Glosse
Erscheinungsbild
Glosse f.
‘erklärende Anmerkung, spöttische Randbemerkung’,
- mhd. glōse,
- Seit dem frühen 18. Jh. steht Glosse auch für die ‘mündliche (meist kritische, hämische, spöttische) Bemerkung’.
- Die im 16. Jh. üblichen Formen Glos, Gloß, Glose werden im 17. Jh. allmählich durch an das Lat. angelehntes Glosse verdrängt.
HERKUNFT mittelhochdeutsch glōse < lateinisch glōssa = erläuternde Bemerkung < griechisch glõssa = Zunge, Sprache
Substantiv, f
[✐ | ✎]| Singular | Plural | |
|---|---|---|
| Nominativ | die Glosse | die Glossen |
| Genitiv | der Glosse | der Glossen |
| Dativ | der Glosse | den Glossen |
| Akkusativ | die Glosse | die Glossen |
Worttrennung:
- Glos·se, Plural: Glos·sen
Aussprache:
- IPA: [ˈɡlɔsə], in Bedeutung 2 nach griechisch-lateinischem Vorbild [ˈɡloːsə]
- Hörbeispiele:
Glosse (Info) - Reime: -ɔsə
Bedeutungen:
- [1] kurzer Prosatext, in dem etwas ironisch, satirisch oder witzig kritisiert wird
- [2] Linguistik, Literaturwissenschaft: Anmerkung in alten Handschriften zur Erläuterung schwer verständlicher Ausdrücke
Herkunft:
- mittelhochdeutsch „glōse“, das auf lateinisch glōssa → la und zuvor griechisch γλῶσσα (glōssa☆) → grc „Zunge, Sprache“ zurückgeht. Das Wort ist seit dem 13. Jahrhundert belegt.[1]
Synonyme:
- [2] Glossem
Oberbegriffe:
Unterbegriffe:
Beispiele:
- [1] In vielen Zeitungen findet man Glossen, in denen Spracherscheinungen kritisiert werden.
- [1] „Da lief ich heim, denn ich wollte noch rasch eine Art Glosse für ein Journal schreiben, eigenartigerweise gegen Kartoffel-Chips, für welche ich soeben noch kleine empfehlende Gedichte gemacht hatte.“[2]
- [2] „Glossen nennt man die volkssprachlichen erklärenden Zusätze, und zwar Interlinearglossen, wenn sie zwischen den Zeilen, Rand- oder Marginalglossen, wenn sie an den Rändern stehen, und Kontextglossen, wenn sie in den Text eingefügt werden.“[3]
- [2] „Im frühen Mittelalter finden sich Glossen in althochdeutscher und altsächsischer Sprache in lateinischen Texten, vor allem in biblischen und kirchlichen sowie antiken und spätantiken literarischen Texten. Es sind Verständnishilfen, die Lehrer oder Schüler in lateinische Texte eintrugen, um den Sinn besser erfassen zu können.“[4]
- [2] „Die Anfänge dieser Entwicklung lassen sich bereits in den ältesten überlieferten jiddischen Glossen erkennen.“[5]
- [2] „In dieser Schrift notierten sie ihre deutschen Glossen an den Rand der heiligen Bücher.“[6]
- [2] „An den Rändern hebräisch-aramäischer Bibel- und Talmudkommentare finden sich (ebenfalls in hebräischer Schrift) so genannte Glossen, das heißt Übersetzungen und kurze Erklärungen schwieriger oder wenig bekannter Wörter des Originaltextes in der Umgangssprache.“[7]
Wortbildungen: