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GDSG/Vorrede zur ersten Auflage

aus AufEinWort, der freien Forschung

So hat es mich denn betroffen, wie Adelung (dem ich fast nie nacheiferte) gegen seines lebens. ende eine geschichte der deutschen sprache abfaszte, dasz auch ich meine grammatik feiern lassend vor dem beginn des angekündigten wörterbuchs ein solches werk, freilich in anderm sinn aufgenommen und ausgeführt an das licht gebe. Als ich in unsrer academie über den bei neueren schriftstellern ohne hinreichenden grund verworfnen namen Jornandes zu lesen unternahm und mir fast alle blätter dieses geschichtschreibers seine ansicht von Gothen und Geten vor das auge führten, lag es nahe einmal darauf einzugehn. Es gibt alte durch die historische critik in acht und bann gethane meldungen, deren untilgbarer grund sich immer wieder luft macht, wie man sagt dasz versunkne schätze nachblühen und von zeit zu zeit im schosz der erde aufwärts rücken, damit sie endlich noch gehoben werden. seine hand davon ab lasse wer der lösenden worte unkundig ist. Mir begann einzuleuchten, wenn die namens form Jornandes durch sich selbst, dem beglaubigten Jordanes der handschriften zum trotz haltbar bleibe, müsse noch vielmehr die innere wahrscheinlichkeit des geleugneten zusammenhangs unserer Gothen mit älteren Geten über lähmende zweifel siegen und gegen den sie uns eine weile lang verleidenden machtspruch aufrecht bestehn. Bald aber regte sich lust in mir die flüchtig niedergeschriebne und schon lebhaft angefochtne abhandlung (obgleich sie noch nicht einmal ausgegeben, vorläufig nur an freunde und bekannte vertheilt ist) zu einem bedächtigen buch umzuarbeiten, in welchem die geschichte aller deutschen völker, nicht blosz der Gothen, tiefer als es bisher geschah getränkt werden sollte aus dem quell unsrer sprache, den zwar die historiker als ausstattung ihres gartens gelten lassen, dem sie doch kaum zutreten um die lippe daran zu netzen.

Jede wissenschaft hat ihre natürlichen grenzen, die aber selten dem auge so einfach vorliegen, wie das stromgebiet des bachs, in dessen mitte nach unsern weisthümern ein schneidendes schwert gesteckt wird, damit das wasser zu beiden seiten abfliesze. willige forscher sollen also den verschlungenen pfaden folgen und bald leichteres bald schwereres geschühe anlegen, um sie betreten zu können. Wer nichts wagt gewinnt nichts und man darf mitten unter dem greifen nach der neuen frucht auch den mut des fehlens haben. aus dem dunkel bricht das licht hervor und der vorschreitende tag pflegt sich auf seine zehen zu stellen. von der groszen heerstrasze abwärts liebe ich es durch enge kornfelder zu wandeln und ein verkrochenes wiesenblümchen zu brechen, nach dem andere sich nicht niederbücken würden.

Wage ich nun allzuviel? meine gleichsetzung der Gothen und Geten war an sich nicht kühner, als dasz ich in unserm hielt die gothische reduplication haihald, oder in dem Wunsch der dichter des dreizehnten jahrhunderts den heidnischen Wuotan wieder erkannt habe, und weite folgerungen greifen aus dem einen wie dem andern. jene reduplication erzeigt sich als zweite stufe und wiedergeburt einer grammatischen form, sie läszt eine ältere ihr vorangegangne, den lateinischen und griechischen reduplicierenden wörtern entsprechende ahnen. barg sich aber deutliche spur des heidenthums, nachdem es schon lange getilgt war, unerkannt noch in der poesie einer späteren zeit, so musz es früher breite, ja allgemeine wurzel geschlagen haben. Nicht anders scheint der Gothen volksname aufzugehn in den der Geten und damit plötzlich unsrer geschichte ein reicher hintergrund eröfnet, der uns die abkunft der Deutschen aus dem osten anschaulicher als es sonst geschah gewahren läfst.

