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Kritik an der KI-Forschung

aus AufEinWort, der freien Forschung

Stephen Hawking warnte 2014 vor der KI und sah darin eine Bedrohung für die Menschheit. Durch die KI könnte das Ende der Menschheit eingeleitet werden. Ob die Maschinen irgendwann die Kontrolle übernehmen werden, werde die Zukunft zeigen. Aber es sei klar, dass die Maschinen die Menschen zunehmend vom Arbeitsmarkt verdrängen.[1][2][3]

Im August 2017 forderten 116 Unternehmer und Experten aus der Technologiebranche (u. a. Mustafa Suleyman, Elon Musk, Yoshua Bengio, Stuart Russell, Jürgen Schmidhuber) in einem offenen Brief an die UN, dass autonome Waffen verboten werden sollten bzw. auf die seit 1983 bestehende CCW-Liste gesetzt werden sollen. Die Certain Conventional Weapons sind von der UN verboten und beinhalten unter anderem Chemiewaffen. Nach Schwarzpulver und der Atombombe drohe die dritte Revolution der Kriegsführung. Zitat aus dem Schreiben: „Wenn diese Büchse der Pandoraeinmal geöffnet ist, wird es schwierig, sie wieder zu schließen“ und „Einmal erfunden, könnten sie bewaffnete Konflikte erlauben in einem nie dagewesenen Ausmaß, und schneller, als Menschen sie begreifen können“. Terroristen und Despoten könnten die autonomen Waffen nutzen und sogar hacken.[4][5]

Argumentativ entgegengetreten sind solchen Positionen u. a. Rodney Brooks und Jean-Gabriel Ganascia.[6] Jörg Phil Friedrich vertritt den Standpunkt, es sei weniger eine künstliche Intelligenz, die uns in den KI-Systemen begegne, „sondern eine über weite Strecken degenerierte menschliche Intelligenz“.[7]

Im Februar 2018 wurde ein Bericht einer Projektgruppe führender Experten im Bereich KI veröffentlicht, der vor möglichen „Bösartige[n] Nutzungen künstlicher Intelligenz“ (englischer Originaltitel: „The Malicious Use of Artificial Intelligence“) warnt.[8] Beteiligt waren daran unter anderem Forscher der Universitäten von Oxford, Yale und Stanford, sowie Entwickler von Microsoft und Google. Der Bericht nimmt Bezug auf schon existierende Technologien und demonstriert anhand von diversen Szenarien, wie diese von Terroristen, Kriminellen und despotischen Regierungen missbraucht werden könnten.[8] Die Autoren des Berichts fordern daher eine engere Zusammenarbeit von Forschern, Entwicklern und Gesetzgeber im Bereich KI und schlagen konkrete Maßnahmen vor, wie die Gefahren des Missbrauchs verringert werden könnten.[8]

Der Historiker Yuval Noah Harari sagt, „künstliche Intelligenz und Biotechnologie können zerstören, was den Menschen ausmacht.“ Er warnt vor einem Wettrüsten im Bereich der künstlichen Intelligenz und empfiehlt globale Zusammenarbeit angesichts dieser „existenziellen Bedrohung.“[9] 2024 äußerte er sich im Wochenmagazin Sternbesorgt, weil KI „die erste Technologie“ sei, „die eigene Entscheidungen treffen“ könne. Noch komme sie „recht primitiv daher“, doch schreite die Entwicklung zu schnell voran, ohne dass gegenwärtig die damit verbundenen Risiken eingeschätzt werden könnten. Es sei zu befürchten, die KI könnte eines Tages „Waffensysteme selbständig kontrollieren“ und „allein entscheiden, welche Person sie töten“. Die Risiken für die Demokratie bringt Harari mit der potentiellen Fähigkeit der KI in Verbindung, „das erste totale Überwachungssystem der Geschichte zu errichten“.[10]

Richard David Precht wendet sich gegen die Vorstellung, dass künftig böser Wille oder Machtstreben seitens einer entwickelten künstlichen Intelligenz drohe; das Gefahrenpotential liege vielmehr in ihrem falschen Einsatz.[11]

Die ehemalige Google-Teamleiterin Timnit Gebru warnt vor dem bias und dem Energiebedarf großer Sprachmodelle, was Diskriminierung und Klimakrise verschärfen könnte.[12] Um solchen ungewollten Effekten vorzubeugen, versucht der Forschungsbereich des AI-Alignments (zu deutsch KI-Ausrichtung) sicherzustellen, dass KI nach menschlichen Werten wie etwa Egalitarismus handelt. (Siehe auch: Green IT)

Caroline Criado Perez[13] zeigt in ihrer ausführlichen Recherchearbeit das bestehende Gender-Data-Gaps einen negativen Einfluss auf Trainingsdaten von KI nehmen und so bestehende Diskriminierungen reproduziert werden.

