Mantua (Cusanus)
ist eine oberitalienische Stadt in der Lombardei. Ihre Gründung geht auf die Etrusker zurück. Sie war Bischofssitz und Residenz des Markgrafen.
Seit Ende der 20er Jahre des 14. Jh. regierte dort das Adelsgeschlecht der Gonzaga, die im Verlauf der Geschichte erst zu Grafen, dann zu Markgrafen und schließlich 1530 zu Herzögen von Mantua ernannt wurden. Zur Zeit des sog. Fürstenkongresses von Mantua im Jahr 1459 war Ludovico II. Gonzaga an der Macht. Der neu gewählte Papst Pius II. veröffentlichte bereits kurz nach seiner Wahl im Oktober 1458 die Kreuzzugsbulle ´Vocavit nos pius´ und lud damit die Potentaten Europas zu einem Kongress nach Mantua ein. Dieser sollte nach Pius II. dazu dienen, zuerst einen allgemeinen Frieden in Westeuropa herzustellen, um danach einen Kreuzzug gegen die Türken zu beschließen. Diese hatten 1453 Konstantinopel erobert, damit das byzantinische Reich zu Fall gebracht und waren in der Folge immer weiter nach Westen vorgedrängt. Nun bedrohten sie Ungarn. Die politischen Vorrausetzungen für das Fürstentreffen und die Einigung auf einen Kreuzzug waren jedoch mehr als schlecht. Im Heiligen Römischen Reich kündigte sich unter anderem ein Krieg zwischen Albrecht Achilles von Brandenburg und Herzog Ludwig von Bayern-Landshut an. England befand sich mitten in den Rosenkriegen und Frankreich teilte nicht Pius Interesse an einem Kreuzzug. Der französische König wollte vielmehr seine Ansprüche auf das Königreich Neapel durchsetzen. Der Papst erkannte jedoch Ferrante, den unehelichen Sohn von Alfons V. von Aragon, als König an. Zudem kam es in Italien zu innenpolitischen Konflikten. Am Eröffnungstag des Fürstenkongresses in Mantua waren kaum Gesandtschaften zugegen, zudem waren die meisten nicht autorisiert, verbindliche Abkommen zu schließen.
Das Erscheinen Nikolaus’ von Kues in Mantua gehörte im Grunde noch in seine Zeit als Bischof von Brixen, auch wenn er bereits im September 1458, nach der Wahl Pius II., nach Rom gereist war und der Papst ihn dort zum ´Legatis urbis´, zum Generalvikar des Kirchenstaates , ernannt hatte. Der Papst rechnete für die Durchsetzung seiner Pläne vor allem mit der Unterstützung Herzogs Sigismunds von Tirol. Dieser knüpfte seine Teilnahme an dem Kongress indes daran, dass auch der Bischof von Brixen nach Mantua käme, damit der Konflikt von Tirol beigelegt werden könnte. Überdies wünschten sich die deutschen Fürsten Nikolaus von Kues als Sprecher für die deutschen Interessen.
Pius II. musste zwischen Cusanus und Sigismund vermitteln. Ihm zu Seite standen die Bischöfe von Eichstätt und Trient sowie der Domherr von Trient und der Markgraf von Baden. Im November 1459 wurde dann der Streit von Tirol in Mantua unter anderem in Gegenwart von Papst Pius II., Nikolaus von Kues, Sigismund von Tirol und Gregor Heimburg, dem Delegierten des Kurfürsten von Sachsen und der Herzöge Albrecht VI. von Österreich und Sigismund von Tirol, zum Thema gemacht. Die Gespräche endeten für Cusanus in einem Debakel, denn Gregor Heimburg beschuldigte den Kardinal und Bischof von Brixen, den Landesherren von Tirol verleumdet zu haben. Cusanus habe Sigismund von Tirol bezichtigt, ihn ermorden zu wollen. Der Beschuldigte stritt dies zwar kategorisch ab, doch auf verhängnisvolle Weise präsentierte Heimburg einen eigenhändigen Brief des Bischofs, der die Anschuldigung bestätigte. Cusanus versuchte zwar noch seine Aussage zu modifizieren, scheiterte damit aber auf ganzer Linie. Damit war der Konflikt noch nicht zu Ende. Cusanus seinerseits warf dem Herzog vor, dass er ihn nicht um die Belehnung angesucht und ihm die Bergwerke vorenthalten hätte. Noch während Sigismund in Mantua weilte, ließ der Brixener Bischof das Bergwerk Gernstein besetzen. Zudem kam es zwischen Nikolaus von Kues und dem Brixener Domkapitel zu Auseinandersetzungen über die Privilegien (u.a. die Investitur des Hospitals in Klausen), die dem Domkapitel eigentlich zustanden. Angehörige des Domkapitels reisten nach Mantua, um diese Frage zu klären. Cusanus erklärte unter einer Abschrift der Privilegien lediglich, sich nicht erinnern zu können, jemals dagegen verstoßen zu haben.
Papst Pius II. veröffentlichte gegen Ende des Kongresses, also Mitte Januar 1460, die Bulle ´Execrabilis´, in der er den Fürsten verbot, zukünftig an einen Papst oder ein Konzil zu appellieren. Im großen und ganzen scheiterte Pius auf dem Fürstenkongress von Mantua: weder wurde ein Kreuzzug gegen die Türken konkret organisiert, noch konnte er die Territorialmacht des Kirchenstaates in Italien festigen. Auch der Streit zwischen Nikolaus von Kues und Sigismund von Tirol war nicht endgültig beigelegt.
Literatur
W. BAUM: Nikolaus Cusanus in Tirol. Das Wirken des Philosophen und Reformators als Fürstbischof von Brixen, Bozen 1983.
N. BISAHA: Pope Pius II. and the crusade, in: Crusading in the fifteenth century, message and impact, hrsg. von Norman Housley, Baskingstoke 2004, S. 39-52
A. ESCH: Enea Silvio Piccolomini als Papst Pius II., Herrschaftspraxis und Selbstdarstellung, in: Lebenslehren und Weltentwürfe im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, hrsg. von Hartmut Bookmann, Göttingen 1989, S. 112-140.
J. HELMRATH: Pius II. und die Türken, in: Europa und die Türken in der Renaissance, hrsg. von Bodo Guthmüller,Tübingen 2000, S. 79-137.
I. LAZZARINI: Mantua, in: LexMA 6 (1993), Sp. 206-208.
J. G. RUSSEL: The humanists converge: The congress of Mantua (1459), in: Diplomants at work, three renaissance studies, hrsg. von dies. Stroud 1992, S. 51-82.
Alexandra Geissler
22.06.2010
zuletzt bearbeitet: 22.06.2010