▷ Eine andere Auffassung vom Intelligiblen vertrat Platons Schüler
Aristoteles, der eine eigenständige Existenz der Ideen verwarf und daher das Verhältnis zwischen Erkennendem und Erkanntem anders bestimmte als sein Lehrer (ohne Rückgriff auf
Transzendenz). Nach seiner Lehre weist alles Seiende eine intelligible Form
(noētón eídos) auf, die ein für das Denken erfassbares Prinzip darstellt. Das Denken erfasst das in den Sinnesobjekten vorhandene intelligible Allgemeine, indem die denkende Geistseele
(psychḗ noētikḗ) sich dem Objekt, dem sie sich zuwendet, angleicht. Der Geist (Nous) bzw. die Geistseele ist der Möglichkeit nach alle Dinge; indem diese Möglichkeit (Potenz) in Bezug auf ein bestimmtes Ding in Wirklichkeit (
Akt) überführt wird, vollzieht sich die
Erkenntnis dieses Dings. Darauf beruht die Intelligibilität der Dinge.