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Merkmale und Varianten naturalistischer Theorien

aus AufEinWort, der freien Forschung


Naturalistische Theorien teilen den Anspruch, ein Weltbild zu entwerfen, das an den Erklärungsmethoden der Naturwissenschaften orientiert ist. In diesem Sinne lassen sich einige typische Merkmale des Naturalismus identifizieren: Realismus, Physikalismus, Religionskritik, Reduktionismus, eine Eingrenzung auf die Methoden der Naturwissenschaften und eine Ablehnung der Metaphysik. Diese Merkmale sind aber nicht zwingend, zwingend ist nur die Ablehnung übernatürlicher Entitäten (Götter, Teufel, Wunder, Wiedergeburt, Karma, unsterbliche Seele und Ähnliches). Als übernatürlich gilt, was nicht mit den Naturgesetzen vereinbar ist.[1]

Es ist also keines dieser Merkmale notwendig und es werden folglich sehr verschiedene Varianten des Naturalismus vertreten. In einer generellen Klassifikation naturalistischer Positionen wird häufig zwischen einem ontologischen (auch metaphysischen) und einem methodischen Naturalismus unterschieden. Während der ontologische Naturalismus eine These über die Natur der Welt formuliert (etwa: Die Welt besteht allein aus physischen Teilchen und ihren Eigenschaften), betrachtet der methodische Naturalismus die Orientierung an den Methoden der Naturwissenschaften als zentrales Merkmal des Naturalismus.

Ein naturalistisches Menschenbild erlangte größere Popularität erstmals durch die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Auf diesem aufbauend vertraten auch Marx und Engels ein materialistisches, wissenschaftliches Weltbild. Allerdings enthält der Marxismus noch zahlreiche soziologische und politische Komponenten, die nicht Teil des Naturalismus sind.

Moderne naturalistische Positionen, die sich auf die Erkenntnisse der Evolutions- und Humanbiologie stützen und traditionelle erkenntnistheoretische, sozialwissenschaftliche und psychologische Probleme mit Hilfe der Biologie zu klären versuchen, sind die evolutionäre Erkenntnistheorie und die Soziobiologie. Derartige Ansätze werden von ihren Gegnern als biologistisch bezeichnet.

Inwiefern sich die naturalistische Auszeichnung der Naturwissenschaften selbst argumentativ begründen lässt, bleibt in der Debatte umstritten. Antinaturalisten halten die naturalistische Perspektive auf die Welt daher häufig für eine nicht begründbare Einstellung, die anderen Weltbildern oder Glaubenssystemen argumentativ in keiner Weise überlegen ist.[2]

  1. ↑ Peter Schulte: Erkenntnistheorie - Naturalismus - Perspektiven und Probleme. In: Information Philosophie, Heft 5/2012. Abgerufen am 17. Oktober 2023.
  2. ↑ Etwa Paul Feyerabend: Erkenntnis für freie Menschen. Veränderte Ausgabe. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1980, ISBN 3-518-11011-X, S. 45.