NCIT/1. Jugend und Bildungsgang des Cusanus
▶Nikolaus Cusanus wurde 1401 in dem noch heute erhaltenen Haus des Moselschiffers und Kaufmanns Henne Cryfftz (= “Krebs“) in Kues an der Mosel geboren.
Als er später Karriere machte, wählte er den roten Krebs, den man noch heute allenthalben in dem von Cusanus gestifteten St-Nikolaus-Hospital von Kues sehen kann, zu seinem Wappen.
Auf dem Basler Konzil nannte sein Freund Enea Silvio Piccolomini ihn erstmals “Cusanus“. Nikolaus war sehr stolz auf seine Heimat; später ließ er selbstbewußt auf einer Deutschlandkarte als einzigen Ort an der Mosel zwischen Koblenz und Trier das Dorf Kues eintragen.
Cusanus gehörte zu den ersten Nichtadeligen, die in seiner Zeit Karriere machten. Seine Gegnerschaft zum Tiroler Adel später, insbesondere gegen das nur Adeligen vorbehaltene Damenstift Sonnenburg im Pustertal, läßt sich zum Teil auch aus seiner Abneigung gegen die Menschen erklären, die ohne besondere Verdienste einfach durch die Geburt zu Einfluß kamen.[1][Anm. 1]
Als er, mittlerweile Kardinal geworden, 1449 nach Rom reiste, erwähnte er in einer kurzen “Autobiographie“, daß er der Sohn eines Schiffers sei, der große Dinge vollbracht habe und dem der Papst mit seiner Kardinalsernennung Anerkennung gezollt habe: „Damit nun alle wissen, daß die Heilige Römische Kirche nicht auf den Ort oder auf den Stand der Geburt sieht, sondern allein die freigebigste Vergelterin der Tugenden ist, darum hat derselbe Kardinal diese Geschichte zum Lobe Gottes schreiben lassen.[Anm. 2]

▶Über die Jugend des Cusanus ist nur wenig bekannt. Legenden, wie die über den üblichen Generationskonflikt mit dem Vater oder sogar eine Liebschaft, aus der ein uneheliches Kind hervorgegangen sein soll, sollen uns hier nicht kümmern.
Auch die oft zu lesende Behauptung, Cusanus habe bei den „Brüdern vom gemeinsamen Leben“ in Deventer in Holland die Schule besucht[2], läßt sich nicht beweisen. In seinem Testament stiftete Cusanus neben dem Hospital von Kues auch noch eine Burse für arme begabte Schüler. Diese wurde 1469 in Deventer gegründet, die mit Umwandlungen bis 1920 bestand. Der Ort Deventer aber wird im Testament nicht genannt; erst nachträglich wurde der Standort der „Bursa Cusana“ festgelegt. Dennoch ist eine geistige Verbindung zu der auf Geerd Groote (1340-1384) und Jan van Ruysbroek (1294–1381) zurückgehenden „Devotio moderna“ bei Cusanus festzustellen. Groote hatte das Laienkloster Agnietenberg bei Zwolle gegründet, in dem Thomas von Kempen die „Nachfolge Christi“ schrieb. 1387 gründeten Grootes Schüler das Kloster Windesheim in Holland, das die Augustinerregel annahm. Der „Windesheimer Kongregation“ blieb Cusanus zeitlebens verbunden; auch die Klosterreform in Tirol ging später von dieser Bewegung aus.
Die frühesten bekannten Bücher des Cusanus (ea. 1425), Johannes Gersons „Mystische Theologie“[Anm. 3] und Bonaventuras “Itinerarium mentis in deum.“[Anm. 4] , gehörten zur Lieblingslektüre der Windesheimer.
Auch die Themen von der Bildung des Laien, der Schau Gottes und dem Streben nach Weisheit verbinden Cusanus mit dieser religiösen Reformbewegung, zu der er nachweislich seit den frühen 1430er Jahren Kontakte hatte.

