Heraklit Fragment/DK 22 B 114
DK 22 B 114. Stobaios 3 : Kraft schöpfen aus dem, was allen gemeinsam ist
xyn noôi legontas ischurizesthai chrê tôi xunôi pantôn
- Wenn man mit Vernunft spricht, muß man Kraft schöpfen aus dem, was allen gemeinsam ist,
hokôsper nomôi polis, kai polu ischuroterôs;
- wie eine Stadt aus ihrem Gesetz, und noch viel stärker.
trephontai gar pantes hoi anthrôpeioi nomoi hupo henos tou theiou;
- Denn alle menschlichen Gesetze werden vom Einen, Göttlichen, ernährt;
kratei gar tosouton hokoson ethelei;
- an Kraft nämlich hat es, wieviel immer man haben will,
kai exarkei pasi kai periginetai.
- und es reicht für alles aus und setzt sich durch.
DK 22 B 114 (KRS #250, M #110) ξὺν νόωι λέγοντας ἰσχυρίζεσϑαι χρὴ τῶι ξυνῶι πάντων, ὅκωσπερ
νόμωι πόλις, καὶ πολὺ ἰσχυροτέρως. τρέφονται γὰρ πάντες οἱ ἀνϑρώπειοι νόμοι ὑπὸ ἑνὸς τοῦ
ϑείου· κρατεῖ γὰρ τοσοῦτον ὁκόσον ἐϑέλει καὶ ἐξαρκεῖ πᾶσι καὶ περιγίνεται.
Frg. 114: Um mit Verstand zu sprechen, muß man sich stärken mit dem, was allem gemeinsam ist, wie
ein Gemeinwesen mit dem Gesetz, und viel stärker. Denn alle menschlichen Gesetze werden genährt
durch das eine göttliche; dieses hat soviel Macht wie es will, und genügt für alle(s) und setzt sich
durch.
Wenn man mit Verstand reden will, muß man sich wappnen mit diesem allen Gemeinsamen wie eine Stadt mit dem Gesetz und noch [99] stärker. Nähren sich doch alle menschlichen Gesetze aus dem einen göttlichen. Denn es gebietet, soweit es nur will, und genügt allem und siegt ob allem.