagen geben uns die holzhäuser der schäferkarrn[2]; wo aber länger gerastet wird, treten waldhütten und erdhölen an deren stelle.

Pferde rinder schafe und hunde sind das vich der hirten und jäger. der hund schützt pferde und wagen, seine treue überdauert den tod des herrn: canes defendere Cimbris caesis domus eorum plaustris impositas[3]; beim gefallnen held liegt noch sein hund, steht traurig nickend sein ros, denn beide hatte er oft mit namen gerufen und zwischen ros und reiter waren gespräche gewechselt worden. Der rinder und schafe folgt eine gröszere, schon minder zutrauliche schar. Auch das schwert wird benannt und angeredet, es ist des mannes grösztes kleinod, das nur auf seinen nächsten männlichen erben übergeht; fräuliche habe sind schmuck und ringe. den ganzen unterschied zwischen hergewäte und gerade darf man auf heilige vorstellungen des hirtenlebens zurückleiten. Nie legt der mann sein schwert ab, bei jedem anlasz treten hirtenvölker bewafnet auf, was noch Tacitus an den Germanen beobachtete: nihil autem neque publicae neque privatae rei nisi armati agunt[4]. schwert und sper war den kriegern ein hehres wesen, bei dem sie feierlichen eid schworen, das sie als göttliches zeichen aufrichteten und verehrten. von allen göttern stand ihnen der gott des schwertes zunächst, oder der des hammers, dessen wagen donnernd durch die lüfte rollt; ihm fallen blutige opfer zumal von pferden und der wald ist sein tempel: wie wollte ihr gott zwischen wände gedrängt werden, so lange sie selbst nicht in festen häusern wohnen?

Aller kauf scheint noch tausch und wird mit vieh, pelz oder ringen unterhandelt, selbst die münze war ursprünglich zierrat. alle buszen sind kriegerisch, der ausgehaune knochen soll im schild erklingen.

Das ganze treiben dieser völker ist freies waldleben, zwischen zügen, weide und krieg getheilt; der kampf, den sie begierig suchen, führt sie gleich der jagd zur beute[5], schlacht und jagd ist was sie ergetzt[6] weida in unsrer alten sprache bedeutet sowol pastio als venatio und piscatio, weidman den hirt und jäger; noch heute ist der alpenhirt auch der kühnste gemsenjäger. In den wandernden rittern[7], die nach kampf und sieg durstig durch die welt zogen, ist noch nomadischer anklang.

Speise war milch und fleisch der herde, wildobst und wildbret: cibi simplices, agrestia poma, recens fera aut lac concretum (Tac. Germ. 23), woher der name yakazтotótai, weder stutenmilch wurde verschmäht noch pferdefleisch, dessen genusz nach der bekehrung allen Christen für heidnischen greuel galt. einzelne nomaden hieszen den Griechen izquoiyoi.

Da sie blosz am gewinn von der herde und an kriegsbeute hängen, fast keine frucht aus dem boden erzielen und die waldtrift wechseln, hat grundeigenthum noch keinen werth und leicht verständigen sie sich über den nieszbrauch solcher eine zeitlang dem gemeinsitz einzelner geschlechter und horden belassenen gebiete, die nach deren abzug andern einzunehmen freisteht. zwischen diesen waldbezirken mag die grenze nicht durch mühsame messung bestimmt worden sein, sondern ganz in weise der späteren markgemeinden durch raschen hammerwurf oder andere friedigende zeichen.

Dem unstäten aufenthalt, der ungebundenheit des hauses, das der hirt auf rädern nach gefallen an andere stellen versetzen kann, scheint auch vielweiberei zu entsprechen, der wir bei allen aus dem nomadenstand tretenden völkern noch begegnen. krieger und hirten streben schönen weibern nach[8], dem ackermann genügt die einzige ehfrau, welcher er, wenn ihn feldarbeiten rufen, sein haus zu ordnen überläszt. für die polygamie werde ich im verfolg das beispiel der Geten anführen; da sie sich bei den alten Slaven und Scandinaven vorfindet, darf sie in ältester zeit auch unter den übrigen Germanen nicht befremden. das blosze dasein eines worts in frühster sprache diene zum erweis: dem ahd. chëpisa pellex, mhd. këbese, ags. cifese würde ein goth. kibisa kibiza zur seite stehn, altn. bedeutet kéfsi oder kéfsir servus molestus, wie auch rakhağ wakhaziş xahlazi sowol magd als kebse bezeichnen. sicher wurden die kebsen meistentheils geraubt oder aus unfreien mädchen gewählt[9].