Die älteste Bezeugung des Cusanus ist der Immatrikulationsvermerk an der Universität Heldeiberg 1416.
In dem Streit um die oberste Gewalt in der Kirche zwischen den Anhängern des Papstes und des Konziliarismus, der die Auffassung vertrat, daß das Konzil über dem Papst stehe, nahm die Hcidelberger Universität eine papsttreue Haltung ein. Über die Heidelberger Zeit des Cusanus ist sonst nichts bekannt.
▶Von Heidelberg aus ging Cusanus an die Universität Padua, wo er 1423 zum „Doctor Decretorum“ promoviert wurde. Cusanus gehörte also zu den frühesten Vertretern der deutschen Humanisten, die zum Studium nach Italien gingen.[Anm. 5]
1423 schrieb der junge Deutsche eine Vorlesung des Prosdocimus de Comitibus über kirchliches Prozeßrecht mit.[Anm. 6]
In Padua knüpfte Cusanus auch einige Kontakte, die für sein späteres Leben wichtig wurden: Hier lernte er seinen Lehrer Giuliano Cesarini kennen, den späteren Präsidenten des Basler Konzils, dem er sein Werk „De docta ignorantia“ widmete.
Freundschaft schloß er auch mit dem späteren Kardinal Domenico Capranica, der 1457 in Tränen ausbrach. als er von der Bedrohung seines Freundes durch Herzog Sigismund von Tirol hörte.[Anm. 7]
Zu den Jugendfreunden in Padua gehörte auch der berühmte Mathematiker und Arzt Paolo Toscanelli (1397-1482). Die Mathematik. Medizin und Astrologie verbanden die bei den Studenten.
1445 widmete Cusanus Toscanelli die Schrift „De geometricis transmutationibus“, 1457 ließ er ihn in seinem Werk „De quadratura circuli“ als Dialogpartner auftreten.
1443 erhielt er von seinem italienischen Freund eine neue Übersetzung der „Mystischen Theologie“ des Pseudo-Dionysius Areopagita. In den letzten Jahren seines Lebens wurde Cusanus in Italien von Toscanclli auch medizinisch betreut.
1457 erwähnte der Kardinal in Brixen in einer Predigt, daß er als Student zu Padua eine Predigt des hl. Bernhardin von Siena gehört habe.[Anm. 8]
In Padua dürfte er auch in einem Werk des Kirchenrechtler Francesco Zabarella auf den philosophischen Grundsatz gestoßen sein, daß das, was alle angehe, auch von allen gebilligt werden müsse. Später sollte er noch auf diesen Grundsatz zurückkommen.
▶Nach einer Reise nach Rom kehrte Cusanus wieder nach Kues zurück, wo er sich 1425 aufhielt.
Der Trierer Erzbischof Otto von Ziegenhain verlieh ihm nun die Pfarre Altrich bei Kues, obwohl Cusanus noch kein Priester war.
Seine Gegner haben ihm immer wieder nicht ganz zu Unrecht seine Pfründenwirtschaft[3] vorgeworfen. Zeit seines Lebens war der Kaufmannssohn Cusanus ein guter Geschäftsmann, der wirtschaften konnte und auf das Geld bedacht war. Es ist hier nicht der Ort, die zahlreichen Pfründen aufzuzählen, die Cusanus besaß.[Anm. 9]
1427 wurde er Dekan des St.-Florin-Stiftes zu Koblenz, wo er seither eine feste Wohnung behielt (auch wenn er sich später an anderen Orten aufhielt).