Die bisher geltende ansicht kann sich nicht entbinden davon, dasz Geten und Daken bei den Römern als ungermanisch erscheinen, sie erblickt in der seit dem vierten jahrhundert vorbrechenden vermengung der Geten und Gothen bloszen irthum und in der namen ähnlichkeit höchstens spiel des zufalls. Nothwendigen zusammenhang zwischen Geten und Germanen, wie sie bereits Strabo, Plinius, Tacitus darstellen, erweisen aber bedeutsam die Bastarnen, Peukinen und Lygier, vielleicht auch Roxolanen; jener irthum nähert sich einer historischen wahrheit, jenes ähnliche wird zum grammatisch gleichen.

Wie mag hierwider der einwand bestehn, dasz kein fortgang sei von gebildeten Geten zu wilden Teutonen, zu wandernden Sueven, von halbchristlichen Gothen zu rohen Scandinaven? auch nicht ein einziges dieser beiwörter als bezeichnung eines wirklichen unterscheidenden umstandes lasse ich mir gefallen. Für der Geten wildheit hat Ovid nicht ausdrücke genug zu einer zeit, wo die Römer schon mehr als einen maszstab ansetzen konnten an die barbarei, aber auch vorragende tugend der Germanen. will denn immer der wahn nicht schwinden von der roheit eines volks, dessen sprache uns vollendeter scheinen musz als die seiner nachkommen und welchem sattsame zeugnisse althergebrachten glauben und festbewahrte einrichtungen beizulegen gestatten wie nöthigen? was für einen sinn überhaupt haben soll die aus ihrer sprache unwiderlegbar hervorgehende abkunft indogermanischer stämme, sobald wir den auszöglingen nicht auch anhaltende, wenn schon geschwächte theilnahme an der cultur und sittigung ihrer heimat einräumen? Die sicher schon vor ihrer bekehrung für alles menschlich bildende empfänglichen Gothen erst von der Weichsel und Ostsee herzuleiten fruchtet gar nichts, indem es nur die frage zurückschiebt, von wannen und zu welcher zeit sie in jene gegenden vorgedrungen seien? musz eine antwort darauf doch wieder nach dem osten hinweisen, so gelangt man unvermeidlich zu dem standpunct, welchem ausgewichen werden sollte und die wege werden sich dennoch berühren mit denen, die einfach von Geten zu Gothen führen. war nun die wilde natur in den Geten unbändig wie in Teutonen und Scandinaven, der wandertrieb nicht unmächtiger in Sueven als in Gothen oder jedem andern deutschen volk; so sehe ich gar keine ursache die erfolge der untersuchung von ganz allgemeinen und im grunde nichts sagenden einwürfen abhängig zu machen. mir wiegt ein kleiner fund, und sei dessen beweiskraft noch so geringfügig, fern vorüberziehende wolken solcher zweifel auf.

Waitz hält mir vor, der Geten deutsche abstammung sei neulich erst von Wirth und fast mit bessern gründen behauptet worden. ich kann mich des zusammentreffens mit jedem unabhängigen forscher nur erfreuen, bin aber gerade durch jenen ausspruch zu dem vorsatz bewogen worden, das wirthische buch jetzt noch ungelesen zu lassen, um meiner ansicht ihren vollen freien lauf zu bewahren.

Das gelehrteste was, meines erachtens, gegen diese bis jetzt vorgebracht worden ist, findet sich, wo man es gar nicht suchen sollte, in Cassels magyarischen alterthümern, deren verfasser auch die schöne entdeckung gemacht hat, dasz Jornandes bischof von Croton war. glaubt groszes gewicht legen zu müssen auf die stellen des Stephanus von Byzanz, welcher ich cap. XXX gedenke. über diesen schriftsteller haben wir aber nunmehr den belehrenden untersuchungen Meinekes entgegenzusehn, der so viel ich weisz, ihn bereits in das dritte jahrhundert zu versetzen, jedoch in allem was uns von seinem werke übrig bleibt verschiedenartige einschaltungen, nicht allein von Hermolaus zu Justinians zeit, sondern noch viel spätere anzunehmen geneigt ist. dem gewicht der stellen des Stephanus wird also auf der einen seite zugefügt, auf der andern dürfen abgezogen werden. Einiges von dem, was ich von Cassels untersuchungen glaube in meinen vortheil verwenden zu können, musz ich hier unerwogen lassen. Über Krito (s. 816) ist eine glosse zu Lucians Icaromenippus cap. 16. (ed. bipont. 7, 25) einzusehn, welche ihn nach Trajan zu setzen zwingt und der angeblichen vernichtung der Geten bis auf vierzig männer unter diesem kaiser fast wie Eutropius (s. 181) gedenkt.

Ich habe auch über andere völker des deutschen alterthums ansichten aufgestellt, die keinen geringern anstosz geben werden als die behauptete gleichheit der Geten und Gothen. dahin rechne ich die mir glaublich gewordne herleitung des namens der Franken aus der waffe und der Sueven aus der slavischen sprache, die angenommne verwandtschaft zwischen Lygiern und Burgunden, Mattiakern und Nassauern, Eudosen und Jüten, welche letztere in unsrer gegenwart lebhaften einspruch dänischer gelehrten hervorrufen wird, die mir, was sie auch davon denken, doch die gerechtigkeit widerfahren lassen müssen, dasz ich das alterthum und den ruhm ihres volks nicht herabzusetzen, sondern zu erhöhen gestrebt habe, indem ich ihn mit dem aller übrigen Deutschen enger als bisher geschehn ist zu verknüpfen trachte.

Die älteste geschichte der Deutschen und Slaven, deren geschicke sich von jeher eng berührten, ist durch zwei gleichzeitig erschienene werke wahrhaft bereichert und, wie niemand verkennen kann, fruchtbar gefördert worden. Bei Zeusz verdient die fast vollständige, reinliche und kritische quellenangabe uneingeschränktestes lob und man lernt aus dem buche, wo man es nur aufschlägt; eine neue ausgabe würde zeigen dasz dem der schon viel hat immer noch mehr verliehen wird, weil reichthum dahin flieszt, wo schon alle behälter offen stehn ihn in sich aufzunehmen. mir scheint der gehandhabte unterschied zwischen alterthum der völker und ihrer umgestaltung auf die klarheit der dadurch zerrissenen verhältnisse ungünstig einzuflieszen; schon das frühste alterthum war umgestaltend und die umgestaltungen sind meistentheils auch alt. für Ptolemäus, dessen angaben ihren groszen werth behalten und noch zu wichtigen entdeckungen leiten werden, aber aus der lebendigen geschichte der völker nicht entsprungen sind [Haupt 7, 3×4. 9, 231. 232], hegt der verfasser all zu starke vorliebe. Schafariks gelehrte und scharfsinnige arbeit tritt ihrer richtung nach der meinigen völlig entgegen, insofern er die seither fast allgemein zugestandne identität der Sarmaten und Slaven leugnen will, ich die geleugnete der Geten und Gothen wieder zu gestehe. mir sind die Sarmaten so wenig auf dem boden verschwunden als die Geten, Markomannen, Lygier, Chauken und Cherusker. rend ich das verhältnis zwischen Germanen und Thrakern in der geschichte wieder anzufachen strebe, folgt der belesene Böhme dem geleise unserer historiker und sucht, wie diese den deutschen stamm von allen andern absondern und beinahe als einen autochthonischen aufstellen, auch den slavischen von uralter zeit an eigenmächtig und ungemischt zu schildern. wider alle verwandtschaft der Litthauer mit Thraken und Geten drückt er sich aufs stärkste aus[1]; doch seltsam erdacht kann es nicht heiszen, wenn wir in der geringen zahl überlieferter dakischer wörter gleich einem zur litthauischen sprache entschieden stimmenden begegnen, also die zwischen litthauischer und deutscher zunge, anderwärts noch mehr die zwischen slavischer und deutscher waltende berührung schon im hohen alterthum zwischen Sarmaten und Geten auf dem bisher dunkeln thrakischen gebiet mannigfach bestätigt sehn. dasz sarmatische an medische wörter gemahnen darf nicht verwundern.

Ukerts schriften über Germanien und Skythien sammeln dankens werthen stof, nur dasz ihnen meistentheils die kunst critischer scheidung und fast aller leim schöpferischer combination entgeht.