Vorzugsweise werden unter nomaden anführer im krieg, könige, edle gechlechter und ein priesterstand sich entfaltet haben, wie bei Homer der fürst noch Tour Laór heiszt oder anderwärts zouirog Toшárrwo, bedeutet auch im sanskrit gopa zugleich kuhhirt und fürst.

Lucian nennt die bloszen freien ozvánodes, für sie wird zweier rinder besitz und eines wagens gefordert, welch ein abstand von jenen achzig wagen des vornehmen! freie scheinen durch lockentracht, edle und priester durch hüte ausgezeichnet. Mit edlen und königlichen geschlechtern im zusammenhang musz aber ein heroencultus gedacht werden, der es wahrscheinlich macht, dass diese völker die gräber ihrer helden und könige heilig hielten. nach Herodot 4, 127 wollen Skythen nur für die gräber ihrer vorfahren streiten.

Unter solchen menschen, die ihre tage und jahre, aufgeregt aber auch still und ruhig, über wonne und weide (rechtsalt. s. 521) in der sommerfrische[10] oder vom engen wagendach geschützt verbrachten und die heimliche natur belauschten, musz glaube an einen verkehr mit thieren gewurzelt und die thierfabel begonnen haben, die sich in spätere zeiten forttrug. auch die aufnahme muthiger thiere in menschliche eigennamen, ihre abbildung auf helm und schild, und der bezug vieler kräuternamen auf thiere scheint mir damals entsprungen.'[11]

Die sprache der nomaden enthält einen reichthum manigfacher ausdrücke für schwert und waffen und für die viehzucht in jeder lage, welche dem gebildeten zustand hernach lästig oder überflüssig erscheinen: das begatten, trächtig sein, gebären, sterben, schlachten wird fast bei jedem vieh anders und eigens benannt, wie der jäger am verschiedenen wild den gang und einzelne glieder des leibs mit abweichenden wörtern zu bezeichnen pflegt. dieser in freier luft lebenden hirten auge sicht weiter, ihr ohr hört schärfer, wie sollte nicht überall ihre rede sinnliche anschauung und fülle gewonnen haben?

Ihnen gegenüber lässt sich nun leicht auch ein bild der zum ackerbau übergegangenen völker entwerfen.

Jene bewegung ist zur ruke gelangt und friedliche niederlassungen an glücklich erkämpfter fester stelle sind erfolgt. zu der habe an beweglichem gut, die ehmals genügte, tritt sicheres erbliches grundeigenthum und der ackerbau verbreitet seinen segen; statt des viehes wird jeszt getraide in tausch und kauf gebraucht, theilbarkeit der felder durch geregeltes masz geheiligt. für die blutigen opfer der hirten bringen ackerleute ihre früchte dar, und milderen göttern oder göttinnen, die im pflug und der spindel unterwiesen haben. statt des schwerts auf dem reisig ist ein pfahl, eine herme und bald unter gewölbtem dach errichtet, die bewegliche wagenwohnung durch ein fest im grund gemauertes und gebautes haus ersetzt: an einander reihen sich die häuser.

Inwendig waltet die spinnende webende frau, den Angelsachsen fridovebbe (friedeweberin) geheiszen; ihre gerade (radewant) wenn ärmer an goldschmuck ist reicher an gewand und tüchern, die ehe rein und streng geworden, und des hausvaters macht und ansehn hat vieles zu schlichten, was sonst dem priester zustand. Entschiedner zur freiheit als zum königthum scheint sich die sitte hinzuneigen. ver-21 liert das leben an geräusch, so hat es an wiederkehrenden festen, zusammenkünften, gerichten gewonnen; die sprache verarmend an sinnlicher fülle und behendigkeit beginnt sich mehr an geistige verknüpfung der gedanken zu gewöhnen. knechte, deren vorfahren auf heerzügen gewonnen waren, sind schon durch viele geschlechter vererbt, und führen, blosz im recht unterschieden, namen und sprache der freien.

Indem sich überhaupt an der stelle des gefälligen, leichten, schmucken ein nützliches geltend zu machen weisz und den wechsel des unsteten schweifens ein behaglicher dauernder wolstand zu vertreten beginnt, behält der unansehnliche ackermann über den gewandten krieger und hirten allmälich die oberhand[12].

Von dem hirtenleben zum ackerbau müssen aber langsame, vielfache übergänge angenommen werden[13], es gibt nirgend steife gleichzeitige grenze zwischen beiden, und da die hirten an alter vorausgehn, kann es nicht wundern dasz manche ihrer bräuche und einrichtungen auch noch unter einzelnen stämmen haften, die längst des ackers pflegen. umgekehrt dürfen entschiedne nomaden schon im voraus feldwirtschaft versucht haben; es lebte vielleicht kein hirtenvolk völlig ohne ackerbau, und bei allen ackerbauenden erhalten sich geraume zeit hindurch, obschon in stäter abnahme und schmälerung, weide und viehtrift.

In den gesängen des Rigveda, welche uns frühe nachricht von den zuständen eines urverwandten volks überliefern, sind bereits ackerbau, dörfer und städte erwähnt; daneben aber wird noch deutlich auf das umherziehen nach grasreichen weiden bezug genommen[14]. handmüle (mola trusatilis, manuaria) und brotbacken war den hirten lange schon bekannt, bevor in dauernder niederlassung wassermülen erfunden wurden.

Man kann nicht krieger jäger und hirten absondern und die hirten als mittelstufe zwischen krieger und ackerbauer stellen, denn alle wandernden hirten waren kriegerisch, alle krieger führten herden mit, ohne deren milch und fleisch sie das leben nicht gefristet hätten, wofür fisch und wildbret unzureichend gewesen wäre; rindes bedarf der steppendurchziehende wagen so gut als der erdwühlende pflug. Auch ist ackerbau ein friedlicher stand, kein sanfter zu nennen, weil er schwerere arbeit kostet als weidgang, zu dem nach bestandner kriegsgefahr der hirte wiederkehrt[15]. aber selbst unter den hirten steht der rinderweidende dem ackerbau näher als der wildere freiere schäfer.

Mir scheint unzweifelhaft dasz bei ihrem ersten eintritt in die geschichte die Germanen noch überwiegend dem hirtenleben anhiengen, während die ihnen voraus gegangnen Kelten bereits ackerbauer waren. die Cimbern ziehen auf ihren wagen einher und Caesar versichert allgemein von den Germanen: agriculturae non student, indem er sie Kelten entgegensetzt. einige menschenalter können viel ändern, späterhin findet Tacitus zwar germanische feldbestellung, doch frauen und knechten überlassene; männer, wo sie nicht kriegen, pflegen nomadischer ruhe fort. gartenbau und obstzucht scheinen bald nachher erst ihrem römischen nachbar die Deutschen abzulernen[16]. Den gemeinsamen, wechselnden ackergang, wie ihn schon Caesar den Sueven, Horatius den Geten, Tacitus mehr im ganzen den Deutschen beilegt, hat man eben als seine einfachste, unmittelbar für die gewohnheit der hirten sich ergebende anwendung zu betrachten; noch unfest an die scholle gebunden musten sie von selbst darauf verfallen ihren triften jährliche frucht abzugewinnen. diesen ersten betrieb des ackers unter hirten hat bis auf uns herab den markgenossen ein von althergebrachter weidesitte ungern ablassender feldbau vergolten[17]. tiefe wälder nährten die angestammte lust, kein andres volk in Europa hat diese uralte hirtengemeinschaft so lange festgehalten wie unsre markgenossen, und erst allmälich legte der freie mann seine waffen ab. Auch dasz die Germanen nur langsam städte gründeten, ihre häuser und burgen zerstreut, wo es ihnen auf der flur gefiel, anlegten, darf für nachwirkung ihres festwurzelnden nomadensinnes gelten.

In andern zügen, oft noch dauernder und zäher, läszt sie sich bei Slaven und Finnen spüren, deren sprache später ausgebildet aus der hirtenzeit jugendliche eindrücke treuer bewahrt.

Jene durch ganz Europa verbreitete, nach Asien zurückgreifende, unter Deutschen episch erblühte, unter Slaven, Litthauern, Finnen noch heute im volk wache thierfabel liefert uns hier überraschende belege. der vorgeschrittnen bildung sagt die natürliche unschuld dieser mythen nicht mehr zu, und ihr reicht hin einen gedrungenen auszug für das sittliche beispiel zu bewahren. aber zu welchen folgerungen berechtigt nicht, wenn Simsons angezündete fuchsschwänze im kornfeld sich auch bei Babrius, oder das auf Väinämöinens knie gelegte ei im Aesop wiederfinden?