Eine Seite, die in der bisherigen Literatur bei Cusanus meist übergangen wurde, ist seine Vorliebe für Astrologie; 1425 verfaßte er eine astrologisch gedeutete Weltgeschichte. Im gleichen Jahre wurde er an der Universität Köln immatrikuliert. Bei seinem dortigen Lehrer Heymeric van den Velde (de Campo) wurde er mit der Philosophie des Albertus Magnus und Pseudo-Dionysius Areopagita konfrontiert.[Anm. 10][Anm. 11]
Während die Philosophen damals entweder Scholastiker (Thomisten) oder Nominalisten (Ockhamisten) waren, wurde der junge Philosoph hier mit dem Platonismus und einem neuplatonisch umgestalteten Aristotelismus vertraut, die seine weitere Entwicklung bestimmten.[Anm. 12]
Der „Areopagita“ war das wichtigste Werk für die “Negative Theologie“, die davon ausgeht, daß man Gott mit menschlichen Mitteln nur unzulänglich beschreiben kann.[Anm. 13]
Hier lernte er auch den Begriff der “coincidentia oppositorum“, des Zusammenfalls der Gegensätze, kennen, der ihn fortan begleitete.
1428 begann er den “Liber magnus contemplationis“ des katalanischen Philosophen Rarnon Lull zu exzerpieren. Kein Denker kommt in der Bibliothek des Cusanus häufiger vor als Lull, für den Cusanus der wichtigste Vertreter der Wirkungsgeschichte ist. Lull vertrat die Idee einer Verständigung unter den Religionen; von ihm übernahm Cusanus den Begriff der Konkordanz als des Prinzips, durch das der einzelne und die vielen übereinstimmen können. In diesem Zusammenhang ist auch eine – in den “Acta Cusana“ nicht erwähnte – Studienfahrt nach Paris 1428 zu sehen.[4]
1435 ließ er in Koblenz ein angebliches Testament Lulls kopieren. Aufgrund historischer und inhaltlicher Kriterien kam Cusanus zu dem Ergebnis, daß der Text nicht von Lull sein könne (was stimmt). Er hielt ihn für ein Werk des Katalanen Arnald von Villanova und bemerkte dazu, er habe in Paris in der königlichen Bibliothek die Schriften Arnalds gesehen. Das Werk sei zudem mit 1338 datiert, wogegen Lull doch schon 1315 gestorben sei. Außerdem sei die Lullsche Denkweise viel rationaler. An diesem Beispiel kann man ersehen, wie genau Cusanus studierte, so daß es uns nicht zu wundern braucht, wenn er immer wieder seine Gegner mit seinen historischen Kenntnissen entnervte.
▶Dem Rechtshistoriker Cusanus gelangen nun einige aufsehenerregende Funde. In der Kölner Dombibliothek entdeckte er den “Codex Carolinus“, eine Sammlung von Papstbriefen an die Könige der Franken.
In einem Rechtsgutachten über die Zollfreiheit der Pfarrei Bacharach am Rhein (um 1426) wurde er sogar abgebildet (Titelbild).
Auf der Reise nach Paris 1428 entdeckte er in der Dombibliothek von Laon die “Libri Carolini“, Texte, mit denen Karl der Große in innerkirchliche Lehrdispute eingegriffen hatte.
▶Eine interessante Quelle für die spätere Studienzeit des Cusanus sind die Briefe des berühmten Humanisten Poggio Bracciolini, der Schreiber am päpstlichen Hofe war, an seinen Freund Niccolo Niccoli. Seit 1427 ist in den Briefen immer wieder von den Handschriftenfunden des „Nicolaus Treverensis“ die Rede.[Anm. 14]
Poggio begegnete den Berichten des Cusanus, er habe die “Historien“ des Plinius und den “Staat“ Ciceros entdeckt, mit einer gewissen Skepsis. Wie Cusanus später zugeben mußte, handelte es sich jedoch nur um einen Kommentar zu einem Teil des “Somnium Scipionis“.
Der junge Humanist von der Mosel erregte dann jedoch durch die Entdeckung von zwölf bisher unbekannten Komödien des Plautus Aufsehen. Der Fund war so sensationell, daß Kardinal Orsini, der die Handschrift nach Italien gebracht hatte, sich weigerte, sie auszuleihen. Nur Lorenzo de Medici gelang es, die Handschrift kurz zum Kopieren auszuleihen. Poggio meinte, man werde noch um die Handschriften kommen, wenn Cusanus keine Pfründen vom Papst erhalte.
