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Herr

aus AufEinWort, der freien Forschung

her-r. egtl. hehr + -r, ahd.-deu. , m. ‘erwachsener männlicher Mensch’,

  • im gesellschaftlichen Verkehr höflicher, gewählter Ausdruck (anstelle von Mann),
    • besonders in der Anrede zunächst höhergestellter Personen,
    • dann (seit dem 18. Jh.) in allgemeiner Anrede,
  • —Wrtwndl
    • ahd. hēriro, hērōro (8. Jh.),
    • verkürzt hē̌ero, hē̌ro ‘Herrscher, weltlich Höhergestellter, Kaiser, König’,
    • mhd. hē̌rre, auch (besonders in der Anrede) hē̌r
      • ‘Gebieter, Höhergestellter gegenüber Untergebenen jeder Art,
      • Patron, Schutzheiliger, Gemahl, vornehmer Vasall, Adliger’,
      • Anrede für Gott und (vor Titeln) Menschen,
    • asächs. hērro
      • (woraus aengl. hearra, anord. herra, herri),
    • mnd. hēr(e),
    • mnl. hēre,
    • nl. heer
    • ist eigentlich der Komparativ
      • (ahd. hēriro, hērōro ‘der Ältere, der Würdigere’)
      • von dem unter hehr behandelten Adjektiv
        • (ahd. hēr ‘alt, ehrwürdig’).
    • Vorbild für die Entwicklung
      • ist wohl der gleichfalls auf einem substantivierten Komparativ (Elativ) beruhende römische Titel lat. senior (s. Senior) zur Bezeichnung
        • (spätlat.) des ‘Höhergestellten, Ranghöchsten’ einer militärischen Einheit oder einer Verwaltungsbehörde,
          • auch einer kirchlichen Gemeinde, im Sinne von ‘Ältester, Gemeindeältester’
        • mlat. ‘führendes, meist mit Land begütertes und mit Verwaltungsaufgaben beauftragtes Glied einer Gemeinde oder eines größeren Gebiets’,
        • dann ‘Feudalherr’ (erstmals Mitte 8. Jh. im Frankenreich), ‘König’ (als oberster Feudalherr),
        • erweitert ‘hoher kirchlicher Würdenträger’
          • (sofern mit feudalem Besitz ausgestattet),
        • übertragen auf Gott sowie die soziale Hierarchie in der Familie.
      • Unter roman. (vgl. afrz. seignor, sire) Einfluß,
        • wohl zuerst im Frk. (7./8. Jh.),
        • übernimmt der substantivierte Komparativ
          • afrk. hērro,
          • ahd. hēriro, hērōro, hē̌r'ro, hē̌ro
        • die Funktion der Bezeichnung und Anrede des Feudalherrn und ersetzt allmählich die alten Wörter für den Gefolgsherrn ahd. frō (s. Frone) und ahd. truhtīn.
      • Im Mhd. ist die Verkürzung hē̌r Anrede vor Titeln und Namen, vgl. her keiser, her bābest, her Otte (Otto IV.).
      • Als Anrede für den Höhergestellten und Machtausübenden wird Herr, Her in der weiteren Entwicklung übertragen auf bürgerliche Räte, Bürgermeister und dgl.
        • und gilt seit dem 18. Jh. als allgemeine Bezeichnung und Anrede.
      • In festen Fügungen
        • über jmdn., etw. Herr werden ‘etw. bewältigen, mit jmdm., etw. fertig werden’ (16. Jh.);
        • alter Herr studentensprachlich für ‘Angehöriger einer Studentenverbindung nach dem Studium’,
        • dann verallgemeinert ‘Vater’ (19. Jh.).