Ich hebe noch einiges aus den sprachen was mir zuerst im wald unter hirten entsprossen scheint, nahe liegende benennungeu einfacher zustände. sie könnten jüngern ursprung haben, weil das gemeine volk immer die natur beobachtet, doch ihre weite verbreitung räth an ihn 24 tief rückwärts zu stellen.

Das jüngste kind, den Griechen výztos, den Römern infans vom mangel der rede geheiszen, nennt Ulfilas niuklahs, altn. nýklakinn, nach dem im nest ausgeschlofnen jungen vogel. ich weisz nicht ob das lat. pipio auf ein kind angewandt wurde, aber mlat. hiesz der junge im nest überraschte sperber nidasius, woher das franz. allgemeiner gebrauchte niais, sp. niego stammt; noch poetischer klingt unser gelbschnabel, und das franz. béjaune wird aus bec jaune erklärt, wo es nicht zu béer, beare gehört, weil der junge vogel den schnabel sperrt, vgl. Ducange s. v. beanus. unsern volksmundarten steht eine fülle lebhafter ausdrücke zu für das jüngste im nest hockende unerfahrne vöglein: nestling nestquak (das ist pipio) nestquaklein nesthocker nesthöckerli nest blutter nestblüttling nestblütterli nestkitterle nestkuiterlein nestscheiszer (im pentamerone cacanidolo) nestkiken nestkükel nestbatz. in englischen dialecten nestcock nestlecock nestchicken nestlebub nestletrip nestgulp nestledraft. die Polen sagen gniazdosz, die Böhmen hnězdnjk[18].

Uns reicht trächtig, dem Römer feta, praegnans, inciens (yzvos) von allen thieren der herde aus, doch gilt ihm für die kuh horda oder forda vgl. hordicidia fordicidia. Die Slaven verfahren aber so, dasz sie aus der praep. s und dem namen des jungen thiers ein eignes wort für die tragende mutter bilden, russ. heiszt die trächtige kuh stute sau hündin stel'naja bereshaja suprosaja tschennaja, d. i. die mit dem kalb telja, füllen sherebja, ferkel porosja gehende korova, koblüja, svinja. ebenso böhm. stelná, shřebná, sprasná, skotná von tele hřjbě prase kotě. Der Litthauer fügt dem namen des jungen die endung -inga hinzu und bezeichnet damit das trächtige weibchen: werszinga karwe, parszinga kiaulě, eringa awis, kummelinga von werszis kalb, parszas ferkel, eris lamm, kummelis füllen. Auf ähnliche weise wird mit dem namen des jungen thiers auch das werfen desselben bezeichnet, wir sagen: die stute fohlt, die kuh kalbt, das schaf lammt, die geisz zickelt, die sau frischt (von frisching frischling), die hündin welft (mhd. erwirfet daz welf); nicht anders heiszt es franz. la chèvre chevrote, la brebis agnèle, la truie porcèle, la louve louvète; bei Marie de France 2, 86 lisse qui vuleit chaeler (von chaiax welf), bei Méon 2, 347 truies qui essouent (von soue ferkel). das ags. eanian, engl. yean lammen setzt einen namen des lamms voraus, der von cov ovis abweicht. Auch in den slav. sprachen geschieht dasselbe, z. b. böhm. gilt von der kuh oteliti se, von der stute ohřebiti se, von der sau oprasiti se, von der katze okotiti se. unsrer heutigen sprache klingen solche verba gemein, wir sagen lieber: junge werfen, die Franzosén mettre bas.

Für das schlachten der thiere, weil es nicht auf gleiche weise bewerkstelligt wurde, galten wiederum verschiedne wörter. Luc. 15, 23 verdeutscht Ulfilas tov μóozov boate stiur ufsneiþiþ, und 15, 27 nochmals voer ufsnaip, die vulg. hat für Jiew occidere, ufsneipan ist mehr succidere; Joh. 10, 10 wiederum ufsneipai für von, vulg. mactet, vom dieb der die schafe schlachtet. ich finde noch im 16 jh. 'ein lamb mustu auch schneiden ab', wie es nhd. heiszt ein huhn abschneiden, gemeint wird das durchschneiden der kehle. gleichviel nhd. abthun, mhd. abnemen, Berthold 47. weisth. 1, 313. Schmid. schwäb. id. 405. nhd. das schwein stechen, abstechen. ahd. arslahan mactare, mhd. ein swîn slahen Ls. 1, 285; vihe slahen, nhd. einen ochsen schlagen. mhd. ein chalp bestroufen, zwei chitzi bestroufen, Diut. 3, 65. 73, eigentlich die haut abziehen, abstreifen? ahd. wurgan mactare Diut. 1, 260b würgen, strangulare. altn. skera mactare: Thôrr skar hafra Sn. 49, schor, schnitt den böcken das haupt ab. mhd. den wolf klûben? fragm. 14b; tûben knüllen MS. 2, 192; hüner pflücken (rupfen) Fichards arch. 3, 318; zerbrechen als ein huon, Erael. 5482; den visch vellen Greg. 3054; nhd. ist fällen erlegen prosternere. Den Böhmen heiszt porážeti wola den ochsen schlachten, zaklati prase das schwein stechen, zabiti obet das opfer schlachten, zabiti gelena den hirsch fällen. Am reichsten scheint hier die litth. sprache [Donaleitis 155]: vom stier gilt pamuszti, vom schwein skersti vom schaf papjauti, von der gans pjauti, vom widder smaugti, und diese wörter haben entweder den sinn des stoszens, stechens oder erdrosselns.