▶Die humanistische Beschäftigung mit der Antike, die ihn schließlich auch zur Entdeckung der ersten sechs Bücher der Annalen des Tacitus führte, war für Cusanus auch ein Mittel, sich in Italien bekannt zu machen.
Der Aufstieg des jungen Juristen hing nicht zuletzt damit zusammen, daß er wertvolle Handschriftenschätze auf Nimmerwiedersehen von Deutschland nach Italien verschleppte.[5]
Die Geschichte wie auch der Humanismus waren letztlich für Cusanus keine Lebensaufgabe, sondern nur ein Mittel zur Erlangung seiner Ziele. Der junge Bürgerliche wollte berühmt werden.
Da der Humanismus um 1440 am päpstlichen Hofe vorherrschend wurde, wandte er sich ihm zu, ohne aber darin sein letztes Ziel zu sehen.[Anm. 15]
Durch die Handschriftenfunde wurde er bei den Humanisten populär, ohne in der Wiederbelebung der Antike ein primäres Ziel zu sehen. „Seine Wege und die der ‚Humaniten' (schlechthin) führten offenbar bald recht weit auseinander – vielleicht darf man sagen: er wurde für sie so etwas wie eine ‚enttäuschte Hoffnung' – und so ist es nicht mehr so sehr verwunderlich, daß es um ihn in Italien bald still wurde.“[6]
▶1428 erhielt der junge Kanonist von Papst Martin V. für sieben Jahre die Dispens von der Priesterweihe, obwohl er schon Dekan von St. Florin in Koblenz war. ▶Mittlerweile war er schon so berühmt, daß die Universität Löwen ihm gegen Ende des Jahres einen Lehrstuhl anbot.[Anm. 16] Aber Cusanus wollte kein Fachgelehrter werden und schlug das Angebot aus.
1429 berichtet Poggio, daß Nikolaus mit den Plautus-Komödien in Rom eingelangt sei.
Die Priesterweihe erhielt Cusanus erst zwischen 1436 und 1440; die erste erhaltene Predigt von ihm stammt jedoch schon von Weihnachten 1430.[Anm. 17]
▶Der spätere Todfeind des Kardinals von Brixen, der Jurist Gregor Heimburg, berichtet 1461 in einer Streitschrift gegen Cusanus, dieser hätte sich erst der Theologie zugewandt, nachdem er in Mainz in einem Erbschaftsprozeß von ihm geschlagen worden sei und dann an seiner juristischen Fähigkeit gezweifelt habe.[Anm. 18] Diese Behauptung Heimburgs ist durch keine andere Ouelle belegbar. Wenn es stimmt, müßte es zwischen 1430 und 1434 gewesen sein, weil Heimburg nur in dieser Zeit im Dienste des Erzbischofs von Mainz war.[7] ▶1430 starb Erzbischof Otto von Trier, der Gönner des jungen Cusanus. Die Mehrheit des Domkapitels wählte Jakob von Sierck zu seinem Nachfolger, nur zwei Stimmen entfielen auf den mit Nikolaus etwa gleichaltrigen Ulrich von Manderscheid, der vom Adel des Kurstiftes unterstützt wurde.[8] Papst Martin V. aber ernannte Raban von Helmstatt, den Bischof von Speyer, zum neuen Erzbischof. In den nun folgenden mehrjährigen Auseinandersetzungen nahm Cusanus an der Seite Ulrichs teil, dessen Familie er verbunden blieb. Als Berater, Sekretär und Kanzler Ulrichs vertrat er dessen Sache. Als der junge Adelige sich mit Gewalt durchsetzte, wurde er vom Papst exkommuniziert. Jetzt wandte er sich an das eben eröffnete Konzil von Basel um Hilfe. So kam Nikolaus Cusanus am 29. Februar 1432 nach Basel. Seine dortigen Erlebnisse sollten zu einem Wendepunkt seines Lebens werden.
