Goldener Schnitt/Weitere mathematische Eigenschaften
Der Goldene Schnitt ist als Nullstelle des Polynoms eine algebraische Zahl. Weil das Polynom normiert ist und alle Koeffizienten ganzzahlig sind, ist der Goldene Schnitt sogar eine algebraisch ganze Zahl. Es sei , dann ist eine Körpererweiterung von Grad 2. Damit ist ein quadratischer Zahlkörper. Es ist der reell-quadratische Zahlkörper kleinster Diskriminante, nämlich 5 (der reell-quadratische Zahlkörper mit nächstgrößerer Diskriminante ist mit Diskriminante 8).[1] Es sei der zugehörige Ganzheitsring. Weil ganz ist, gilt , aber mehr als das: Wegen
ist der Goldene Schnitt sogar Einheit des Ganzheitsrings . Sein multiplikativ Inverses ist . Dies lässt sich algebraisch allein durch Kenntnis des Minimalpolynoms zeigen: Jedoch ist der Goldene Schnitt nicht nur eine Einheit des Ganzheitsrings , sondern sogar Fundamentaleinheit des Ganzheitsrings. Das bedeutet, jedes Element aus ist von der Form mit . Darüber hinaus bilden eine -Basis von .[2] Das heißt, jedes Element aus lässt sich eindeutig als mit schreiben. Es bildet auch eine -Basis von . Dabei ist .
Aus lässt sich folgende unendliche Kettenwurzel herleiten:[3]
Setzt man also und mit , so gilt
- .
Hinsichtlich der Konvergenzgeschwindigkeit gilt
- , wobei . Es gilt die exakte Formel
- .
Sie kann auch implizit charakterisiert werden. Es bezeichne die für analytische Funktion, so dass die Differentialgleichung
sowie und erfüllt ist. Dann gilt .[4]
Aus der Trigonometrie folgt unter anderem[3]
und
- ,
sowie
- .
Es ist der volle Spitzwinkel und die Hälfte des stumpfen Außenwinkels des Pentagramms. Gelegentlich wird die Rolle des Goldenen Schnitts für das Fünfeck als vergleichbar bedeutend bezeichnet wie die der Kreiszahl für den Kreis. Ein weiterer Zusammenhang zur Kreiszahl ergibt sich über den Arkustangens, der Umkehrfunktion des Tangens aus der Trigonometrie. Es gilt[5]
- .
Der Goldene Schnitt lässt sich mit Hilfe der Eulerschen Zahl und der hyperbolischen Areasinus-Funktion ausdrücken:
Einsetzen von in die für gültige geometrische Reihenformel ergibt:
- .
Es gilt zudem[3]
- .
Eine weitere Reihe, die den logarithmierten Goldenen Schnitt enthält, beinhaltet die mittleren Binomialkoeffizienten:
- .
Da gleichzeitig auch die Identität
für die nicht alternierende Variante gilt, wird hier eine „Verbindung“ zwischen der Kreiszahl und dem Goldenen Schnitt gesehen.[6]
Eine schnell konvergente Reihe beinhaltet die Fibonacci-Folge:
- .
Es gilt[7]
- ,
- .
Dabei bezeichnet die Eulersche Zahl und die Kreiszahl. Setzt man für
so hat man allgemeiner für mit
- ,
sowie
- .
Diese Entdeckungen gehen auf Srinivasa Ramanujan zurück. Die Funktion wird auch als Rogers-Ramanujan-Kettenbruch bezeichnet und hat Verbindungen zur Theorie der Modulformen.[8]
Definiert man den nächstgelegenen ganzzahligen Kettenbruch (englisch: nearest integer continued fraction) für reelle Zahlen via
über die Rekursion
so können die eventuell negative Zahlen sein. Für die Chintschin-Levy-Konstante gilt in diesem Falle
für alle betroffenen reellen Zahlen bis auf eine Lebesgue-Nullmenge.[9] Das bedeutet, dass alle Zahlen , „bis auf 0 %“ in einem asymptotischen Sinne, diese Gesetzmäßigkeit erfüllen. Ist zudem der (vollständig gekürzte) -te Näherungsbruch dieser Konstruktion, so gilt wieder bis auf Nullmenge[10]
- .
Jede natürliche Zahl lässt sich eindeutig über das Binärsystem durch Nullen und Einsen ausdrücken. Innerhalb einer solchen Darstellung lassen sich nun sog. alternierende Bit-Mengen abzählen, die wie folgt erklärt sind:
- Von links nach rechts wechseln sich in den ausgewählten Positionen die Zahlen 1 und 0 ab.
- Die Zahl ganz zur Linken der ausgewählten Positionen ist 1.
- Die Zahl ganz zur Rechten der ausgewählten Positionen ist 0.
Man bezeichnet die Anzahl der alternierenden Bit-Mengen einer Zahl mit . Es ist zum Beispiel , denn im Binärsystem gilt , und daher sind die möglichen alternierenden Bit-Mengen (aus formalen Gründen inklusive der leeren Menge):
- .
Es bezieht sich z. B. auf . Es entspricht gleichzeitig der Anzahl der Möglichkeiten, als Summe von Zweierpotenzen zu schreiben, ohne dabei eine Potenz mehr als zweimal zu benutzen.[11] Diese zahlentheoretische Funktion hat eine Verbindung zum Goldenen Schnitt, denn es konnte
gezeigt werden. Dabei ist der Limes superior. Ob der innere Wert sogar 1 beträgt, konnte bisher nicht gezeigt werden.[12]
Über die Formel
wird eine direkte Verbindung zur Gammafunktion hergestellt.[13] Dabei ist wie üblich die Kreiszahl. Die Gammafunktion stellt eine Fortsetzung der Fakultätsfunktion auf komplexe Zahlen dar.
Für den Trilogarithmus gilt die Identität
- .
Dabei bezeichnet den Wert der Riemannschen Zeta-Funktion an der Stelle , der auch unter Apéry-Konstante bekannt ist.[14]
- ↑ Frazer Jarvis: Algebraic Number Theory. Springer, S. 131.
- ↑ Jürgen Neukirch: Algebraische Zahlentheorie. Springer, 1992, S. 16.
- ↑ a b c Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 1.2 The Golden Mean, φ, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 7.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, Well-Known Constants, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 8.
- ↑ Alfred Posamentier, Ingmar Lehmann: The Glorious Golden Ratio. Prometheus Books, S. 75.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 1.4.1 Infinite Series, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 20.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 1.2 The Golden Mean, φ, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 7–8.
- ↑ Bruce Berndt: Ramanujan’s Notebook Part III. Springer, S. 83–84.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants, 1.8 Khintchine–Lévy Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications. Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 59–62.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, Well-Known Constants, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 62.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 2.16.3 Alternating Bit Sets, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 148.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 2.16 Stolarsky–Harborth Constant, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 149.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, 1.5.4 Gamma Function, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 33.
- ↑ Steven R. Finch: Mathematical Constants (= Encyclopedia of Mathematics and its Applications, Well-Known Constants, Band 94). Cambridge University Press, 2003, S. 44.