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Kritik am methodologischen Naturalismus

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Der erkenntnistheoretische Naturalismus ist ein zentraler Aspekt des allgemeineren Programms des methodologischen Naturalismus. Der methodologische Naturalismus ist durch seinen Bezug auf die naturwissenschaftlichen Methoden definiert. In seiner stärksten Variante behauptet er, dass letztlich nur die Naturwissenschaften zu wahren Beschreibungen der Welt führen und es keine von den Naturwissenschaften unabhängige, philosophische Methode gebe. Ein derart radikaler Naturalismus muss sich den Einwand der Widersprüchlichkeit gefallen lassen, da die Behauptungen des methodischen Naturalismus offenbar selbst keine naturwissenschaftlich begründbaren Aussagen sind. Dieses Problem des radikalen Naturalismus ist aus der Geschichte des Positivismus und der in ihm formulierten Sinnkriterien bekannt. So erklärte Ludwig Wittgenstein in dem 1918 vollendeten Tractatus, dass letztlich nur empirisch überprüfbare Aussagen sinnvoll seien. Dabei war ihm allerdings selbst klar, dass der Satz „Nur empirisch überprüfbare Aussagen sind sinnvoll“ selbst nicht empirisch überprüfbar ist und daher nach seinen eigenen Kriterien unsinnig sein muss. Wittgenstein zog daraus die Konsequenz: „Meine Sätze erläutern sich dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt. […] Er muss diese Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig.“ In diesem Zusammenhang werden meistens auch Wittgensteins berühmte Worte gesehen: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“[1]

Wollen methodische Naturalisten dem Problem des frühen Wittgenstein entgehen, stehen ihnen verschiedene Wege offen. Zum einen können sie auf allgemeine Sinnaussagen verzichten und sich einfach ohne philosophische Begründung hinter die Methoden der Naturwissenschaften stellen. In diesem Falle bleibt aber unklar, warum man naturwissenschaftliche Methoden besonders bevorzugen soll. Verzichtet der Naturalist auf eine Begründung seiner Auszeichnung naturwissenschaftlicher Methoden, so kann ihm ein Naturalismuskritiker eine unreflektierte Parteinahme vorwerfen. So erklärt Peter Janich: In diesem „Falle ist der Naturalist wie ein Fan einer erfolgreichen Fußballmannschaft, der sich beim Siegeszug durch die Stadt anschließt“.[2] Zum anderen steht es dem methodologischen Naturalisten aber auch offen, eine philosophische Begründung für seine Auszeichnung naturwissenschaftlicher Methoden zu bieten. Dieser Zug setzt allerdings voraus, dass der Naturalist die Radikalität seiner These einschränkt. Wenn er eine philosophische Begründung für den Naturalismus liefert, kann er nicht zugleich philosophische Methoden grundsätzlich ablehnen. In diesem Sinne fordert Vollmer eine Minimalmetaphysik, die etwa die großen metaphysischen Systementwürfe der Philosophiegeschichte ausschließt.[3] Eine solche Position muss allerdings erklären, wie man die akzeptable, erlaubte Minimalmetaphysik von der inakzeptablen, allgemeinen Metaphysik trennen kann.

  1. ↑ Ludwig Wittgenstein: Tractatus Logico-Philosophicus, 1922, Abschnitte 6.54 und 7.
  2. ↑ Peter Janich: Szientismus und Naturalismus. In: Geert Keil, Herbert Schnädelbach (Hrsg.): Naturalismus. Philosophische Beiträge. Suhrkamp, Frankfurt 2000, ISBN 3-518-29050-9, S. 291.
  3. ↑ Gerhard Vollmer: Was ist Naturalismus? In: Geert Keil, Herbert Schnädelbach (Hrsg.): Naturalismus. Philosophische Beiträge. Suhrkamp, Frankfurt 2000, ISBN 3-518-29050-9, S. 46–67.