Bild
Geburtshaus des Cusanus in Bernkastel-Kues. Rechts oben das Krebswappen. Heute befindet sich hier das Museum der Cusanus-Gesellschaft.
- ↑ Anm. KF: Mutmaßung des Verfasser Baum? es gibt keine mir bekannten Nachweise für eine wirkliche allgemeine Abneigung gegen Adelige, gegen die Taten so mancher Adliger sicherlich; Geburt ersetzt Ausbildung, Ausübung, Befähigung; … nicht .
- ↑ Anm. KF: Die Kirche sieht der Klerus als Braut Christi daher „die Kirche“, „die Vergelterin“,Im Sinne daß die Kirche für tugenden sich auszahlen würde, den Tugendhaften entlohnen belohnen würde, daß zu dieser Zeit an sich in Kenntnis der wahrhaftigen Umstände kirchlichen Treibens einer Lüge gleichkommt, schließlich wurde cusanus beauftragt als Legat Geld für den Türkenkreuzug einzutreiben und als Reformator die Tugend in die krichlichen Einrichtungen hienzutreiben
- ↑ Anm. KF: Gerson wollte schulische Feinheiten aus dem Studium der Universität verbannen und ihnen gleichzeitig etwas evangelische Wärme verleihen, um ihnen einen spirituelleren und praktischeren Schwerpunkt zu verleihen. In dieser Zeit seines Lebens wurde er Doktor Christianissimus genannt; später brachten ihm seine Andachts- und Pastoralschriften den Titel Doctor Consolatorius ein. Sein Plan bestand darin, die Theologie klar und einfach zu gestalten, indem er eine mystische Theologie übernahm, die er von der rein wissenschaftlichen Theologie unterschied.[5] Seine Methode war eine klare Darlegung der Prinzipien der Theologie, soweit Klarheit möglich war, unter gebührender Anerkennung der Stellung des Mysteriums im christlichen Lehrsystem. Wie der große Nominalist Wilhelm von Ockham rettete er sich vor dem Rationalismus, indem er sich der Mystik zuwandte[7] – der christlichen Mystik von Pseudo-Dionysius dem Areopagiten, der Schule von Richard von St. Viktor, Bernhard von Clairvaux und dem Heiligen Bonaventura. Während Wissenschaftler behauptet haben, dass Gerson mehrere nominalistische Grundsätze übernommen habe, behaupteten andere, dass er in seiner grundlegenden Einstellung antinominalistisch sei.[9] In katholischen Kreisen genießt Gersons Theologie meist hohes Ansehen, während seine kirchlichen Lehren aufgrund seiner Unterstützung des Konziliarismus manchmal als verdächtig angesehen werden.[10] Er dachte, dass er sich durch die Übernahme der Mystik gleichermaßen vor der Torheit der alten Scholastik und den Verführungen des averroistischen Pantheismus schützen würde, wie er von Ketzern wie Amalrich von Bena gepredigt wurde. Seine Pläne zur Reformierung des Universitätsstudiums sind seinen Epistolae de reform zu entnehmen. theol. (i. I 21), Epistolae ad studentes Coligii Navarrae, quid et qualiter studere debeat novus ideologiae auditor, et contra curiositatem studentium (i. 106), Lectiones duae contra vanam curiositatem in negotio fidei (i. 86) und De mystica theologia, speculativa et practica. Das Studium der Bibel und der Väter sollte die müßigen Fragen der Schulen und seines Traktats ersetzen. Contra romantiam de rosa (iii. 297) warnt er vor dem respektlosen Roman de la Rose von Guillaume de Lorris und Jean de Meun – eine Position, in der sich ihm Christine de Pizan anschloss. Er war der Kanzlerschaft oft überdrüssig – sie brachte ihn in Streit und Geldschwierigkeiten; Er wurde des öffentlichen Lebens überdrüssig und sehnte sich nach gelehrter Freizeit. Um es zu erhalten, nahm er das Dekanat von Brügge vom Herzog von Burgund an, kehrte aber nach einem kurzen Aufenthalt nach Paris und zum Kanzler zurück.[6][7] Gersons Abhandlung De Vita Spirituali Animae aus dem Jahr 1402 war einer der ersten Versuche, eine Naturrechtstheorie zu entwickeln.[3] Er glaubte, dass Freiheit auf die gleiche Weise getauscht werden könne wie Eigentum.[11]
- ↑ Anm. KF: Die Gesamtheit der Dinge einschließlich der erkennenden Seele wird von ihm mit einer Leiter verglichen, auf der der Aufstieg zu Gott erfolgen könne. Dabei setzten die letzten Stufen eine gnadenhafte Formung durch das Licht der ewigen Wahrheit voraus.[4]
- ↑ Anm. KF: Hier wird ein falscher Eindruck erweckt da der heutige Mensch mit Munaismus Menschlichkeit verbindet, jedoch damit lediglich eine Veränderung des Bildungswesen zu humanitären Fächern auf der Grundlage von Cicero gemeint sind, die sich auf Sprache und Gesprächskunst beziehen. Die weitaus meisten Humanisten waren eher Philologen und Historiker als kreative Philosophen. Den Begriff humanitas übernahmen die Renaissance-Humanisten von ihrem wichtigsten antiken Vorbild, dem Redner Cicero. Cicero hatte betont, dass sich der Mensch vom Tier durch die Sprache unterscheidet, und damit eine Begründung dafür geboten, dass die Pflege der Sprachkunst als des spezifisch Menschlichen in den Mittelpunkt der Erziehung zu stellen sei.
- ↑ Anm. KF: Mitteilungen und Forschungsbeiträge der Cusanus-Gesellschaft, 2 (Die Pfründen des Cusanus; Die kanonistischen Aufzeichnungen des Nikolaus von Kues in Cod. Cus. 220 als Mitschrift einer Vorlesung seines Paduaner Lehrers Prosdocimus de Comitibus; Ein notarielles Inventar von Büchern und Wertgegenständen aus dem Nachlaß des Nikolaus von Kues u.a.)
- ↑ Anm. KF: Näheres dazu im letzten Kapitel des Buch
- ↑ Anm. KF: In seinen Predigten verurteilt er als „soziale Sünden“ Wucher, Gewalttätigkeit und Luxus und „betont die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes“. Er war der Lehrer von Johannes Capistranus.
- ↑ Anm. KF: Pfrümde als päpstliche Provisionen waren ein üblicher Weg zur wirtschaftlichen Versorgung von Universitätslehrern. Allerdings waren die Anwartschaften unverbindlich, nur wenige von ihnen führten zu einer tatsächlichen Übertragung der vorgesehenen Pfründe. Als Anwärter brauchte man noch nicht Geistlicher zu sein.[5]
- ↑ er wegbereitend für den christlichen Aristotelismus des hohen Mittelalters war. im folgte der Thomismus. Thomismus, sondern auch die Lehren eines Duns Scotus oder eines William Ockham waren ohne Berufung auf grundlegende Lehrsätze des Aristoteles nicht möglich. In dieser Phase des erwachenden Rationalismus in Europa war die averroistische Variante des Aristotelismus besonders attraktiv. Es folgten Überlegungen in Politik, die Macchiavelli vorwegnahmen, sozialpolitische Forderungen eines Johann von Jandun oder Marsilius von Padua.
