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Gespräch:Vorlage der Viereinheit

aus AufEinWort, der freien Forschung

Kennung 20250716?

Über diese Seite Gespräch

10:15 Uhr

1. Teil:

Nikolaos

Danke, ich wußte nicht wie man im Mittelalter deratige Schemata gestaltet und ich mußte diese Frage klären um den nächsten Schrit zu gehen.

Sagen wir A steht für Gott, B für Vater, C für Sohn und D für heiliger Geist, dann haben wir folgende Logikaussagen

(A ≡ B ∧ A ≡ C ∧ A ≡ D) ∧ (B ≢ C ≢ D)

Richtig? stellt man diese Aussagen so dar? Ich habe absichtlich anstelle von = (ist gleich) das Zeichen für "ist" genommen.


Sophos

  • Der Benutzer fragt nach einer logischen Formulierung. In ihrer Darstellung verwenden sie den Operator "≡" (logische Äquivalenz), aber dieser ist hier nicht ganz korrekt. Besser wäre es, die Identität oder Gleichheitsprädikate zu verwenden: A = B ∧ A = C ∧ A = D ∧ B ≠ C ∧ B ≠ D ∧ C ≠ D. Die Formulierung „B ≢ C ≢ D“ ist unklar, da die Paarung von Ungleichheit explizit formuliert werden muss. Die Verwendung der Äquivalenzrelation erfordert Symmetrie.
  • Fertig

Genau so – im Kern drückt man in der klassischen Prädikatenlogik einfach Identität und Nicht-Identität aus. Dein A, B, C, D stehen für je eine individuelle Entität. Die korrekte formale Darstellung lautet:

A = B ∧ A = C ∧ A = D  

∧  

B ≠ C ∧ B ≠ D ∧ C ≠ D

Erläuterungen:

  1. Identität („ist“) Verwende hier das Gleichheitszeichen „=“ statt „≡“, da „≡“ oft für logische Äquivalenz von Formeln steht.
    • A = B („Gott ist Vater“)
    • A = C („Gott ist Sohn“)
    • A = D („Gott ist Heiliger Geist“)
  2. Nicht-Identität („ist nicht“) Man muss die drei Personen paarweise unterscheiden:
    • B ≠ C („Vater ≠ Sohn“)
    • B ≠ D („Vater ≠ Heiliger Geist“)
    • C ≠ D („Sohn ≠ Heiliger Geist“) Der verkürzte Kettenschreibweise B ≢ C ≢ D wäre mehrdeutig, da sie nicht klar macht, ob z. B. auch B ≠ Dimpliziert.
  3. Kombination Alles zusammen in einer einzigen Aussage: (A = B ∧ A = C ∧ A = D) ∧ (B ≠ C ∧ B ≠ D ∧ C ≠ D)

Damit ist formal exakt festgehalten, dass es eine göttliche Substanz (A) ist, die zugleich Vater, Sohn und Heiliger Geist ist, diese drei jedoch unterscheidbar bleiben.

— Möchtest Du das noch in einem strengeren Prädikaten- oder Mengenkalkül sehen, oder genügt Dir diese „naheliegende“ Identitäts-Notation?


Gleichheitszeichen oder Istzeichen

Nikolaos

Nun meine Darlegung unterscheidet sich letztlich nur durch Istzeichen zu Gleichheitszeichen. Für mit ist deine Logikaussage eine andere als meine, Es sit nirgends in einem der Originale der Theologen "equalis" oder "aequus este".


Sophos

  • Die Unterscheidung zwischen Identität und Prädikation ist hier entscheidend. In der Theologie wird „est“ eher als Prädikat denn als „gleich“ gebraucht. Das Modell, das „Pater ist Gott“ als „Gott(Pater)“ darstellt, ist eine Darstellung der Beziehung und nicht der Identität. In der Prädikatenlogik könnte „Person(p), Substanz(s), hatSubstanz(p,s)“ eine treffendere Sichtweise liefern. Bei theologischen Ontologien geht es also oft um subsistente Relationen innerhalb einer gemeinsamen Substanz, nicht um einfache Identität.
  • Fertig

Du hast völlig recht: Im ursprünglichen „Scutum fidei“ steht nirgendwo „aequalis est“ oder ein explizites „=“, sondern nur das ganz schlichte Prädikat est. Das heißt: Die mittelalterlichen Theologen denken hier nicht in Gleichheitsrelationen (x = y), sondern in Zugehörigkeits- bzw. Prädikations-Aussagen („x ist y“ im Sinne von „x gehört zur Kategorie/Gattung y“ oder „x besitzt die göttliche Substanz“).

Prädikatenlogische Formalisierung

Wir führen

  • eine Substanz-Entität D (Divina Substantia),
  • drei Personen B (Pater), C (Filius), Dg (Spiritus)

und die Relation

  • Instanziiert(P, S): „Person P instanziiert Substanz S“,

sowie die Ungleichheitsrelation

  • P ≠ Q

Dann lautet die Formel: Instanziiert(B, D) ∧ Instanziiert(C, D) ∧ Instanziiert(Dg, D) ∧ B ≠ C ∧ B ≠ Dg ∧ C ≠ Dg

Lesart:

  • „Der Vater gehört zur göttlichen Substanz“ ⇒ Instanziiert(B,D)
  • „Der Sohn gehört zur göttlichen Substanz“ ⇒ Instanziiert(C,D)
  • „Der Heilige Geist gehört zur göttlichen Substanz“ ⇒ Instanziiert(Dg,D)
  • Und zugleich sind Vater, Sohn und Geist paarweise verschieden.

Warum nicht einfach A = B usw.?

  • Ein Gleichheitszeichen würde suggerieren, Person und Substanz seien dieselbe Entität, was theologisch nicht exakt ist: Die drei Personen haben zwar eine göttliche Substanz, sie sind aber nicht identisch miteinander oder mit der Substanz als „Nummer“.
  • Das Prädikat Instanziiert erfasst präzise: jede Person „hat“ oder „ist Träger der“ göttlichen Substanz.

Fazit:

Wenn Du das mittelalterliche „est“ streng nehmen willst, modellierst Du es am besten als Prädikat oder Instanziierungs-Relation, nicht als Identitäts-Symbol „=“.

Möchtest Du das Diagramm nun in dieser Prädikaten-Notation weiter formalisiert sehen?