Keltische etymologie wird in unsern tagen wieder mit neuer vorliebe getrieben, aber von jeher folgt ihr das unheil, dasz bei der ungemeinen leichtigkeit der zusammensetzungen und des consonantwechsels in diesen sprachen die forscher auf gefährliche abwege verleitet werden und nachdem sie sich eben mühsam glauben bereitet hatten alsobald ihn neuerdings verscherzen; dies sei weniger gesagt gegen Leo, dessen dreiste auslegung der malbergischen glosse mich hin und her bewegt hatte, als gegen Hermann Müller, der begabt schien in die verhältnisse unsrer vorzeit einzudringen, allein durch maszlose, ungeregelte wortdeutungen (während die von Leo wolthätig sich eine regel bildeten) und was daraus nun gefolgert wird seine gabe selbst zu grunde richtet. sogar vorsichtige prüfer unsers alterthums, wie Heinrich Schreiber, können sich der keltischen einwirkungen nicht erwehren und lassen ohne scheu dem einheimischen das fremde überwiegen.

Sprachforschung der ich anhänge und von der ich ausgehe, hat mich doch nie in der weise befriedigen können, dasz ich nicht immer gern von den wörtern zu den sachen gelangt wäre; ich wollte nicht blosz häuser bauen sondern auch darin wohnen. mir kam es versuchenswerth vor, ob nicht der geschichte unsers volks das bett von der sprache her stärker aufgeschüttelt werden könnte, und wie bei etymologien manchmal laienkenntnis fruchtet, umgekehrt auch die geschichte aus dem unschuldigeren standpunct der sprache gewinn entnehmen sollte.

Wol empfinde ich, dasz das buch, weil es meiner angewöhnung nach, vor dem anheben des drucks nur begonnen, nicht vollendet war, hin und wieder an seinem ebenmasz eingebüszt hat, namentlich ist das neunzehnte capitel keineswegs mit der ausführlichkeit behandelt, die ich ihm hätte angedeihen lassen, wäre ich nicht damals darauf bedacht gewesen mir engere grenzen abzustecken. im verlauf schöpfte die arbeit hernach wieder freieren athem.

Bedarf nächstdem noch etwas anderes ausdrücklicher entschuldigung so ist es das wagnis deutsche und europäische völkernamen geradezu nicht allein mit skythischen, sondern auch tiefasiatischen zu verbinden. zwar mag ein solcher zusammenhang an sich unverwerflich scheinen; man wird ihn weder für bewiesen, noch einmal für glaubhaft halten, so lange nicht eine kette von mittelgliedern aufgefunden ist, deren ringe jetzt noch einzeln und lückenhaft vortreten. es pflegt enge gemeinschaft aller indogermanischen sprachen bis in eine grosze zahl von wurzeln und gestalten der wörter zugestanden zu sein; ich sehe keinen grund volksnamen von dieser reihe auszuschlieszen und nicht auch ihnen uralte und zähe überlieferung zuzutrauen. Gewis aber habe ich vielfach unterlassen manches von dem geltend zu machen, was schon gegenwärtig diese vergleichungen ins licht zu setzen geeignet ist. Dürfen die asiatischen Massagetae und Dahae den thrakischen Geten und Daken an die seite gestellt werden, wer wollte vor einer gemeinschaft der Sacae und Tectosagen (in welchem namen selbst Dacosacae anklingen könnte) erschrecken ? Gedrosien, Σατταγύδαι würden mahnen an die thrakischen Gaudae, in welchen wir nordische Gautar, wie in den Saken Sachsen, in den Daken Dänen wiederfinden. es kommt doch der Daken und Dänen namensgleichheit seltsam zu statten, dasz die indischen Asuren nach ihrer stammutter Danu Dânavas heiszen (s. 734), Danu aber tochter des Dakschus ist (Bopps gloss. 167), hier also beide formen wiederum neben einander stehn. Die geschichte der Skythen kann noch manchen hier einschlagenden räthseln gewachsen sein; hat nicht der name Xvéyxızoayz in Lucians Alexander auffallend deutsches ansehn? [s. varianten in Bekkers ausg. 2, 88.]

Doch ich darf nicht auf gegenstände zurückkommen, die im buche selbst mehrmals angeregt, lange nicht erschöpft wurden. es mag manchem zweifelhaft erscheinen, ob sie in diese geschichte überhaupt gehören, deren begrif gleichwol von mir nirgend so eingeschränkt worden ist, dasz ich jenen weiten gesichtspunct von ihr auszuschlieszen brauchte. man kann sich von dreien aus eine geschichte der deutschen sprache behandelt denken.

