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Johannes Scottus Eriugena/Leben

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Bildnis Karls des Kahlen, Handschrift Paris, Bibliothèque Nationale, Lat. 1 (Vivian-Bibel, 9. Jahrhundert)

▶Eriugenas Lehre ist aus seinen Werken gut bekannt, über sein Leben hingegen weiß man wenig. Er war einer der aus Irland stammenden Gelehrten, die in der Zeit der Karolinger ins Westfrankenreich auswanderten und dort als Lehrer und Schriftsteller zur damaligen Kulturblüte beitrugen. In den Quellen wird er erstmals in den Jahren vor der Mitte des 9. Jahrhunderts greifbar: Prudentius von Troyes, der 843/844 Bischof von Troyes wurde, hatte zuvor zu seinen Schülern gehört.[1] Zeitweilig unterrichtete er in Laon; mit dem Leiter der dortigen Kathedralschule, dem ebenfalls aus Irland stammenden Martin von Laon (Martinus Hibernensis), arbeitete er eng zusammen. 850/851 ist er am Hof König Karls des Kahlen bezeugt; dort hielt er sich offenbar lange auf. Ein kirchliches Amt hat er, obwohl er Theologe war, anscheinend nicht bekleidet.

Auch am Hof Karls war er als Lehrer tätig. Er erteilte Unterricht in den Sieben Freien Künsten, schrieb Gelegenheitsgedichte anlässlich besonderer Ereignisse und übernahm anspruchsvolle Aufgaben, für deren Erfüllung seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit benötigt wurde. Als einer der sehr wenigen Gelehrten im Westfrankenreich, die über relativ gute Griechischkenntnisse verfügten, wurde er vom König beauftragt, theologisches Gedankengut aus der Epoche der Patristik durch Übersetzung aus dem Griechischen ins Lateinische der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt zugänglich zu machen.

In den damals tobenden Theologenstreit um die Prädestination, die göttliche Vorhersehung, griff er auf Wunsch des Königs und im Auftrag des Erzbischofs Hinkmar von Reims ein, indem er ein Gutachten verfasste. Das 850/851 erstellte Gutachten erregte jedoch durch die darin vertretenen unkonventionellen Ansichten Anstoß. Daher distanzierte sich Hinkmar davon, und zwei Kirchenversammlungen, die Synode von Valence (855) und die Synode von Langres(859), verurteilten Eriugenas Vorgehensweise und einzelne seiner Auffassungen. Beide Synoden tagten außerhalb des Reichs Karls des Kahlen, der Eriugena seine Gunst nicht entzog, sondern ihn offenbar gegen die Angriffe deckte. Seine Ansichten änderte Eriugena nach der Verurteilung nicht.

Zeitpunkt und Umstände seines Todes sind unbekannt. Eine Legende, wonach er nach England auswanderte und dort ermordet wurde, ist nach heutigem Forschungsstand nicht glaubwürdig, wenn auch ein historischer Kern dieser Überlieferung nicht mit Sicherheit auszuschließen ist.

  1. ↑ Zur Chronologie (die Datierung 845/846 ist überholt) siehe John J. Contreni, Pádraig P. Ó Néill (Hrsg.): Glossae divinae historiae. The Biblical Glosses of John Scottus Eriugena, Firenze 1997, S. 77.