GDSG/Skythien
Die untersuchung hat schon so oft in das dunklere alterthum greifen müssen, dasz sie nicht umhin kann nach Asien zurück zu gehn. zwischen beiden welttheilen knüpft aber Skythien ein festes band und auf einen richtigen begrif von Skythien und seinen bewohnern haben wir vor allem das augenmerk zu richten.
Den Griechen war Skythien gleich Gallien oder Galatien ein ferngerücktes unbestimmtes reich; wie unter Galatern oder Kelten auch die Germanen, begriffen sie unter Skythen wiederum Germanen, Sarmaten und andere weiter im nordost gelegene völker. hinter Thrakien, jenseits der Donau begann Skythenland und reichte in ungemessene weite.
Von getischer und thrakischer sprache ist gewissermaszen skythische untrennbar und schon Herodot verflicht das alterthum dieser völker. Lucian mag bei solchen unterschieden nicht der vorsichtigste und gewissenhafteste sein, doch waren ihm Anacharsis und Toxaris fest überliefert.[1] in zwei dialogen stellt er sie als landsleute (όμo γλώσσους, ὁμοφώνους) auf, die σκυθιστί sich unterreden und beide an Zalmoxis und Acinaces glauben; nach dem concil. deor. 9 sind es Skythen und Geten die Zalmoxis vergöttern, während im dialog. verae hist. 17 Anacharsis als Skytha, Toxaris als Thrax erscheint, und im Jupiter tragoed. 42 Skythen dem Acinaces, Thraker dem Zalmoxes opfern.
Strabo, wie wir oben sahen, läszt Skythien zwischen dem Tanais und Rhein sich erstrecken, Tacitus nennt es nicht einmal in der Germania, ann. 2, 65 verbindet er Bastarnas Scythasque. Ptolemaeus, der Sarmatien unmäszig dehnt bis nach Asien, schiebt Skythien mehr aus Europa fort. aber noch die jüngeren historiker erkennen europäisches
- ↑ Anacharsis Scytha bei Herodot 4, 46. 76, bei Strabo s. 303, in Plutarchs symposium septem sapientum cap. 3 und im prolog des dritten buchs von Phaedrus fabeln. man nimmt an, dasz er ol. 47 (592 vor Chr.) nach Griechenland kam.