Wahrscheinlich stammen solche unterschiede schon aus der zeit der opfer und das alte blôtan, pluozan sacrificare war ursprünglich mactare.

Dem sterbenden thier misgönnt unsre heutige volkssprache den gemeinen ausdruck[19] und braucht verächtlich entweder crepieren bersten, nach dem ital. crepare, franz. crever, oder darauf gehn (engl. go 27 off) abstehn (vom fisch) und verrecken, gleichsam die glieder strecken, erstarren; edler die jäger vom hirsch und wild: verenden. mhd. gilt sterben und tôt ligen auch vom thier. von der geisz die schweizerische mundart: sie vergagert, vergibelt Stald. 1, 413. 442; verzwatzeln heiszt sich todt zappeln[20]. böhm. pokapati, pozcypati verrecken, vom hund zcypnauti, zcepeněti, vom schaf zkapati, zkapnauti. litth. nustipti erstarren, gaiszti iszgaiszti verderben, iszdwěsti, padwěsti. lett. sprahgt, nosprahgt bersten.

Aus der alpenhirtensprache würde sich diese samlung erweitern lassen und viel anderes wäre auszerdem erwägenswerth, eigennamen die der hirt seinem hund oder rinde, der held seinem pferde beilegt, rufe des lockens, scheuchens, antreibens, zurückhaltens, wie sie sich ohne zweifel in hohes alterthum verlieren. von noch grösserem gewicht für den sprachforscher wird die allgemeine unter den urverwandten völkern umgehende benennung dieser thiere sein.