Im engsten sinn wäre sie nur auf das, was wir heute in Deutschland herschende sprache nennen, auf die hochdeutsche angewiesen, deren gegenwärtige erscheinungen sie nicht nur vollständig zur schau bringen, sondern auch, soweit die quellen reichen, aus allen frühern grundlagen erläutern würde. solch eine noch lange nicht einmal angemessen begonnene, geschweige gelöste arbeit könnte nicht anders als zu bedeutenden ergebnissen führen, welchen sogar die enggesteckte, darum leichter zu erfüllende schranke zu statten käme. Es war längst mein vorsatz, die regel neuhochdeutscher, d. h. der ganz in unsre gegenwart gerückten deutschen sprache vollständig und überall au die geschichte gestützt hinzustellen, ich weisz aber nicht, ob es mir vergönnt sein wird hand an ein werk zu legen, das, wenn es gelänge, einer reinlich und scharf umrissenen zeichnung grau in grau sich vergleichen könnte.

Höhere färbung empfangen würde eine geschichte der deutschen sprache, welche diesen ausdruck in seiner allgemein umfassenden bedeutung genommen, deren wir bedürfen, auf alle einzelnen zweige des groszen stamms gerichtet wäre und sich dadurch hellere lichter, so wie stärkere schatten zu wege bringen könnte. aus der wechselseitigen zuneigung oder dem abstand dieser deutschen sprachen müste ein lebendiges gemählde entspringen, das in streng entworfnen und günstig beleuchteten gestalten jedes verhältnis unserer sprachverastung überschauen liesze. nach solcher richtung hin ist meine grammatik ausgearbeitet, welche den übergroszen reichthum zu bewältigen angefangen hat, aber ihr ziel, je mehr sie ihm auch zu nahen wähnt, immer noch in ungemessene weite sich entrückt wahrnimmt.

Wie nicht sicherheit, allein fülle und gewicht der sprachgesetze durch aufnahme aller mundarten und dialecte in den kreis der untersuchung sich steigern, musz es diese noch in höherm grade fördern, wenn auch die sprachen der uns benachbarten und urverwandten völker zugezogen werden. erst damit erlangt jenes bild, in welchem uns sämtliche deutsche sprachen die vordere bühne einnehmen, seinen grund für die in der tiefe aufgestellten ausländischen und eine rechte perspective thut sich unsern blicken auf. von solchem stand habe ich mich nicht enthalten können diesmal die geschichte unserer sprache zu unternehmen, und ihr wenigstens eine reihe von wechselnden aussichten zu eröfnen, im bessern fall haltpuncte zu gewinnen, an welchen fortgesetzte untersuchungen haften und indem sie auswüchsiges wieder abstreifen aller wahren fortschritte sich bemächtigen können. Es scheint mir insgemein eine löbliche eigenschaft deutscher arbeiten, dasz sie nicht alles abthun noch vorschnell zu schlusse bringen wollen, sondern sich auch unterwegs gefallen, an unvorhergesehner stelle niederlassen und beete anlegen, die noch fortgrünen nachdem das hauptfeld schon in rüstigere hände übergegangen ist; französische und selbst englische bücher, welchen an sorgsamer ausgleichung des inhalts mit der form allzuviel liegt, pflegen, wenn sie veralten, leicht entbehrlich zu werden.

Ich arbeite zwar mit ungeschwächter innerer lust, aber ganz einsam, und vernehme weder beifall noch tadel sogar von denen die mir am nächsten stehend mich am sichersten beurtheilen können. ist das nicht ein drohendes zeichen des stillstands oder gar der abnahme gemeinsam sonst froh gepflogner forschungen, für die fast kein ende abzusehen schien? was ich zujüngst in der deutschen grammatik geleistet habe und der gröszten erweiterung allenthalben fähig wäre, ist nur lässig und kalt aufgenommen und von keinem fort geführt worden; darum versuche ich in vorliegendem werk schwierige hauptstücke dieses fachs, wie sie mir bei wiederholtem nachsinnen sich gestalten, neuerdings auf die bahn zu bringen. mein capitel XXXV lehrt augenscheinlich, dasz man bei den wörtern auch ohne die sachen nicht abkomme.

Berlin 7. merz 1848.

  1. ↑ s. 363: nechtjce sem tahati některé diwcké wýmyslky a sny star-jeh čmarykařuw powozugjcich Litwany gindy od Getůw a Thrakúw. [Schafarik stellt die Asen den Alanen gleich und hält das asische für ein undeutsches medisches element.]