- ↑ Heymericus de Campo gilt als Hauptvertreter des Albertismus, indem er eine neuplatonisch geprägte Aristoteles-Interpretation vertrat. Als seine einflussreichste albertistische Schrift gelten die Problemata inter Albertum Magnum et Sanctum Thomam oder Tractatus problematicus.[1] Dabei wandte sich der niederländische Philosoph im Laufe seines Lebens von dem universitätsüblichen Wissenschaftsstil ab. So griff Heymerich zunehmend neuplatonische Lehren auf und war frühzeitig von Raymundus Lullus fasziniert. Nach dem Vorbild Lulls entwickelte er schon 1433 eine eigene Universalwissenschaft, die auf den Prinzipien des Albertus Magnus beruhte und bezeichnete diese als Siegel der Ewigkeit (sigillum aeternitatis). Darüber hinaus nahm Heymerich auch beispielsweise in seiner Disputatio de potestate ecclesiastica an den zeitgenössischen kirchenpolitischen Streitigkeiten teil. Darin vertrat er zunächst die Position, dass das Generalkonzil über dem Papst steht, was nichts anderes als Kirchen-Parlamentarismus bedeutet.
- ↑ Cusanus stützt sich in seinen Grundvorstellungen auf Ramon Lull und richtet sich nach ihm aus – er hätte sich diese als Formeln herausschreiben müssen und vor allem den syllogismus aufgeben und über die Trinität hinausgehen müssen
- ↑ Bei Pseudo-Dionysius ist Gott Ursache, Anfang, Sein und Leben aller Dinge.[10] Gott ist das Eine und Vollkommene jenseits allen Seins (hyperousios), das nie erreicht wird,[11] sondern über-erkennbar (hyperagnostos) bleibt.[12] Die Erkenntnis Gottes führt auf dem Wege der Analogie zur Ursache von Allem,[13] ohne Gott jedoch seinem Wesen nach zu erkennen.[14] Gott Eigenschaften beizulegen (theologia positiva, kataphatike) muss von der biblischen Offenbarung Gottes ausgehen.[15] Gott Attribute abzusprechen (theologia negativa, apophatike) ist ein Versuch, die Unsagbarkeit Gottes kenntlich zu machen.[16] Über Reinigung (katharsis) und Erleuchtung (photismos) lässt sich eine Vollendung (teleiosis) erreichen in einer nicht im normalen Sinne erkennenden Erkenntnis.[17]
- ↑ Mit dem Familiennamen Cryfftz (Krebs, lateinisch Cancer) nannte sich Nikolaus letztmals 1430; dieser Name wurde später hauptsächlich von seinen politischen Gegnern weiter benutzt, während Nikolaus selbst nach Art der Humanisten den Gelehrtennamen Nicolaus Treverensis („Nikolaus von Trier“) oder Nicolaus de Cusa trug.
- ↑ Ein Humanist des 15. Jh. war im wesentlichen wie ein heutiger Sprachkundler, sprachwissenschafter, jedoch für Cusanus als Mittel zum Zweck
- ↑ Der Lehrstuhl wurde ihm von seinem köllner Lehrer Hemericus angeboten, Doch Cusanus wollte nicht bekanntes Lehren, sondern etwas zum Guten bewirken
- ↑ es gibt offenbar keinen Nachweis, daß Cusanus überhaupt irgendeine Weihe außer die des Bishof von Brixen erhalten habe, es gibt lediglich nachweisbare Ernennungen
- ↑ Cusanus hatte keine Todfeindevon seiner Sicht auf Andere aus, auch wenn Andere hier und da seinen Tod gerne herbeigeführt hätten, so wie Heimburg und zeitweilig auch Sigismund. Heimburg hat Cusanus nicht verstanden ihn falsch ausgelegt und während Ccusanus wie acugh Ramon Lull vom Wissen zum Glauben erhoffte zu gelangen, also verstehen mußte, so war Heimburg entgegengesetzt eingestellt – beide liegen unzureichen in ihren einseitigen Standpunkten – Glaube und oder Wissen allein genügt offenbar nicht zur Erkenntniß Gottes.