Geschichtsbild
Geschicht-s-Bild deu. 'Bild der/einer Geschichte'
Unter einem Geschichtsbild versteht man im Allgemeinen die Summe der geschichtlichen Vorstellungen eines Menschen oder einer Gruppe. Je weniger Wissen, desto mehr Fantasie bestimmt das jeweilige Geschichtsbild. Es ist Teil des umfassenderen Weltbild eines Menschen oder der Gruppe. Unter Geschichtsbild wird einerseits ein genereller Blickwinkel auf geschichtliches Geschehen in der Art eines Paradigma verstanden (siehe Abschnitt Geschichtsbilder), anderseits aber auch die (zeitbedingte und daher auch Änderungen unterliegende) Interpretation bestimmter Ereignisse und Personen, vor allem mit dem Zweck politischer Instrumentalisierung im Sinne von Geschichtspolitik (siehe Abschnitt Wirkungen des Geschichtsbildes).
Daneben gibt es aber auch den Wortsinn Bild aus der Geschichte über die Geschichte. Davon handelt der Abschnitt Geschichtsbild (konkret). Zu unterscheiden ist zwischen Geschichtsbildern und der historischen Forschung. Erstere sind mittlerweile selbst Forschungsgegenstand der Geschichtswissenschaft.

Im Unterschied zur Historienmalerei, die im Nachhinein Bilder zur Geschichte erstellt, die dem eigenen Geschichtsbild(im übertragenen Sinne) entsprechen, gibt es auch Bilder, die geschichtliche Zustände und Vorgänge ihrer Zeitdarstellen. Das vielleicht berühmteste Geschichtsbild in diesem Sinne ist der Teppich von Bayeux, der die Schlacht von Hastings darstellt. Noch realistischer sind die Darstellungen auf römischen Triumphbögen und -säulen. Doch bereits Ägypter und Assyrer haben Kämpfe ihrer Zeit bildlich dargestellt.
Aus dem Mittelalter sind die Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren und die Illustrationen zum Konstanzer Konzil von Ulrich von Richental zu nennen.
Auch bei „zeitnahen“ Bildern spielt freilich die Darstellungsabsicht immer eine wichtige Rolle. Dies kann zum Beispiel die Darstellung der Machtentfaltung sein – so etwa bei den assyrischen oder babylonischen Darstellungen ihrer siegreichen Könige. Ein anderes Beispiel, das gerne zitiert wird, ist die Kaiserproklamation von Versailles. Davon gibt es mehrere Versionen und interessanterweise ist die Version, in der Bismarck in den Mittelpunkt gerückt wurde, die bekannteste. Diese Version hat Kaiser Wilhelm I. selbst in Auftrag gegeben, um sie Bismarck zum Geburtstag zu schenken. Fotos sind auch Gegenstand von Veränderungen in der Darstellung. Ein gutes Beispiel aus dem 20. Jahrhundert ist die Fälschung von Fotos durch Retuschieren zur damnatio memoriae von Gegnern Stalins.
- Geschichtsbewusstsein
- Geschichtsdidaktik
- Geschichtsphilosophie
- Gemeinsame Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen (seit 1997)
- Marko Demantowsky: Geschichtsbild. In: Ulrich Mayer, Hans-Jürgen Pandel, Gerhard Schneider, Bernd Schönemann (Hrsg.): Wörterbuch Geschichtsdidaktik. Wochenschau, Schwalbach am Taunus 2006, ISBN 3-89974-257-5, S. 70 f., online: https://hcommons.org/deposits/item/hc:23935.
- Karl-Ernst Jeismann: Geschichtsbilder. Zeitdeutung und Zukunftsperspektive. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. 52. Jg., Nr. 51–52, 2002, S. 13–22 (online).
- Christina Jostkleigrewe, Christian Klein, Kathrin Prietzel, Peter F. Saeverin, Holger Südkamp (Hrsg.): Geschichtsbilder. Konstruktion – Reflexion – Transformation (= Europäische Geschichtsdarstellungen. Bd. 7). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2005, ISBN 3-412-26605-1.
- Gerhard Schneider: Geschichtsbild. In: Klaus Bergmann, Klaus Fröhlich, Annette Kuhn, Jörn Rüsen, Gerhard Schneider (Hrsg.): Handbuch der Geschichtsdidaktik. 5. Auflage. Kallmeyer, Seelze-Velber 1997, ISBN 3-7800-4920-1, S. 290–293.