Als feministische Kritik im Bezug auf Daten und Technologisierung entwickelten sich bereits in den Anfängen des Internets feministische Praxen wie Cyperfeminismusoder Technofeminismus und prägen den Diskurs der feministischen KI.

Vorschläge zum Umgang mit KI

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Der Präsident von Microsoft, Brad Smith, schlug vor, einen Verhaltenskodex aufzustellen, wie etwa eine Digitale Genfer Konvention, um Risiken der künstlichen Intelligenz zu verringern.

Der Ethiker Peter Dabrock empfiehlt im Kontext der Benutzung und Programmierung von künstlicher Intelligenz nicht nur die digitale Kompetenz der Beteiligten zu erhöhen, sondern auch auf klassische Bildungselemente zu setzen. Um mit den dazugehörigen Herausforderungen zurechtzukommen sowie die Fähigkeiten zur Unterscheidung und zur Erkennung von Mehrdeutigkeit zu erhöhen, seien Kenntnisse aus Religion, Literatur, Mathematik, Fremdsprachen, Musik und Sport eine gute Voraussetzung.[14]

Der Deutsche Bundestag hat am 28. Juni 2018 eine Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Potenzialeeingesetzt.[15] Am 28. Oktober 2020 hat die Kommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Künstliche Intelligenz ist demnach die nächste Stufe der Digitalisierung. Unter dem Leitbild einer „menschenzentrierten KI“ wird eine „demokratische Gestaltung“ der Entwicklung gefordert, so dass KI-Anwendungen vorrangig auf das Wohl und die Würde der Menschen ausgerichtet seien und einen gesellschaftlichen Nutzen bringen. Um einer Diskriminierung von Menschen entgegenzuwirken „braucht es, wenn KI über Menschen urteilt, einen Anspruch auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit von KI-Entscheidungen, damit eine gerichtliche Überprüfung automatisierter Entscheidungen möglich ist“.[16]

2021 veröffentlichte die EU-Kommission einen Vorschlag über eine KI-Verordnung, über die derzeit verhandelt wird.

Im März 2023 wurde ein u. a. von Elon Musk unterstützter Aufruf zu einer 6-monatigen KI-Entwicklungspauseveröffentlicht.[17]

Der KI-Investor Fabian Westerheide verwies im Zusammenhang mit seinem 2024 erschienenen Buch Die KI-Nationauf hohe Investitionen einiger Staaten – insbesondere Chinas – in eine eigene KI-Strategie, warnte vor der Gefahr einer Überwachung durch Backdoors beim Einsatz ausländischer KI und betonte die Bedeutung deutscher und gesamteuropäischer Pläne zur KI.[18]

Verbreitung von KI in Deutschland

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Die Zahl der Betriebe, die KI-Technologien einsetzen, ist in Deutschland noch relativ gering. Ende 2018 haben nur 6 Prozent der Unternehmen KI genutzt oder implementiert. 17 Prozent haben angegeben, KI-Einsätze zu testen oder zumindest solche zu planen.[19] Auch die ZEW-Studie[20] kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Im Jahr 2019 haben rund 17.500 Unternehmen im Berichtskreis der Innovationserhebung (produzierendes Gewerbe und überwiegend unternehmensorientierte Dienstleistungen) KI in Produkten, Dienstleistungen oder internen Prozessen eingesetzt. Das sind 5,8 Prozent der Unternehmen im Berichtskreis.

Das KI-Observatorium

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Mit dem Observatorium Künstliche Intelligenz in Arbeit und Gesellschaft (kurz: KI-Observatorium), einem Projekt der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft, fokussiert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Frage nach den Auswirkungen von KI auf Arbeit und Gesellschaft. Das KI-Observatorium agiert an der Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft; es fungiert als Wissensträger und Impulsgeber. Das KI-Observatorium hat die Aufgabe, Effekte von KI in der Arbeitswelt frühzeitig zu antizipieren und Handlungsbedarfe aufzuzeigen. Auf diese Weise leistet die im März 2020 gestartete Arbeitseinheit einen Beitrag zur Realisierung der in der KI-Strategie der Bundesregierung formulierten Ziele – etwa zum sicheren und gemeinwohlorientierten Einsatz von KI. Darüber hinaus soll das KI-Observatorium mithilfe von Dialog- und Beteiligungsformaten unterschiedliche gesellschaftliche Akteure im Umgang mit künstlicher Intelligenz befähigen und bestärken.[21]

Die konkreten Aufgabenschwerpunkte des Observatoriums sind in den fünf Handlungsfeldern festgehalten:[22]

  1. Technologie-Foresight und Technikfolgenabschätzung
  2. KI in der Arbeits- und Sozialverwaltung
  3. Ordnungsrahmen für KI/soziale Technikgestaltung
  4. Aufbau internationaler und europäischer Strukturen
  5. Gesellschaftlicher Dialog und Vernetzung
  1. ↑ Hilal Kalafat: Physiker warnt vor künstlicher Intelligenz. In: Handelsblatt. 3. Dezember 2014.
  2. ↑ Stephen Hawking warnt vor Künstlicher Intelligenz (Memento vom 18. Juli 2015 im Webarchiv archive.today)
  3. ↑ Rory Cellan-Jones: Stephen Hawking – will AI kill or save humankind?In: BBC News. 20. Oktober 2016 (bbc.com[abgerufen am 28. Oktober 2018]).
  4. ↑ Elon Musk und 116 Experten fordern Verbot von Killer-Robotern, t3n.de.
  5. ↑ Elon Musk und Co. warnen vor Killer-Robotern, faz.net.
  6. ↑ Gero von Randow: Künstliche Intelligenz: Zu intelligent fürs Leben. In: Die Zeit. 14. September 2017, abgerufen am 27. September 2017.
  7. ↑ Jörg Phil Friedrich: Woran man Künstliche Intelligenz immer erkennt.In: Die Welt. 19. Januar 2023, abgerufen am 12. Januar 2024.
  8. ↑ a b c Miles Brundage, Shahar Avin, Jack Clark, Helen Toner, Peter Eckersley, Ben Garfinkel, Allan Dafoe, Paul Scharre, Thomas Zeitzoff, Bobby Filar, Hyrum Anderson, Heather Roff, Gregory C. Allen, Jacob Steinhardt, Carrick Flynn, Seán Ó hÉigeartaigh, Simon Beard, Haydn Belfield, Sebastian Farquhar, Clare Lyle, Rebecca Crootof, Owain Evans, Michael Page, Joanna Bryson, Roman Yampolskiy, Dario Amodei: The Malicious Use of Artificial Intelligence. (PDF) Centre of the Study for Existential Risk, 20. Februar 2018, abgerufen am 9. März 2018 (englisch).
  9. ↑ Gabor Kiss: Yuval Noah Harari: „Verlierer wird die Menschheit sein“.In: euronews. 14. Mai 2019, abgerufen am 15. November 2020.
  10. ↑ Steffen Gassel, Alexandra Kraft: „Lasst Euch nicht hetzen! Wenn wir Menschen uns den Algorithmen anpassen, ist das unser Ende“. Exklusiv-Gespräch mit Yuval Noah Harari. In: Stern. Nr. 37, 5. September 2024, S. 38–45.
  11. ↑ Roboter können keine Moral. Warum das Gerede von superintelligenten, allmächtigen Maschinen nur ein großes Ablenkungsmanöver ist. In: Die Zeit, 18. Juni 2020, S. 32.
  12. ↑ Chris Köver: KI-Forscherin Timnit Gebru – Tausende Google-Angestellte protestieren nach Rauswurf. In: Netzpolitik.org. 9. Dezember 2020,abgerufen am 23. Dezember 2021 (deutsch).
  13. ↑ Caroline Criado-Perez: Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men. ISBN 978-1-78470-628-9.
  14. ↑ Peter Dabrock: Wir sollten auf klassische Bildung setzen. In: Aufbruch Künstliche Intelligenz – Was sie bedeutet und wie sie unser Leben verändert. Google LLC, SZ Scala GmbH, 2018, S. 34.
  15. ↑ Lisa Brüssler: Deutscher Bundestag – Enquete-Kommission zur künstlichen Intelligenz eingesetzt. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 6. September 2018]).
  16. ↑ Deutscher Bundestag – Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“.Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 31. Oktober 2020; abgerufen am 19. November 2022.
  17. ↑ Bernd Müller: Elon Musk, Yoshua Bengio und Hunderte von Unterzeichnern für Pause beim KI-Training. Telepolis, 31. März 2023
  18. ↑ Fabian Westerheide: Wie China zur KI-Supermacht wurde – und was das Land damit vorhat. In: capital.de. 18. April 2024, abgerufen am 1. Juni 2024.
  19. ↑ PwC: Künstliche Intelligenz in Unternehmen. 2019 (pwc.de [PDF]).
  20. ↑ Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Deutschen Wirtschaft.Abgerufen am 22. Juni 2020.
  21. ↑ KI-Observatorium. In: Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft.Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BAMS), abgerufen am 2. April 2023.
  22. ↑ Die 5 Handlungsfelder des KI-Observatoriums. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Juni 2020; abgerufen am 22. Juni 2020.