  1. ↑ [sage von der hungersnoth: Paul Diaconus. Saxo Gramm. Macchiavelli. Goldast, schwedische sage, Afzelius 1, 15. ein theil davon Gest. Roman. 124. altd. blätt. 1, 149 ff. sage bei Witechind. Hervarar saga p. 453. 454.]
  2. ↑ an dem von Pallas gebauten haus wird getadelt: μὴ τροχοὺς σιδηρείους ἐν τοῖς θεμελίοις γεγονέναι. "ohne Eisenräder in den Fundamenten" Babr. 59, 13.
  3. ↑ "um die von ihren Karren getöteten Hunde der Kimbern zu verteidigen"
  4. ↑ "aber sie tun nichts, weder öffentlich noch privat, es sei denn, sie sind bewaffnet"
  5. ↑ ὑπὲρ νομῆς ἢ λείας μαχόμεθα. ("Kämpfen wir um Staat oder Beute?") Toxar. 36.
  6. ↑ man verband wonne und weide; vinja, wunna geht über in den uns heute allein bleibenden begrif der freude, und augenweide drückt wonne aus. ein dichter des mittelalters sagt: „ich wolte uwer freude sehen" d. i. was ihr gejagt habt.
  7. ↑ span. caballeros andantes, mul. wandelende ridders. Lanc. 3509, 6579. 8704. 8740.
  8. ↑ Τox. 26 von den Skythen: οίγε κ ̓ ἂν τὰς παλλακὰς ἀκριβῶς τὰς καίλίστας ἐκλέγεσθαι λέγονται. ("öffne und wenn die Dienstmädchen genau die Keilistas sind, werden sie gerufen")
  9. ↑ chépisa scheint mit chupisi tugurium (Graff 4, 359) unmittelbar verwandt, sie wurde in einer schlechten hütte (y, zakúßr) gehalten, im gegensatz zur frau. lieblicher ist ein andrer name, ahd. friudila, altn. fridla, frilla und den glossen friudilinna gerade pellex, concubina (Graff 3, 788), amica mea Ellinsuind in einer urk. bei Meichelbek no. 132 aus dem beginn des 9 jh. ebenso ist die gr. étaioa gegensatz zur ehfrau.
  10. ↑ so nennt noch heute der Tiroler die landlust (villeggiatura). die altn. sprache hat sel (tugurium aestivum).
  11. ↑ die slavische sprache besitzt eine menge lieblicher frauennamen, die von waldkräutern, blumen und wilden thieren entnommen sind, z. B. serb. Smilja, Smiljana von smil' gnaphalium arenarium, Kalina ligustrum, Perunika iris, Koschuta hindin, Sokolitza falkin; ebenso litthauisch Smulkě Smilja, lettisch selta maggonite goldner mohn leipu lappa seeblumenblatt. man denkt an die gleichschonen hetäremamen bei Lucian: Αβρότονον, Μύρτιον, Κλωνάριον, Xɛlidoriov, mhd. seltner, doch musz sumertocke, sumertöckel MS. 2, 67a schmetterling oder libelle meinen; mines herzen klê MSH. 3, 445 a.
  12. ↑ nach dem serbischen lied hat der ratar schwarze hände, aber weiszes brot (tschrne ruke a bjela pogatza.) Vuk 1 no. 273.
  13. ↑ wenn Adams söhne alsogleich ackerer und hirte sind, so würde dem älteren die weide, dem jüngeren der feldbau besser zusagen und Abels weicher gemütsart das unblutige opfer.
  14. ↑ Adalb. Kuhn zur ältesten geschichte indogerm. völker s. 12.
  15. ↑ noch die casus sancti Galli schildern uns hirten aus dem j. 913 so: magistri pastorum duo, homines utique silvestres, hirsuti et prolixis barbis, ut id genus multum videri solet. Pertz 2, 85.
  16. ↑ die meisten obstfrüchte führen undeutsche namen, aber zu Karls des groszen zeit waren sie schon jahrhunderte lang allgemein gültig; wie alt mögen ortsnamen sein, die von der obstzucht herrühren, z. b. Pirapalzinga in Baiern (Meichelb. no. 1077) vom impfen (pelzen, palzian) der birnreiser.
  17. ↑ wie die markgenossen den umgrif des ackerbaus erschwerten, finden sich noch heute im Bregenzerwald thäler, wo nur viehzucht und sennerei getrieben wird, kein getraide zu schauen ist. (drei sommer in Tirol von Ludwig Steub s. 44.)
  18. ↑ ein neugebornes kind ist die freude der mutter. mey er munud fæddi, delicias peperit filium. Saem. 149b; maniger muoter froude = kind. Maria 209, 30; nie herzeliep mit kinde gewan: Maria 153, 15; thiu kinde nio ni fagêta. O. IV. 26, 36. noch heute heiszt unter dem volk erfreut werden: ein lebendes kind gebären, keine freude bringen: ein todtes zur welt bringen, ungefreut: todtgeboren (Schmeller 1, 599. 601. 4, 192. Stald. 2, 516.); nachfreude nachgeburt (Schmid schwäb. id. 203). In der aegypt. hieroglyphe drückt ein nest mit jungen vögeln freude aus und koptisch bedeutet meh junge vögel, mih freude (dingbilder no. 437 bei Bunsen 1, 663). ein minnesinger frohlockt MS. 2, 91a. endelich daz herze mîn wepfet in dem libe, sam ez habe funden ein nest vollez vögellin. Hoch poetisch ist, dasz den Griechen der plural von gebornen thiere bezeichnet: ooai Od. 9, 222. Spóσot thau liegt noch auf ihnen wie auf frischen blumen. ψακαλοῦχοι oon und doooos die neuAesch. Agam. 141, der Sophocl. fragm. 962 μητέρες αἶγές τ ̓ ἐπιμαστίδιον γόνον ὀρταλίχων ἀναφαίνοιεν, wozu man die von Dindorf beigebrachten stellen aus Eustathius nehme. ψάκαλου von ψακάς, und der than kann auch die lanugo an thieren oder früchten sein, finn. utu ros und pluma mollissima.
  19. ↑ goth. divan und daunan, altn. deyja; goth. sviltan, alts. sueltan, ahd. sterpan, nhd. sterben; goth. usanan =- expirare, ausathmen, spiritum effundere, ebullire animam.
  20. ↑ ehr eigen heiszt den Basken die lebendige ziege auntza, die todte auntzquia.