Horizont der Horizonte
Erscheinungsbild
Laut dem Philosophen Edmund Husserl, dem Begründer der Phänomenologie, ist der Horizont der Horizonte ein anderer Begriff für die Welt als den letzten, allumfassenden Rahmen. Er ist der fundamentale Boden und Gesamtzusammenhang, in dem alle unsere konkreten Erfahrungen, Dinge und Sinnzusammenhänge überhaupt erst erscheinen können. [1, 2, 3, 4, 5]
Hier sind die wichtigsten Dimensionen dieses Konzepts:
- Struktur der Erfahrung: Für Husserl ist jedes wahrgenommene Objekt (Phänomen) von einem dynamischen Feld möglicher Erfahrungen umgeben. Wenn Sie beispielsweise ein Haus sehen, sehen Sie es immer nur von einer Seite; die Rückseite und das Innere sind als "Außenhorizonte" implizit mitgemeint. [1, 2]
- Der absolute Rahmen: Der "Horizont der Horizonte" ist der unbegrenzte und unabschließbare Gesamthorizont, der alle diese einzelnen Horizonte vereint. Er ist der Bereich aller Bereiche, in dem sich die Gesamtheit unserer weltlichen Existenz abspielt. [1]
- Die Lebenswelt: In seinen späten Werken wird dieser Horizont eng mit dem Begriff der Lebensweltverknüpft – der alltäglichen, selbstverständlichen Welt, die wir unmittelbar erfahren und in der wir handeln, bevor wir sie wissenschaftlich oder theoretisch hinterfragen. [1, 2]
- Die Welt als "Vorurteil": In seiner transzendentalen Phänomenologie beschreibt Husserl diesen umfassenden Horizont paradoxerweise auch als das größte "Vorurteil". Damit ist gemeint, dass die Welt uns so selbstverständlich und unhinterfragt als gegeben erscheint, dass wir sie oft als absolute Tatsache hinnehmen, obwohl sie eine Leistung unseres eigenen Bewusstseins ist.