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Gas

aus AufEinWort, der freien Forschung

Gas | n. unsichtbarer Stoff in einem der Luft ähnlichen Aggregatzustand.

Gelehrte Wortschöpfung des Brüsseler Arztes und Chemikers van Helmont (1. Hälfte 17. Jh.) für den ‘durch Kälte erzeugten Wasserdunst’ im Unterschied zu dem ‘durch Wärme hervorgerufenen Dampf’, dann auf jede andere ‘Gas-, Luftart’ ausgedehnt, die von der atmosphärischen Luft unterschieden wird.

Die Wortschöpfung ist vielleicht beeinflußt durch frz. gaze ‘Gaze’, eine gerade in Mode gekommene neue Stoffart (s. Gaze). Möglicherweise auch durch nl. geest „Atem, Dampf, Geist“ beeinflußt.

Sie erfolgt in Anlehnung an griech. cháos (χάος) ‘rohe, gestaltlose Masse, aus der das Weltall geschaffen ist, leerer Raum, Luftraum’, anknüpfend an Paracelsus, der Chaos für den ‘luftförmigen, subtilen Dampf’, auch allgemein für ‘Luft’ verwendet. Anlautendes g klingt nach nl. Aussprache dem Reibelaut ch sehr ähnlich. 

Gas bleibt vorerst auf die Fachsprache der Chemie beschränkt, erst mit dem Aufkommen der Gasbeleuchtung und den gleichzeitig beginnenden Ballonfahrten gegen Ende des 18. Jhs. wird das Wort allgemein bekannt. Adelung (1796) lehnt das „barbarische“ Wort ab, Campe (1801) schlägt dafür Dunstluft oder Luftgeist vor.

Die Herkunft des Wortes Gas war lange Zeit unklar.[1][2][3] Zwar war mehr oder weniger bekannt, dass das Wort als Fachbegriff im 17. Jahrhundert durch den flämischen Arzt und Naturforscher Johan Baptista van Helmont († 1644) in Brüssel eingeführt wurde, über die Etymologie bestand jedoch Unsicherheit, und es wurde Herkunft u. a. aus dem Hebräischen, aus niederl.geest („Geist“), aus niederl. gisten („gären“) oder aus deutsch gäsen (bei Paracelsus für „gären“), gäscht („Schaum“ auf gärender Flüssigkeit) vermutet. Die Klärung wurde 1859 durch den Sprachwissenschaftler Matthias de Vries herbeigeführt,[2] der eine Aussage aus van Helmonts Ortus Medicinae (Amsterdam 1648) beibrachte, wonach dieser das Wort speziell für den durch Kälte entstandenen Dunst des Wassers bewusst neugeschaffen und hierbei eine Anlehnung an das griechische, im Niederländischen sehr ähnlich ausgesprochene Wort χάος („Chaos“) bezweckt hatte: „ideo paradoxi licentia, in nominis egestate, halitum illum gas vocavi, non longe a chao veterum secretum“ („In Ermangelung eines Namens habe ich mir die Freiheit zum Ungewöhnlichen genommen, diesen Hauch Gas zu nennen, da er sich vom Chaos der Alten nur wenig unterscheidet.“).