Hirn
hirn | im Kopf befindlicher Teil des Zentralnervensystems, auf dessen mehr oder weniger ausgebildeter Funktionsfähigkeit die Einteilung in höher und niedriger entwickelte Lebewesen beruht; heute seltener neben üblicherem Gehirn, doch bewahrt in Zusammensetzungen (vgl. Hirnhaut, Hirnmasse, Großhirn, Kleinhirn); übertragen ‘Verstand, Kopf’.
Im Unterschied zu anord. hjarsi ‘Scheitel’, das (wie wohl auch nl. hersenen) auf ger. *hersan- zurückgeht, setzen ahd. hirni (8. Jh.), mhd. hirne, hirn, herne, mnd. hē̌rne, harne, anord. hjarni, norw. dän. hjerne, schwed. hjärna ger. *herzn- ‘Hirn’ voraus.
Die genannten Formen gehören wie Hornisse und dessen unmittelbare Entsprechungen zu einer s-(e)n-Erweiterung der Ww. uig.*k̑er(ə)- ‘das Oberste am Körper, Kopf, Horn’ (dazu s. auch Horn).
Zur gleichen Ww. bzw. ihren vielfachen Erweiterungen stellen sich aind. śíraḥ ‘Haupt, Kopf, Spitze’, awest. sarah- ‘Kopf’, grie. kárā ‘Haupt, Kopf’ (s. Karotte), krāníon ‘Schädel’ (s. Migräne), lat. cerebrum (wohl aus uig. *k̑erəsrom;
unsicher ist der Selbstlaut der zweiten Silbe) ‘Gehirn’ (vgl. fachsprachliches zerebral ‘das Großhirn betreffend’; s. auch Zervelatwurst), lat. cervīx (aus *cersvīc-) ‘Nacken’ (eigentlich wohl ‘Kopfhalter’, wenn zu lat. vincīre ‘binden, fesseln’), ferner innerhalb und außerhalb des Germ. zahlreiche Benennungen gehörnter Tiere (s. Hirsch). Im Nhd. dafür häufiger die bereits in mhd. gehirne, mnd. gehērne begegnende Kollektivbildung Gehirn n. Hirngespinst.
Hirngespinst ‘Phantasiegebilde, krankhafte Einbildung, Traumvorstellung, Wahnvorstellung’ (1. Hälfte 18. Jh.), aus der Redensart das Hirn (er)spinnt (17. Jh.).
hirnverbrannt Adj. ‘unsinnig, verrückt’ (Mitte 19. Jh.), nach dem Vorbild von frz. cerveau brûlé ‘überspannter Kopf, verrückte Person’ (eigentlich ‘verbranntes Gehirn’).