GULR/Latinum

Latium war die Provinz, Rom die Stadt, wo die lateinische Sprache sich vorzugsweise ausbildete. Auf Berge, Flüsse, Orte und Völker dieses Landstriches müssen wir daher besonders unsere Aufmerksamkeit richten. Hier wohnten Volsci, Hernici, Rutuli, am allerfrühesten Siculi, dann Aborigines und Latini. Zuerst wollen wir hier auch die nicht lateinischen Völker anführen: Volker sind schon früher als Ausoner erwähnt und das Wort Volsci mag wohl Volk und Völker heissen. Die Herniker, ein kriegerisches Volk, bewohnten ein bergiges und steiniges Land, und sollen, da Herna im Marsischen und Sabinischen Felsen bedeutet, davon den Namen bekommen haben. Dass es ferner auch im südlichen Deutschland Berge und Felsen bedeutet, ist schon angeführt und es wäre sonach der Name germanischen Ursprungs. Die Rutuli konnten, da rutulus: röthlich[1] heisst, ihren Namen von dem röthlichen Haare haben, wo dann Name und Natur des Volkes auf das Germanische deuteten. Einer ihrer Könige heisst Turnus. Nun heisst torna Schwedisch, turna Isländisch, streiten, fechten, und Turnus hiesse somit kriegerisch, wie er auch in den Erzählungen und Dichtungen der Alten erscheint. Von Kriegs- und Siegsthaten entlehnten aber vorzüglich die alten Germanen ihre Namen, wie Herrmann, Siegesmund etc. Auch heisst im Keltischen teyrn König, tegrnas das Reich, die Herrschaft. Im alten Isländischen ist stiori Fürst, stiorna regieren, so dass denn Turnus nur Appellatio wäre und König bedeutete. Die Rutuli sind zwar keine Lateiner, doch wenigstens nach Dichtern nahe mit ihnen verwandt. Virgil. Aen. 12, 40. Quid consanguinci Rutuli, quid cacetera dicet Italia?[2]
Ihre Hauptstadt ist Ardea, 'Αρδεα, vielleicht Erde, Land, welches oft die Bedeutung Besitzthum, Grundstück hat.